Juni 17, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
236 ansichten


Quelle: enough is enough

Berlin. Am morgen des 16. Juni wurde die Rigaer Straße einschließlich Dorfplatz bis zur Zellestraße durch zahlreiche Menschen besetzt. Je Seite wurde um kurz vor 11 Uhr eine große Barrikade aus Reifen, Stacheldrahtverhauen, Baustellenmaterial und MĂŒllcontainern errichtet. Dazu gab es je einen vorgelagerten brennenden Reifen.

UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Kontrapolis.

Mit dem AnnĂ€hern grĂ¶ĂŸerer PolizeikrĂ€ften rund um das Gebiet wurden auch die großen Barrikaden in Brand gesetzt. Es kam bald zur Verteidigung mit Steinen und Feuerwerk gegen kleinere vorrĂŒckende behelmte Einheiten zu Fuß. Diese stellten ihre AnnĂ€herungsversuche dadurch wieder grĂ¶ĂŸtenteils ein. Über die nĂ€chsten zwei bis drei Stunden kam es zu keinem tauglichen Versuch, die Barrikaden einzunehmen. Jeder Schritt vorwĂ€rts ihrerseits wurde durch Bewurf im Ansatz unterbunden. Die Zeit wurde von den sich vermehrenden Leuten innerhalb des Bereichs genutzt, diese zu verstĂ€rken und zusĂ€tzliches Material zur Verteidigung bereitzustellen. Auch außerhalb der besetzten Zone vermehrten sich Leute und es kam zu solidarischen Parolen, Feuerwerksbatterien in angrenzenden Straßen wurden gezĂŒndet und auch in anderen Straßen wurde Barrikadenmaterial auf Straßen gelegt. Die Szenerie im Nordkiez wurde durch schwarze Rauchwolken und das Knallen von Feuerwerk aus der Rigaer geprĂ€gt. Die ehemalige Liebig34 war von schwarzem Rauch umhĂŒllt und einige der neuen Fenster wurden spontan eingeworfen. Rings herum sammelte sich ein langsam anwachsendes Polizeikontingent. Nach ca. zwei Stunden trafen die ersten wohl schon vorher bestellten auswĂ€rtigen Einheiten ein, kurz danach, etwa gegen 12 Uhr wurde bekannt, dass Wasserwerfer und RĂ€umpanzer auf dem Weg ĂŒber die Karl-Marx-Allee sind. Die Lage war statisch geworden, eine in diesen Zeiten selten, aufregende Situation.

Das Ganze war nicht mehr anders als unter Einsatz schweren GerĂ€ts zu lösen. So kam es dann wenig spĂ€ter. Unter Bewurf nĂ€herten sich von Osten und Westen Wasserwerfer den brennenden Barrikaden, löschten die BrĂ€nde und kĂŒhlten den aufgeschmolzenen Asphalt. Dann ging es mit den Panzern an der Spitze los um in das umkĂ€mpfte Gebiet vorzudringen, wo noch einige umliegende Balkone mit Wasser beworfen wurden. Zögerlich kamen wenig spĂ€ter auch die sonst so selbstbewussten Fußtruppen um die Ecken und kĂ€mpften sich vor bis in die der Rigaer94 gegenĂŒberlegenden HauseingĂ€nge. Das Feuerwerk setzte noch einmal zu einem Höhepunkt an, bevor sich die temporĂ€re autonome Zone vollends auflöste und der Kiez beinahe nach offiziellem Zeitplan der totalen Kontrolle des Polizeiapparats unterworfen wurde. Nach ersten EinschĂ€tzungen gab es keine Festnahmen. Weitere Berichte von den anstehenden Ereignissen rund um die Rote Zone und der angeblichen Brandschutzbegehung der Rigaer94 werden sicher folgen.

Errichtung der Autonomen Zone

UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Kontrapolis.

