April 12, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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quelle: criminals4freedom

Wieder waren WĂ€rter*innen in der Zelle von Kay Schedel, wieder klauten sie ihm persönliche GegenstĂ€nde. Zur Erinnerung: nach der Kundgebung fĂŒr Ferhat Mayouf am 23.01 wurde Kay, welcher auf der Kundgebung von dem Mord an Ferhat berichtete, am 28.01 körperlich durchsucht und seine Zelle gerazzt. Weil Kay das nicht einfach hinnehmen wollte, schrieb er Martha Wedra, Knastmitarbeiterin, am 27.03 folgende Zeilen:

„Aus Ihren oben genannten Schreiben geht immer noch nicht hervor, was fĂŒr ein Verdacht die Leitung (Frau Stein, Frau Wedra) gepflegt hat, solch eine Maßnahme vom 28.01.2021 anzuordnen. (
) Daher bleibt weiter der Verdacht bestehen, dass das eine angeordnete willkĂŒrliche repressive und rechts-widrige Machtdemonstration der Leitung war, da ich meine Rechte und Freiheiten abermals auf einer Demonstration wahrnahm und unter anderen die JVA öffentlich angeprangert habe. Auch geht nicht hervor das ihre unterstellten Bediensteten es gestattet, meine privaten Sachen und Eigentum zu zerstören, zu beschmutzen oder gar zu entwenden. Private frisch gewaschene Kleidung auf den Fußboden meiner Suite zu verstreuen ist fernab jeglichen Verstandes und zeugt nicht gerade von geistiger Reife ihrer unterstellten Bediensteten. (
) Außerdem beanstande ich fortfĂŒhrend die fehlende Erforderlichkeit/VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit die mit einer vollstĂ€ndigen Endkleidung verbundenen körperlichen Untersuchung und einer Arschlochinaugenscheinnahme durch die Bediensteten und keines Ă€rztlichen Dienstes einher ging. (
) Abschließend sei zu erwĂ€hnen, dass jede weitere menschenunwĂŒrdige willkĂŒrliche und repressive Verfehlung der JVA Berlin Moabit mir gegenĂŒber durch Ihnen mittlerweile bekannt gewordenen Vereinen und Orgas wie Criminals for Freedom, Rote Hilfe, Death in Custody an die Öffentlichkeit gelangten und werden.“

Nachdem Kay diesen Brief abgeschickt hatte, musste er natĂŒrlich gleich wieder die Konsequenzen spĂŒren. Seine Angehörigen schreiben:

„nachdem Kay diesen Brief versendet hatte schlugen sie heute, den 29.03.21 massivst wieder zurĂŒck. Nach der Razzia letzte Woche nun heute eine Haftraumrevision von der Sicherheit. Von 10:30 bis 12:00 Uhr wurde Kay aus seiner Suite gezogen, sein Mitbewohner kam vom Sport und beide wurden in einem Raum ohne Tisch geparkt. Nach der ÜberprĂŒfung war Kay sein Telefon tot. Sie entnahmen Tabak, HĂŒlsen und Feindrehfilter und zur Krönung kamen noch Bilder hinzu. Nun haben die Schlusen Bilder von seiner Freundin und das Gedenkbild von seinem toten Onkel. An seinen Akten waren sie auch wieder -ohne sein Beisein-, ein Entnahmeprotokoll gab es auch nicht. Die Bilder waren im Schrank und damit nicht sichtbar. Man beschneidet ihn nun in seinen Rechten und drĂŒckt ihn zu Boden. Kay kĂ€mpft und schreibt.“

Die Angehörigen schrieben daraufhin Anke Stein am 30.03.21:

„Kay informierte uns gestern ĂŒber seine Haftraumrevision durch die Abteilung Sicherheit. Aus welchen GrĂŒnden nahm man unserem Sohn Bilder, die sich in Folie und zusĂ€tzlich im Schrank befanden, weg? Es waren sehr intime Fotos dabei, Freundin im Bikini und nun ergötzen sich ihre unterstellten Bediensteten an diesem Bild, oder wie? Ein Bild war von der Beerdigung seines Onkels, dieser starb letztes Jahr. Wir haben Kay die Bilder geschickt, weil wir ihm die Beerdigung unter den damaligen (jetzigen) UmstĂ€nden [Anmerkung C4F: gemeint ist der Umstand, dass Kay wĂ€hrend der Beerdigung des Onkels schon im Knast saß] nicht zumuten wollten. Und nein, wir bettelten nicht bei der deutschen Justiz. Haben wir nicht nötig. Auch wurde Kay Tabak und Zubehör abgenommen mit der BegrĂŒndung es ist eine *Ermessensfrage.* Kann dann jeder machen was er will, in Ihrer ach so toll gefĂŒhrten JVA? Auch mussten beide Schutzbefohlene ihr Mittagessen ohne am Tisch sitzen zu können einnehmen. Wir haben unseren Sohn anstĂ€ndig erzogen und gegessen wird am Tisch. Wir wissen ja nicht wie ihre Essgewohnheiten aussehen. War mal wieder eine willkĂŒrliche repressive Maßnahme ihrer Unterstellten den Schutzbefohlenen gegenĂŒber. Anscheinend macht es Ihren Unterstellten Spaß den Schutzbefohlenen gegenĂŒber menschenunwĂŒrdiges und menschenverletzendes Verhalten entgegenzubringen. Zum wiederholten Mal vergriffen sich die Bediensteten an Unterlagen an denen sie nichts zu suchen haben. Geschieht dieses im Auftrag? Zum GlĂŒck ist unser Sohn ein KĂ€mpfer. Wie immer erwarte ich auf meine Mail keine Antwort, schlucken sie es runter. Ende“

