November 16, 2020
Von Waldstattasphalt
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Disclaimer: Dieser Text wurde von Einzelpersonen verfasst und nicht mit der ganzen Besetzung abgesprochen. Es gibt keine autorisierte Gruppe und kein beschlussfĂ€higes Gremium, das ‚offizielle Gruppenmeinungen‘ fĂŒr die Besetzung beschließen könnte. Die Menschen in der Besetzung und ihrem Umfeld haben vielfĂ€ltige und teils kontroverse Meinungen. Diese Meinungsvielfalt wird daher hier nicht zensiert, sondern kann gleichberechtigt neben einander stehen. Kein Text spricht fĂŒr die ganze Besetzung oder wird notwendigerweise von der ganzen Besetzung gut geheißen.

(Eine Antwort auf den am 12.11. 20 von Carsten Knop (Herausgeber der FAZ)
veröffentlichten Kommentar zur RÀumung des Dannenröder Waldes:
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/kommentar-zur-raeumung-des-dannenroeder-forsts-17049456.html)

Man muss kein Genie sein, um einen groben Denkfehler direkt schon zu
Beginn seines Artikels auszumachen und das intellektuelle Niveau dieses
Kommentars vorherahnen zu können. So scheint es ihn doch tatsÀchlich zu
verwundern, dass die Klimakatastrophe, der bereits heute jedes Jahr
Millionen von Menschen zum Opfer fallen und fĂŒr die nahe Zukunft noch
deutlich höhere erwartete Todesraten wissenschaftlich nachgewiesen sind,
Protest legitimiert, der unbeteiligte Dritte in Gefahr bringen könnte.
Der sogenannte Journalist nennt das Ganze ĂŒbrigens „Sorge vor dem
Klimawandel“.

Was Carsten Knop zu stören scheint, ist, dass es sich bei den
unbeteiligten Dritten um gute Deutsche handelt und nicht wie bei der
Klimakatastrophe (noch) lediglich um Menschen vorwiegend aus Afrika,
Asien oder SĂŒdamerika. Wenn Deutsche in Gefahr gebracht werden, sieht
der sogenannte Journalist die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit gegenĂŒber des
Massensterbens im Globalen SĂŒden nicht mehr gegeben.
Carsten Knop fÀhrt damit fort, möglichst eindringlich klarzumachen, dass
er sich mit den Argumenten gegen den Bau der A49 kein bisschen
auseinandergesetzt hat. Auf den Vorwurf, mit UmweltschĂŒtzern ließen sich
(ĂŒber ein halbes Jahrhundert des Protestes) in Deutschland „keine
BrĂŒcken bauen“, muss gar nicht erst eingegangen werden.

Denn den vielleicht drolligsten Denkfehler begeht er bei seiner
AusfĂŒhrung des Denkfehlers, den er bei den AktivistInnen ausgemacht
haben will. Selbst wenn Unrecht geschieht, kann Recht nur durchgesetzt
werden, wenn sich auch der Widerstand gegen das Unrecht an das Recht
hĂ€lt. Dass das Unrecht aber durch die entsteht, die das „Recht“
durchzusetzen haben, scheint dem sogenannten Journalisten einen
Gedankengang zu mĂŒhselig. Die AktivistInnen sind nicht dagegen, dass
sich Menschen an Regeln und BeschlĂŒsse halten. Im Gegenteil: Sie fordern
von diesem angeblich allergeilsten Rechtsstaat der Welt, dass er sich an
Regeln und BeschlĂŒsse hĂ€lt. Der Bau der A49 verstĂ¶ĂŸt gegen jegliche
Zielsetzungen bezĂŒglich der Energie- und Verkehrswende, von den
Klimazielen ganz zu schweigen. Fast schon ironisch wirkt das Argument im
Hinblick darauf, dass kein Mensch in Lebensgefahr gebracht wird, wenn er
sich an alle Regeln hÀlt. Bevor Carsten Knop anderen vorwirft, sie
wĂŒrden glauben weiter zu denken als andere, sollte er erstmal mit dem
Denken anfangen.

Ganz zu Ende könnte sich wohlmöglich herauskristallisieren, worum es dem
sogenannten Journalisten eigentlich geht. Vielleicht fĂŒrchtet er einfach
nur um seinen Verbrennungsmotor, der eines Tages nicht mehr nach
Frankfurt einrollen darf. In Anbetracht dieser existenziellen Bedrohung
seien ihm dann auch die restlichen geistigen Aussetzer
(„Umweltdiktatur“, „China als Vorbild“ etc.) verziehen.




Quelle: Waldstattasphalt.blackblogs.org