Januar 28, 2023
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
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Gefunden auf portaloaca, die Übersetzung ist von uns. Die Geschichte des Anarchismus, ist im spanischen Staat noch sehr lĂŒckenhaft und um ihr jeden Dienst zu erweisen, welches sie verdient, mĂŒsste man jetzt, wo es fast niemanden gibt der sie noch erzĂ€hlen kann, Berge bewegen um dies zu ermöglichen und um ihr auch gerecht zu werden. Millionen von Menschen kĂ€mpften fĂŒr eine Welt ohne Klassen und ohne Staat, sehr lange Zeit und riskierten dabei alles. Es wĂ€re falsch zu behaupten dass die Zeit sich von 1936 auf 1939 reduzieren lassen könnte. Es gab eine lange Zeit davor und eine lange Zeit danach. Wenn auch noch so vieles zu schreiben ist, so vieles ausgegraben werden muss, neu entdeckt, aus der Vergessenheit gerettet, wird dieser BĂ€renaufgabe dort mehr, wenn auch von wenigen, geleistet wie es hier der Fall ist. Nicht nur bezĂŒglich der anarchistischen Geschichte im spanischen Staat, wo doch die Anarchistinnen und Anarchisten dort so gerne von der iberischen Halbinsel reden, sondern auch hier. So wenig weiß man im allgemeinen ĂŒber die Geschichte des Anarchismus im deutschsprachigem Raum, genauso wie in allen angrenzenden LĂ€ndern. Jeder x-beliebige radikaler Linke des Kapitals weiß mehr ĂŒber Rojava und Chiapas als ĂŒber dass was hier jemals passiert ist, außer höchstens die von der BRD und/oder DDR die nie die Geschichte der ausgebeuteten Massen ist, sondern die der jeweiligen herrschenden Klasse, Marx selbst sagte dazu dass, „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien StĂŒcken, nicht unter selbstgewĂ€hlten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und ĂŒberlieferten UmstĂ€nden.“

Mehr als Traurig gleicht dieser Zustand eher einer Bilanz, nÀmlich die der Ignoranz und aus dieser kann niemals die Kraft und die Weitsichtigkeit im hier und jetzt ausgeschöpft werden.

Was die Geschichte des Anarchismus im spanischen Staat angeht, oder auf der iberischen Halbinsel, der Haltung geltend, haben alleine, auf Anhieb Miguel AmorĂłs, JosĂ© Peirats, Burnett Bolotten, Chris Ealham, Carlos SemprĂșn, Camilo Berneri, Grandizo Munis, AgustĂ­n Guillamon, Franz Borkenau, Andre Prudhommeaux, Paul Avrich, Manuel Azarreto und viele mehr, einige viele, andere wenige, einige dickere, andere dĂŒnnere, am im Schlussstrich Unmengen an BĂŒchern veröffentlicht die noch ĂŒbersetzt gehören, die neu veröffentlicht gehören. BĂŒcher die selbstkritisch sind, um alle spĂ€teren Generationen an Anarchistinnen und Anarchisten ĂŒber die Fehler der Vergangenheit zu warnen, BĂŒcher die aufklĂ€rend sind, denn wir wissen am Ende dass wir nichts wissen, BĂŒcher die auch Waffen der Kritik sind, nicht nur um sie zu lesen, oder sie einem Schwachkopf in die Fresse zu werfen, sondern vor allem um unsere Herzen in Flammen aufgehen zu lassen, dafĂŒr das den Worten immer Taten folgen.

Das gilt im Allgemein der weltweiten anarchistischen und revolutionĂ€ren Geschichte, egal aus welcher Epoche, egal aus welchen noch so entlegenen Fleck auf der Erde. Muss man diese ganzen BĂŒcher gelesen haben um im Sinne der Anarchie ihr alle Ehre zu machen? NatĂŒrlich nicht, aber eins ist es Zugang zu was haben und was anderes ist nicht mal die Entscheidung treffen zu können, ob ich, oder sonst wer was lesen kann, sich informieren kann, sich bilden kann, sich mit Wissen bewaffnet. Denn es wird auch viel zu viel Blödsinn innerhalb der Reihen der anarchistischen Bewegung geschwaffelt, zu viele Unwissenheiten, zu viel vom Hören sagen, zu Ignoranz, zu viel Manipulation, zu viele LĂŒgen.

Nun wir werden, wie davor auch, unseren bescheidenen Beitrag leisten, doch Reihen wir uns nicht in die hießige Armee von Blinden die von Blinden gefĂŒhrt werden, was danach geschieht kann man im Quijote lesen.

Soligruppe fĂŒr Gefangene


Die AffinitĂ€tsgruppe, die die anarchistische klandestine Zeitung Alerta! veröffentlichte
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14. Juli 2022

Alles Interessante passiert im Verborgenen, kein Zweifel. Über die wahre Geschichte der Menschen ist nichts bekannt.

Louis-Ferdinand CĂ©line. Voyage au bout de la nuit

1. Der Prozess der historischen Forschung

Hintergrund

Im Jahr 2004 las ich den ausgezeichneten Artikel von François Godicheau mit dem Titel „Anarchistische klandestine Zeitungen in den Jahren 1937-1938: die Stimmen der militanten Basis?“, der in der Zeitschrift Ayer Ausgabe 55 (2004) veröffentlicht wurde. Es war ein bahnbrechender und sehr gut geschriebener Artikel, der mich sehr beeindruckt hat.

Im Laufe des Jahres 2019 entdeckte ich bei der Recherche und dem Schreiben meines Buches CNT versus AIT, das noch unveröffentlicht ist, aber bald bei Ediciones Descontrol erscheinen wird1, die enge Beziehung zwischen der Redaktionsgruppe von Alerta und den französischen kritischen anarchistischen Zeitungen Terre Libre und L’Espagne Nouvelle sowie das Wissen, die Zitate und manchmal die Glosse, die die Redakteure aus den in Alerta veröffentlichten Artikeln machten: von Prudhommeaux und Volin bis zu Attruia, Shapiro und anderen. Beide französischen anarchistischen Publikationen kĂŒndigten ihre engen Beziehungen zur spanischen revolutionĂ€ren Presse an, aus der sie ihre interessantesten Artikel ĂŒbersetzen wollten: AnarquĂ­a-FAI, Esfuerzo, Ideas, Ruta, Libertad, Alerta und El Amigo del Pueblo.

Im Dezember 2019 traf ich Ángel Carballeira MombriĂł und seine Schwester Gladis im Caixa-FĂłrum-CafĂ© in Barcelona. Sie sprachen mit mir unter anderem ĂŒber die Erfahrungen und die Militanz ihres Vaters: Ángel Carballeira Rego. Im MĂ€rz 2020 schickte mir Ángel einen Scan des Briefes, den Amador GonzĂĄlez anlĂ€sslich des Todes von Ángel Carballeira Rego an die Familie Carballeira geschickt hatte. Der Brief vom 13. August 1963 berichtet von der GrĂŒndung einer Gruppe, die sich aus Amador GonzĂĄlez, Ángel Carballeira Rego, Daniel SĂĄnchez GarcĂ­a, JosĂ© Rasal Castro und Alfonso Nieves NĂșñez zusammensetzte, um eine bestimmte Mission zu erfĂŒllen: „An einem schönen Tag im November 1937 beschlossen fĂŒnf Freunde, etwas zu tun, um die Konterrevolution zu stoppen, die sich bereits abzeichnete.“

In dem Fragebogen, den ich anschließend an Ángel Carballeira MombriĂł schickte, antwortete dieser ausfĂŒhrlich und teilte mir mit, dass er bei einem Treffen mit Amador in Paris die Gelegenheit hatte, einige Fragen zu erweitern und zu klĂ€ren, und erklĂ€rte, dass die Aufgabe der AffinitĂ€tsgruppe darin bestand, die Veröffentlichung der geheimen Zeitung Alerta (die zwischen Oktober und Dezember 1937 in Barcelona erschien) sicherzustellen.

Hier die Umfrage und Ángel Carballeira MombriĂłs ausfĂŒhrliche Antworten, in denen Ángels hervorragende Beschreibung und Analyse des Schweigens dieser bescheidenen, effizienten und anonymen Militanten der comitĂ©s de defensa2 hervorsticht3. Diese AnonymitĂ€t der cenetistischen Militanz (A.d.Ü., die der CNT) ist eine der grĂ¶ĂŸten Errungenschaften und GrĂ¶ĂŸen des spanischen Proletariats in den 1930er Jahren. Der anarchosyndikalistische Militante war ein anonymer RevolutionĂ€r, ohne den geringsten Egoismus oder persönlichen Eifer, der keine Ämter zu bekleiden und keine Karriere zu machen hatte.

