April 22, 2021
Von La Presse
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Bislang gibt es kein Gewerbemietrecht, das vor KĂŒndigungen und unbegrenzten Mieterhöhungen schĂŒtzt. Von VerdrĂ€ngung sind Gewerbetreibende, HandwerkerInnen, Kulturschaffende und soziale Einrichtungen ebenso wie WohnmieterInnen bedroht.
Angesichts der prominenten Entscheidung gegen den Mietendeckel in Berlin und der dadurch aufgekommenen Diskussion, sollte auch die Novellierung des Gewerbemietrechts auf Bundesebene wieder ins Auge gefasst werden – meinen die Betreiber des Lazy Dog.
Lazy Dog – was hat es mit dem Namen auf sich?
Erfunden wurde der Name “fauler Hund”, um dem Klischee der gerne lang schlafenden SpĂ€t-Shop-Hot-Dog-VerkĂ€uferInnen gerecht zu werden. Dabei hat sich unser Angebot in den letzten Jahren in verschiedene Richtungen entwickelt bzw. spezialisiert. Inzwischen gehört auch der Direktimport von Bieren, meist aus Tschechien, zu unseren TĂ€tigkeiten.
GefĂŒhlt gibt es euch schon ewig – Wann seid ihr gestartet?

2004 ging es in dem vormals durch “Mrs. Martha Focker” genutzten Raum los, bis der denkmalgeschĂŒtzte Ziegelbau mit Tankstelle nebenan Ende 2007 dem NETTO-Markt weichen musste. Unsere FlĂ€che wurde fĂŒr sechs ParkplĂ€tze “benötigt”. Optionen fĂŒr einen Verbleib auf dem GelĂ€nde gab es nicht.

Lazy Dog 2007  – heute Netto Parkplatz
OK, Neubau – Wie ging es weiter?

Ab 2008 waren wir fĂŒr fĂŒnf Jahre in der Wolfgang-Heinze-Str. 20, aber die Erben des Vermieters sahen in unserem GeschĂ€ftskonzept wohl ein zu hohes “Konfliktpotenzial”, auch mit der werten Nachbarschaft. GekĂŒndigt bzw. nicht verlĂ€ngert wurde mit dem Verweis auf unsere GeschĂ€ftszeiten, die aber bei unseren NachfolgerInnen dann ohne Probleme sogar noch erweitert wurden. 

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Lazy Dog – 2008 Heute Shahia

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Lazy Dog 2008 – heute Shahia II
OK, EigentĂŒmerInnenwechsel – Und dann?

Das stetig schwindende Angebot an GewerberĂ€umen zwang uns zur Bewegung in Richtung Markkleeberg. Wir waren skeptisch, ob wir da “unten” funktionieren, aber nach weiteren acht Jahren in der Ecke Wolfgang-Heinze-Str. / Hermannstraße war das Gegenteil bewiesen. Dabei haben uns viele Leute geholfen, die uns weiterhin unterstĂŒtzt haben, aber auch viele neue KundInnen, die das Sortiment, der berĂŒchtigte “kalte” Service oder vielleicht auch unsere aktive “Spendendose” angelockt hat. Und die Hot Dogs sind nicht schlecht, oder?

Lazy Dog 2020 - Heute "Copy Cat"
Lazy Dog 2020 – heute ein SpĂ€ti (ohne Name)
Trotzdem seid ihr zwischenzeitlich wieder ausgezogen – Hat das System?
Vor ca. eineinhalb Jahren erfuhren wir vom Verkauf der gesamten GewerbeflĂ€che, einschließlich der ArbeitsrĂ€ume des Pflegedienstes. Die Summe bewegte sich im hohen sechsstelligen Bereich. FĂŒr uns war das keine Option. Kurze Zeit spĂ€ter wurde uns mitgeteilt, dass an einer VerlĂ€ngerung des Mietvertrages von Seiten der KĂ€uferInnen kein Interesse besteht. 
Wir haben dann sofort das GesprĂ€ch gesucht. Die Forderung der neuen EigentĂŒmerInnen: Die Fortsetzung des Vertrages ĂŒber weitere fĂŒnf Jahre nur bei Zahlung von ĂŒber 100% höherer Miete. Das kam fĂŒr uns einerseits aus wirtschaftlichen und andererseits aus mietpolitischen GrĂŒnden nicht in Frage. Weitere GesprĂ€che bzw. Schreiben waren ergebnislos.
Ebenso blieb der Versuch ergebnislos, den Vertrag wenigstens bis zum Umzug in den neuen GeschĂ€ftsraum zu verlĂ€ngern. Das hĂ€tte uns wirtschaftlich total geholfen, ebenso unseren FreundInnen und MitarbeiterInnen, die im Übergangsbereich angestellt waren.
Das Beispiel zeigt die absolut nicht existenten Schutzmechanismen im Gewerbemietrecht, es herrscht absoluter wild-west-style, im Gegensatz zum etwas regulierten Mietwohnrecht. 
BetreiberInnen befreundeter GaststĂ€tten im Viertel berichteten ebenfalls von hĂ€ufigen BesitzerInnenwechseln in den letzten Jahren. Dabei tauchen auch immer wieder SzenegrĂ¶ĂŸen wie Vonovia und Deutsche Wohnen auf.
OK, EigentĂŒmerInnenwechsel – Kommt der faule Hund nun zur Ruhe?
Die Situation auf dem Markt fĂŒr GewerberĂ€ume hatte sich mit der zwischenzeitlichen Entwicklung von Connewitz nicht verbessert. Die Suche wurde noch schwieriger. Der entscheidende Tipp kam von einer ehemaligen Mitarbeiterin, Kontakte wurden geknĂŒpft, Entscheidungen getroffen.
Unser neues Domizil befindet sich zwei HĂ€user weiter im Wohnprojekt “Wolle43” e.V. Die Gruppe konnte eines der letzten HĂ€user im Leerstand erfolgreich der Spekulation entziehen. Das Wohnprojekt war auf der Suche nach NutzerInnen fĂŒr die Gewerbeeinheit. Somit ergibt sich fĂŒr uns erstmalig die Chance, ein MietverhĂ€ltnis jenseits der klassischen Vermieter/Mieter-Beziehung zu erleben. Der Mietvertrag wurde gemeinsam besprochen, ĂŒber manche BauausfĂŒhrung gestritten und erzielte Fortschritte gefeiert.
Wir bestreiten momentan gemeinsam den Ausbau der RĂ€umlichkeiten und sind guter Dinge, dass wir Ende Mai / Anfang Juni die TĂŒren wieder öffnen können.
Lazy Dog - Baustelle April 2021
Lazy Dog heute – Die Eröffnung steht bevor
GewerbemieterInnen sind relativ schutzlos – Was brauchts aus eurer Sicht? 
Dass vor wenigen Tagen die neuen BesitzerInnen in unserem letzten Domizil einen Laden mit gewissen Ähnlichkeiten eröffnet haben, war schon eine Überraschung. Der Name „Copy-Cat“ wĂ€re vielleicht passender. Umso grĂ¶ĂŸer war die Resonanz bzw. Ablehnung, die von vielen FreundInnen und Bekannten geĂ€ußert wurde.
Das verdeutlicht nochmal, dass die Schutzmechanismen im Gewerberecht, das einer dringenden Novellierung bedarf,  fehlen. DarĂŒber hinaus gibt es auch noch eine totale KaltschnĂ€uzigkeit beim zwischenmenschlichen Umgang mit GewerbemieterInnen – es braucht also mehr SolidaritĂ€t.
SolidaritĂ€t – wie könnte die aussehen?



Quelle: La-presse.org