Mai 31, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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Hamburg. Mitten in Hamburg steht immer noch die Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis. Ein berĂŒchtigtes GebĂ€ude, welches seit seiner Inbetriebnahme als GefĂ€ngnis 1881 unverĂ€ndert fĂŒr einige der grausamsten Dinge steht, die Menschen Menschen anzutun imstande sind.
Doch dieser Knast ist ebenso lange auch Schauplatz und Kristallisationspunkt von SolidaritĂ€t und Widerstand. Immer wieder wurden hier Menschen eingesperrt, die im Kontext sozialer KĂ€mpfe dem Staat im Weg waren. In den letzten zwei Jahren fanden zum Beispiel fast regelmĂ€ĂŸig Kundgebungen vor der UHA statt, weil dort im Zuge des sogenannten Parkbank-Verfahrens zwei GefĂ€hrt*innen eingesperrt waren.

UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Barrikade Info.

Unsere GefĂ€hrt*innen berichteten stets, wie sehr sich hinter Gittern ĂŒber diese Anteilnahme und die kĂ€mpferische Positionierung gegen das GefĂ€ngnis als Ganzes gefreut wurde. Der Knast soll vereinzeln, verĂ€ngstigen, isolieren und die Kundgebungen haben diese Auswirkungen effektiv unterlaufen, waren ein Lichtblick im grauen Knastalltag und haben den Gefangenen den RĂŒcken gestĂ€rkt.
Die SolidaritÀt, Freundschaft und ZÀrtlichkeit, die in den Kundgebungen zum Ausdruck kamen, haben Eindruck hinterlassen und inspiriert.

Die Bedingungen im Knast sind wÀhrend der Pandemie noch beschissener geworden.
Wurden zu Beginn der Pandemie in einigen BundeslĂ€ndern Menschen entlassen, die beispielsweise wegen nicht bezahlter Geldstrafen in Ersatzhaft saßen, herrschte ziemlich bald wieder Normalbetrieb – abgesehen eben von den nun noch schwierigeren Haftbedingungen, die dem Infektionsschutz dienen sollen.
In der Untersuchungshaftanstalt heißt das derzeit eine zweiwöchige QuarantĂ€ne ohne frische Kleidung oder regelmĂ€ĂŸiges Duschen. Es gibt eine sogenannte „Coronastation“ fĂŒr positiv getestete Gefangene und als zum Beispiel eine Abteilungsleiterin positiv getestet wurde, bedeutete das QuarantĂ€ne-Einschluss fĂŒr insgesamt 25 Gefangene. Hier wird klar, dass schon das Einhalten von AbstĂ€nden und vernĂŒnftige Hygiene im GefĂ€ngnis schlicht nicht möglich sind.
Gerichtsverhandlungen fallen aus, Entscheidungen zögern sich immer wieder heraus, Besuche finden nur noch deutlich eigeschrÀnkt und hinter Trennscheibe statt.
Die Liste an mit dem Infektionsschutz begrĂŒndeten Schikanen ließe sich lange fortfĂŒhren – und es ist klar, dass es hier nicht um die körperliche oder seelische Unversehrtheit der Gefangenen geht, sondern um ein möglichst effizientes Funktionieren des GefĂ€ngnisses. Die Aufrechterhaltung von Macht und Kontrolle wird gegen alle WiderstĂ€nde ĂŒber die WĂŒrde der betroffenen Gefangenen gestellt.

Insbesondere unter diesen Bedingungen ist es wichtig, die Gefangenen nicht zu vergessen.
Der Knast ist die letzte Instanz des Staates um diejenigen in die Schranken zu weisen, die nicht im Sinne von Recht und Gesetz funktionieren können oder wollen. Die UnterdrĂŒckungsmechanismen, die diese Welt prĂ€gen, wirken im GefĂ€ngnis umso stĂ€rker und sichtbarer – so ist es zum Beispiel kein Zufall, dass der weit grĂ¶ĂŸte Teil der Inhaftierten nicht weiß ist oder einen deutschen Pass besitzt.
Niemals haben Gesetze und Strafen irgendwelche sozialen Probleme gelöst – sie existieren, um die Privilegien derer zu schĂŒtzen, die von UnterdrĂŒckung und Ausbeutung profitieren.
Ein Kampf gegen eine Welt, die auf Konkurrenz, Ausbeutung und UnterdrĂŒckung beruht muss sich deswegen immer auch gegen die Einsperrung richten.

Am Sonntag, den 30.05. wollen wir ab 15 Uhr mit euch vor der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis den Gefangenen zeigen, dass sie nicht alleine sind.

FĂŒr eine Welt ohne KnĂ€ste und Grenzen.

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Quelle: Abc-wien.net