Aus historischer Sicht hat dieses Schweigen jedoch letztendlich zu einer fast vollstĂ€ndigen Unkenntnis ĂŒber die Funktionsweise und die Geschichte der Mitglieder dieses Nebels4 gefĂŒhrt, in dem sie kĂ€mpften und sich zu einer Gruppe zusammenschlossen, um Bomben zu bauen und zu werfen, eine Zeitung herausgeben, ein Ateneo5 oder eine rationalistische Schule grĂŒnden, eine Genossenschaft oder eine Gewerkschaft/Syndikat grĂŒnden, eine Straßenbahn anzĂŒnden und mit voller Geschwindigkeit von der Travesera de Gracia zur TelefĂłnica fahren, zum Streik aufrufen, die cuadros de defensa6 aufstellen oder eine Centuria7 grĂŒnden
 mit keinem anderen Ziel als dem, fĂŒr ihre unmittelbaren Arbeitsforderungen oder fĂŒr eine bessere zukĂŒnftige Welt fĂŒr alle zu kĂ€mpfen.

Daher ist die Untersuchung von Ángel Carballeira Mombrió8, der es gelungen ist, die Bedeutung und die organisatorische und historische OriginalitÀt dieses assoziativen Nebels der anarchosyndikalistischen Militanz aufzudecken und herauszustellen, eine absolute Ausnahme.

Die Antworten von Ángel Carballeira Mombrió auf den Fragebogen von Agustín Guillamón (E-Mails vom MÀrz 2020):

PrÀambel (von Ángel)

Obwohl es zu Hause nichts dagegen gab, ĂŒber anarchistische Philosophie, Geschichte, Streiks usw. zu diskutieren, war das auch nicht das Einzige, worĂŒber wir sprachen, denn sowohl mein Vater als auch meine Mutter versuchten, uns fĂŒr die Kultur im Allgemeinen zu interessieren: Wissenschaft, Literatur, Kunst usw. So gingen wir an vielen Sonntagen zu TheaterauffĂŒhrungen (die libertĂ€re Bewegung hatte zu dieser Zeit drei Gruppen, die in Toulouse auftraten) oder besuchten Museen und Ausstellungen. Wann immer es möglich war, machten wir im Sommer Radtouren rund um Toulouse, die von der JJLL9 organisiert wurden.

Aus meiner Sicht kommen drei Punkte in Frage: die Teilnahme am öffentlichen Leben, das Bezeugen der organischen Grundlagen und das fast völlige Fehlen von Verschwörung. Außerdem, wie ich dir schon gesagt habe, waren die GefĂ€hrten dieser Zeit sehr still, wenn es um rein organische Probleme von einer gewissen Wichtigkeit ging und noch mehr, wenn sie an den konspirativen Aspekt grenzten. Was ich dir also erzĂ€hlen kann, sind Dinge, die ich direkt oder indirekt aufgeschnappt habe, in GesprĂ€chen zwischen den GefĂ€hrten, mit denen wir zu tun hatten (ich denke, ich war ziemlich aufmerksam und hatte perfekt verinnerlicht, dass ich bestimmte Dinge fĂŒr mich behalten und nichts fragen sollte) oder mit den wenigen Zeugen, die von bestimmten „VorgĂ€ngen“ wussten, aber keineswegs glaubten, dass sie berechtigt waren, öffentlich ĂŒber diese Dinge zu sprechen.

Was ich in Erfahrung bringen konnte, ist sicherlich lĂŒckenhaft und es wĂ€re notwendig (wenn möglich, was nicht immer der Fall ist), es mit anderen Quellen zu ergĂ€nzen. Nachdem ich jedoch einige Berichte zu Themen gelesen habe, die einige dieser Fragen berĂŒhren, denke ich, dass sie oft eher wie Romane als wie Geschichte wirken.

Auf deine Fragen antworten

I – Nieves NĂșñez (vielleicht Alfonso Nieves NĂșñez). Wirkte in den 1930er Jahren fĂŒr Tierra y Libertad mit. MĂ€rz 1938 war er Verwalter der Solidaridad Obrera. Oder ist es wirklich eine Frau: Nieves NĂșñez, ĂŒber die ich keine Informationen finden kann?

Als mein Vater starb und wir den Brief von Amador GonzĂĄlez erhielten, dachte ich, als er von Nieves NĂșñez sprach, dass es um eine GefĂ€hrtin ging. Als ich Amador in Paris traf, bat ich ihn um eine Klarstellung zu seinem Brief. Ich weiß nicht mehr genau, was er gesagt hat, aber zwei Punkte sind mir in Erinnerung geblieben:

Nieves NĂșñez war ein GefĂ€hrte. Mit ziemlicher Sicherheit war es Alfonso Nieves NĂșñez, da dieser GefĂ€hrte im der Casa CNT-FAI (A.d.Ü., Haus der CNT-FAI) aktiv war. Aus anderen Quellen (Vicente Llansola, Antonio Alorda) habe ich erfahren, dass Alerta! im Haus der CNT-FAI gedruckt wurde. Das bedeutet, dass sie trotz des starken Gegenwinds, im „Haus“ selbst eine große Komplizenschaft gab, bzw. genossen haben. Nach dem, was ich gehört habe, hat die CNT-FĂŒhrung nie etwas davon erfahren (obwohl sie wie verrĂŒckt danach gesucht hat).

(La Casa CNT-FAI, damals und heute)

Die fĂŒnf Nachnamen, die Amador angibt, sind die der GefĂ€hrten, die sich klandestin entschlossen haben, diese Zeitung herauszugeben (das hat er in seinem Kondolenzbrief nicht gesagt). Das ist der Grund, warum ich oben auf Amadors Brief, den ich dir vorhin geschickt habe, „Alerta!“ geschrieben habe. Damals wusste ich noch gar nichts darĂŒber. Erst Ende der siebziger Jahre, als wir mit anderen GefĂ€hrten an den von RenĂ©e Lamberet archivierten Zeitungen arbeiteten, stießen wir auf Alerta!, erst dann konnte ich den Zusammenhang mit Alerta! stellen.

II – Ángel Carballeira Rego. Er war militant in den grupos de defensa von Gracia. Einer der MitbegrĂŒnder von Alerta!

In den ersten Ausgaben der EnzyklopÀdie des iberischen Anarchismus10 waren die Rezensionen meines Vaters kurz und enthielten auch viele Fehler. Viel spÀter wies ich einige GefÀhrten wie Eliseo Fernandez und Rolph Dupuy auf diese Fehler hin, die einige Punkte korrigierten.

III – Amador GonzĂĄlez (1907-1975). Er war militant des Sindicato Transporte MarĂ­timo. Von der FAI. Nahm an der ErstĂŒrmung von Atarazanas11 teil. Er war Mitglied der coordinadora de los comitĂ©s de defensa. Einer der GrĂŒnder von Alerta! Kennst du den zweiten Nachnamen?

Ich weiß nicht, wie Amadors zweiter Nachname lautet. Ich weiß nur, dass die alteingesessenen GefĂ€hrten großen Respekt vor ihm hatten. Der GefĂ€hrte Juan Ferrer (Direktor unserer Zeitung in Paris) schrieb einen sehr lobenden Nachruf auf ihn, als er starb, aber
 wie er es zu tun pflegte, konnten ihn nur diejenigen verstehen, die mittendrin waren. Wenn ich sie finde, schicke ich sie dir.

IV – Rasal (wahrscheinlich JosĂ© Rasal Castro): Metallarbeiter. Militanter des comitĂ© revolucionario von Gracia.

Rasal, ein enger Freund von meinem Vater und meiner Mutter. Wahrscheinlich sehr wichtig im Stadtteil Gracia. Als FlĂŒchtling in Frankreich brachten ihn die UmstĂ€nde nach Marseille oder in die NĂ€he. Er starb 1947 an den Folgen eines Arbeitsunfalls: Ein Balken fiel auf sein Bein und verursachte eine starke Blutung, so dass er fast tot im Krankenhaus ankam.

