Mai 31, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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quelle: freedomforthomas.wordpress.com

Vor wenigen Tagen wurde im sĂŒdbadischen Freiburg, in Erinnerung an die NS-Zwangsarbeiter*innen auf dem Freiburger GrethergelĂ€nde ein Mahnmal enthĂŒllt. Begleitet wurde das ganze von einer von der Historikerin Maxilene Schneider erarbeiteten Untersuchung zum Einsatz von Zwangsarbeiter’innen auf dem GelĂ€nde der ,,Freiburger Maschinenfabrik GmbH“.

Nach einem einfĂŒhrenden Überblick ĂŒber die Funktion und Ausgestaltung der Zwangsarbeit im NS-Staat, widmet sich Schneider speziell der Lebenslage der mindestens 60 Zwangsarbeiter*innen, welche in der genannten Fabrik schuften mussten. Das Firmenarchiv gelte bis heute als „unauffindbar“ (S. 8), weshalb Schneider anhand anderer Akten, u.a. des Stadtarchivs, eine Rekonstruktion unternimmt. Sie zeigt auf, unter welch existenziell gefĂ€hrdenden Lebensbedingungen die Betroffenen ihr Dasein fristeten, jederzeit von Verhaftung und Ermordung bedroht. Wie sie entrechtet, ausgebeutet und drangsaliert wurden.


Die Lebens- und Leidensgeschichten werden ganz besonders dort nachfĂŒhlbar, wo Schneider anhand der Beispiele der in den Niederlande geborenen Zwangsarbeiter Jakobus Rovers und des in Polen geborenen Roman Kowalczak. Ersterer wurde schlussendlich vom Freiburger Sondergericht am 28.01.1944 „als VolksschĂ€dling“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt (S. 23), da ihm vorgeworfen wurde versucht zu haben einer Frau eine Börse versucht zu haben zu stehlen. Rovers wurde verhaftet und am 24. November 1944 im KZ Neuengamme ermordet, wohl auf Weisung von Himmler, da er beschuldigt wurde, mit einer in Freiburg lebenden Frau ein Kind gezeugt zu haben (S. 26).

Wenn die Situation der Zwangsarbeit in der NS-Zeit lediglich anhand von Zahlen dargestellt und vermittelt wird,  verbleibt eine viel zu große Distanz zu den einzelnen Menschen die gelebt und gelitten haben, die ĂŒberlebten- oder aber ermordet wurden.

Schneider macht zudem deutlich, und macht dies auch durch Abbildungen aus Akten und HaftbĂŒchern nachvollziehbar, mit welch zwanghafter bĂŒrokratischen Akkuratesse die Nationalsozialisten ihr Terrorregime auch im Bereich der Zwangsarbeit zur Durchsetzung brachten.

Die rund 40 Seiten bieten einen sehr kleinen, aber genauen Einblick in eine einzige Fabrik welche Zwangsarbeiter*innen rekrutiert hatte. So wie viele hunderte andere Fabriken gleichermaßen, deren historische Aufarbeitung noch heute auf sich warten lasst, auch um den damals geschundenen Menschen eine Stimme und ein Gesicht zu geben!

Bibliografische Angaben:
Maxilene Schneider, „NS-Zwangsarbeiter*innen auf dem Freiburger GrethergelĂ€nde-
Ausschnitt eines öffentlichen Massenverbrechens“
Verlag: jos fritz, https://www.josfritz.de/
Seiten: 40
Preis: 8€
ISBN: 978-3-928013-91-8

Thomas Meyer-Falk
z.Zt. JVA (SV)
Hermann-Herder-Str. 8
D-79104 Freiburg
https://freedomforthomas.wordpress.com

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Quelle: Abc-wien.net