Februar 2, 2023
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
1,993 ansichten

Gefunden auf der Seite von Grupo Ruptura aus Madrid, der Text, sowie eine dazu Kritik von ‚Tridni Valka – Klassenkrieg‘ wurden von uns ĂŒbersetzt.

Wir haben zwei Texte aus dem spanischen Staat ausgegraben und ĂŒbersetzt die sich mit dem PhĂ€nomen des ‚15M‘ im spanischen Staat im Jahr 2011 auseinandersetzen, sowie welche die Herausforderungen von Anarchistinnen und Anarchisten in diesen sind, bzw., waren. Der hier vorliegende, der nicht nur ein, unserer Meinung nach, sehr naiver Text ist, das Übersetzten fĂŒhlte sich zum Teil wie ein ewiges Zahnziehen, warf zu seiner Zeit zwar nicht mal unwichtige Fragen auf, immerhin, und versuchte sich in der Beantwortung dieser. Der zweite Text dazu wird eine vernichtende Kritik an die Ereignisse des ‚15M‘ sein.

Die Fragen waren insofern richtig, denn sie stellen die ghettolastige Praxis einer anarchistischen Bewegung in Frage die nicht in der Lage war, und nach wie vor ist, gesellschaftlich zu handeln. Die Antworten sind opportunistischer, reformistischer und naiver Natur. Dennoch ist der Text sehr interessant, weil er aus einem gesellschaftlichen ‚Konflikt‘ entstand. Deswegen auch die Übersetzung und Publikation von diesem. Der von uns ĂŒbersetzte Texte versucht im Kontext dieser Bewegung eine Analyse und VorschlĂ€ge zur Debatte zu machen um die Intervention von Anarchistinnen und Anarchisten vor Ort zu „schĂ€rfen“. Eine durchaus wichtige Frage, die, wenn auch viele unserer GefĂ€hrtinnen und GefĂ€hrten es nicht unter den folgenden Begriffen hören wollen, eine ist, wo das Handeln einer revolutionĂ€ren Minderheit an der Tagesordnung steht. Es ist eine Tautologie die Frage zu stellen wie eine anarchistische und revolutionĂ€re Bewegung die die Mehrheit der Gesellschaft ausmachen wĂŒrde, handelt, da dies nicht der Fall ist, kann die Frage nur in Form der Minderheit gestellt werden. FĂŒr viele hat dies logischerweise einen leninistisch-stalinistischen und avantgardistischen faden Beigeschmack, doch stellt sich die Frage der Praxis im hier und jetzt nach wie vor. Diese Fragen versuchten die Verfassenden im konkreten Kontext von 2011 zu beantworten, wer sich noch daran erinnern kann, war der 15M hierzulande eine Quelle der Begeisterung, der Erleuchtung und der Faszination, meistens aus der weiten Betrachtung des Zuschauenden, des fernen wohl bemerkt, ohne das Konkrete zu verstehen, wo alles im Exotischen und im Fetisch zerfĂ€llt. Ähnlich was es mit der Revolte 2008 in Griechenland, mit dem arabischen FrĂŒhling, den Gelben Westen in Frankreich, etc. Solche PhĂ€nomene, Ereignisse und Dergleichen faszinieren weil den meisten, Anarchistinnen und Anarchisten leider auch, immer das Quantitative und nicht das Qualitative fasziniert.

Im Falle des spanischen Staates ist die Zusammenfassung kurz und prĂ€gend, aus der Bewegung schöpften nur reformistische und konterrevolutionĂ€re KrĂ€fte Kraft und grĂŒndeten eine Partei, Podemos, die jetzt Teil der spanischen Regierung ist und das Kapital und deren Interessen auf spanischen Nationalterritorium verwalten. Bravo, die feuchten TrĂ€ume einiger AnhĂ€nger von Negri, Gramsci, Lenin und Schmitt gingen damals in ErfĂŒllung. Sowie auch in Griechenland mit dem Wahlsieg von Syriza einige mit Posten im Innenministerium trĂ€umten, der Sozialismus war zum greifen nah. Doch was gedeiht aus dem Reformismus, falls dieser ĂŒberhaupt noch existiert und in gewisserweiße jemals existiert hat, aus der Konterrevolution? Nur der Tod durch die Hand des Kapitals. Stellt sich die Frage ob de Ausgang ein anderer hĂ€tte werden können.

Wir machten diese Übersetzung, weil wir leider wie so oft nicht in der Lage sind dazu selbst was zu schreiben. Und wollen zu diesem konkreten Text sagen, dass er, wenn auch komplett naiv und falsch, zumindest auf grundlegende Fragen zu stellen einige Antworten zu geben versuchte. Der Grund warum wir diesen Text ausgewĂ€hlt haben ist wie immer keine zufĂ€llige, sondern angesichts der gegenwĂ€rtigen Situation wo nicht nur weltweit Konflikte ausgetragen werden, der Kapital wieder in einen Moment der Krise sich befindet. Die Kriege, die Pauperisierung des Alltags, die Zerstörung der Umwelt, die Folgen der Pandemie, die UnfĂ€higkeit des Kapitals aus lebendiger Arbeit Mehrwert zu schöpfen, usw., bestimmen die jetzige Situation, und doch ist die Antwort vieler anarchistischer Gruppen hierzulande nur eine sozialdemokratische die mit radikalen Parolen verkleidet ist. Das Vergangene kann uns nach wie vor sehr zum Nachdenken verleiten und dies wĂ€re eine gute theoretische Übung um ins praktische zu kommen.

FĂŒr jede holprige Stelle und Ungenauigkeit entschuldigen wir uns an dieser Stelle mal wieder fĂŒr unsere UnfĂ€higkeit beim Übersetzten, sowie unsere UnfĂ€higkeit beim Schreiben.

Soligruppe fĂŒr Gefangene


(Tridni Valka – Klassenkrieg) Einleitung und eine kurze Kritik des Textes

Wir bringen hier einen Text „Spanien: Anarchisten und die Bewegung des 15. Mai – Überlegungen und VorschlĂ€ge“1, der von Anarchistinnen und Anarchisten aus Madrid verfasst und kĂŒrzlich von der Gruppe Klassenkrieg/Tridni Valka ins Tschechische ĂŒbersetzt wurde. Wir halten ihn fĂŒr einen sehr interessanten Beitrag zur Frage der AktivitĂ€ten revolutionĂ€rer Minderheiten in sozialen Bewegungen wie der Bewegung des 15. Mai. Er befasst sich mit der AktivitĂ€t innerhalb von Bewegungen, die voller WidersprĂŒche, Verwirrungen, falscher Ideen, Manipulierer und Politiker sind, die aber dennoch einige Forderungen vertreten und Fragen stellen, deren Inhalt hinter dem mehr oder weniger deutlichen Schleier der bourgeoisen Ideologie notwendigerweise einen klassistischen Aspekt hat – Forderungen, die menschliche BedĂŒrfnisse befriedigen oder sie gegen den Angriff der Bourgeoisie verteidigen, Forderungen, deren Streben nach ErfĂŒllung die menschlichen BedĂŒrfnisse notwendigerweise in Gegensatz zur Ökonomie, d.h. zu den Interessen des Kapitals, stellt.

Dieser Text hat eine Diskussion ausgelöst, in der wir natĂŒrlich versucht haben, starke und schwache Aspekte dieses Beitrags zu erkennen. Vorab sei gesagt, dass wir hier nicht die falsche Dichotomie zwischen Anarchismus und Marxismus (manche sagen auch Kommunismus) reproduzieren wollen. Dieser Dichotomie zu folgen, fĂŒhrt in der Praxis zu nichts anderem als einer weiteren Spaltung innerhalb unserer Klasse, wobei diese interne Zersplitterung der Bourgeoisie in die HĂ€nde spielt, die ein Interesse daran hat, alle KĂ€mpfe des Proletariats gegen das Kapital in KĂ€mpfe innerhalb der proletarischen Klasse selbst zu verwandeln.

NatĂŒrlich machen wir uns nichts vor, dass es weder Unterschiede noch verschiedene AnsĂ€tze und/oder SchwĂ€chen zwischen verschiedenen Strukturen gibt, die den historischen Prozess der Herausbildung der revolutionĂ€ren Opposition zum Ausdruck bringen – denn „diese beiden Strömungen“ (d.h. Anarchismus und Kommunismus) sind Produkte dieses Prozesses. Wir haben jedoch nicht die Absicht, das Beste aus dem „antiautoritĂ€ren“ Anarchismus und dem „wissenschaftlichen“ Marxismus herauszupicken und in einer Art Eklektizismus einen neuen „-ismus“ zu konstruieren. Ein solcher Ansatz wĂŒrde bedeuten, dass man in der Umarmung dieser Dichotomie bleibt.

Die einzig wichtige Praxis und Theorie, egal ob wir sie als anarchistisch oder kommunistisch bezeichnen, ist diejenige, die sich gegen den Staat und das Kapital stellt, die die Emanzipation des Proletariats verteidigt – also diejenige, die auf dem „massenhaften“ Klassenbewusstsein basiert, das die Klasse in ihrem praktischen Kampf und ihrer eigenen theoretischen Entwicklung außerhalb jeglicher Vermittler erlangt, durch die Entwicklung der Selbstorganisation der Klasse (direkte Kampfstrukturen auf der Grundlage des proletarischen Programms), durch Diskussionen, Praxis, SolidaritĂ€t, Internationalismus (das Proletariat hat keine Heimat!), bewaffneter Kampf
, all dies ist Teil des Prozesses, der das Proletariat zur revolutionĂ€ren Klasse macht, die die soziale Revolution durchfĂŒhrt. Deshalb kritisieren wir den Text auch nicht von dieser oder jener ideologischen Position aus, sondern aus der Perspektive dessen, was wir als Beitrag zur Entwicklung des proletarischen Kampfes betrachten.

Warum halten wir diesen Text also fĂŒr interessant? Weil der zentrale Gedanke des Textes die Diskussion darĂŒber ist, wie man zu diesem Prozess der Konstituierung des Proletariats als Klasse beitragen kann. Wie man in Bewegungen wie der 15M-Bewegung den Antagonismus zwischen proletarischen Interessen (ein wĂŒrdiges Leben, gesunde, d.h. ungiftige, und preislich erschwingliche Lebensmittel, weniger Arbeit ohne LohnkĂŒrzungen, d.h. der Kampf um die Senkung der Ausbeutungsrate und der Widerstand gegen die absolute Degradierung zu einer bloßen Begleiterscheinung des Produktionsprozesses – was in letzter Konsequenz nichts anderes ist als die Zerstörung des Kapitals) gegen die zerstörerischen Interessen der kapitalistischen Produktionsweise, wie man die proletarische Selbstorganisation gegen die demokratische Trennung von unserer Kraft und unserer Kontrolle anstachelt


Ein weiteres starkes Moment des Textes ist die entscheidende Kritik an einer Propagierung revolutionĂ€rer Organisationen per se, also Selbstwerbung, Selbstvermarktung, die nichts mit dem Prozess der Konstituierung des Proletariats zur Klasse zu tun hat. Ganz im Gegenteil, der Text prangert alle möglichen Sekten an, die versuchen, den Proletariern ihre „Wahrheit“ aufzuzwingen und sie zu rekrutieren, damit sie diese „Wahrheit“ passiv nachplappern, ganz so wie es die Herrschaft der bourgeoisen Ideologie anstrebt. Die sozial-proletarisch-kommunistische Revolution wird nicht durch eine ReprĂ€sentation ausgefĂŒhrt, eine solche Bewegung produziert keine Abgrenzungen, Spezialisten und Fetische, und die Revolution ist eine Aktion, eine AktivitĂ€t des „massenhaften“ klassenbewussten Proletariats.

Auf der anderen Seite scheint es uns jedoch, dass sich hinter dieser beitragenden (Selbst-)Kritik und der Ablehnung der Selbstvermarktung der pseudorevolutionĂ€ren Sekten eine SchwĂ€che des Formalismus verbirgt. Wenn die Autoren ĂŒber ihre Hingabe an Vollversammlungen sprechen, scheint es uns, zumindest lesen wir es so, dass sie in die Fetischisierung einer Form abgleiten. FĂŒr uns ist jede Form, z.B. Vollversammlungen, nicht per se „das effektivste Mittel, um zur Revolution zu fĂŒhren“. Die inhaltliche QualitĂ€t solcher Formen hĂ€ngt vom KrĂ€fteverhĂ€ltnis zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, zwischen dem Inhalt des proletarischen Kampfes (dem proletarischen Programm) und der Konterrevolution ab. Die Frage, wie sich der revolutionĂ€re Prozess entwickeln wird, ist also kein Problem einer Organisationsform oder Taktik, sondern eine Frage des Inhalts und der sich daraus ergebenden Formen und Methoden, die diesen Inhalt verwirklichen.

