April 7, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Von Gregory Stevens

„Gewalt bedeutet, 40 Jahre lang zu arbeiten, miserable Löhne zu bekommen und sich zu fragen, ob man jemals in Rente gehen kann


Gewalt bedeutet Staatsanleihen, ausgeraubte Rentenfonds und Börsenbetrug


Gewalt bedeutet Arbeitslosigkeit, befristete BeschÀftigung
.

Gewalt bedeutet Arbeits“unfĂ€lle“


Gewalt bedeutet, durch harte Arbeit krank gemacht zu werden


Gewalt bedeutet, Psychopharmaka und Vitamin S zu konsumieren, um die anstrengenden Arbeitszeiten zu bewÀltigen


Gewalt bedeutet, fĂŒr Geld zu arbeiten, um Medikamente zu kaufen, um die Ware Arbeitskraft zu fixieren


Gewalt bedeutet, auf fertigen Betten in schrecklichen KrankenhĂ€usern zu sterben, wenn du dir keine Bestechung leisten kannst.“

-Proletarier*innen vor der besetzten Zentrale des Allgemeinen Griechischen Arbeiterbundes (GSEE), Athen, Dezember 2008

Ich war einmal ein eingefleischter christlicher Pazifist, der Gewaltlosigkeit im Angesicht von Vergewaltigung, Raub, militĂ€rischer Besetzung, Polizeigewalt oder systemischer rassistischer Gewalt rechtfertigen wĂŒrde. Ich habe viel von der Literatur gelesen, habe an pazifistischen Trainings/Konferenzen/Veranstaltungen teilgenommen und gelehrt, und war frĂŒher einer, der militantere Taktiken öffentlich beschĂ€mt hat. Mit dem Übergang meiner politischen Arbeit vom liberalen politischen Aktivismus zum revolutionĂ€ren Organisieren (gefĂŒhrt von und fĂŒr die UnterdrĂŒckten, auf kollektive Befreiung hinarbeitend) habe ich mehr historisch-nuancierte Vorstellungen von Gewalt, Gewaltlosigkeit und Selbstverteidigung gelernt. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass dogmatischer christlicher Pazifismus extrem gefĂ€hrlich und gewalttĂ€tig fĂŒr unterdrĂŒckte menschliche und nicht-menschliche Bevölkerungen sein kann.

Eines der ersten Dinge, die in religiösen Debatten ĂŒber Pazifismus gemacht werden, ist das Beweisen von Versen aus der Bibel, das Herauspicken von Versen (normalerweise aus dem Zusammenhang gerissen), um eine Vision ĂŒber die andere zu beweisen. Wenn wir eine komplexere und nuanciertere Version unserer Glaubensgeschichten haben, erkennen wir die GĂŒte und die enorme Vielfalt, oft widersprĂŒchlich, in den biblischen ErzĂ€hlungen und kirchlichen Traditionen. Ähnlich wie die Vielfalt der Evangelienberichte uns die Vielfalt der frĂŒhen Kirche zeigt, kann uns die Vielfalt der revolutionĂ€ren Taktiken innerhalb unserer biblischen Geschichten und Glaubenstraditionen helfen, unsere heutigen Bewegungen durch eine Vielfalt von Taktiken zu gestalten. Anstatt davon auszugehen, dass eine Denkweise zu allen Zeiten und an allen Orten richtig ist, unabhĂ€ngig vom Kontext oder den beteiligten Menschen, sind wir besser dran, wenn wir eine Vielfalt von Taktiken in unserem Ziel der kollektiven Erlösung von der SĂŒnde (auch bekannt als unsere kollektive Befreiung von UnterdrĂŒckung) anwenden. Wir brauchen jedes Werkzeug in der Box, wir brauchen alle Arten von Taktiken und wir brauchen eine große Vielfalt an Strategien, wenn wir gewinnen wollen, um das kapitalistische, imperialistische, hetero-patriarchale System zu stĂŒrzen, das das Leben auf dem Planeten zerstört.

Ich glaube nicht, dass die Welt jemals eine Welt ohne Gewalt sein wird oder jemals war. Gewalt ist ein weites Wort mit vielen verschiedenen Bedeutungen. Ich benutze den Begriff Gewalt in einem sehr allgemeinen Sinn, wenn ich behaupte, dass die Welt niemals ein Ort ohne einige Formen von Gewalt sein wird. Ein indigener Ältester von mir lehrt dies in Bezug auf Regen: genau die richtige Menge an Regen schafft neues und blĂŒhendes Leben, zu viel Regen und das Leben wird gewaltsam weggefegt. Wenn der hungrige Tiger sich auf eine Antilope stĂŒrzt und seine scharfen ZĂ€hne in das Fleisch grĂ€bt, um zu töten, um sich zu ernĂ€hren, bricht Gewalt aus, um das Leben zu erhalten. Wenn ein Gletscher bricht und in die Fischerdörfer der weit nördlichen Regionen hinabstĂŒrzt, können ganze Gemeinden durch die Flutwellen und die Wucht der sich bewegenden Eisberge verloren gehen. Wenn ein Feuer einen Wald einnimmt und BĂ€ume und verwesendes Pflanzenmaterial zu Asche verbrennt, ĂŒberfluten NĂ€hrstoffe den Boden und stĂ€rkere Sonnenstrahlen können dann den Waldboden erreichen und bieten mehr Zutaten fĂŒr neues Leben, um zu gedeihen.