Höchstwahrscheinlich hat er auf einem US-StĂŒtzpunkt gearbeitet. Er hatte uns verschiedene Dinge geschickt, die uns damals das Leben erleichterten: Seile von sehr guter QualitĂ€t, andere Dinge, an die ich mich nicht mehr erinnere
 auch fĂŒr mich einen Lederfußball (ich erinnere mich, dass dieser Ball eine geflochtene Seitenschnur hatte, wie sie damals ĂŒblich waren) und wahrscheinlich noch etwas anderes fĂŒr meine Schwester, aber daran erinnere ich mich nicht.

Seine WeggefĂ€hrtin ließ sich in Perpignan nieder, wo sie einen Blumenladen eröffnete. Ihre Tochter Violeta ist noch am Leben. Vor einigen Jahren habe ich mich mit ihr in Verbindung gesetzt, aber sie war krank und konnte sich an nichts mehr erinnern.

V – SĂĄnchez (wahrscheinlich Daniel SĂĄnchez GarcĂ­a): ein Militanter der FAI Gruppe Viñas in Barcelona.

Marcos AlcĂłn weist in einer in Tierra y Libertad de MĂ©jico12 veröffentlichten Rezension darauf hin, dass Daniel SĂĄnchez auf einer organischen Mission13 starb. Ich weiß nichts Genaues darĂŒber, aber ich glaube, dass er laut der Familie unter der Folter im GefĂ€ngnis in Barcelona gestorben ist. Sein Bruder Eugenio SĂĄnchez, den wir sehr gut kannten, lebte im Exil in Toulouse und wir sahen ihn sehr oft bei allen Veranstaltungen der libertĂ€ren Bewegung. Da er als MĂŒllmann arbeitete, versorgte er uns mit FĂŒllern, die die Leute weggeworfen hatten; wir benutzten sie und wechselten nur den Stift.

Daniels WeggefĂ€hrtin Pilar war nach dem Krieg in Barcelona, ging aber nach Madrid, wo sie als DienstmĂ€dchen im Haus eines Bankiers arbeitete, der, obwohl er wusste, was sie durchmachte, sich ihr gegenĂŒber anscheinend recht gut verhielt. Pilar kam in den 1960er Jahren ab und zu durch Toulouse.

VI – Waren diese fĂŒnf Freunde die Redaktion von Alerta!

Mir scheint, dass Alerta! nicht nur eine „Redaktion“, sondern eine „klandestine“ Zeitung war, und fĂŒr diese Arbeit brauchte man viel mehr als „Schreiber“, um sie zu bearbeiten. Von den fĂŒnf hatten meiner Meinung nach nur Nieves NĂșñez und Amador GonzĂĄlez die FĂ€higkeiten von Journalisten.

NatĂŒrlich könnte jeder von ihnen einen externen (und vertrauenswĂŒrdigen) GefĂ€hrten bitten, ein paar Seiten zu schreiben. Das Wichtigste war es, die KlandestinitĂ€t zu bewahren
 Die „Geschichte“ zeigt, dass ihnen das hervorragend gelungen ist!

VII – Was war die Viñas-Gruppe, wer gehörte ihr an und war Viñas der SekretĂ€r dieser AffinitĂ€tsgruppe?

Die Viñas-Gruppe, wie sie jetzt genannt wird (weil es schwierig ist, etwas zu benennen, das bewusst keinen Namen hatte), kann als Ă€ußerst wichtig vor und nach der Revolution sowohl im Stadtteil Gracia als auch in Barcelona angesehen werden. TatsĂ€chlich war der GefĂ€hrte Viñas, ein Militanter der CNT in diesem Viertel, bei allen Militanten fĂŒr seine Verpflichtung, seine Ernsthaftigkeit und seine Diskretion bekannt. Es herrschte Einstimmigkeit und große Sympathie, als die GefĂ€hrten von ihm sprachen. Ich glaube nicht, dass es in der Gruppe einen SekretĂ€r oder Ă€hnliches gab
 In dieser Hinsicht erinnere ich mich, dass sie vor vier oder fĂŒnf Jahren auf einer von der trotzkistischen Gruppe Smolny in Toulouse organisierten Konferenz die ComitĂ©s de defensa confederal in den leninistischen Organisationsrahmen einbinden wollten, 
 das ist auch eine Art, Geschichte zu schreiben!

Wenn es stimmt, dass es im Bezirk Gracia laut Antonio Zapata, einem aktiven Militanten im Baugewerbe und im libertĂ€ren Ateneo, etwa zehn Gruppen gab, die jeweils aus etwa zehn GefĂ€hrten bestanden, die bereit waren, sich an klandestinen und oft riskanten Aktionen zu beteiligen, waren sie keineswegs so strukturiert, wie es die trotzkistische Doxa befĂŒrwortet.

Ich habe den Eindruck, dass die damalige libertĂ€re SensibilitĂ€t sich nicht mit dieser Form der „konspirativen“ Militanz arrangiert hĂ€tte.

Viñas war sicherlich die erfahrenste Figur, die am fĂ€higsten und sichtbarsten war, um zu koordinieren, auch wenn es ein anderer GefĂ€hrte war, der dafĂŒr verantwortlich war, diejenigen zusammenzubringen, die an dieser und jener Aktion teilnehmen konnten. WĂ€hrend des (fast aufstĂ€ndischen/insurrektionellen) Straßenbahnstreiks Ende 1933 und Anfang 1934 zum Beispiel blieb Viñas wahrscheinlich hinter den Kulissen. Nach Aussage mehrerer Zeugen (Antonio Zapata, Antonio Alorda) waren mein Vater und andere sehr junge GefĂ€hrten – Antonio Alorda selbst, Luis Montblanc, Adell, Deu usw. – diejenigen, die den Streik bei dieser Gelegenheit gewonnen haben.

Die „Viñas-Gruppe“ hat einige Initiativen ergriffen, zum Beispiel die Herstellung von Handbomben. So haben sie eine Produktionswerkstatt im Erdgeschoss eingerichtet. Mit ziemlicher Sicherheit auf Initiative von Viñas, der von Beruf Mechaniker war. Neben Viñas und Rasal arbeitete auch mein Vater eine Zeit lang in dieser Werkstatt. Um dir eine Vorstellung davon zu geben, wie diskret die GefĂ€hrten waren: Als mein Vater an dieser TĂ€tigkeit teilnahm, merkte meine Mutter sofort, dass er den Arbeitsplatz gewechselt hatte. TatsĂ€chlich roch die Kleidung meines Vaters, der BĂŒgler und FĂ€rber war, nach Eisen, aber meine Mutter fragte nie nach dem Grund fĂŒr diese VerĂ€nderung, so dass mein Vater ihr keine LĂŒge erzĂ€hlen musste (was ihn viel gekostet hĂ€tte), welche Aufmerksamkeit! Die Familie Subirats (Pepito, Pepita und ihre Tochter Anita) wohnte im selben Haus (oder ganz in der NĂ€he) und sie wussten genau, wer in die Werkstatt kam, aber sie stellten nie irgendwelche Fragen und fĂŒr sie waren sie einfach Nachbarn. Nach dem Straßenbahnstreik musste mein Vater fĂŒr 10 Monate nach Frankreich (nach BĂ©ziers) gehen, wo er andere GefĂ€hrten traf, die „auf der Durchreise“ waren – Riera zum Beispiel – oder sesshaftere wie Juan LlabrĂ©s – bekannt als el Mallorca, aus der Glasindustrie – der damals als Grenzdelegierter tĂ€tig war; dieser GefĂ€hrte hatte an der Versammlung teilgenommen, auf der die GrĂŒndung der FAI 1927 beschlossen wurde. Mein Vater ging nach Frankreich ins Exil, weil ein Polizist, der in der Straßenbahn in der Carrer Muntaner anwesend war, zu denen gehörte, die ihn bei einer anderen Gelegenheit verhört hatten – natĂŒrlich kannten sie sich! Ein GefĂ€hrte X (ich kenne seinen Nachnamen nicht) hat meinen Vater in der Werkstatt ersetzt. Aus unbekannten GrĂŒnden gab es eine Explosion, bei der Viñas und wahrscheinlich auch X starben. Das Datum des Unfalls ist mir nicht bekannt (vielleicht hat die Presse zu der Zeit darĂŒber berichtet).

Mein Vater hat uns nie davon erzĂ€hlt, und wenn ich es jetzt weiß, dann nur, weil ein paar GefĂ€hrten es mir erzĂ€hlt haben und weil ich mir ein chronologisches Schema vorstellen konnte.