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken“, heißt es im Manifest der Kommunistischen Partei von 18482, und obwohl „die Tatsache aus, daß sich innerhalb der alten Gesellschaft die Elemente einer neuen gebildet habe (
) der Auflösung der alten LebensverhĂ€ltnisse die Auflösung der alten Ideen gleichen Schritt hĂ€lt.“, sind die von den Proletariern erhobenen Forderungen lediglich ein Ausdruck des Grades dieser Zersetzung in einem bestimmten Moment. RevolutionĂ€re Inhalte entstehen nicht ĂŒber Nacht. Das Proletariat ist zwar die erste ausgebeutete und zugleich revolutionĂ€re Klasse in der Geschichte, aber eben nur potenziell; erst wenn das Proletariat im historischen Sinne anfĂ€ngt, politisch zu kĂ€mpfen, sich zur Klasse zusammenschließt, seinen Klassenantagonismus (Programm) gegen das Kapital bewusst macht und sich mit einer eigenen Organisation (Partei) bewaffnet, dann kann man vom Proletariat als einer wirklichen revolutionĂ€ren Macht sprechen. Das ist der Grund, warum revolutionĂ€re Minderheiten innerhalb der proletarischen Strukturen um den revolutionĂ€ren Inhalt kĂ€mpfen mĂŒssen, der diesen Strukturen in der Tat nicht aufgezwungen werden kann, sondern im Gegenteil mit anderen Proletariern in diesem Prozess „wieder“ aufgegriffen und vertieft werden muss. Historisch gesehen können weder Vollversammlungen noch verschiedene RĂ€te (egal ob Arbeiter- oder NachbarschaftsrĂ€te) von sich aus völlig revolutionĂ€r sein, weil sie von der Gesellschaft, aus der sie hervorgehen, und von den Ideen derer, die an ihnen teilnehmen, bestimmt werden. Und weil „
 die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer VerfĂŒgung hat, disponiert damit zugleich ĂŒber die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen VerhĂ€ltnisse, die als Gedanken gefaßten herrschenden materiellen VerhĂ€ltnisse; also der VerhĂ€ltnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft. 
“3 Proletarier reproduzieren also selbst wĂ€hrend des Prozesses der BrĂŒche/KĂ€mpfe teilweise den Fortbestand ihres sozialen Status, sowohl durch die bourgeoise Ideologie als auch durch ihre eigene Bestimmung der Position der Proletarier. Die Überwindung dieser Position bedeutet sowohl die Zerstörung des Proletariers selbst als auch die Zerstörung der sozialen Beziehungen, die ihn bestimmen. Die verschiedenen Organisationsformen sind eine unvollstĂ€ndige, begrenzte und kontinuierliche Konkretisierung des Aufbaus des Proletariats zur revolutionĂ€ren Macht.

Der revolutionĂ€re Ansatz bezieht sich dann notwendigerweise auf gemeinsame proletarische Interessen en masse, auf Proletarier, die an diesen Strukturen als personifizierter Ausdruck des proletarischen Interesses teilnehmen, also auch auf unsere direkten Interessen. Dabei ist klar, dass die Interessen der Proletarier in „ihrem Bauch“ entstehen, dass die Proletarier nicht wegen guter Ideen auf die Straße gehen. Wenn wir ĂŒber die Propagierung des Programms sprechen, ist es wichtig, dies nicht mit einer vulgĂ€ren Propaganda durch die Verwendung von „großen“ Mottos zu verwechseln (wie die Autoren richtig bemerken) und von „(politischer) FĂŒhrung“ oder Richtung zu sprechen. Dieser Kampf beinhaltet notwendigerweise die StĂ€rkung der Rolle der revolutionĂ€ren Minderheiten und ihre organische Zentralisierung, um diesen Kampf effektiver zu machen.

Der letzte Punkt, den wir im Zusammenhang mit dem Text hervorheben möchten, ist die Frage des Reformismus. Wenn die Autoren sagen: „Durch direkte Aktionen Druck auf die Bankfilialen ausĂŒben, von denen die Hypotheken der in Schwierigkeiten geratenen Familien abhĂ€ngen, damit sie diese neu verhandeln oder einfach den Konflikt sichtbar machen. “ – dann ruft das zwar nicht zur Revolution auf, aber wir können es trotzdem nicht als Reformismus abtun. Diese Forderung oder dieses Interesse drĂŒckt vage ein wirkliches BedĂŒrfnis aus – also eine Forderung nach guten Lebensbedingungen oder deren Erhalt. Dieses Interesse, das fĂŒr die meisten der Proletarier eine momentane Antwort auf ihre belastende Wohnsituation zu sein scheint, wird hier im Kontext des KrĂ€fteverhĂ€ltnisses ausgedrĂŒckt, in der Bewegung, die widersprĂŒchlich ist, im VerhĂ€ltnis zwischen dem Proletariat als Klasse und dem Kapital, zwischen der Revolution und der Konterrevolution. Deshalb bleibt bei der Formulierung der eigentlichen Forderung unter den Proletariern „diese Reihe von Parolen, die typisch fĂŒr das entfremdete Proletariat sind, das heißt, das einer beherrschten Klasse angehört, die die Ideologie ihrer eigenen Beherrschung und Ausbeutung reproduziert.“

Hinter dem Schleier der bourgeoisen Ideologie und der Vermittlungen gilt es, den wahren Inhalt der proletarischen Mottos/Losungen aufzuspĂŒren und zwar wie Proletarier fĂŒr ihre Interessen kĂ€mpfen, wie sie mit ihrer eigenen Position eines isolierten individualistischen StaatsbĂŒrgers brechen, wie sie mit Gewerkschaften/Syndikate, politischen Parteien usw. brechen. RevolutionĂ€re mĂŒssen alle kurzsichtigen Forderungen in solchen KĂ€mpfen kritisieren und diese KĂ€mpfe in einen historischen Kontext stellen, gegen alle konformistischen Tendenzen (die eine Antwort nur in einer politischen SphĂ€re oder in einer teilweisen Anpassung eines bestimmten Gesetzes finden
), gegen alle Ideologien, die versuchen, die Bewegung in verschiedene Interessengruppen aufzuteilen (Jugendliche und ihre spezifischen BedĂŒrfnisse, Rentner, Arbeiter, Arbeitslose
) und gegen alle selbsternannten AnfĂŒhrer und Prominenten (Gewerkschafts-, SyndikatenfĂŒhrer, Journalisten, die intellektuelle Elite oder aus dem Exil zurĂŒckkehrende Oppositionelle
), die versuchen, die KĂ€mpfe wieder in „realistische“ Bahnen zu lenken und so die proletarische Klasse in ein unterwĂŒrfiges Subjekt zu verwandeln, das seiner revolutionĂ€ren Kraft beraubt ist. Wenn die KĂ€mpfe innerhalb der Grenzen der bourgeoisen Ideologie bleiben und nicht in der KlĂ€rung, Vertiefung und Verallgemeinerung der Forderungen vorankommen, ist das nicht nur eine echte SchwĂ€che, sondern auch eine Niederlage des Kampfes.

Reformismus ist fĂŒr uns purer Konformismus, dessen einziger Zweck es ist, wichtige und entscheidende KĂ€mpfe zwischen Proletariern und der Bourgeoisie zu verhindern – d.h. die Eskalation des Klassenkonflikts zu verhindern. WĂ€hrend eine Forderung, wie verworren oder unvollstĂ€ndig sie auch immer formuliert sein mag, die tatsĂ€chlichen BedĂŒrfnisse und Interessen des Proletariats reprĂ€sentiert, verĂ€ndert die Reform die RealitĂ€t so, dass alles beim Alten bleibt, die Reform verĂ€ndert Ausbeutung und Herrschaft, um jeden Angriff auf diese Pfeiler der bourgeoisen Gesellschaft auszuschalten. Wir meinen hier verschiedene Verbesserungen des Wahlkretinismus, das Einschmelzen eines Kampfes in der Zivilgesellschaft auf der Grundlage von Non-Profit-Organisationen, WohltĂ€tigkeitsorganisationen oder Mikrofinanzierung (Sozialkapital) usw., also alle AktivitĂ€ten, die die Proletarier auf der Ebene des einzelnen StaatsbĂŒrgers-WĂ€hlers, des StaatsbĂŒrgers-Zivilaktivisten halten, die die politische Macht der Bourgeoisie nicht angreifen und die prinzipielle Position des Proletariers als Klasse nicht verĂ€ndern. Der Reformismus ist eine bourgeoise Antwort auf die zunehmenden proletarischen Forderungen, die Antwort, die ihnen zeigen soll, dass diese VerĂ€nderung das Maximum ist, was sie – als verlĂ€sslicher Partner in der Diskussion mit den Vertretern des Kapitals – erreichen können, so dass sich vor allem auch nach der „VerĂ€nderung“ nichts Grundlegendes geĂ€ndert hat.

Die gegenwĂ€rtige Form der weltweiten Krise des VerhĂ€ltnisses zwischen Arbeit und Kapital hat nicht nur dazu gefĂŒhrt, dass immer mehr Proletarier als ĂŒberflĂŒssig ĂŒber Bord geworfen werden, dass die Reproduktion der Proletarier in dieser Epoche der kapitalistischen Herrschaft offensichtlich eine Sache ist, um die sich die Bourgeoisie einen Dreck schert, dass die Proletarier sich im Namen der nationalen Ökonomien (d.h. (d.h. die Ökonomie der „eigenen“ Bourgeoisie und damit auch die des Staates) opfern mĂŒssen, hat uns diese Krise auch gezeigt, dass die grundlegenden proletarischen BedĂŒrfnisse innerhalb dieses VerhĂ€ltnisses weder erfĂŒllt noch stabilisiert werden können, dass hinter der AnkĂŒndigung der politischen Eliten, dass im nĂ€chsten oder ĂŒbernĂ€chsten Jahr alles wieder besser sein wird, nichts anderes steht als eine weitere und noch zerstörerischere Maßnahme, die zu unserer totalen Verarmung fĂŒhrt. Wir leben in einer Epoche, in der das Kapital versucht, mit seinem zweiten Teil fertig zu werden – mit dem Proletariat, seiner ewigen Last. Das weltweite Gespenst der proletarischen Revolution – Demonstrationen, Ausschreitungen, Revolten, von Peru bis China, von SĂŒdafrika ĂŒber den Maghreb nach Griechenland – zeigt, dass das Proletariat noch nicht fĂŒr immer begraben ist. Die 15M-Bewegung, die sich in Spanien entwickelt hat, ist nur eine Episode in diesem Prozess. Wir befinden uns in einer Situation, in der sich die weitere Entwicklung dieses Kampfes entscheiden wird. Es wird sich zeigen, ob er sich in eine Reform verwandelt, die die barbarische Herrschaft des Kapitals verstĂ€rkt, oder ob er sich seinen Weg (oder zumindest einen Schritt nach vorne) zur totalen Zerstörung der herrschenden gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse und zu einer Gesellschaft, die auf menschlichen BedĂŒrfnissen basiert – dem Kommunismus – bahnt.

Gruppe Klassenkrieg/Tridni Valka, Juli 2011

***

Die Anarchisten4 und Anarchistinnen und der 15M5

Dieser Text wurde in Madrid verfasst, sodass viele der Beschreibungen und Überlegungen möglicherweise nicht auf die RealitĂ€t in anderen Orten passen, insbesondere angesichts der HeterogenitĂ€t der 15M-Bewegung. Dennoch denken wir, dass sie als Ausgangspunkt fĂŒr Überlegungen fĂŒr alle GefĂ€hrt*innen nĂŒtzlich sein kann, die sich an den Vollversammlungen beteiligen, unabhĂ€ngig vom Ort. Der Text wurde in aller Eile geschrieben und korrigiert, damit er noch vor dem Aufruf zu den Stadtteil- und Stadtvollversammlungen am 28. Mai verfĂŒgbar ist. Bitte beachtet das beim Lesen und entschuldigt eventuelle Fehler, die der Text haben kann.