Kay stellte außerdem am 30.03.21 Strafanzeige gegen Anke Stein. Der Druck scheint erste Wirkungen zu zeigen: am 01.04.21 wurde ihm sein Tabak wiedergegeben. Bei der Wiedergabe entstand durch den WĂ€rter ein unglaublich geistesarmer Dialog, welchen Kay dokumentierte:

„Am 01.04.2021 gegen 11.00 Uhr saß ich bei guter Musik und Pott Kaffee am Tisch und traf Vorkehrungen, wie ich meinen Antrag gemĂ€ĂŸ § 119 a StPO gestalten könnte, zwecks der Zellenrazzia vom 29.03.2021. Es wurden mir Tabak, HĂŒlsen und Feindrehfilter durch die Abteilung Sicherheit des staatlichen geförderten Ferienlager Moabit entwendet. Plötzlich öffnete sich meine TĂŒr und eine andere Schluse der Sicherheit, die am 29.03.2021 bei der Razzia nicht zugegen war, stand vor mir. Ich sah, wie diese mein vermissten und entwendeten Tabak etc. bei sich trug. Er sagte: ‚Herr Schedel hier haben sie Ihren Tabak etc. zurĂŒck‘ Ich erwiderte: ‚ach was, wie kommt der Sinneswandel?‘ Er Ă€ußerte sinngemĂ€ĂŸ: ‚zu viele Tabakpackungen gefĂ€hrden die Sicherheit und Ordnung der Anstalt, sowie könnten sie als ein Depot fĂŒr Drogen und Handys zweckentfremdet werden, auch sei die Übersicht des Haftraumes gefĂ€hrdet gewesen. Es sei außerdem ein Indiz dafĂŒr, dass der Tabak nicht nur zum Eigenbedarf verwendet wird, sondern auch um GeschĂ€fte nachzugehen, da der Tabak Red Bull Halfzware nicht kompatibel sei mit dem GizehfilterhĂŒlsen. Das Stopfen sei doch unmöglich‘. Ich antwortete: ‚der Red Bull Tabak ist ein Feinschnitt lt. Banderole und sehr wohl zum stopfen der besagten HĂŒlsen geeignet. Es ist kein Grobschnitt den man erst zerkleinern muss‘. Er sagte: ‚ach so, das wussten wir nicht‘. Ich dachte mir nur, ist das jetzt seine Kernkompetenzaussage gewesen? Soviel zum Thema nicht die hellste Kerze auf der Torte oder doch eine schĂ€dliche Strahlenbelastung beim DurchleuchtungsgerĂ€t im Laufe der Zeit abbekommen?

Des weiteren sprach er an, wir (die JVA Berlin Moabit/Sicherheit) haben ein Ermessensspielraum und könnten selbst entscheiden. Ich sagte: ‚Stopp ! laut UVollzG Berlin § 18 darf ich Tabak via Massak beziehen. Es steht lediglich geschrieben, MengenmĂ€ĂŸig zu beschrĂ€nken. (
) BezĂŒglich der „GefĂ€hrdung“ der Übersichtlichkeit des Haftraumes sei zu erwĂ€hnen, dass der Tabak, HĂŒlsen, etc. in einer Plastikbox unter dem Bett geparkt war und somit die Übersicht meiner Suite zu keinem Zeitpunkt gefĂ€hrdet war.‘ Er antwortete: ‚Handys könnte man in eine Tabakpackung verstecken‘. Ich sagte: ‚Sie können die Tabakpackungen durchleuchten‘. Er erwiderte: ‚Drogen könnte man verstecken, die sehen wir nicht in der Durchleuchtungsanlage‘. Ich darauf: ‚die Tabakpackungen seien alle noch Original verpackt, verschweißt und die Steuerbanderole sei auch intakt gewesen, somit könnten dort keine Drogen inhaltlich sein, zumal sie mit ihrer willkĂŒrlichen und repressiven Aktion nur Mehrarbeit verursacht haben‘. Ich merkte, dass die Schluse kein Interesse an einer langen, fachlichen Diskussion hatte und fragte wo die Bilder von meinen Angehörigen in der KlarsichtzippertĂŒte geblieben sind. Die wĂŒrde ich nicht wieder bekommen, da ich bereits mindestens 20 Fotos an meiner Pinnwand habe. Auch wĂŒrde es kein Entnahmeprotokoll diesbezĂŒglich geben und die Bilder sollen meiner Habe angeblich zugefĂŒhrt worden sein. Ich gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, es war wieder mal ein Versuch mich zu sanktionieren und zu schikanieren.“

Tabak erhielt er also wieder zurĂŒck, die Bilder seiner Angehörigen aber nicht. Deswegen rufen wir an dieser Stelle dazu auf, den Druck zu erhöhen – damit Kay die Bilder wiederbekommt. Lasst uns zeigen, dass wir es mitbekommen, wenn sie Gefangene drangsalieren und dass ihre Schikanen nicht unbeantwortet bleiben.

Nervt den Knast, indem ihr anruft, zieht die Verantwortlichen, also Anke Stein und Martha Wedra, zur Rechenschaft, schickt Kay solidarische Botschaften und und und. Die Möglichkeiten des Widerstandes sind vielfÀltig, nutzt sie!

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Quelle: Abc-wien.net