Um diese AktivitĂ€ten herum gab es einen Nebel, in den mehrere GefĂ€hrten mehr oder weniger involviert waren, die fĂŒr eine bestimmte Aufgabe und nicht fĂŒr alle zusammengebracht wurden. Ich werde mich an einige von ihnen erinnern, die oft vorbeikamen: Salvador Sarrau, der dabei war, als die Straßenbahn in der Carrer Muntaner in Brand gesteckt wurde (aber er hat uns nie gesagt, wer daran beteiligt war, und er hat uns auch nichts erzĂ€hlt, wenn man bedenkt, dass meine Schwester Gladis sich als enge Freundin der Familie bis zu seinem Lebensende um ihn gekĂŒmmert hat); der GefĂ€hrte, der „el feo – der HĂ€ssliche“ genannt wurde (ich habe vor, seinen Nachnamen spĂ€ter herauszufinden und werde es dir mitteilen), der, glaube ich, Schlosser war – er lebte in Castres -, war derjenige, der dafĂŒr zustĂ€ndig war, die Gussteile anzufertigen, die das GehĂ€use der Handbomben bildeten.

Zu der „Gruppe“ gehörte auch der GefĂ€hrte Constancio Durban, der als Maurer arbeitete und Durruti und Ascaso eine Zeit lang versteckte. SpĂ€ter ging er nach PuigcerdĂ , weil sein Sohn, der krank war, die Bergluft brauchte. Dort spielte er, wahrscheinlich als Grenzdelegierter, eine sehr wichtige Rolle.

Ein anderes Mitglied der Gruppe, Urbano Odena (bekannt als Urbano), den ich nie kennengelernt habe, weil er nach New York ins Exil ging, arbeitete als BĂ€cker in Barcelona. Er war wahrscheinlich sehr engagiert, weil er mit meinem Vater korrespondierte. Er und Durban waren auch unterwegs, um eine Waffenlieferung in Marseille zu bergen.

Andere Militante, die in diesem Nebel auftauchen, sind zum Beispiel Miguel Alba, der die Maurerarbeiten fĂŒr ein Waffenversteck in einer WĂ€scherei in Gracia erledigte. Die GefĂ€hrtin Teresa Margalef (die unserer Familie sehr nahe steht, ebenso wie ihr WeggefĂ€hrte Juan Ronchera) war eine von denen, die die „Kleidung“14 hin und her trugen und herausnahmen. Ein anderer Begleiter mit dem Spitznamen El Cubano (ich glaube, er hieß GonzĂĄlez) war ebenfalls Teil dieses Nebels. NatĂŒrlich gab es noch viele, viele mehr.

Einige Beobachtungen (von Ángel)

Nach dem, was ich angedeutet habe, mĂŒssen wir zumindest ein paar Beobachtungen machen:

– Die Rolle, die diese GefĂ€hrten gespielt haben, ist nicht in die Geschichte eingegangen. Sie wollten und taten alles, was sie konnten, um im der KlandestinitĂ€t zu bleiben 
 und angesichts dessen, was im Sieb der Geschichte geblieben ist, ist ihnen das gelungen! Das kann man in der EnzyklopĂ€die des iberischen Anarchismus nachlesen: Die Verweise, wo es sie gibt, sind sehr spĂ€rlich.

– Abgesehen von ein paar GefĂ€hrten, die mit den eher klandestinen AktivitĂ€ten verbunden waren, gab es einen ziemlich großen Nebel, der in diese oder jene AktivitĂ€t verwickelt war. Letztendlich war es der Militante der Gewerkschaft/Syndikat, der mit seinem Beitrag direkt das ComitĂ© de defensa fĂŒtterte (ein Prozentsatz der Briefmarke wurde ihm gewidmet, damit die Gewerkschaft/Syndikat eine Art „ferner Kontrolle“ ausĂŒben konnte).

– Jeder Militante hatte, je nach seinem Geschmack, seinen Möglichkeiten und auch seinem Engagement, verschiedene Möglichkeiten, sich an dem zu beteiligen, was er fĂŒr die menschliche Emanzipation fĂŒr notwendig hielt, das war das Ziel, das sie sich setzten. Der GefĂ€hrte griff zunĂ€chst ĂŒber die Gewerkschaft/Syndikat in den Rahmen der Arbeit ein, dann in die heiteren und brĂŒderlichen Beziehungen zwischen Individuen (die Ateneos, Schulen, AusflĂŒge, Konferenzen, die populĂ€re Kultur usw. sind ein gutes Beispiel dafĂŒr), und schließlich beteiligte er sich, wenn nötig, an spezifischen Gruppen: Propaganda, Herausgabe von Zeitungen, Veröffentlichung von BĂŒchern und
 auch an Aktionsgruppen (A.d.Ü., die sogenannten Grupos de AcciĂłn), deren Aufgabe es war, eine Selbstverteidigungskraft der Arbeiter zu bilden. Aber es scheint mir falsch zu sein zu glauben, dass diese Gruppen wie ein militĂ€risches Kommando organisiert waren. Das hĂ€tte bedeutet, dass die Gegner den Kampf gewonnen hĂ€tten, denn dann wĂŒrden die Proletarier eindeutig wie sie denken und handeln.

– Sie waren perfekt in das Leben der Armenviertel integriert: sie lebten dort wie Fische im Wasser. Manchmal wurden sie von der Polizei verfolgt und konnten sich leicht im Armenviertel selbst verstecken, oft in Familien, die nicht einmal der CNT angehörten.

– Ich vermute, dass die Repressionsorgane der staatlichen und Arbeitgeberinstitutionen diese Art des Handelns viel schwieriger zu kontrollieren und zu unterwandern fanden. Der harte Beweis ist, dass es nur sehr wenige Daten zu diesem Thema gibt.

– In der EnzyklopĂ€die des iberischen Anarchismus wird ĂŒber Alerta! folgendes geschrieben: „Barcelona, 1937, klandestine anarchistische Zeitung mit Verbindung zu Los amigos de Durruti“. Obwohl mein Vater enge Beziehungen zu einigen Mitgliedern von Los Amigos 
. unterhielt, wie z.B. zu Ponciano Alonso (Mingo) aus Bordeaux und gelegentlich zu Pablo Ruiz (aus Paris), glaube ich nicht, dass es eine organische Beziehung zwischen der Gruppe „Alerta!“ und Los Amigos de Durruti gab. Ich erinnere mich, dass ich in einigen GesprĂ€chen zwischen Ă€lteren GefĂ€hrten (Salvador Sarrau, Julio PatĂĄn, JosĂ© Peirats, ManolĂ­n usw.) hören konnte, dass der Schritt der Los Amigos de Durruti ein unglĂŒcklicher Fehler war. Sie waren der Meinung, dass der Kampf innerhalb der Bewegung gefĂŒhrt werden muss. So stellt es zumindest Marcos AlcĂłn in seinem Artikel im Espoir (20.07.1975) mit dem Titel „Recordando el 19 de julio de 1936 ÂżTenĂ­an razĂłn o no?“ (A.d.Ü., Den 19. Juli 1936 erinnern, hatten sie recht oder nicht?). Ich ergreife keine Partei, aber zu glauben, dass man, weil man „gegen“ die Vertretungsorgane der CNT und der FAI ist, ipso-facto unter einer anderen Flagge eingeschrieben ist, kann eine AbkĂŒrzung sein, in die viele Historiker leicht verfallen.

– Die Kriegszeit bedeutete auch eine Institutionalisierung des RevolutionĂ€ren (die FAI mit Ausweis) und einige ComitĂ©s de defensa verloren das Wesentliche ihres klandestinen und „nebulösen“ Charakters.

GuillamĂłns Kommentare zu Carballeiras Antworten

Die Antworten von Ángel (Sohn) sind schlagkrĂ€ftig, prĂ€zise, klĂ€rend, beispielhaft und unersetzlich. Sie sprechen von seinen persönlichen und familiĂ€ren Erfahrungen in diesem Umfeld von anonymen Militanten, die an das Schweigen gewöhnt sind, daran gewöhnt, keine Fragen zu stellen, die nur mit bedauerlichen LĂŒgen, Schweigen oder RĂŒcksichtslosigkeit beantwortet werden können.