0. Ein paar Worte zu Beginn


Lasst uns die Dinge klarstellen. Diejenigen von uns, die diesen Text unterschreiben, sind Anarchist*innen, antiautoritĂ€re Kommunist*innen, Antikapitalist*innen oder was auch immer fĂŒr ein Etikett ihr verwenden wollt. Das heißt, wir sind fĂŒr die Abschaffung von der Lohnarbeit und dem Kapital, die Zerstörung des Staates und seine Ersetzung durch neue horizontale und geschwisterliche Formen des Zusammenlebens. Wir glauben, dass die Mittel, um dies zu erreichen, so kohĂ€rent wie möglich mit den Zielen sein mĂŒssen, die sie anstreben. Deshalb sind wir gegen die Beteiligung an Institutionen, gegen politische Parteien (parlamentarisch oder nicht) und hierarchische Organisationen und fĂŒr eine Politik, die auf Vollversammlungen6, SolidaritĂ€t, gegenseitiger Hilfe, direkten Aktionen usw. basiert. Denn wir sind ĂŒberzeugt, dass dies die effektivsten Mittel sind, um uns zur Revolution zu fĂŒhren.

Wenn wir das sagen, dann nur, um jeden Verdacht auszurĂ€umen und um die Linien zu markieren, entlang derer wir diesen Beitrag bewegen wollen. Nur weil wir fĂŒr eine soziale Revolution sind, die den Kapitalismus und den Staat zerstört und die sozialen Klassen abschafft (und so viele andere Dinge), heißt das nicht, dass wir glauben, dass dies kurzfristig und ĂŒber Nacht geschehen kann. Was wir hier dargelegt haben, sind Ziele, d.h. Situationen, die wir hoffentlich nach einem langen Weg und einer beachtlichen Entwicklung der revolutionĂ€ren Bewegung erreichen werden. Das Gegenteil zu denken ist nicht utopisch, sondern eine Übung im Delirium und eine immediatistische TagtrĂ€umerei7. Ein revolutionĂ€rer Gesichtspunkt muss die Form einer kurzfristigen Strategie annehmen, einer Reihe von VorschlĂ€gen, um in die RealitĂ€t zu intervenieren, die uns einer Situation nĂ€her bringen, in der Fragen wie die Abschaffung der Lohnarbeit, die Errichtung des libertĂ€ren Kommunismus, eine soziale Revolution
 Fragen, die heute offensichtlich nicht einmal im Entferntesten auf dem Tisch liegen. Diese Intervention kann sich nicht darauf beschrĂ€nken, die dringende Notwendigkeit einer Revolution und der Abschaffung von Staat und Kapital beharrlich zu wiederholen. Anarchist*in zu sein bedeutet nicht, eine NervensĂ€ge zu sein die anderen hinterherlĂ€uft und immer wieder wiederholt, wie schlecht der Staat ist und wie gut die Anarchie ist. Und doch haben wir in den letzten Tagen als Folge der 15M-Bewegung im Internet Texte und Kommentare gelesen, die an ein immediatistisches Delirium grenzen, und, was noch schlimmer ist, wir haben von GefĂ€hrt*innen und Freund*innen Positionen gehört, die in den Abgrund des Anarco-Chapismo8 abrutschen, die bei all ihren guten Absichten im Maximalismus grandioser Parolen, langfristiger VorschlĂ€ge usw. gefangen sind. Wir wissen sehr wohl, wovon wir sprechen, denn wir alle waren schon einmal in solchen Situationen und, was noch schlimmer ist, wir haben oft zu deren Ausweitung beigetragen. Wir wollen auch klarstellen, dass dieser Text sowohl kritisch als auch selbstkritisch ist und dass er vor allem dazu dient, zu versuchen, nicht selbst in diese Fallen zu tappen. Abschließend ist anzumerken, dass dieser Text in Eile geschrieben wurde, mit dem Ziel, ihn vor dem 28. Oktober zu veröffentlichen, wenn die Asambleas Populares9 in verschiedenen Stadtteilen und StĂ€dten Madrids einberufen wurden. Wir haben getan was wir konnten.

Kurz gesagt, dieser Text soll eine Reflexion und ein Vorschlag sein, um die Sackgasse zu durchbrechen, in der wir seit langem stecken, um die Lasten loszuwerden, die viele von uns mit sich herumschleppen und die uns lahmlegen. Es ist im Wesentlichen eine Reflexion, um zu klÀren, wie wir zu dem, was um uns herum geschieht, beitragen und daran teilnehmen können.

1. Die 15M-Bewegung: grundlegende Koordinaten

Und was um uns herum passiert, ist natĂŒrlich die sogenannte 15M-Bewegung, die in der letzten Woche in die nationale Politik eingebrochen ist wie ein Elefant im Porzellanladen. Ob es uns gefĂ€llt oder nicht, und ob wir es wollen oder nicht, die 15M-Bewegung hat alle Erwartungen gebrochen und alle ĂŒberrascht: Polizei, Politiker, Journalisten, Versammlungsleiter, normale Menschen, StaatsbĂŒrger10, Linke11 und natĂŒrlich auch die Anarchisten. Zu Beginn standen alle im Abseits und von da an war alles eine Reihe von mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen, Positionen gegen oder innerhalb von 15M einzunehmen. Wir werden nicht die Ursachen analysieren oder die verschiedenen Verschwörungstheorien oder RauschzustĂ€nde untersuchen, die in ihrem Gefolge entstanden sind; das ist fĂŒr das, was wir sagen wollen, nicht wichtig. Wir werden versuchen, die grundlegenden Koordinaten, in denen sich die sogenannte 15M-Bewegung bewegt, oder zumindest die wichtigsten davon, darzustellen, um zu sehen, ob (und wenn ja, wie) eine anarchistische oder antikapitalistische Beteiligung an ihr möglich ist. Es ist logisch, dass es sich dabei um eine bruchstĂŒckhafte, partielle und unvollstĂ€ndige Beschreibung handeln wird. Das ist uns egal, die Dinge bewegen sich zu schnell.

ZunĂ€chst ist zu sagen, dass die 15M-Bewegung eine echte soziale Bewegung ist und als solche enorm heterogen und widersprĂŒchlich ist. Es gibt alles und alles ist in verschiedenen Dosen vorhanden. Das heißt, alles, was wir hier sagen, sollte nicht als absolute Definitionsmerkmale verstanden werden, sondern eher als Tendenzen, Nuancen, etc. AusdrĂŒcke einer Bewegung im Aufbau, in der es KĂ€mpfe, Spannungen und stĂ€ndige VerĂ€nderungen gibt.

Nach dieser ErklĂ€rung, aus ihrer sozialen Zusammensetzung und den Parolen, die in den Vollversammlungen und Arbeitsgruppen am hĂ€ufigsten zu hören sind, sowie aus den Meinungen der Menschen, die sie stĂ€ndig im Internet (Twitter) bekannt machen, könnte man sagen, dass sie hauptsĂ€chlich eine StaatsbĂŒrgerbewegung12 und offen demokratisch ist. Oder besser gesagt, es sind diese Art von VorschlĂ€gen fĂŒr politische und soziale Reformen (Wahlreform, echte Demokratie, mehr Partizipation, Kritik an den Mehrheitsparteien, aber nicht am reprĂ€sentativen System oder den Parteien im Allgemeinen
), die im Allgemeinen die meisten Menschen und die meisten erhobenen HĂ€nde13 um sich versammeln.

Dieser Inhalt drĂŒckt sich jedoch in Vollersammlungsformen14 aus, die jede klassische ReprĂ€sentation ablehnen (wie z.B. eine weitere politische Partei zu werden) und die jede Ideologie, jedes Symbol oder jede vorgefertigte politische Form ablehnen (von Parteien bis hin zu republikanischen Fahnen15, ĂŒber die AÂŽs im Kreis16). Auf Twitter kursiert eine Parole: „Hier geht es nicht um links oder rechts, sondern um oben und unten“. Die sich im Moment vor allem fĂŒr Selbstorganisation, direkte (gewaltfreie) Aktionen und zivilen Ungehorsam ausspricht, auch wenn sie diese Zauberworte nicht benutzt. Die Gewaltlosigkeit ist in der Tat eine weitere der grundlegenden Koordinaten vom 15M, etwas, das zweifelsohne kollektiv und ohne Diskussion vorausgesetzt/ĂŒbernommen wird. Darauf werden wir spĂ€ter eingehen.

All das lenkt nicht von der Tatsache ab, dass im Kern ein „Machtkampf“ zwischen verschiedenen „Fraktionen“, ob organisiert oder nicht, zu erkennen ist. Mitglieder und Militante linker politischer Parteien, Mitglieder der sozialer Bewegungen, LibertĂ€re, ganz normale und gewöhnliche „empörte“ Menschen mit ihrer eigenen Weltanschauung usw. kĂ€mpfen innerhalb der Bewegung auf allen Ebenen, von der ideologischen oder praktischen Ausrichtung der Bewegung bis hin zur Kontrolle (und in vielen FĂ€llen Manipulation) der Vollversammlungen, Kommissionen usw. In vielen Kommissionen und Gruppen sehen wir alles: Gelegentlicher Verlust von Protokollen, Personalismus, Leute, die sich an die Sprecher klammern, Delegierte, die in den Vollversammlungen Dinge verschweigen, Kommissionen, die Vereinbarungen ĂŒberspringen, kleine Gruppen, die den kleinen chringuito den sie sich da aufgebaut haben17 am Laufen halten wollen, usw. Viele davon (A.d.Ü., gemeint sind die Kommissionen) sind sicherlich das Ergebnis von Unerfahrenheit und Egos; andere scheinen direkt aus den alten HandbĂŒchern fĂŒr die Manipulation von Vollversammlungen zu stammen.

Um diesen Kampf herum gibt es auch all die Menschen, die vorbeikommen. Menschen, die kommen, um mitzumachen, um zuzuhören, um zugehört zu werden, um Essen oder andere Materialien beizutragen, um zu sehen, was vor sich geht, oder einfach, um in ihrer eigenen Stadt Fotos als Touristen zu machen. Unter den Zelten in Sol (A.d.Ü., ein zentraler Platz in Madrid) hat man das GefĂŒhl, auf einem großen Basar zu sein, wo nichts gekauft oder verkauft wird.

Andererseits ist eines der großen Probleme der Zeltlager18 die Schwierigkeit, sich vollstĂ€ndig daran zu beteiligen: nicht jeder kann jeden Tag ins Stadtzentrum gehen, nicht jeder kann ĂŒber Nacht bleiben, nicht jeder kann regelmĂ€ĂŸig in den Kommissionen mitarbeiten, usw. Dies kann zweifellos die Bildung von informellen FĂŒhrungsgruppen, Cliquen, seltsamen Dingen und seltsamen VerlĂ€ufen begĂŒnstigen, die Menschen, die nicht dumm sind, bemerken, kommentieren und entsprechend handeln werden. Eine mögliche Folge davon, wer im Zeltlager das meiste Gewicht hat (und auch davon, wer es eher gewohnt ist, zu gehen und AktivitĂ€ten vorzuschlagen), ist die fortschreitende Ghettoisierung, die das Zeltlager im Laufe des Wochenendes erfahren hat. Verglichen mit der Versammlungs- und ProtestatmosphĂ€re der intensivsten Tage (vor allem am Freitag, angesichts der Erwartung aufgrund des Verbots des Zentralen Wahlvorstands), verlor sich die Stimmung am Wochenende und eine spielerischere und weniger protestierende AtmosphĂ€re machte sich bemerkbar, obwohl die Kommissionen, Unterkommissionen und Arbeitsgruppen weiter arbeiteten. Manchmal scheint #acampadasol das Schlimmste und Banalste der Squats im Ghetto zu reproduzieren: Workshops, Konzerte, Batucadas (A.d.Ü., Getrommel), VokĂŒs, AuffĂŒhrungen, Clowns usw. auf Kosten der ursprĂŒnglichen Aspekte, die viel stĂ€rker auf Protest, Politik und „Empörung“19 (wie pro-demokratisch und begrenzt auch immer) ausgerichtet sind. Auf Twitter, das, wie wir nicht vergessen sollten, maßgeblich fĂŒr den Aufstieg der 15M-Bewegung und des Zeltlagers auf Sol verantwortlich ist, dringt diese Unzufriedenheit zu vielen Menschen durch, die dieser Entwicklung nicht wohlwollend gegenĂŒberstehen. Ein deutliches Beispiel fĂŒr die Unzufriedenheit, die am Wochenende herrschte, war das Thema „botellĂłn ja – botellĂłn nein“20, am Samstag musste eine der Vollversammlungen auf Sol wegen der vielen besoffenen Menschen verlassen, und das Thema batucadas, das am Sonntag sogar die Verschiebung einiger Vollversammlungen erzwang, wo aufgrund des LĂ€rms, man nichts hören konnte (obwohl man sagen muss, dass die batucadas genau wie der botellĂłn eine große Anziehung hatten).