Mutter Erde ist keine dogmatische Pazifistin. Sie nutzt Gewalt, um die Welt zu verĂ€ndern. Es ist nicht immer ihr liebstes Werkzeug, aber manchmal schon; es scheint nicht ihre ultimative Philosophie zu sein, sondern eine Taktik innerhalb ihrer grĂ¶ĂŸeren Strategie zum Überleben.

Einen völlig reinen dogmatischen Pazifismus zu behaupten, widerspricht den Mustern, die wir in der Welt um uns herum sehen. Der Pazifismus wird zu einer fundamentalistischen Religion oder Ideologie, anstatt eines von vielen Werkzeugen innerhalb unserer revolutionĂ€ren Strategien. Es ist wichtig, dass wir beginnen, Gewaltlosigkeit oder Nicht-Widerstand als eine Taktik innerhalb einer Vielfalt von Strategien zu sehen; sie ist nicht die einzige Antwort, aber eine sehr nĂŒtzliche Antwort auf sehr spezifische historische Momente. Gewaltlosigkeit ist kein dogmatischer Pazifismus, Gewaltlosigkeit muss nicht als Ideologie fĂŒr alle Zeiten, Orte und UmstĂ€nde universalisiert werden wie im Pazifismus. Die militanten gewaltfreien Taktiken, die von einem Teil der BĂŒrgerrechtsbewegung angewendet wurden (Boykotte und Sitzblockaden), haben gezeigt, dass einige gewaltfreie Taktiken erfolgreich sein können. Die militanten Selbstverteidigungstaktiken, die von anderen innerhalb der grĂ¶ĂŸeren Befreiungsbewegungen (Black Panthers, Young Lords, UHURU etc.) eingesetzt wurden, haben sich ebenfalls als erfolgreich erwiesen. Keine von ihnen wĂ€re ohne das andere so erfolgreich gewesen.

Kapitalistische Gewalt

Eine Art puristischen Pazifismus als einzigen Weg nach vorne zu fordern, ist auch unlogisch fĂŒr diejenigen, die innerhalb der kapitalistischen Weltwirtschaft leben, sich bewegen und ihr Dasein haben. Zentral fĂŒr Marx‘ Kritik am kapitalistischen System war die inhĂ€rente Gewalt des Privateigentums, die Zentralisierung des Reichtums, die Entfremdung der Arbeiter_innen und die riesigen Hierarchien der Herrschaft. Durch das Eigentum an anderen Menschen, Wasser, Luft und Land, die PlĂŒnderung globaler LĂ€ndereien fĂŒr den Abbau von Ressourcen, die Zentralisierung des Eigentums in den HĂ€nden einiger weniger und das endlose Streben nach „unendlichem Wachstum“ auf einem endlichen Planeten, wird das Leben selbst gewaltsam zerstört. Indem MilliardĂ€r*innen und MillionĂ€r:innen ihren Reichtum und ihre Macht zentralisieren und die Kluft zwischen Arm und Reich verstĂ€rken und erweitern, laufen extreme Gewalttaten in der Gesellschaft Amok: grassierende Verarmung und kein oder ein schrecklicher Zugang zu Gesundheitsversorgung, Nahrung, Bildung, Unterkunft etc. WĂ€hrend die kapitalistischen Pazifist_innen reich und schön sitzen, leidet ein Großteil der Welt unermesslich.

Das kapitalistische System lebt von der Rassifizierung von Völkern und ihrer Unterwerfung unter die Kolonialmacht durch extreme Gewalt. Die kapitalistische Wirtschaft lebt vom Krieg um Öl, Land, monopol-imperialistische Macht und um die vielen MĂ€rkte, die durch die Produktion und den Verkauf von Millionen von High-Tech-Waffen erschlossen werden. Eine pazifistische Existenz der Gewaltlosigkeit zu behaupten, bedeutet anzunehmen, dass dein Leben nicht aktiv Gewalt auf die Welt ausĂŒbt, und zwar durch genau die sozialen Systeme, von denen diejenigen profitieren, die solch erhabene Ideale behaupten.