Das Konzept des „Nebels“ als assoziative Formel fĂŒr diese AffinitĂ€ts- oder Verteidigungsgruppen ist eine Entdeckung von Ángel (Sohn), die es verdient, aufgegriffen und verbreitet zu werden, denn es handelt sich um eine sehr originelle, oft missverstandene Form einer akratischen Organisation (A.d.Ü., einer anarchistischen Organisation), die sich von der syndikalistischen/gewerkschaftlichen völlig unterscheidet und der leninistischen und/oder militaristischen absolut entgegengesetzt ist.

Man muss bedenken, dass dieser Nebel/dieses Universum/diese Welt/diese Galaxie von außen betrachtet in einen dichten Nebel gehĂŒllt war, der es unmöglich machte, zu sehen, was in ihm vor sich ging, geschweige denn, wer sich in ihm befand und was er tat. Derselbe Nebel war aus interner Sicht eine geschlossene Welt von sicheren und erprobten Militanten, ein Meer von Möglichkeiten und ein Netzwerk von sozialen und persönlichen Beziehungen, das die Entstehung von AffinitĂ€tsgruppen förderte, die sich zusammenschlossen, um bestimmte Ziele zu erreichen (vom Bombenbau, der Planung von Aktionen oder Streiks, der GrĂŒndung einer Genossenschaft, der UnterstĂŒtzung einer rationalistischen Schule oder eines Ateneos bis hin zum Erstellen, Redigieren, Drucken und Verteilen einer Zeitung oder eines Flugblatts und den unterschiedlichsten AktivitĂ€ten, die, sobald sie erreicht waren, die Auflösung dieser AffinitĂ€tsgruppe bedeuteten). Vielleicht ist es nicht nötig, hinzuzufĂŒgen, dass dieser Nebel den verschiedenen Gruppen, die in ihm entstanden, die blinde und bedingungslose Komplizenschaft und UnterstĂŒtzung dieser akratischen Galaxie bot, was die FunktionsfĂ€higkeit dieser kleinen Gruppen vervielfachte. Jeder kannte jeden und war aus der strengsten militanten AnonymitĂ€t bekannt, undurchlĂ€ssig fĂŒr Spitzel und die Polizei, aber absolut transparent und effizient in ihrem Netzwerk von internen Beziehungen.

Alerta
! Ausgabe 2 vom 30. Oktober 1937

Alerta
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Klandestine Zeitung der comitĂ©s de defensa in Katalonien. Die AffinitĂ€tsgruppe, die die Veröffentlichung, Bearbeitung und Verbreitung sicherstellte, wurde von Amador GonzĂĄlez, Ángel Carballeira Rego, Daniel SĂĄnchez GarcĂ­a, JosĂ© Rasal Castro und Alfonso Nieves NĂșñez gebildet. Sieben Ausgaben wurden zwischen Oktober und Dezember 1937 veröffentlicht. Die Zeitung wurde im Haus der CNT-FAI selbst gedruckt und verteilt, sehr zum Missfallen und zur Besorgnis der comitĂ©s superiores15, die nicht in der Lage waren, den Druckort ausfindig zu machen oder ihre Verteilung zu verhindern.

Es wurde sogar an der andalusischen Front verbreitet, wahrscheinlich dank der Kontakte und Beziehungen von Alfonso Nieves NĂșñez zur dieser Front.

Alerta hatte keine Verbindung zu Los Amigos de Durruti. WĂ€hrend letztere fĂŒr einen Wechsel in der cenetistischen FĂŒhrung eintraten und ein neues revolutionĂ€res Programm vorschlugen, was (in den Augen der nebulösen Militanten) auf einen organisatorischen Bruch hindeutete, als ob sie der Meinung waren, dass ihre kritischen Positionen sie außerhalb der Organisation stellten; die AffinitĂ€tsgruppe, die die klandestine anarchistische Zeitung Alerta! veröffentlichte, zielte darauf ab, die stalinistische Repression anzuprangern, revolutionĂ€re Gefangene zu verteidigen und den Kollaborationismus zu kritisieren, aber immer innerhalb der CNT-FAI Organisation selbst, ohne abspalterische Bestrebungen (A.d.Ü., im Sinne eines Bruchs), ganz getreu dem Motto: Kritik ja, Bruch nein.

Los Amigos de Durruti betrieben spalterische und zersetzende Arbeit (A.d.Ü., auch hier im Sinne eines Bruchs) und gingen sogar so weit, ein neues revolutionĂ€res Programm vorzuschlagen; die Gruppe, die Alerta! herausgab, ĂŒbte eine unverzichtbare interne Kritik an der CNT-FAI FĂŒhrung aus, die sich jedoch immer innerhalb der organischen und organisatorischen Grenzen bewegte.

WĂ€hrend Los Amigos de Durruti von außerhalb der Organisation agierten, tat die Gruppe, die Alerta! veröffentlichte, dies aus den comitĂ©s de defensa heraus, sehr radikal und kritisch, aber ohne jeglichen Horizont des Bruchs. Daher die unterschiedliche Behandlung durch die comitĂ©s superiores, die den Rauswurf von Los Amigos de Durruti verfolgten, wĂ€hrend sie die Umwandlung der (bewaffneten) comitĂ©s de defensa in (unbewaffnete) Koordinations- und Informationsgruppen vorschlugen.

Noch deutlicher beleidigten die comitĂ©s superiores Los Amigos de Durruti als Marxisten und sprachen sich fĂŒr ihren Rauswurf aus der Organisation aus, weil sie mit ihrer Kritik und ihrem Programm bereits außerhalb und am Rande der CNT-FAI standen, wĂ€hrend der unzufriedene Teil der comitĂ©s de defensa, die Alerta herausbrachte, sich mit einer TĂ€tigkeit begnĂŒgen konnte, die sie beschĂ€ftigte und sie sich nĂŒtzlich fĂŒhlen ließ.

Aber in beiden FĂ€llen war die integrative und repressive Kraft der höheren Komitees ĂŒberwĂ€ltigend. Ostrazismus, Isolation und der Versuch, Los Amigos de Durruti hinauszuwerfen; Lokalisierung, Identifizierung, AuflösungsantrĂ€ge in den Vollversammlungen der Stadtvierteln und vor allem neue operative Aufgaben, um die Militanten der comitĂ©s de defensa mit anderen Aufgaben zu beschĂ€ftigen


Die Ausgabe Nr. 1 wurde am 23. Oktober 1937 veröffentlicht. Die stĂ€ndigen Themen dieser Zeitung waren die SolidaritĂ€t mit den „revolutionĂ€ren Gefangenen“, die Forderung nach ihrer Freilassung und die Anprangerung der Verwaltung und der Misshandlungen durch Stalinisten und Republikaner im Knast La Modelo; die Kritik am Kollaborationismus und der Politisierung der FAI; die Anprangerung der katastrophalen Kriegspolitik der Regierung NegrĂ­n-Prieto und der stalinistischen Vorherrschaft in Armee und Staat. Sie lancierte GrĂŒĂŸe der VerbrĂŒderung mit den Juventudes Libertarias und der AgrupaciĂłn de Los Amigos de Durruti.

Ein unauslöschliches Merkmal der Publikation war ihr stĂ€ndiger Aufruf, „die Revolution zu machen“ und das Aufgeben/Verzicht aller Posten/Ämter seitens der höheren Komitees: „Dass die Revolution nicht VON DEM STAAT, sondern GEGEN DEN STAAT gemacht werden kann“ [in „Decimos hoy“. Alerta
! Ausgabe Nr. 2 (30. Oktober 1937)].

Die Ausgabe Nr. 4 wurde auf Samstag, den 13. November 1937 datiert. Auf der Titelseite stand ein aufrĂŒhrerischer Leitartikel, der davor warnte, dass der Krieg und die Revolution in Gefahr seien: „Die Ministerien mĂŒssen gestĂŒrmt und die Minister aus den Balkons geworfen werden. Die Ministerien sind die Höhlen/Verstecke der VerrĂ€ter“.

Neben diesem Leitartikel stand eine kurze Notiz in Großbuchstaben, die den Namen des Mörders der zwölf jungen LibertĂ€ren enthĂŒllte, die in der Carlos Marx Kaserne gefoltert, verstĂŒmmelt und entstellt worden waren16 und deren Leichen Tage spĂ€ter in einer Kurve der Cerdanyola Straße abgeworfen wurden:

„Der Mörder der Kameraden von Sardañola.