Es ist offensichtlich, dass die 15M-Bewegung keine Revolution ist, das weiß man aus dem A und O Handbuch der Militanz21 und wer sie aufgrund des Hashtags #spanishrevolution, mit dem sie sich anfangs verbreitete, kritisiert, sollte erkennen, dass es sich um eine Mischung aus Marketing, Scherz und Illusion handelt. Das ist alles.

Der letzte Punkt, den wir ansprechen wollten, ist das, was fĂŒr uns neben dem ausgeprĂ€gten horizontalen und vollversammlungsbasierten Charakter (mit all seinen MĂ€ngeln, von denen es viele gibt) vielleicht das Wichtigste ist: der brutale Gesinnungswandel, den wir wĂ€hrend dieser Woche in der Umgebung von Sol beobachten konnten. Fassen wir noch einmal zusammen. Nach der ersten Massendemonstration am 15. Mai und vor allem nach der RĂ€umung der ersten Campierenden (A.d.Ü., im Zeltlager der in Sol errichtet wurde) haben die Menschen die Puerta del Sol Nacht fĂŒr Nacht in einer Weise in Beschlag genommen, die keiner von uns je zuvor gesehen hatte. Die Mobilisierungen gegen den Krieg, auch wenn einige massiver waren, hatten bei weitem nicht die KontinuitĂ€t, die Beteiligung, die Einstellung und die AtmosphĂ€re, die wir diese Woche in Sol erlebt haben. Es ist so als ob ganz plötzlich, die PassivitĂ€t und die Tatsache, dass jeder seinen eigenen Weg geht, um den Kilometer 0 (A.d.Ü., gleich vom Anfang an) herum durchbrochen wurde. Das Verteilen von FlugblĂ€ttern in Sol und den umliegenden Straßen ist eine Freude, die Leute kommen auf dich zu und bitten dich, ihnen eines zu geben, sie nehmen es mit einem LĂ€cheln, sie stellen dir Fragen, sie danken dir
 In den ersten Tagen, wenn du eine Gruppe gebildet hast, um ĂŒber etwas zu sprechen, haben die Leute zugehört und zugehört. Es war normal, eine Vielzahl von Menschen zu sehen, die in kleinen Gruppen diskutierten; die Arbeitsgruppen und Vollversammlungen sind Massenveranstaltungen mit 500, 600 und 2000 Menschen (sitzend, stehend, versammelt, um etwas zu hören) usw. Und außerdem dieses stĂ€ndige GefĂŒhl einer guten AtmosphĂ€re, von „das ist etwas Besonderes“. All das erreichte seinen Höhepunkt in der Nacht von Freitag auf Samstag, als der Tag der Besinnung begann. Es war wirklich beeindruckend zu hören, wie mehr als 20.000 Menschen „Wir sind illegal“ brĂŒllten und sich wie Kinder darĂŒber amĂŒsierten, das Gesetz zu brechen. Es stimmt, dass diese intensive AtmosphĂ€re der Beteiligung und echten Politik nach dieser Nacht zu schwinden begann. Zum Teil wegen des Kicks am Freitagabend, zum Teil wegen der Entscheidung, am Samstag und Sonntag keine „Politik“ zu machen, hatte das Wochenende einen viel festlicheren, „zirkusĂ€hnlicheren“ Ton als die Tage zuvor. Trotzdem können wir uns an so etwas Ă€hnliches nicht erinnern, um ehrlich zu sein.

2. Was nicht auf dem Spiel steht. Eine strategische Vision.

Nach alldem, stellt sich die Frage, was wir Anarchisten dort machen? FĂŒr jeden LibertĂ€ren, der etwas auf dem Kasten hat – und das ist glĂŒcklicherweise die große Mehrheit – ist es offensichtlich, dass man dort sein muss, dass es dort was vor sich hin geht. Was keiner von uns so genau weiß, ist, was wir tun können, was wir beitragen können und was wir von der 15M-Bewegung erwarten können. Und das ist auch logisch, angesichts der HeterogenitĂ€t und der WidersprĂŒche, die sie mit sich bringt. In diesem Abschnitt werden wir versuchen auszudrĂŒcken, wie und in welchem Sinne es unserer Meinung nach interessant sein kann, sich an dieser Bewegung zu beteiligen und einen Beitrag zu leisten. Wir sagen strategische Vision, weil es eine allgemeine Vision ist, die wir spĂ€ter mit konkreten VorschlĂ€gen und einigen taktischen Überlegungen einzugrenzen versuchen werden.

Der grĂ¶ĂŸte Teil des Prozesses, der momentan in der 15M-Bewegung sich entwickelt, besteht darin, die politischen Parolen und Forderungen zu finden, die sie definieren werden. Dieser Prozess findet sowohl in den Arbeitsgruppen als auch in den Kommissionen selbst statt. In den ersteren wird mehr debattiert und ideologisch gekĂ€mpft, wĂ€hrend in einigen der letzteren, wo diese Debatten konkretisiert werden, die Tricks und Kniffe usw. zu sehen sind. Man muss nicht besonders schlau sein, um zu wissen, wo das Chaos herrscht: in Kommissionen wie Kommunikation, Inneres, Vollversammlung und Politik wirst du die meisten Politiker pro Quadratmeter finden. Bei Kommissionen wie Infrastruktur, Lebensmittel oder Respekt sind die Stiche in den RĂŒcken dagegen viel geringer. NatĂŒrlich sagen wir nicht, dass dies die einzige Sache ist, die in den Kommissionen gemacht wird, aber einige der Dinge, die wir gesehen haben oder von denen wir gehört haben, sind Ă€ußerst problematisch.

Wie wir bereits gesagt haben, sind die Forderungen mit dem grĂ¶ĂŸten Widerhall in #acampadasol die der politischen Reformen und in geringerem Maße die der sozialen Reformen, mit einem starken staatsbĂŒrgerlichen Inhalt: Reform des Wahlgesetzes, ein Gesetz der politischen Verantwortung, mehr Partizipation, das Gesetz ĂŒber die RĂŒckzahlung von Hypotheken, etc. Mitglieder und Militante linker Parteien (IU, IA usw.) und sozialer Bewegungen versuchen, das Schiff mehr nach links zu lenken damit mehr klassische linke Forderungen ĂŒbernommen werden (vom Grundeinkommen oder der Streichung der Auslandsschulden bis hin zur Verstaatlichung der Banken), obwohl sie es mit denen zu tun haben, die es vorziehen, dass die Bewegung so neutral wie möglich bleibt (z.B. http://twitpic.com/51lyqa) und sich auf einen grundlegenden #consensodeminimos22 konzentriert. Unserer Meinung nach ist das wahrscheinlichste Ziel beider Seiten, dass entweder durch eine Art Volksinitiative oder durch eine politische Partei, wahrscheinlich der IU, dem Kongress ein Vorschlag unterbreitet wird, der durch eine Volksabstimmung gebilligt werden soll. In diesem Sinne spielen sich die einen und die anderen den Inhalt eines solchen Vorschlags und sicherlich auch um die Art und Weise, wie er umgesetzt werden soll, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt können sie sich auf bestimmte grundlegende Punkte einigen.

NatĂŒrlich sind wir Anarchisten davon ĂŒberzeugt, dass einige dieser Reformen, selbst wenn sie einige der „Defekte“ des Systems Ă€ndern, die die Menschen am meisten stören, nichts Wesentliches Ă€ndern werden. Das Problem ist nicht die politische Korruption, sondern die Politik als eine vom Leben getrennte SphĂ€re; das Problem ist nicht die mangelnde Transparenz der Regierungen, sondern die Regierungen selbst; und das Problem sind nicht die Banken und BĂ€nker, sondern die kapitalistische Ausbeutung: die große und die kleine.

Wir sind der Meinung, dass Anarchisten sich nicht an diesem Kampf beteiligen können und sollten, dem Kampf der großspurigen Forderungen und der hochfliegenden Politik. Wir sollten uns nicht auf dieses Spiel einlassen, obwohl wir, wenn wir in den Vollversammlungen sein wollen, davon ausgehen mĂŒssen, dass wir es ertragen werden mĂŒssen und uns dem entgegenstellen mĂŒssen. Wir haben auf diesem Brett nichts verloren. Die 15M-Bewegung ist keine anarchistische oder antikapitalistische Bewegung, also sind maximalistische anarchistische Forderungen fehl am Platz. Es ergibt keinen Sinn, dafĂŒr zu kĂ€mpfen, dass auf Hauptvollversammlungen Dinge wie die verallgemeinerte Selbstverwaltung, die Abschaffung der KnĂ€ste oder auch nur ein unbefristeter Generalstreik beschlossen werden, denn es ist klar, dass die Menschen, die dort sind, und die Menschen, die sie mit Erwartung und Sympathie verfolgen, nicht dafĂŒr sind. Angenommen (also sehr viel angenommen), die Hauptvollversammlung oder die Nachbarschaftsvollversammlungen wĂŒrden aus irgendeinem seltsamen Grund oder einer seltsamen List einen dieser Parolen akzeptieren und sich zu eigen machen, wĂŒrde die 15M-Bewegung höchstwahrscheinlich schnell die Luft verlieren, einen Großteil ihrer UnterstĂŒtzung und Sympathie einbĂŒĂŸen und ein seltsamer Volksfront-Cocktail aus linken Militanten, StaatsbĂŒrgeraktivisten23, Kommunisten und Anarchisten bleiben. Mit anderen Worten, genau das, was wir immer kritisiert haben und wo wir nie hinwollten. In der Politik gibt es den Begriff „mit den FĂŒĂŸen abstimmen“, was bedeutet, dass man einfach woanders hingeht, wenn einem die Verwaltung eines Ortes nicht gefĂ€llt. Etwas Ähnliches passiert in allen Vollversammlungen, es gibt viele Menschen, die, wenn ihnen etwas nicht gefĂ€llt oder sie sich unwohl fĂŒhlen, schweigen, sich verbeugen und nicht mehr vorbeikommen, ohne ihre Unzufriedenheit zu Ă€ußern.

Warum passiert das alles? Denn echte Bewegungen sind meist ziemlich komplex. Sie haben ihre Zusammensetzung, ihre Idiosynkrasien (A.d.Ü., Eigenheiten) und ihre Entwicklungen, und vor allem, weil man nicht erwarten kann, dass Menschen ĂŒber Nacht zu Anarchisten werden. Keiner von uns ist schnell und schmerzlos zu einem/einer Anarchist*in geworden, sondern durch IrrtĂŒmer, Illusionen, InkohĂ€renzen, EnttĂ€uschungen, Debatten, Frustrationen, Ausraster und oft durch das Aufschlagen auf den Boden (manchmal im wörtlichen Sinne, mit einem Polizisten oben drauf). Es spielt keine Rolle, dass sich bei diesen Gelegenheiten die Menschen und Dinge schwindelerregend verĂ€ndern. Es tut uns leid, aber wir glauben, dass es einfach nicht funktionieren wird.

Wir mĂŒssen uns ĂŒber die ReprĂ€sentativitĂ€t der Kommissionen gegenĂŒber den Menschen die die Mobilisierung ausmachen im Klaren sein. Das zeigte sich deutlich in der Kommission Politik, die auf ihrem Höhepunkt 350 Menschen zwischen den beiden Unterkommissionen (kurz- und langfristig) zusammenbringen konnte. Es ist klar, dass die Vollversammlungen offen sind und jeder an ihnen teilnehmen konnte, aber die Wahrheit ist, dass sie am Ende zu zwei Unterkommissionen geworden sind, die scheinbar durch Zeitphasen getrennt wurden, die aber in Wirklichkeit zwei sehr unterschiedliche Postulate markieren, das „reformistische“ und das „revolutionĂ€re“, zwischen denjenigen, die die Machtstrukturen mit kleinen (oder großen) Gesetzesreformen fordern und legitimieren, und denjenigen, die einen Weg des Bruchs mit dem vom Kapitalismus aufgezwungenen Modell markieren wollen.