Wir haben in einer Blitzaktion die Rigaer Straße zwischen Zelle- und Liebigstraße zu einer Autonomen Zone gemacht. Mit Barrikaden an beiden Enden, mit vielen Leuten als UnterstĂŒtzung versuchen wir damit der Einrichtung der Roten Zone zuvorzukommen, die von der Polizei fĂŒr heute 15 Uhr vorgesehen ist. Die Rote Zone soll ein Gebiet der totalen Kontrolle dieses jahrzehnte umkĂ€mpften Straßenzugs darstellen. Wir haben zahlreiche Erfahrungen in den letzten Monaten und Jahren mit dieser Art von Ausnahmezustand gesammelt. Es werden mehrere Blocks rein polizeilichen Anordnungen unterstellt, Anwohner*innen mĂŒssen sich Durchsuchungen und Kontrollen unterziehen, Versammlungen sind grundsĂ€tzlich verboten. Es wird damit unverholen das Ziel verfolgt, Protest und Widerstand von den Orten zu verbannen, wo sie die herrschenden wirklich treffen könnten. Bei den letzten RĂ€umungen und auch am 1. Mai hat der Innensenat so immer wieder ganze StraßenzĂŒge unterworfen. Als Versammlung in SolidaritĂ€t mit der Rigaer94 haben wir daher beschlossen, nicht darauf zu warten, bis NĂ€gel mit Köpfen gemacht sind, sondern uns das Gebiet zu nehmen, um am Ende nicht vor den Absperrgittern mehrere StraßenzĂŒge weiter zusehen zu mĂŒssen, wie die Polizei ungehindert agieren kann.

Hier in Friedrichshain lebt trotz staatlicher Allmachtsfantasien die Geschichte organisierten Widerstands und der Rebellion weiter. Mit unserer heutigen Aktion tragen wir das Bewusstsein auf die Straße, dass die Stadt eigentlich den Menschen gehören sollte, dass die HĂ€user keine EigentĂŒmer*innen haben, dass der Staat hier nicht gebraucht wird und als Garant fĂŒr Immobilienspekulation im speziellen und Kapitalismus im ganz allgemeinen abgeschafft gehört. Wer sollte das tun, wenn nicht wir.

In unseren begrenzten Möglichkeiten haben wir uns entschieden, den heutigen Tag zu nutzen, um wenigstens in diesem Straßenzug unsere Ideen von SolidaritĂ€t und Freiheit zu verwirklichen. Die Rigaer Straße liegt uns besonders am Herzen, da wir hier seit mehr als 30 Jahren versuchen, selbstorganisiert und rebellisch zu leben. FĂŒr den morgigen Donnerstag ist ein frontaler Angriff auf unsere hiesigen Strukturen vorgesehen. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach der RĂ€umung des Anarcha-Queer-Feministischen Hausprojektes Liebig34 ein paar Meter weiter soll die Rigaer94 in die Mangel genommen werden. Es ist kein Geheimnis, dass die angebliche BrandschutzprĂŒfung schon im MĂ€rz als RĂ€umung des Hauses geplant war. Auch dieses Mal zielt dieser staatliche Angriff auf die UnterdrĂŒckung der hier kĂ€mpfenden Individuen und Kollektive ab sowie auf die Zerstörung eines Hauses, dass eine wichtige Infrastruktur darstellt. Wir als Versammlung rufen alle auf, sich dem Widerstand gegen die RĂ€umung anzuschließen. Ab sofort mĂŒssen wir die Dinge in die eigene Hand nehmen.

Kurzes Update zu uns: Uns gehts gut, der Heli kreist, die Straße riecht nach rauch und wir haben Feuer im Herzen ! Lasst es uns weiter so krachen lassen und das verteidigen was unser ist ! Autonome RĂ€ume verteidigen ! Rigaer bleibt !!!

Versammlung in SolidaritĂ€t mit der Rigaer Straße, 16. Juni 2021

<!–

Tags: , , , , ,

–>




Quelle: Abc-wien.net