Erinnert ihr euch an Sergeant Zapatero? Er war fĂŒr die „Carlos Marx“-Kaserne verantwortlich, als bei den tragischen Ereignissen im Mai, die von der PSUC provoziert wurden, die zwölf Kameraden von Sardañola ermordet und grausam verstĂŒmmelt aufgefunden wurden.

Jetzt ist Sergeant Zapatero kein Sergeant mehr, sondern Oberstleutnant und befehligt das Disziplinarbataillon, das mit den Verhafteten in Montjuich gebildet wurde“.

Wir kennen die Grundlage der Nachricht nicht, aber es war klar, dass nur Alerta es wagen konnte, den Namen der Person zu veröffentlichen, die fĂŒr den Mord an den 12 gefolterten und erschossenen LibertĂ€ren in der Carlos Marx Kaserne verantwortlich ist.

In der letzten Ausgabe vom 4. Dezember 1937 prangerte sie die stalinistischen Tschekas und die brutale Verfolgung der Cenetistas (A.d.Ü., Mitglieder der CNT) in Cerdanya an. Sie wurde eingestellt, nachdem die Delegierten der comitĂ©s de barrio17 von Barcelona auf Druck und mit Argumenten der FederaciĂłn Local de Grupos Anarquistas (A.d.Ü., Lokalen Föderation der Anarchistischen Gruppen) beschlossen hatten, die Presse zu vereinheitlichen, aber mit der Drohung, die Veröffentlichung wieder aufzunehmen, wenn die neue konföderale Presse (A.d.Ü., gemeint ist die der CNT) ihren Forderungen nach absoluter Wahrhaftigkeit nicht nachkĂ€me und unaussprechliche politische Kompromisse einginge. Nicht selten verbargen sich hinter familiĂ€ren, freundschaftlichen oder beruflichen Beziehungen revolutionĂ€re Beziehungen der Militanz und AffinitĂ€t.

Die Gruppe, die die Veröffentlichung von Alerta! sicherte

Um zu verstehen, was die Zeitung Alerta! war, genĂŒgt es, die biografischen Skizzen des Teams zu lesen, das die Existenz, die Redaktion, den Druck und die Verteilung dieses klandestinen Organs der comitĂ©s de defensa aufrechterhielt.

Amador GonzĂĄlez. Geboren 1907 in LeĂłn. Schon in jungen Jahren wanderte er nach Katalonien aus, wo er der Gewerkschaft/Syndikat des Seeverkehrs, der FAI und den comitĂ©s de defensa beitrat. Im Juli 1936 nahm er an der ErstĂŒrmung der Atarazanas-Kaserne teil. Er kĂ€mpfte in der columna Durruti (A.d.Ü., Kolonne Durruti ). Er ĂŒbernahm den Posten des lokalen Koordinators der comitĂ©s de defensa in der Stadt Barcelona. Er spielte eine wichtige Rolle bei den StraßenkĂ€mpfen im Mai 1937. Von Oktober bis Dezember 1937 trug er zum Erscheinen des klandestinen Organs der comitĂ©s de defensa, Alerta! bei. Im Januar 1938 legte er sein Posten als Koordinator der comitĂ©s de defensa nieder. Im MĂ€rz 1938 war er Delegierter der nationalen Transportgewerkschaft/syndikat.

Im Februar 1939 wurde er im Lager Argelés interniert. Er nahm am Kampf gegen die Nazis teil, die ihn vier Jahre lang gefangen hielten, bis er von der Résistance befreit wurde.

Im September 1946 wurde er zusammen mit Antonio LĂłpez in IrĂșn verhaftet und beide erlitten die franquistische Folter und wurden eingesperrt18. Im französischen Exil war er in Saint-Denis und Paris aktiv.

Nach dem Tod von Ángel Carballeira Rego schrieb er an seine Familie19 und enthĂŒllte die Namen der Gruppe, die die Veröffentlichung des klandestinen anarchistischen Organ Alerta! ermöglicht hatte, ohne jedoch zu verraten, dass ihre spezifische AktivitĂ€t die Herausgabe dieser klandestinen Zeitung war. Der Brief kommentiert auch das Schweigen, das unter den Exilanten in der Regel ĂŒber ihre vergangenen und gegenwĂ€rtigen Aktionen herrschte, nicht nur als grundlegende Vorsichtsmaßnahme gegen Repressionen, sondern auch als eine von Bescheidenheit und AnonymitĂ€t durchdrungene zweite Natur aller dieser revolutionĂ€ren KĂ€mpfer. Er starb am 3. April 1975 in Aubervilliers an einem Herzinfarkt, den er wĂ€hrend einer Fahrt mit der U-Bahn erlitt.

Ángel Carballeira Rego. Geboren in Villalba (Lugo) am 19. MĂ€rz 1907. Sohn von Bauern. Er wanderte sehr jung nach Kuba aus, wo er von 1916 bis 1929 seine ganze Jugend verbrachte. Er lernte den Beruf des FĂ€rbers. Als seine Gesundheit versagte, kehrte er im Alter von 21 Jahren nach Spanien zurĂŒck. Er wurde fĂŒr ein Jahr in die Armee aufgenommen, in einem Disziplinarbataillon in Tetuan. In Barcelona im Jahr 1930. Mitglied in der CNT Gewerkschaft/Syndikat der FĂ€rber. Er war Mitglied und Militanter der comitĂ©s de defensa in Gracia und der FAI. Er engagierte sich in einer AffinitĂ€tsgruppe, die informell von Viñas geleitet wurde und sich dem Bau von Bomben fĂŒr die Straßenbahnstreiks 1933 widmete, die auch beim Aufstand/Insurrektion von 1934 eingesetzt wurden.

Er wurde mehrmals von der Polizei verhaftet und verprĂŒgelt. Er war der Delegierte der comitĂ©s de defensa des Viertels Gracia. Gefangener 1933 im Knast La Modelo fĂŒr seine Teilnahme an der Rebellion vom 8. Januar. La Vanguardia vom 12. April 1933 berichtete ĂŒber die Freilassung von Severino Campos und Ángel Carballeira aus dem GefĂ€ngnis. Er war sehr aktiv im Straßenbahnstreik Ende 1933 und Anfang 1934. Er ging fĂŒr zehn Monate ins Exil nach BĂ©ziers, um einer weiteren Verhaftung zu entgehen. Er arbeitete als TellerwĂ€scher und TraubenpflĂŒcker.

WĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs war er im ComitĂ© Revolucionario von Gracia und hatte verantwortliche Positionen bei der Kollektivierung des FĂ€rbersektors inne.

Er war in der Colmuna Durruti – Durruti Kolonne. Zwischen Oktober und Dezember 1937 gehörte er zu der Gruppe, die dafĂŒr sorgte, dass die klandestine anarchistische Zeitung Alerta!, das Organ der unzufriedenen comitĂ©s de defensa, in SolidaritĂ€t mit den zahlreichen anarchistischen Gefangenen herausgegeben wurde, mit dem Ziel, sich der laufenden Konterrevolution entgegenzustellen, die stalinistische Repression und die politische Kollaboration der höheren Komitees anzuprangern.

Im französischen Exil wurde er in die Konzentrationslager Vernet und Maseras eingesperrt. 1944 ĂŒbergab ihn die Gendarmerie an die Organisation Todt, die ihn zum Bau des Atlantikwalls schickte. In Begleitung von Mariano Sorinas floh er aus dem Lager Mont Marsan.

Einige Quellen bringen Carballeira mit den Aktionsgruppen in Verbindung, insbesondere mit der von Josep LluĂ­s FacerĂ­as im Jahr 1947 und der von RamĂłn Vila Capdevila im Jahr 1949, was zu seiner zweimaligen Inhaftierung in Frankreich fĂŒhrte.

Im Jahr 1948 war er FAI-Delegierter bei der Vollversammlung in Toulouse, wo er JosĂ© BorrĂĄs unterstĂŒtzte und die Thesen von Laureano Cerrada ablehnte.

1951 wurde er in das CNT-Sekretariat gewĂ€hlt, wo er fĂŒr den antifranquistischen Kampf zustĂ€ndig war. Damals war er einer der wenigen, die vermuteten, dass Jacinto Guerrero ein Spitzel war. Viele Jahre lang arbeitete er als Maurer in der Haute-Garonne.