Das ist ein schwerwiegender Fehler, denn es kann kurzfristig „revolutionĂ€re“ oder radikale Maßnahmen geben und langfristig mĂŒssen wir uns nur ĂŒber den aktuellen Kontext und die Schritte, die wir unternehmen wollen, im Klaren sein. Um ein Beispiel zu nennen: In der Kurzzeitkommission werden Änderungen an der spanischen Verfassung vorgeschlagen, und in der Langzeitkommission Konsenslösungen wie ein Generalstreik. Wir glauben nicht, dass eine Änderung der Verfassung (sie benötigt die Zustimmung von Ÿ des Abgeordnetenhauses) kurzfristig viel praktikabler ist als die Ausrufung eines Generalstreiks (der eher ein Mittel des Kampfes als ein Selbstzweck ist), auch wenn dies derzeit recht kompliziert ist.

Wir glauben, dass es notwendig ist, ĂŒber unser Engagement in den Kommissionen nachzudenken und zu versuchen, sicherzustellen, dass sie effizient sind und dass der Verschleiß und die Energieverschwendung gut kanalisiert werden. Es bringt nichts, wenn sich 200 Menschen mit einer „Àhnlichen“ Ideologie zusammenfinden und einen Kurs festlegen, der weder von dieser Bewegung (wie heute) ĂŒbernommen werden kann, noch die kurzfristigen Forderungen einfach nur ein PlĂ€doyer fĂŒr die StĂ€rkung des Wohlfahrtsstaates sind
 Bei dieser Reflexion sollten wir Selbstkritik ĂŒben und sofort ĂŒber kurz- und langfristige VorschlĂ€ge nachdenken, die ĂŒbernommen werden können und die uns vorwĂ€rts bringen oder uns Schritte in Richtung einer echten sozialen Revolution machen lassen, denn sonst enden wir in der Erschöpfung einer Gruppe von Menschen, die sich ĂŒber den Moment hinweg befinden. Wir sollten etwas Intelligenz zeigen und uns der Illusion des Wandels, die in diesen Tagen in der Puerta del Sol geweckt wird, anschließen, um zu sehen, ob wir gemeinsam dafĂŒr sorgen können, dass dieser Wandel ein wenig weiter geht als vier Reparaturen an der Fassade der Demokratie.

Welche anderen Möglichkeiten haben wir also?

Sicherlich haben viele von euch schon einmal darĂŒber nachgedacht oder sich sogar dabei ertappt, dass sie, ohne es zu merken, den Diskurs verwĂ€ssert haben, d.h. dass wir unsere VorschlĂ€ge versĂŒĂŸt haben, um zu sehen, ob sie mit ein wenig Zucker besser ankommen. Zum Beispiel spielen wir mit einer eigennĂŒtzigen semantischen Verwirrung, die von „direkter Demokratie“ statt von „Anarchie“ spricht, wir schlucken alles, was wir schlucken mĂŒssen, um die Geschichte am Leben zu erhalten, usw. usw. usw.

Eine andere Möglichkeit ist, den kleinen Laden den sich da einigen aufgebaut haben, aufgrund seines reformistischen Charakters aufzugeben. Aus unserer Sicht ist das einfach absurd. Im Grunde, weil weder heute noch in der Geschichte revolutionĂ€re Bewegungen aus dem Nichts oder von selbst entstanden sind, sondern weil es die RevolutionĂ€re selbst und die Ereignisse sind, die es mit ihren BemĂŒhungen und ihrer HartnĂ€ckigkeit manchmal schaffen, soziale Bewegungen nicht lĂ€nger zur DomĂ€ne von Parteien, Profiteuren usw. zu machen.

Obwohl wir spĂ€ter darĂŒber noch sprechen werden, wollen wir klarstellen, dass unsere Idee nicht darin besteht, die 15M-Bewegung in eine „revolutionĂ€re Massenbewegung“ zu verwandeln, was genauso ein Film ist wie die Vorstellung, dass die Anarchie morgen kommen wird, wenn wir es nur stark genug wĂŒnschen. Wir sagen auch nicht, dass wir bis zum Ende dabei sein mĂŒssen, nur um dabei zu sein. Uns ist klar, dass wir, wenn wir die Dinge nicht richtig machen, irgendwann gehen mĂŒssen oder, was auch sehr wahrscheinlich ist, rausgeschmissen werden. Aber uns scheint klar zu sein, dass dieser Moment noch nicht gekommen ist, dass es noch Möglichkeiten gibt, zu dieser Geschichte beizutragen und daran teilzunehmen, vor allem angesichts der Einberufung von populĂ€ren Vollversammlungen (Asambleas Populares) in den Stadtvierteln.

Damit soll klargestellt werden, dass wir keine leichtglĂ€ubige Menschen sind, dass der 15M unsere Sicht vernebelt hat oder dass sie ihre kleinen GeschĂ€fte „fĂŒr die Revolution“ (mehr Marketing) geschlossen haben, sondern wir sind einfach Anarchist*innen, die eine klare Chance gesehen haben, die erste seit vielen Jahren, um an einer echten Bewegung von betrĂ€chtlicher GrĂ¶ĂŸe teilzunehmen.

3. FĂŒr praktische und konkrete anarchistische Partizipation.

Unserer Meinung nach geht es in der 15M-Bewegung darum, sie zu einem Ausgangspunkt zu machen, der in der Lage ist, den tĂ€glichen Kampf um konkrete und grundlegende Aspekte zu aktivieren, einen Kampf, der von der HorizontalitĂ€t, der Idee der Vollversammlungen24, der direkten Aktion, der direkten Partizipation, der SolidaritĂ€t usw. getragen wird, die zu den grundlegenden Koordinaten der 15M-Bewegung gehören. Vollversammlungen sollten nicht nur Orte sein, von denen aus (an wen? Wie?) Gesetze, Reformen und Volksabstimmungen (welche?) gefordert werden, sondern sie sollten auch Orte sein, an denen die Menschen ihre eigenen Probleme debattieren, nach Lösungen suchen und entscheiden, wie sie diese selbst umsetzen. Sie sollten zu Treffpunkten fĂŒr Kommunikation und reale Partizipation werden. Kleine (oder große) solidarische Kerne des Widerstands.

Es ist klar, dass ein wichtiger Teil dieses Prozesses ist, welche Probleme und welche Lösungen diskutiert werden, welche Inhalte sozusagen in diesen Vollversammlungen zum Ausdruck gebracht werden. Das könnte die andere Aufgabe sein, die wir uns stellen könnten, nĂ€mlich dafĂŒr zu sorgen, dass die Themen, die in den Vollversammlungen diskutiert werden, Fragen der Klasse, des Genders usw. sind, die in der Praxis die Kritik an Staat, Kapital und Lohnarbeit vertiefen.

Mit anderen Worten: wir schlagen eine praktische und konkrete Partizipation aus einer antiautoritĂ€ren Perspektive und Arbeitsweise vor, und zwar in Bezug auf grundlegende Fragen der Klasse und anderer ebenso wichtiger UnterdrĂŒckungen wie Patriarchat, Rassismus usw.

Um diesen praktischen Beitrag zu ergĂ€nzen, mĂŒssen wir auch unseren Standpunkt und unseren Diskurs einbringen, wiederum ohne in den Maximalismus der „Revolution jetzt!“ und Ă€nhliches zu verfallen.

Unserer Meinung nach besteht der Versuch, Menschen fĂŒr unseren Diskurs zu gewinnen, nicht darin, mit den ĂŒblichen anarchistischen Parolen und Prinzipien zu hĂ€mmern. Parolen, die unserer Meinung nach fehl am Platz sind. Nicht, weil sie keinen Sinn ergeben oder nicht wahr sind, sondern weil sie aus dem Zusammenhang gerissen sind und nicht wissen, was gerade passiert. Das ist so, als ob du dich mit einem Kollegen ĂŒber Fußball unterhĂ€ltst und ein anderer Kollege kommt und erzĂ€hlt dir irgendeine Geschichte aus einem iranischen Film. Heißt das, dass wir den Anarchismus aufgeben und uns der Demokratie zuwenden sollten? Logischerweise nicht. Sollten wir uns verstecken? Nein. Sollen wir der Welt zeigen, dass wir Anarchisten sind? FĂŒr uns ergibt es keinen Sinn, wenn es nicht ĂŒber „Anarchist sein“ hinausgeht. Sich als Anarchist zu bezeichnen, bedeutet an sich nichts, es sagt nichts aus: weder gut noch schlecht. Unserer Meinung nach geht es weder darum, sich zu verstecken noch anzugeben, sondern darum, den Anarchismus in einem bestimmten Kontext zu praktizieren. Ein Beispiel: von all den Parolen, die einige von uns und andere GefĂ€hrt*innen an einem der ersten Tage in Sol skandierten, verbreiteten sich nur ein paar Parolen minimal ĂŒber unseren Kreis hinaus: „Das vereinte Volk funktioniert ohne Parteien“ und „A, anti, antikapitalistisch“, warum? Nicht, weil die Parolen eine große Sache waren, was sie nicht sind, und auch nicht, weil sie witzig waren, was sie auch nicht sind. Wir denken, es war, weil es zu dieser Zeit und an diesem Ort Parolen waren, die zumindest einige der Menschen, die dort waren, ansprechen können. Ob es uns gefĂ€llt oder nicht, die Menschen dort waren weder gegen die Nationale Polizei (A.d.Ü., Policia Nacional), noch wollten sie den Staat stĂŒrzen
 die Arbeit ist viel grundlegender
 Wenn wir uns darauf beschrĂ€nken, in den Vollversammlungen kontextlose Parolen zu skandieren oder vorzuschlagen, verfallen wir in reine und einfache Propaganda, im schlimmsten Sinne des Wortes, und nicht in die Partizipation.

Und es ist eine Tatsache, dass uns die TrĂ€gheit (A.d.Ü., aus der Gewohnheit) oft ĂŒbermannt, wahrscheinlich wie jeden anderen auch. Anstatt darĂŒber nachzudenken, was wir sagen können und wollen, entscheiden wir uns fĂŒr die einfachen Dinge: „Der Kampf ist der einzige Weg“, „von Nord nach SĂŒd, von Ost nach West 
.“, „Tod dem Staat 
.“, usw. Ein Diskurs, der unserer Meinung nach fehl am Platz und daher unwirksam ist. Im libertĂ€ren Block auf der Demo des 15M passierte mehr vom selben, nach einer ersten Phase mit Parolen (bessere oder schlechtere, mehr oder weniger nĂŒtzliche, das ist am wenigsten wichtig), aber ĂŒber die betreffende Frage (Demokratie, Kapitalismus, Krise) gingen wir zu einem Remix des Ghettos ĂŒber (von den Gefangenen zu Patricia Heras25 hin zu der mördenden Polizei), wir glitten in die SelbstreferenzialitĂ€t ab, hin zum zusammenhalten
 Leider wusste außer uns vieren niemand, wer Patricia Heras war, wozu also fĂŒr sie zu rufen, wenn es kein Flugblatt gab, das es erklĂ€rte? Wir haben die Leute nur durcheinander gebracht, die uns anschauten, als ob wir von einem außerirdischen Planeten kommen wĂŒrden
 Alles hat seine Zeit und seinen Ort, und wenn wir nicht wissen, wie wir unseren Diskurs an die Zeit und den Ort anpassen können, wird es fĂŒr uns schlecht laufen. Den Diskurs anzupassen bedeutet nicht, den Diskurs herabzusetzen, es bedeutet, die Botschaft an den Kontext und den Code an den EmpfĂ€nger anzupassen, es bedeutet, unsere Meinung zu dem zu Ă€ußern, worĂŒber die Leute reden, und nicht zu dem, was wir meinen, worĂŒber die Leute reden sollten
.. Und zwar in ihrer „Sprache“ und nicht in unserem „Dialekt“, der voller FachausdrĂŒcke und Redewendungen ist, die wir zwar gerne untereinander sprechen, die aber bei denen, die sie nicht sprechen, Barrieren und Verwirrung stiften.