Es sind weiße Pazifist:innen aus der Mittelklasse, die die kapitalistische Gewalt nicht in der unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigen Art und Weise erleben, wie Schwarze, Braune, Behinderte, Queers, Trans, MĂŒtter, Migrant_innen, Frauen und religiös vielfĂ€ltige Menschen sie tĂ€glich erleben. Es sind dieselben Pazifist*innen aus der Mittelschicht, die von der Gewalt profitieren, die der Staat und die Unternehmen auf der Erde und den Völkern auf der ganzen Welt ausĂŒben. Sie erleben Gesundheit, Reichtum und Eigentum; sie erleben den Überfluss an Nahrung, Unterkunft und Zugang zu den Exzessen des Kapitalismus, aber sie tun dies auf dem RĂŒcken des globalen SĂŒdens und des mittleren Ostens. Es sind diese weißen, dogmatischen „Friedenspolizist_innen“ aus der Mittelschicht, die Menschen, die sich gegen staatliche Gewalt wehren, anschreien und ihnen sagen, sie seien unmoralisch und gewalttĂ€tig. Auf diese Weise stehen sie jemandem, der seine eigene Befreiung sucht, direkt im Weg.

George Orwell schrieb in seinem persönlichen Tagebuch ĂŒber den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und sinnierte: „Pazifismus ist objektiv pro-faschistisch. Das ist elementarer gesunder Menschenverstand. Wenn du die Kriegsanstrengungen der einen Seite behinderst, hilfst du automatisch denen der anderen Seite. Es gibt auch keine wirkliche Möglichkeit, sich aus einem Krieg wie dem gegenwĂ€rtigen herauszuhalten
. andere bilden sich ein, dass man die deutsche Armee irgendwie â€žĂŒberwinden“ kann, indem man sich auf den RĂŒcken legt — sollen sie sich das ruhig weiter einbilden, aber sie sollen sich auch gelegentlich fragen, ob das nicht eine Illusion ist, die auf Sicherheit, zu viel Geld und eine schlichte Unkenntnis der Art und Weise, wie die Dinge tatsĂ€chlich ablaufen, beruht
. Despotische Regierungen können „moralische Gewalt“ aushalten, bis die KĂŒhe nach Hause kommen; was sie fĂŒrchten, ist physische Gewalt“.

Pazifistische Kapitalist*innen sind extrem gewalttĂ€tig und können sogar als hausgemachte Terrorist:innen betrachtet werden, da sie sinnlose Gewalttaten begehen, indem sie einen Zustand extremer Ungleichheit durch gewalttĂ€tige Beziehungen von Herrschaft, Hierarchie, Entfremdung und Ausbeutung aufrechterhalten. Sie projizieren dieses gewalttĂ€tige Privileg auf die Verarmten, die Arbeiterklasse und andere radikale Organisator_innen, die versuchen, sich gegen die extreme Gewalt einer kapitalistischen Gesellschaft zu wehren. Ta-Nehisi Coates spricht dieses Problem unter den politischen FĂŒhrenden an: „Wenn Gewaltlosigkeit von den Vertreter:innen des Staates gepredigt wird, wĂ€hrend der Staat seinen BĂŒrger_innen haufenweise Gewalt zufĂŒgt, entlarvt er *sie sich selbst als BetrĂŒger_in.“ („Nonviolence as Compliance“ in the Atlantic )

Ein SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis dieses Problems liegt in der gesellschaftlichen Verortung vieler Pazifist*innen. Der Markt, der private Besitz von Eigentum, gewĂ€hlte Regierungsbeamt:innen und das Rechtssystem selbst wurden alle von und fĂŒr weiße Menschen (oft weiße christliche MĂ€nner) verwaltet. Wenn all diese Systeme nicht zu deinen Gunsten funktionieren und wenn sie dich nicht beschĂŒtzen, sondern in Wirklichkeit eine große Quelle der Gewalt sind, der du ausgesetzt bist, dann konzentrieren sich deine politischen Aktionen darauf, diese Systeme des Todes zu beenden, wenn du dich nicht nur gegen ihre Gewalt verteidigst. Das ist genau der Grund, warum entrechtete Menschen nicht immer „ZivilitĂ€t“ als ihre Antwort auf liberale Gewalt wĂ€hlen. Der Staat definiert „ZivilitĂ€t“ und ihre „Zivilisation“ – sie haben sich dafĂŒr entschieden, ihren zivilen Zustand durch Genozid, Kolonialisierung, Imperialismus, Sklaverei, Ungleichheit, etc. zu definieren. Die ZivilitĂ€t ist das Problem.