Zwischen dem 23. August und dem 3. September 1961 nahm er am Kongress zur Wiedervereinigung in Limoges teil, wo er erneut zum KoordinationssekretĂ€r des Interkontinentalen Sekretariats gewĂ€hlt wurde. Er wird allgemein als Esgleseist (A.d.Ü., auf der Originalversion ist die Rede von esgleseista, wir haben keine Ahnung was es bedeutet) eingestuft.

Am 23. Juli 1962 war RamĂłn Vila Capdevila (Caraquemada) fĂŒr drei Explosionen zwischen Suria und Sallent verantwortlich, die drei Strommasten zum Einsturz brachten und die Region Manresa-Sabadell fĂŒr zwei Tage ohne Strom ließen. Es war eine Aktion, die von Defensa Interior20 aus von Llansola und Carballeira koordiniert wurde.

Seine WeggefÀhrtin war die in Barcelona geborene Eulalia Mombrió Prats, eine Seidenarbeiterin, eine Militante der CNT in der Textilindustrie und sehr aktiv im Ateneo de Gracia. Sie hatten drei Kinder.

Sie starb im Alter von 56 Jahren im Juli 1963 in Toulouse an Krebs, der möglicherweise mit ihrem Beruf zusammenhing.

Ángel Carballeira und Salvador Sarrau im Hintergrund.

Daniel SĂĄnchez GarcĂ­a. Militanter in der Baugewerkschaft. Er hatte eine fĂŒhrende Rolle bei den Ereignissen in Tarrasa am 15. Februar 1932 gespielt. Er wurde zu vier Jahren GefĂ€ngnis verurteilt. Im Dezember 1933 nahm er erfolglos an der Flucht aus dem Knast La Modelo teil. Im Jahr 1937 war er Mitglied und Militanter der anarchistischen Gruppe unter der FĂŒhrung von Viñas.

José Rasal Castro war Mitglied und Militanter der comités de defensa von Gracia und gehörte der Gewerkschaft/Syndikat der Metallarbeiter an. Er war Mitglied des comité revolucionario von Gracia. Enger Freund von Ángel Carballeira. Verfolgt und inhaftiert von den Stalinisten. Im französischen Exil arbeitete er in der CNT von Maugnane mit. Er starb 1947 an den Folgen eines Arbeitsunfalls, als ein Balken auf sein Bein fiel und tödliche Verletzungen verursachte.

Alfonso Nieves NĂșñez. Er wurde 1908 in Buenos Aires als Sohn spanischer Eltern (einer galicischen Mutter und eines andalusischen Vaters) geboren. Im Alter von acht Jahren kehrte er nach Cordoba zurĂŒck. Er schlug seine Wurzeln in den bĂ€uerlichen KĂ€mpfen von Bujalance. Er arbeitete als Buchhalter, bis er 24 Jahre alt war. Er war Mitglied und Militanter der CNT und zeichnete sich als Redner und Journalist aus. Er spezialisierte sich auf die rechtliche und politische Verteidigung inhaftierter Cenetistas (A.d.Ü., CNT Mitglieder) und auf die Bildung eines breiten Netzwerks der ComitĂ©s Pro-presos21.

1931 beteiligte er sich an dem gescheiterten Projekt, die Zeitung Trabajo y Libertad in Cordoba herauszugeben, in einem Team, zu dem auch Aquilino Medina und Pedro Algaba gehörten.

Von den Landbesitzern und den andalusischen Arbeitgebern gehasst, versuchten sie, ihn zu vertreiben und aus Andalusien zu verbannen. Im Mai 1931 hielt er zusammen mit José Castejón eine Kundgebung in Almodóvar del Río ab.

Im November 1931 war er Gefangener auf dem GefÀngnisschiff Antonio López, das im Hafen von Barcelona anlegte. Am 19. MÀrz 1932 unterzeichnete er im GefÀngnis Modelo in Barcelona ein Manifest gegen Ángel Pestaña.

Die republikanischen Behörden, nahmen seine argentinischen Staatsangehörigkeit als Ausrede und schoben ihn nach Frankreich ab. Nach einiger Zeit in Frankreich, wo er fĂŒr die anarchistische Presse in Bordeaux und Lyon schrieb, kehrte er unter dem Pseudonym Miguel JimĂ©nez nach Katalonien zurĂŒck. Im FrĂŒhjahr und Sommer 1932 hielt er erfolgreiche Kundgebungen in verschiedenen katalanischen StĂ€dten ab, und mit weniger GlĂŒck in Cordoba. Er beteiligte sich in der Zeitung Tierra y Libertad.

Im Jahr 1933 wurde er fĂŒr seine journalistische TĂ€tigkeit in verschiedenen Zeitungen hĂ€ufig zu Geldstrafen oder wegen Druckvergehen zu GefĂ€ngnisstrafen verurteilt. Er wurde mehrmals in Sevilla und Barcelona inhaftiert.

Im Modelo Knast in Barcelona, wo er bereits anderthalb Jahre im GefÀngnis verbracht hatte, hatte er rund vierzig Verfahren am Hals, bei denen ihm mit einem Jahr pro Druckvergehen eine sehr lange Haftstrafe drohte.

Im November 1933 trat er in den Hungerstreik. Im Dezember nahm er an einem Ausbruch aus dem GefÀngnis in Barcelona teil.

In den ersten Monaten des Jahres 1935 befand er sich im Campo de Gibraltar und am Ende des Jahres lebte er heimlich in Palma de Mallorca. Er schloss eine enge Freundschaft mit dem mallorquinischen Anarchisten CristĂłbal Pons, in dessen Haus er eine Zeit lang Zuflucht fand. Ab Januar 1936 gab er unter dem Pseudonym Julio Quintero Cultura Obrera, das Organ der balearischen CNT, heraus. Er hielt Treffen auf den Balearen, in Katalonien und Andalusien ab.

Im Juli und August 1936 trat er als Koordinator der columnas milicianas (A.d.Ü., die Kolonnen der MilizionĂ€re) Bujalance und Castro auf. Er fĂŒhrte eine Kolonne an, die Baena angriff. Zu Beginn des Jahres 1937 war er in Linares.

ZurĂŒck in Katalonien, spielte er im Mai 1937 eine wichtige Rolle bei den StraßenkĂ€mpfen in der Gran VĂ­a/Paseo de Gracia und im Hauptquartier der Patrullas de Control. Er war Zeuge des Todes von Domingo Ascaso.

Von Oktober bis Dezember 1937 gehörte er zu der AffinitĂ€tsgruppe, die fĂŒr die Veröffentlichung von Alerta! sorgte, dem klandestinen Organ der comitĂ©s de defensa.

Er hatte sich durch die Verteidigung von Rafael Peña GarcĂ­a bei seinen Auseinandersetzungen mit dem comitĂ© nacional (A.d.Ü., nationalen Komitee) der CNT einen gewissen Namen gemacht. Ab Januar 1938 war er Mitglied der ComisiĂłn JurĂ­dica (A.d.Ü., Rechtskommission).

Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrung als Zeitungsredakteur wurde er im April 1938 vom ComitĂ© Ejecutivo del Movimiento Libertario de Cataluña (A.d.Ü., Exekutivkomitee der LibertĂ€ren Bewegung Kataloniens) zum Verwalter von Solidaridad Obrera ernannt und ergriff verschiedene Sofortmaßnahmen, um die katastrophale ökonomische Verwaltung, die bis dahin von Toryho betrieben wurde, zu beheben.

Er ging ins Exil nach Paris und konnte sich nicht nach Amerika einschiffen.

3. Schlussfolgerungen

1. Es gab eine enorme IntegrationsfÀhigkeit in der Organisation seitens der comités superiores. Im Januar 1938 erhielten die comités de defensa die Möglichkeit, sich zu tarnen und als Koordinations-, Informations- und Spionagegruppen weiter zu existieren, obwohl sie ihren Charakter als bewaffnete Kraft der Revolution verloren.

2. Die revolutionĂ€ren Minderheiten waren extrem schwach und ĂŒbten eine schwache interne revolutionĂ€re Opposition zu den verantwortlichen CNT-FAI-Komitees aus. Die Alerta-Gruppe hat nie einen Bruch mit der Organisation vorgeschlagen.