4. Einige Ziele und mögliche Aktionslinien

Dieser Vorschlag zur Beteiligung auf praktischer und konkreter Ebene hat mehrere Ziele. Offensichtlich, um unsere Überlebensbedingungen im Kapitalismus zu verbessern. Manche Leute werden das sicher als Reformismus bezeichnen, aber fĂŒr uns ist es einfach eine Notwendigkeit. Ein weiteres Ziel ist es, wĂ€hrend des Prozesses alle WidersprĂŒche und MissstĂ€nde des Kapitalismus, der Demokratie, der Gewerkschaften/Syndikate usw. aufzuzeigen und zu auseinander zu nehmen. Nicht durch ausgeklĂŒgelte und vorgefertigte Diskurse, sondern durch die Debatte und die Reflexion ĂŒber das, was uns begegnet, etwas, das viel komplexer und mĂŒhsamer ist als die einfache Bearbeitung von BĂŒchern, die zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort geschrieben wurden. Sie will auch eine Kultur des Kampfes in der Bevölkerung schaffen und verbreiten, ein kollektives GefĂŒhl, dass man etwas erreichen kann, wenn man gemeinsam mit anderen kĂ€mpft und die Probleme fĂŒr die Betroffenen löst, basierend auf SolidaritĂ€t und gegenseitiger Hilfe, ohne sie an einen Profi fĂŒr Vermittlung oder ReprĂ€sentation zu delegieren. Ein GefĂŒhl von „heute fĂŒr dich, morgen fĂŒr mich“ durchdringt die Bevölkerung und verdrĂ€ngt das „jeder fĂŒr sich“ und das „Gott sei Dank war ich nicht an der Reihe“, das in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist.

Wenn uns in der letzten Woche etwas klar geworden ist, dann, dass wir als Anarchist*innen nicht nur viel beizutragen haben, sondern auch viel, sehr viel lernen können, sowohl von den Menschen, die wir auf unserem Weg treffen, als auch von den Situationen, mit denen wir konfrontiert werden. Die Teilnahme an den Vollversammlungen ist die perfekte Gelegenheit, um uns selbst, unsere Positionen und die Art und Weise, wie wir sie Unseresgleichen kommunizieren. Das ist das Normale. Der beste Weg, unsere Fehler und InkohÀrenzen zu erkennen (von denen wir viele haben, und es gibt zwangslÀufig viele), ist zu versuchen, unsere Position denen zu erklÀren und mit ihnen zu teilen, die sie nicht kennen.

Wir glauben aufrichtig, dass dies eine gute Art und Weise sein kann, um aus der Falle einer Intervention aus der Ideologie herauszukommen, die vorgibt, spezifisch anarchistische Prinzipien oder langfristige Ziele zu verabschieden, etwas, das, wie wir schon ein paar Mal wiederholt haben, nicht auf der Tagesordnung steht oder stehen kann. Wir glauben auch, dass es eine Möglichkeit sein kann, die MachtkĂ€mpfe zu vermeiden, die in den Vollversammlungen ĂŒber hochrangige Fragen (Gesetze usw.) ausgetragen werden, ohne dass man aufhören muss, sich an einer Bewegung zu beteiligen, die immer noch eine Menge Spielraum bieten kann. Ein ZermĂŒrbungskrieg, damit diese VorschlĂ€ge nicht herauskommen, oder eine offene und stĂ€ndige Konfrontation mit allen Linken, StaatsbĂŒrgern und normalen Menschen, die nur ein paar Änderungen wollen, wird uns nicht weiterbringen. Wir mĂŒssen uns jederzeit bewusst sein, wo wir sind und wie weit wir gehen können. Wenn wir diese Übung der Analyse und Reflexion nicht stĂ€ndig machen, werden wir einen sehr schweren Schlag und erhebliche Frustration erleiden.

Wenn wir uns an der 15M-Bewegung beteiligen, laufen wir natĂŒrlich immer Gefahr, am Ende die Drecksarbeit fĂŒr die Linken und dem StaatsbĂŒrgertum zu machen. Wir glauben, dass dieses Risiko angesichts unserer begrenzten Kraft und UnterstĂŒtzung bei jeder echten Mobilisierung, an der wir uns beteiligen (Streiks, Konflikte gegen die Entwicklung usw.), immer vorhanden sein wird. Das ist ein Risiko, das man nicht vorhersehen kann, und es ist wahrscheinlich etwas, das sich bis zu einem gewissen Grad nicht vermeiden lĂ€sst. Das Einzige, was wir tun können, ist, aufmerksam zu bleiben, uns nicht von Emotionen mitreißen zu lassen und zu versuchen, abzuschĂ€tzen, an welchem Punkt sich unsere Beteiligung darauf beschrĂ€nkt, die Arbeitskraft anderer zu sein, und an welchem Punkt es notwendig wird, den Chiringuito26 zu verlassen.

Zum Abschluss dieses Abschnitts halten wir es fĂŒr notwendig, einige Aktionslinien zu nennen, die uns als Beispiel fĂŒr das, was uns vorschwebt, in den Sinn gekommen sind. Sie sind nicht die einzigen und auch nicht die besten, sie sind nur einige Beispiele, die uns eingefallen sind oder die wir in diesen Tagen in den Vollversammlungen gehört haben. Gemeinsam sollten wir sie vervollstĂ€ndigen, klĂ€ren, kritisieren, etc.

Wohnung: Selbstorganisation im Widerstand gegen ZwangsrĂ€umungen und Immobilienmobbing. Die Hausbesetzung als vorĂŒbergehende Alternative bei ZwangsrĂ€umungen vorschlagen, die nicht gestoppt werden. Druck auf Hausbesitzer ausĂŒben, die ihre Mieterinnen und Mieter ĂŒbergehen oder ausnutzen. Durch direkte Aktionen Druck auf die Bankfilialen ausĂŒben, von denen die Hypotheken der in Schwierigkeiten geratenen Familien abhĂ€ngen, damit sie diese neu verhandeln oder einfach den Konflikt sichtbar machen. Den Konflikt durch Transparente o.Ă€. auf den Balkonen der HĂ€user, die unter Druck stehen, sichtbar machen.

Arbeit/Arbeitslosigkeit: Das Beispiel der Vollversammlung auf Sol auf die Arbeit ĂŒbertragen, in den Vollversammlungen ĂŒber Arbeitskonflikte debattieren und ĂŒber unsere Probleme als Arbeitslose sprechen, vorschlagen, dass die Vollversammlungen eine Anlaufstelle sind, wenn wir ein Problem am Arbeitsplatz haben. Die ArbeitsplĂ€tze zu besuchen und anzuprangern, an denen ArbeitsunfĂ€lle passieren
.

Migrationen: Versuche, Migranten einzubeziehen, die wahrscheinlich zunĂ€chst unterreprĂ€sentiert sind, die Menschen darĂŒber zu informieren, was in den AbschiebeknĂ€sten passiert, Handlungsmechanismen gegen Razzien gegen Migranten zu informieren und vorzuschlagen, Selbstorganisation, um rechtliche Informationen anzubieten, durch Beratung, Workshops, etc.

Gesundheit/Gesundheitswesen: Versuche, die Arbeiter und Nutzer-Erleidenden des öffentlichen Gesundheitswesens in den Kampf gegen seine Verschlechterung und UnzugĂ€nglichkeit einzubeziehen, zu vermeiden, uns gegeneinander auszuspielen („es ist die Schuld der Arbeiter, die zu wenig arbeiten“ oder „es ist die Schuld der alten Leute, die zu oft hingehen“).

Gender: Wir mĂŒssen sehen, wie wir der aktuellen großen Welle des Antifeminismus entgegenwirken können, die auf der gesellschaftlichen Ebene grassiert und die in den Zeltlagern schon mehrfach zum Ausdruck kam. Es könnte interessant sein, das Thema der mĂ€nnlichen Gewalt aufzugreifen oder zu diskutieren


Organisation: Versuche, die Funktionsweise der Vollversammlung zu verbessern. FĂŒr eine echte, nicht nur formale HorizontalitĂ€t zu kĂ€mpfen, um die Bildung von Cliquen von Spezialisten oder ewigen Vertretern zu vermeiden, um nicht zu einer Clique von Spezialisten oder ewigen Vertretern zu werden.

Diese Themen und VorschlĂ€ge sind eindeutig begrenzt, das Ergebnis von Eile und unserer eigenen Unerfahrenheit in dieser Art von Bewegung. Sie mĂŒssen verbessert, verfeinert und weitergegeben werden. Und vor allem mĂŒssen sie gemeinsam mit den Menschen, die an den Vollversammlungen teilnehmen, in einem Prozess aufgebaut werden, der sowohl die VorschlĂ€ge als auch diejenigen, die sie aufgreifen und in die Praxis umsetzen, verĂ€ndern wird, und der sicherlich von Erfolg zu Erfolg fĂŒhren wird. Wir sollten jetzt nicht denken, dass die Leute sie wie von Geisterhand akzeptieren werden, nur weil wir vier konkrete VorschlĂ€ge anstelle des ĂŒblichen anarchistischen Leier vorlegen. Nein, wir schlagen keine Beschwörungsformeln vor. Wir mĂŒssen uns darĂŒber im Klaren sein, dass es ein langer und schwieriger Weg sein wird, selbst wenn wir diesen Prozess in Gang setzen können. Wir glauben, dass wir alle mit der Zeit lernen und klarer werden. In gewisser Weise mĂŒssen Anarchisten die 15M-Vollversammlungen als ein Laboratorium betrachten, in dem wir experimentieren, VorschlĂ€ge machen, Fehler machen, lernen und neu anfangen können.

5. Nachbarschaftsvollversammlungen: Hoffnungen und Lokalismen

Ein Großteil dieses Textes wurde mit der Absicht geschrieben, vor den fĂŒr den 28. Mai einberufenen populĂ€ren Vollversammlungen (A.d.Ü., Asambleas Populares) in den Stadtvierteln zu erscheinen, daher seine Dringlichkeit, seine Eile und viele der Fehler, die er haben wird.

Die Ausdehnung auf die Stadtteile ist eine logische Erweiterung, weil das Lager in Sol auf Dauer nicht haltbar ist und weil es aufgrund seiner Eigenschaften eine viel begrenztere Beteiligung zulÀsst, wie wir bereits erwÀhnt haben.

Im GesprĂ€ch mit vielen GefĂ€hrt*innen haben wir festgestellt, dass einige große Hoffnungen in die Nachbarschaftsvollversammlungen setzen. Die Idee ist: „In Sol gibt es nichts mehr zu tun, lass uns in die Nachbarschaften gehen“. Machen wir uns nichts vor: Wenn die 15M-Bewegung ihren Schwung beibehĂ€lt, werden die Nachbarschaften zu kleinen Puertas de Sol, mit all ihren guten Seiten, aber auch mit all ihren Fehlern, darunter die Militanten der Parteien, die fischen gehen, die StaatsbĂŒrger usw. In einigen Nachbarschaften und StĂ€dten im SĂŒden Madrids ist der Anteil der Militanten unter den politischen Parteien sogar höher als in Sol. Das Spielfeld mag kleiner und weniger ĂŒberwĂ€ltigend sein, aber die HeterogenitĂ€t, die Probleme, WidersprĂŒche und Konflikte werden gleich oder sogar noch grĂ¶ĂŸer sein.

Wir glauben, dass die militanten Linken sowie alle einfachen Menschen, die fĂŒr die vier grundlegenden Reformen sind, versuchen werden, die populĂ€ren Vollversammlungen zu Brennpunkten zu machen, von denen aus sie die Parolen und Forderungen, fĂŒr die sie in Sol gekĂ€mpft haben, verbreiten. Sie werden fĂŒr die Unterschriftensammlung und die Propaganda fĂŒr die Mobilisierungen zustĂ€ndig sein und in den Stadtteilen (Nachbarschaftsvereinigungen, Ladenbesitzervereinigungen 
) UnterstĂŒtzung fĂŒr ihre mittelfristige Strategie zur Umsetzung der GesetzesĂ€nderungen sammeln. Und kaum etwas mehr. Die StaatsbĂŒrger könnten versuchen, sich etwas mehr um bestimmte Probleme in den Nachbarschaften zu kĂŒmmern, indem sie Verbindungen zu den NachbarschaftsverbĂ€nden herstellen, wo sie können, fĂŒr ihre RĂ€umlichkeiten, sozialen Zentren und BĂŒros fĂŒr soziale Rechte werben, wo immer diese vorhanden sind, usw.

