September 14, 2021
Von FAU Flensburg
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Sorge- oder Carearbeit ist ein Grundpfeiler unserer kapitalistischen Gesellschaft. Doch diejenigen, die sie leisten, erfahren kaum Anerkennung. Paula Schirmer wirft einen sozialistischen Blick auf die UrsprĂŒnge und AusprĂ€gungen der Carearbeit.

Wenn Kritik an der Verteilung von Carearbeit geĂ€ußert wird, haben die meisten schon das Scheinargument gehört, dass das von der Natur so vorgesehen wĂ€re. Uns ist natĂŒrlich klar, dass das nicht der Wahrheit entspricht. BestĂ€tigt wird das außerdem von zahlreichen wissenschaftlichen Texten, wie von der Philosophin und Autorin Silvia Federici: In „Caliban und die Hexe“ klĂ€rt sie ĂŒber die UrsprĂŒnge der Carearbeit auf.

Sie sieht diese in den AnfĂ€ngen des Kapitalismus. Damals wurde zuerst von staatlicher Seite die weibliche Kontrolle ĂŒber die Zeugung kriminalisiert. Das hatte nicht nur einen enormen Einfluss auf die Autonomie der Frau1, sondern auch auf die kapitalistischen ArbeitsverhĂ€ltnisse: Mutterschaft war keine Entscheidung mehr, sondern Zwangsarbeit. So wurden Frauen immer weiter auf die Carearbeit festgelegt. Sie wurden aus Berufen, in denen sie eine dominierende Stellung hatten, rausgedrĂ€ngt.

Verordnungen besagten, dass Frauen nicht außerhalb des Haushalts zu arbeiten hĂ€tten und wenn, dann nur um ihren EhemĂ€nnern zu helfen. Selbst wenn Frauen fĂŒr den Markt produzierten, galt ihre Arbeit als wertlos. Frauen verinnerlichten dieses Narrativ so weit, dass sie sich entschuldigten, wenn sie nach bezahlter Arbeit suchen mussten. An diesem Punkt fing auch die chronische Unterbezahlung von Frauen an. Das lĂ€sst sich bis heute am sogenannten „Gender Pay Gap“ rekonstruieren. Eine Studie von Oxfam zeigt, dass Frauen etwa 21 Prozent niedrigere Bruttostundenlöhne erhalten als MĂ€nner.

Die Ehe galt nun als einzige und eigentliche Frauenkarriere. Reproduktionsarbeit, also die unbezahlte Arbeit, die zum Erhalt der menschlichen Arbeitskraft grundlegend ist, wurde zur Hauptaufgabe der Frau. Durch die Diffamierung weiblicher Arbeit wurde diese Reproduktionsarbeit bald als eine Art Naturressource gesehen, derer sich alle bedienen können. Der Körper und die Arbeitskraft der Frau wurden zum Allgemeingut; Frauen selbst hatten kaum noch Entscheidungsmacht.

Auch heute wird der Großteil der Carearbeit in heterosexuellen Beziehungen von Frauen geleistet. Die Oxfamstudie zeigt, dass Frauen um 52 Prozent mehr unbezahlte FĂŒrsorgearbeit, wie zum Beispiel die Pflege Verwandter, als MĂ€nner leisten. Das wird „Gender Care Gap“ genannt.

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Quelle: Fau-fl.org