3. Nur Los Amigos de Durruti prĂ€sentierten sich als eine revolutionĂ€re Alternative zu den comitĂ©s superiores, mit einem eigenen, originellen Programm, das den CCMA (comitĂ© central de las milicias antifascistas – Zentralkomitte der antifaschistischen Milizen) vom Juli 1936, der als Organismus der Klassenzusammenarbeit konzipiert war, durch eine revolutionĂ€re Junta ersetzte, die die Regierung der Generalitat ablöste. Obwohl Los Amigos de Durruti den Bruch mit der CNT-FAI-Organisation nicht aufgegeben haben (was fĂŒr die Alerta-Gruppe unvorstellbar war). Los Amigos de Durruti haben die Spaltung jedoch nie als Instrument des Kampfes und der KlĂ€rung betrachtet.

4. Der libertĂ€re organisatorische Nebel schuf AffinitĂ€tsgruppen, die in der Regel kurzlebig waren und eine bestimmte Aktion vorschlugen (sei es die Herstellung von Bomben und deren Lagerung oder die Herausgabe einer Zeitung oder die GrĂŒndung eines Ateneos oder einer Genossenschaft oder einer rationalistischen Schule) und sich dann, ohne sich um Anerkennung zu bemĂŒhen oder eine politische oder gewerkschaftliche/syndikalistische Karriere zu machen, in Ă€ußerster AnonymitĂ€t und Stille wieder im Nebel auflösten, ohne sich um ihren Erfolg oder Misserfolg zu kĂŒmmern. FĂŒr Scharlatane, Opportunisten oder eingebildete Menschen war es unmöglich, in diesem Nebel zu existieren, denn sie wurden sofort zurĂŒckgewiesen und ausgeschlossen. Und das nicht nur aus SicherheitsgrĂŒnden, sondern auch.

5. Die comitĂ©s superiores wussten, wie sie diesen Nebel zu ihren Gunsten kanalisieren und lenken konnten. Wenn es notwendig war, eine kritische klandestine Zeitung wie Libertad zu grĂŒnden, die den antikollaborationistischen Anarchisten als Ventil diente und gleichzeitig mit El Amigo del Pueblo konkurrierte oder als Vorwand fĂŒr die Schließung von Alerta diente, zögerten sie nicht, diese zu fördern und zu tolerieren. Wenn es notwendig war, den comitĂ©s de defensa in einer geheimen Spionageorganisation eine gewisse organisatorische KontinuitĂ€t zu geben, wurden die notwendigen Koordinierungs- und Informationsstellen eingerichtet.

6. Die programmatischen und taktischen VerÀnderungen in der Organisation wÀhrend des Krieges wirkten sich auf die Organisationsstruktur der CNT-FAI aus.

Der außergewöhnliche Charakter der historischen Situation sowie die Dringlichkeit der zu treffenden Entscheidungen verhinderten eine horizontale und vollversammlungsbasierte Arbeitsweise in der katalanischen CNT. Der ComitĂ© de comitĂ©s (A.d.Ü., Komitee der Komitees) leitete die Organisation vom 23. Juli 1936 bis Juni 1937. Die ComisiĂłn Asesora PolĂ­tica (CAP) (A.d.Ü., Politische Beratungskommission) von Juni 1937 bis MĂ€rz 1938. In der Zwischenzeit wurde die FAI im Juli 1937 in eine weitere antifaschistische Partei umgewandelt, die in der Lage war, die BĂŒrokraten zu liefern und auszubilden, die fĂŒr die Übernahme von Verantwortungs- und FĂŒhrungspositionen benötigt wurden. Vor dem Hintergrund der Auflösung und des Zusammenbruchs der Fronten lenkte das elitĂ€re und selbstgewĂ€hlte ComitĂ© Ejecutivo del Movimiento Libertario de Cataluña (A.d.Ü., Exekutivkomitee der LibertĂ€ren Bewegung Kataloniens) die Organisation von April bis Oktober 1938 diktatorisch und hierarchisch, mit keinem anderen Ziel als der Militarisierung von Arbeit und Gesellschaft sowie der Organisation selbst.

AgustĂ­n GuillamĂłn

Veröffentlicht in Libre Pensamiento 110 (FrĂŒhjahr 2022)


1A.d.Ü., was der Fall ist, das Buch wurde vom Verlag Descontrol aus Barcelona veröffentlicht.

2A.d.Ü., die comitĂ©s de defensa (Verteidigungskomitees) waren von der CNT klandestine bewaffnete Organisation, der VorlĂ€ufer der anarchistischen Milizen.

3Siehe GuillamĂłn, AgustĂ­n: Los ComitĂ©s de Defensa de la CNT en Barcelona (FĂŒnfte Auflage in Descontrol 2020).

4A.d.Ü., im Verlauf des Textes wird des öfteren der Begriff nebuloso, nebulosa und neblina verwendet, abgeleitet von niebla (Nebel), beschreibt einen nebeligen Zustand, was in diesem Kontext fĂŒr eine verschleierte, geheimnisvolle, klandestine, nicht offene Praxis steht.

5A.d.Ü., Ateneos sind Kulturzentren die von Arbeiterinnen und Arbeitern Anfang des 20. Jahrhunderts gegrĂŒndet wurden. Fernab ihrer politischen Einstellung, gibt es daher anarchistische, kommunistische und auch auf Herkunft bezogene Ateneos im ganzen spanischen Staat. Die GrĂŒndung der Bewegung der Ateneos ging von der anarchistischen Bewegung aus.

6A.d.Ü., die cuadros de defensa waren kleine anarchistische Kampfgruppen.

7A.d.Ü., eine Centuria ist ebenfalls eine anarchistische Kampfgruppe, ist diese jedoch grĂ¶ĂŸer.

8Siehe das Buch von CARBALLEIRA MOMBRIÑO, Ángel: Apunte sobre „De mi paso por la vida. Memoiren von JosĂ© Peirats Valls“ Kommentare zum Prolog von Enric Ucelay-Da Cal. Recherche et documentation d’Histoire Soc1ale, 2010.

9A.d.Ü., JJLL ist die AbkĂŒrzung fĂŒr die FIJL – FederaciĂłn IbĂ©rica de las Juventudes Libertarias. Einer anarchistischen Jugendorganisation 1932 gegrĂŒndet.

10A.d.Ü., gemeint ist die Enciclopedia del anarquismo ibĂ©rico, ein vierbĂ€ndiges Sammelband der 3424 Seiten, 100.000 EintrĂ€ge und 6000 Bilder ausmacht. Wurde im Jahr 2018 vom Verlag Navio Anarquico veröffentlicht.

11A.d.Ü., ehemalige königliche Werft aus dem 13. Jahrhundert, gegenĂŒber der MilitĂ€rverwaltung in Barcelona, wurde beim Aufstand vom MilitĂ€r besetzt, wo es zu blutigen Gefechten kam, wo auch unter anderem Ascaso sein Leben verlor.

12A.d.Ü., die Zeitung der FAI Tierra y Libertad, wurde aus dem Exil auch in Mexiko veröffentlicht, die Distinktion Ă€ußerte sich durch den Zusatz de MĂ©jico.

13A.d.Ü., typische CNT-Sprache, in diesem Fall starb Daniel Sánchez im Verlauf einer Mission die von der CNT angeordnet wurde.

14Kleidung als Synonym fĂŒr den Transport von Waffen, oft versteckt in einem Korb voller Kleidung.

15A.d.Ü., ĂŒbersetzt höhere Komitees, die CNT hatte damals, wie heutzutage unendlich viele Komitees, Gremien usw. die nach ihrer ‚verwaltenden Funktion‘ verschiedene Namen trugen, wie z.B., comitĂ© regional, comitĂ© local, comitĂ© internacional, comitĂ© pro-presos, 
 das Übel jeder bĂŒrokratischen Organisation.

16Siehe GuillamĂłn, AgustĂ­n: La matanza del cuartel Carlos Marx. Calumnia, Mallorca, 2020

17A.d.Ü., Stadtteilkomitee.

18Cultura Proletaria nĂșmero 958 (September 1946).

19Brief von Amador Franco an die Familie Carballeira (Aubervilliers, 15-8-1963).

20A.d.Ü., eine bewaffnete Organisation die aus den drei spezifischen Organisationen der spanischen libertĂ€ren Bewegung (MLE), also der CNT, der FAI und der FIJL, 1960 ausging um den bewaffneten Kampf in Spanien gegen den Faschismus zu koordinieren. Dazu mehr in kommender Zeit.

21A.d.Ü., die ComitĂ©s Pro-Presos sind die Gefangenenkomitees die sich, wie der Name suggeriert, sich um die Gefangene kĂŒmmert.




Quelle: Panopticon.blackblogs.org