Wir haben bereits im vorherigen Punkt erwÀhnt, dass wir glauben, dass es eine interessante Art und Weise sein kann, an diesen Vollversammlungen teilzunehmen, also werden wir hier nicht weiter ins Detail gehen. Wir möchten jedoch anmerken, dass in jeder Nachbarschaft und jedem Ort einige Themen und VorschlÀge wichtiger sein können als andere (z. B. sind in manchen Gegenden Razzien gegen Migranten hÀufiger als in anderen, in manchen Orten ist die Gesundheitsversorgung schlechter als in anderen, usw.). Man wird sehen was notwendiger und wichtiger in jedem konkreten Fall ist, hier gibt es keine magischen Lösungen.

6. Taktische Fragen

Der Text wird lĂ€nger und wir wollen ihn mit einigen Überlegungen abschließen – wir werden versuchen, uns kurz zu fassen – zu bestimmten taktischen Aspekten, die wir gesehen haben und die wir auch in den kommenden Tagen sehen werden.

Gewalt/Gewaltlosigkeit: Wie wir bereits bei der Beschreibung der Bewegung erwĂ€hnt haben, ist die Ablehnung von Gewalt ein grundlegender Punkt, auf dem die 15M-Bewegung basiert. Die Initiatoren (Democracia Real Ya) nahmen es auf sich, dies auf die widerlichste Art und Weise zum Ausdruck zu bringen: sie distanzierten sich nach der Demonstration von den VorfĂ€llen und zeigten mit dem Finger auf jeden, der notwendig war. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, wie sehr die Medien in den letzten Jahren mit diesem Thema bombardiert wurden. Medien wie La RazĂłn und PĂșblico haben nicht gezögert, ĂŒber die Polizei vor der Gefahr zu warnen, dass das „400 Chaoten“ versuchten, die Bewegung zu kontrollieren und/oder zu zerschlagen. Eine Woche spĂ€ter: gar nichts davon. Es scheint, dass die große Mehrheit der Anarchisten (mit mehr oder weniger Problemen) davon ausgeht, dass nichts passiert, weil jemand sich fĂŒr gewaltfrei erklĂ€rt. Gewalt oder Selbstverteidigung ist eine Frage, die es immer geben wird, aber sie ist völlig zweitrangig. Wenn wir aufhören, sie als etwas zu betrachten, das je nach den UmstĂ€nden nĂŒtzlich oder nicht nĂŒtzlich, vorteilhaft oder schĂ€dlich sein kann, und sie in etwas verwandeln, auf das man nicht verzichten kann, oder wenn wir in einen Wutanfall geraten, weil die 15M ein Loblied auf die Gewalt singt, werden wir uns völlig verirren. Heute ist es Zeit fĂŒr Gewaltlosigkeit, an einem anderen Tag wird es Zeit fĂŒr etwas anderes sein.

Vollversammlungen27: wir hören viel Kritik, dass die Vollversammlungen keine echten Vollversammlungen sind, dass es keine wirkliche HorizontalitĂ€t gibt, dass einige versuchen, sie zu manipulieren, usw. Logisch, denn es handelt sich um echte Vollversammlungen mit normalen Menschen, die sich mitten in einem Kampf zwischen verschiedenen Sektoren um die „Kontrolle“ (bewusst oder unbewusst) der Situation befinden. Die HorizontalitĂ€t, die Gleichheit, die EffektivitĂ€t der Vollversammlungen, die Kommunikation der Vollversammlungen, die Tatsache, dass sie gesund sind, ist nicht etwas, das gegeben ist, weil sich Menschen auf einem Platz treffen und miteinander reden. Um nichts in der Welt. Man muss es gegen Manipulatoren, Politiker und toxische Menschen bekĂ€mpfen; und man muss es gegen jahrelange Demobilisierung, Herdentrieb und tĂ€glichen Delegationismus aufbauen. Wenn wir uns darĂŒber nicht im Klaren sind, sind wir in den HĂ€nden derjenigen, die wollen, dass die Vollversammlungen die Transmissionsriemen sind, die sich darauf beschrĂ€nken, ihre zu Hause ausgeheckten VorschlĂ€ge zu billigen oder zu akzeptieren.

Monster bekĂ€mpfen: es ist sehr kompliziert und frustrierend, an Vollversammlungen teilzunehmen, in denen es Menschen gibt, die alles tun, was nötig ist (manipulieren, lĂŒgen und sich meistens dumm stellen), um ihre Geschichte durchzusetzen. Jeder, der das schon einmal erlebt hat, kann dir sagen, dass es scheiße ist. Erstens wegen all dem, was du schlucken musst, zweitens, weil es in der Regel nicht jeder sieht. Wenn du also jemanden beschuldigst, bist du am Ende derjenige, der Verdacht schöpft, drittens, weil du am Ende einfache Fehler oder Versehen mit unverhohlenen Manipulationsversuchen (die an Paranoia grenzen) verwechselst und schließlich, weil du, sobald du es nicht merkst, am Ende Ă€hnliche Dinge mit ihnen machst oder dazu gezwungen wirst. In den letzten Tagen haben wir Dinge gehört wie „die Kommissionen ĂŒbernehmen“, „die Machtpositionen in den Vollversammlungen einnehmen“, „sich in den Vollversammlungen zerstreuen“, „so tun, als wĂŒrden wir uns nicht kennen“ und andere solche Dinge von GefĂ€hrt*innen, an denen wir keine Zweifel oder VerdĂ€chtigungen haben, und natĂŒrlich werden wir sie nicht verurteilen. Diese Art von Situation ist so: Frustration, Wut auf die Manipulatoren und das GefĂŒhl, an die Wand gedrĂŒckt zu werden, lassen dich solche Dinge sagen und tun. Dagegen bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als stĂ€ndig aufmerksam zu sein, selbstkritisch zu sein und zu wissen, wie man Kritik ĂŒbt und mit Kritik umgeht, ohne hysterische Anschuldigungen oder dummes Opferverhalten. Und davon ausgehen, dass wir uns irgendwann die HĂ€nde schmutzig machen werden, ob wir wollen oder nicht. Das passiert in den besten Familien.

„Hab keine Angst, spielt einfach mit“ Ch. Parker: In Verbindung mit dem oben Gesagten mĂŒssen wir uns bewusst sein, dass die Teilnahme an der 15M-Bewegung fĂŒr die meisten von uns unbekanntes Terrain ist. Gehen wir mal davon aus, dass wir es vermasseln werden, und zwar richtig vermasseln. Anarchist*innen sind nicht perfekt und wollen es auch nicht sein, wir haben alles Recht der Welt, uns zu irren. Sich zu weigern zu handeln, aus Angst, ein Reformist zu werden, oder schlimmer noch, aus Angst, dass irgendein Arschloch dich als Reformist oder Avantgardist abstempelt, ist genauso absurd wie sich zu weigern zu denken, aus Angst, falsch zu liegen.

Anarchistischer Avantgardismus: Zwei Wörter, die zusammen einen Widerspruch darstellen, aber bei weitem nicht so sind. Einige marxistische Strömungen halten sich selbst fĂŒr Avantgarde und rĂŒhmen sich damit, auch wenn ihnen niemand Beachtung schenkt. Wir Anarchist*innen weigern uns, zur Avantgarde zu werden, was nicht bedeutet, dass wir, wenn wir uns verirren, in den Avantgardismus abrutschen. Wenn man versucht, viel schneller zu sein als das Tempo der Ereignisse, lĂ€uft man Gefahr, sich immer mehr von ihnen zu lösen, bis man allein dasteht, weit weg von der RealitĂ€t und von dem, was passiert. Außerdem ist damit noch nicht einmal sichergestellt, dass man den anderen „voraus“ ist, sondern man kann auch falsch abgebogen sein. Anarchist*innen wollen den Menschen nicht vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben, nur weil sie ein heiliges Buch oder ein revolutionĂ€res Heiligtum besser kennen. Das bedeutet aber nicht, dass wir manchmal denken, wir seien besser als die anderen und dass sie „unserem Beispiel folgen“ sollten, vor allem, wenn wir an solchen Konflikten teilnehmen.

Symbologie und Dialekte: Damit unsere Beteiligung effektiv ist und wir gemeinsam etwas Sinnvolles aufbauen können, mĂŒssen wir all die Symbolik, die Codes, die Fetischwörter und das andere Merchandising unseres Bewegungsghettos beiseite lassen. Wie wir schon oben beim Thema Diskurs gesagt haben. Das bedeutet nicht, den Diskurs abzuschwĂ€chen oder die Menschen in die Irre zu fĂŒhren, sondern auf die magischen Worte und starken Ideen zu verzichten, die wir gerne verwenden. Begriffe wie aktive Enthaltung, direkte Aktion, gegenseitige Hilfe, Revolution usw. mĂŒssen von Menschen, die mit ihrer Verwendung nicht vertraut sind, nicht auf den ersten Blick verstanden werden. Es ergbit keinen Sinn, sich darin zu verzetteln. Es ist sinnvoller, zu versuchen, sie in einfacher Sprache zu erklĂ€ren, ohne anarchistischen Intellektualismus und Technizismus. Das Gleiche gilt fĂŒr die Ästhetik der Propaganda, die fĂŒr die meisten Menschen oft ebenso einheitlich wie weit entfernt ist. Ein klares Beispiel ist das Problem mit den A’s, die im Zeltlager auf Sol kursieren. Da keine politischen Symbole oder Flaggen erlaubt sind, sahen viele Menschen in der Vollversammlung mehr oder weniger zu Recht ein, dass auch die eingekreisten A’s dort nichts zu suchen hatten. Da die eingekreisten A’s keine politischen Symbole sind, sondern das Gegenteil, haben einige Anarchist*innen es ziemlich ĂŒbel genommen. Andere, die ein Beispiel dafĂŒr sind, dass HorizontalitĂ€t und Konsens oft nur dann respektiert werden, wenn es in ihrem Interesse ist, verwendeten es weiterhin auf Transparenten und Graffiti. Auf jeden Fall sollten wir darĂŒber nachdenken, ob das alles nicht unsere Schuld ist, weil wir es in all den Jahren nicht geschafft haben, deutlich zu machen, dass wir nicht so sind wie alle anderen, obwohl zu unseren Gunsten gesagt werden muss, dass die Entscheidung, die eingekreisten A’s wegzulassen, auch diskutiert worden zu sein scheint. Der Punkt ist, dass die eingekreisten A’s am unwichtigsten sind. Das Wichtigste ist die Botschaft, die wir vermitteln wollen, und wenn wir sie weglassen mĂŒssen, ist das in Ordnung. Schließlich haben wir, wie ein GefĂ€hrte neulich zu Recht sagte, nichts zu verkaufen (was stimmt, wenn wir uns in der Praxis so verhalten, was nicht immer der Fall ist). Schlimmer als der Fall der eingekreisten A’s, der, so sehr er uns auch schmerzen mag, bis zu einem gewissen Grad verstĂ€ndlich ist, ist der Fall des Feminismus, der sowohl auf den Zeltlagern als auch auf Twitter auf einigen Widerstand stĂ¶ĂŸt, mit ziemlich hĂ€sslichen Gesten und unangebrachten Kommentaren.

7. Das Ende, endlich.

Wir schließen mit einer abschließenden Überlegung. Die 15M-Bewegung hatte einen Anfang und wird ein Ende haben. Realistisch betrachtet und in Anbetracht der Tatsache, wie wenige Anarchist*innen wir sind und unserer Unerfahrenheit, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass unsere Partizipation an ihr die Komponente sein wird, die ihre Entwicklung und ihr Ende bestimmt. Dennoch glauben wir, dass wir den Spielraum und die FĂ€higkeit haben, uns daran zu beteiligen und einen Beitrag zu leisten, und dass sie nicht auf eine staatsbĂŒrgerliche Reformbewegung oder auf den chiringuito einer Partei28 beschrĂ€nkt sein sollte. Dieser Vorschlag geht in diese Richtung, indem er versucht, ein wenig weiter zu gehen. Wir haben nicht viel Hoffnung, dass die 15M-Bewegung das Wesen der heutigen Gesellschaft radikal verĂ€ndern wird; sie könnte es nicht, selbst wenn sie es wollte, und alles scheint darauf hinzudeuten, dass sie es nicht will. Selbst wenn sie ihre Ziele erreicht, wird alles in eine Reform des demokratischen Systems oder sogar in eine vorĂŒbergehende StĂ€rkung des Wohlfahrtsstaates umgesetzt werden. Trotzdem ist das keine Entschuldigung dafĂŒr, zu Hause zu bleiben. Wir glauben, dass wir dabei sein und mitmachen mĂŒssen, denn wenn wir es einigermaßen gut machen, kann es mittel- und langfristig fĂŒr den Antikapitalismus und Anarchismus von Vorteil sein.

ZunĂ€chst einmal glauben wir, dass das demokratische System und das Kapital so sind, wie sie sind, und dass alle Parteien im Grunde gleich sind. Wenn die 15M-Bewegung Erfolg hat und es ihr gelingt, das demokratische System zu reformieren und der „Zweiparteienherrschaft“ und „Partitokratie“ ein Ende zu setzen, werden die Kleinparteien mit der Zeit entlarvt werden, weil das demokratische System und das Kapital so sind, wie sie sind.

Zweitens gibt es bei all dem, was passiert, auch etwas Positives. Vor einem Monat war die allgemeine Meinung: „ Was fĂŒr eine beschissene Situation, aber was sollen wir tun? Man kann nichts tun, usw.“ Heute gibt es viele Leute, die glauben, dass das Wahlgesetz geĂ€ndert werden kann, dass es gerecht ist, die Entscheidungen des Wahlvorstands zu ignorieren, wenn sie ungerecht sind, und so weiter. Irgendwo muss man ja anfangen. Wenn die 15M-Bewegung fortbesteht und Dinge durch Mobilisierungen und Vollversammlungen erreicht werden, und diese mehr oder weniger funktionieren, unabhĂ€ngig vom Ergebnis, ist das ein Vorteil, den es zu nutzen gilt. In diesem Land wurde schon lange nichts mehr gewonnen: der Beitritt zur NATO, nichts, das PRESTIGE, nichts, der Irakkrieg, nichts, die KĂ€mpfe an der UniversitĂ€t, nichts
 TatsĂ€chlich war die einzige VerĂ€nderung, die viele Menschen als ihre eigene ansahen, als die PSOE nach dem 11-M gegen die PP gewann, und das geschah durch Wahlen, die demokratische Illusionen verstĂ€rkten.

Drittens hat es die 15M-Bewegung geschafft, dass Menschen auf die Straße gehen, um gemeinsam und öffentlich ĂŒber Politik zu sprechen, ĂŒber einige der sozialen und politischen Probleme, die sie umgeben. Das war etwas, das man schon lange nicht mehr gesehen hatte. Die meisten GesprĂ€che drehen sich um Reformen, um minimale VerĂ€nderungen, aber wie wir schon sagten, irgendwo muss man anfangen. In gewisser Weise hat sie eine Bresche geschlagen in das „Halt dich aus der Politik raus“, die „Politikverdrossenheit“ und das „Da kann man nichts machen“, die drei kleinen Geschenke, die uns der Franquismus, die TransiciĂłn29 und die Demokratie hinterlassen hatten. Was nicht sein kann, ist, dass wir Menschen, die zu Hause bleiben, kritisieren, weil sie nicht auf die Straße gehen, und wenn sie doch auf die Straße gehen, kritisieren wir sie, weil das, was sie fordern, keine soziale Revolution ist. Das ergibt doch keinen Sinn.

Wenn einige Dinge durch den Kampf auf der Straße erreicht werden, glauben wir, dass es nach all dem vielleicht einfacher sein wird, die Menschen davon zu ĂŒberzeugen, dass eine Vollversammlung am Arbeitsplatz funktionieren kann, dass es sinnvoll ist, auf die Straße zu gehen, um zu protestieren, dass man einen Streik gewinnen oder einen stĂ€dtischen Plan umstĂŒrzen kann: durch SolidaritĂ€t, direkte Aktionen und so weiter. Wenn das, was erreicht wird, ausschließlich durch politische Manöver, Abstimmungen, Volksabstimmungen usw. erreicht wird (was ziemlich unwahrscheinlich ist, wenn es keinen betrĂ€chtlichen Druck von der Straße gibt), wird das einzige, was gestĂ€rkt werden wird, das demokratische System sein. Das ist die Frage, und da mĂŒssen wir Anarchisten da sein.

Wir werden sehen, wie sich das alles entwickelt, aber die anarchistische Bewegung wird gestĂ€rkt, wenn sich ihre Praktiken, ihre Art, sich der RealitĂ€t zu stellen, und einige ihrer Ansichten verbreiten und in der kollektiven Ideologie verankern. Die anarchistische Bewegung wird auch stĂ€rker sein, wenn unsere Beteiligung an der 15M-Bewegung nach Kritik, Selbstkritik und öffentlicher Analyse in neue kollektive Erfahrungen mĂŒndet. Es ist unwahrscheinlich, dass unsere langfristigen Ziele dank des 15M auf gesellschaftlicher Ebene deutlich wachsen werden, unabhĂ€ngig davon, ob wir dabei bestimmte Leute ĂŒberzeugen können. Dieser Kampf geht andere Wege, durch die stĂ€ndige Arbeit der Öffnung von Zentren, der Herausgabe von Texten, der Analyse, der Veranstaltung von Tagungen, Veranstaltungen usw., die wir auf keinen Fall aufgeben sollten, nur weil wir in 15M sind.

Gezeichnet: Einige Anarchist*innen aus Madrid

Madrid, Mai 2011


1A.d.Ü., so die Übersetzung vom Titel aus dem Englischen, wir haben uns an das Original auf Spanisch gehalten.

2A.d.Ü., alle hier vorliegenden Zitate von Karl Marx, die zumindest die von uns erkannt wurden, haben wir aus den Originalschriften ĂŒbernommen.

3A.d.Ü., wir haben an dieser Stelle die ganze Passage von Thesen ĂŒber Feuerbach ĂŒbernommen.

4A.d.Ü., der Text ist in der Originalfassung gegendert worden, wenn auch nicht immer und somit der Titel auch nicht, wir ĂŒbersetzten alle Texte ganz nach dem Original und wenn wie im Fall des Titels nicht gegendert worden ist, kann dies ein Fehler der Verfassenden sein, oder einen Grund dafĂŒr haben warum hier eine Ausnahme gemacht wurde, wie es an anderen Stellen genauso der Fall ist. Man mĂŒsste sich der Gruppe wenden um dies zu erlĂ€utern, da aber diese Seit ĂŒber zehn Jahren nicht mehr existiert, wird dies schwierig sein. Wir erwĂ€hnen dies damit der AufklĂ€rung Weise genĂŒge getan wurde.

5A.d.Ü., man hĂ€tte den Titel auf zwei Arten ĂŒbersetzen können, Die Anarchisten und der 15M was sich auf den Datum beziehen wĂŒrde, genauso wĂ€re aber Die Anarchisten und die 15M richtig, weil auf die daraus entstandene Bewegung Bezug genommen wird.

6A.d.Ü., im Originaltext ist die Rede von Asamblearismo, was sowohl als eine Ideologie und/oder Theorie der Vollversammlungen verstanden werden, genauso aber die Praxis des Halten derselben.

7A.d.Ü., Immediatismus, was unmittelbar heißt.

8A.d.Ü., diese Stelle kann zwei Bedeutungen haben, deswegen haben wir den Begriff erst gar nicht ĂŒbersetzt. Chapa hat auf Spanisch zwei Bedeutungen die hier Sinn ergeben könnten, die erste ist NervensĂ€ge und die zweite ist Opportunist. Chapas sind Kronkorken, aber auch Buttons, im Sinne als etwas oberflĂ€chliches, der wie ein ChamĂ€leon nur den Button Ă€ndern muss, als ein Opportunist, und ist wer anders im politischen Sinne.

9A.d.Ü., hier ist die Rede ĂŒber eine ‚populĂ€re Vollversammlung‘, welche auch als eine Volksversammlung verstanden werden kann, die eine bindende politische Funktion gegenĂŒber des Staates hat, hier war es aber nicht der Fall, der Name war aufgeblasen um der Vollversammlung mehr Gewicht zu verleihen.

10A.d.Ü., ciudadanista, jene die mittels der Demokratie und der herrschenden Ordnung „Verbesserungen“, ohne aber das kapitalistische System als solches anzugreifen, zu erlangen versuchen.

11A.d.Ü., izquierdistas, alle politischen Strömungen außer die anarchistische, ein Pejorativ.

12A.d.Ü., movimiento ciudadanista, der StaatsbĂŒrgertum als Bewegung, siehe Fußnote Nummer 10.

13A.d.Ü., an dieser Stelle wird die Form von Zustimmung durch komische Handbewegungen gemeint die in den letzten Jahren so beliebt geworden sind.

14A.d.Ü., asambleario, sprich durch das Abhalten von Vollversammlungen..

15A.d.Ü., gemeint sind die Fahnen der spanischen Republik, ein Symbol gegen die Monarchie.

16A.d.Ü., gemeint sind die eingekreisten AÂŽs als Symbol fĂŒr die Anarchie, bzw. Anarchismus.

17A.d.Ü., ein chiringuito, ist eine einfach gebaute HĂŒtte, am Strand, oder sonstwo, wo GetrĂ€nke, Eis, oder andere Waren fĂŒr den Verzehr verkauft werden. Was es aber auch bedeutet, was an dieser Stelle zutreffend ist, ist wenn man sich ein kleines GeschĂ€ft aufgebaut hat, man muss das politische wie ein GeschĂ€ft fĂŒhren, in dem Sinne eine Kritik.

18A.d.Ü., gemeint sind Camps wie diese und Ă€hnliche im Allgemeinen.

19A.d.Ü., indignaciĂłn bedeutet Empörung, die Bewegung wurde als los indignados bekannt, sprich die Empörten.

20A.d.Ü., ein botellĂłn ist ein öffentliches Zusammentreffen, können riesig werden, wo man sich zum Saufen trifft.

21A.d.Ü., an dieser Stelle schrieben die Verfassende eso es de primero de militancia, was wortwörtlich als ‚dass ist Militanz fĂŒr ErstklĂ€ssler‘ ĂŒbersetzt werden kann. Mit Militanz meint man nicht die Gewaltfrage, sondern die Haltung und das Engagement zum politischen Leben.

22WĂ€hrend der Korrektur des Textes hat das Zeltlager auf Sol die vier Punkte gebilligt, die den sogenannten #consensodeminimos ausmachen. Wir werden es nicht bewerten, da wir nicht glauben, dass es die Aussagen des Textes wesentlich verĂ€ndern wird, denn so etwas wurde frĂŒher oder spĂ€ter erwartet.

23A.d.Ü., ciudadanistas, siehe Fußnote Zehn.

24A.d.Ü., asamblearismo, die Theorie des Abhaltens von Vollversammlungen.

25A.d.Ü., Patricia Heras war eine der betroffenen im berĂŒhmten Fall 4F. Am 04.02.2006 wurde ein besetztes Haus mitten in der Nacht gestĂŒrmt, wobei es zu ZwischenfĂ€llen kam und mehrere Personen wie Bullen verletzt wurden. Einer dieser war querschnittgelĂ€hmt und wie verrĂŒckt machten die Behörden mehrere Personen dafĂŒr verantwortlich, einer davon Rodrigo Lanza, ĂŒber den wir schon in mehreren Artikeln berichtet haben und die andere Patricia Heras, die zum Zeitpunkt der Verletzung des Bullen gar nicht vor Ort war. Sie war eine junge Literaturstudentin und wurde in einem Krankenhaus mit einem Freund von ihr verhaftet. Was darauf folgte waren drei Jahre Knast und am Ende nahm sie sich das Leben wĂ€hrend einem Ausgang (Knasturlaub) im April 2011. Dazu wurde ein Film gedreht mit dem Namen Ciutat Morta.

26A.d.Ü., siehe Fußnote Nummer 17.

27A.d.Ü., asamblearismo, siehe Fußnote 24.

28A.d.Ü., siehe Fußnote 17.

29A.d.Ü., als Transicíon wird der Übergang im spanischen Staat vom Faschismus zur Demokratie bezeichnet, dieser verlief ab den Tod von Franco 1975 bis zu den ersten Wahlen 1977.




Quelle: Panopticon.blackblogs.org