RevolutionÀrer Widerstand, DiversitÀt der Taktiken und Befreiung

People of Color, trans* Personen und Menschen mit unterschiedlichen FĂ€higkeiten wissen das und fĂŒhren schon seit langem KĂ€mpfe mit unterschiedlichen Taktiken. In einem Artikel, der am 26. April 2015 auf dem Radical Faggot Blog gepostet wurde, schreibt Benji Hart: „Sie als unzivilisiert zu bezeichnen und sie zu ermutigen, sich um die Verfassung zu kĂŒmmern, ist rassistisch, [sexistisch, ableistisch] und als Argument versagt es nicht nur in der gewalttĂ€tigen politischen RealitĂ€t, in der sich Schwarze, [trans und anders begabte] Menschen befinden, sondern auch in unserer jahrhundertelangen Tradition des Widerstands – eine, die praktisch jeder anderen aktuellen Bewegung fĂŒr Gerechtigkeit effektive Strategien fĂŒr Militanz und direkte Aktion gelehrt hat.“

Indem du die Vorteile von Gewalt erntest und dann unterdrĂŒckte Bevölkerungen der Gewalt unterwirfst, damit sie ihrer UnterdrĂŒckung nicht entkommen können, gedeihst du nicht nur von ihrem fortwĂ€hrenden Leiden, sondern du nimmst ihnen auch die FĂ€higkeit, WĂŒrde und Selbstbestimmung einzufordern. Es ist extrem gewalttĂ€tig, denen, die unter den schwersten Stiefeln der kapitalistischen und kolonialen Ausbeutung leben, Pazifismus aufzudrĂ€ngen, wenn man selbst von den Ausbeutungen der kapitalistischen und kolonialen Gewalt stark profitiert.

Die Kolonisator*innen sagen den Kolonisierten, sie sollen sich nicht wehren.

Die Vergewaltiger:innen sagen den Vergewaltigten, sie sollen sich nicht wehren.

Die Angreifer_innen sagen den Angegriffenen, dass sie sich nicht wehren sollen.

Die Mörder*innen sagen dem Opfer, es solle sich nicht wehren.

Die Sklavenhalter:innen sagen den Sklav_innen, dass sie sich nicht wehren soll.

Die Zivilisierten sagen den Wilden, sie sollen sich nicht verteidigen.

Die Pazifist*innen sagen den UnterdrĂŒckten, dass sie sich nicht verteidigen sollen.

Die RevolutionĂ€r_innen schließen sich mit den Kolonisierten, den Vergewaltigten, den Angegriffenen, den Opfern, den Sklav:innen, den Wilden und den UnterdrĂŒckten solidarisch zusammen; gemeinsam suchen sie die kollektive Befreiung. Es sind genau die marginalisierten Gruppen, die diese Taktiken anwenden – arme Frauen of Color, die ihr Recht auf Land und Wohnraum verteidigen, trans* Streetworker*innen und indigene Völker, die sich gegen Mord und Gewalt wehren; Schwarze und Braune KĂ€mpfe gegen die Gewalt der weißen Vorherrschaft -, die die mĂ€chtigsten und erfolgreichsten AufstĂ€nde in der Geschichte der USA gefĂŒhrt haben.“ (aus einem fĂŒr Occupy Oakland geschriebenen Pamphlet vom April 2012, Who is Oakland?).

Es wird oft argumentiert, dass, wenn man das eigene Leben als MĂ€rtyrer:in opfert, die Gewalt des Staates entlarvt wird, wenn der Staat oder die StreitkrĂ€fte in Gewalt gegen dich handeln, damit alle es sehen können, und dann ein fĂŒr alle Mal ein Ende setzen. Das ist eine schreckliche Logik, besonders wenn man sie auf jeden Kontext in der ganzen Geschichte anwendet. Wir sollten nicht erwarten, dass jemand in missbrĂ€uchlichen und gewalttĂ€tigen Situationen stirbt oder sich nicht verteidigt, damit die Gewalt ihrer Handlungen aufgedeckt werden kann, um andere irgendwie davon zu ĂŒberzeugen, nicht auf die gleiche Weise gewalttĂ€tig zu sein.

Jesus wurde an ein Kreuz genagelt und CĂ€sar hatte keinen Sinneswandel im Angesicht solch unterdrĂŒckender BrutalitĂ€t. Er feierte.

Schwarze und braune Menschen wurden gelyncht und weiße Rassist*innen hatten keinen Sinneswandel im Angesicht solcher unterdrĂŒckenden BrutalitĂ€t. Die Gemeinschaft feierte.

Gewalt wird die ganze Zeit aufgedeckt und nichts wird dagegen unternommen. Wie viele Videos von Cops, die unbewaffnete Teenager_innen ermorden, mĂŒssen Staatsbeamt:innen (oder Liberale) sehen, bevor sie ihre Gewalt erkennen und sich auf magische Weise entscheiden, sie durch einen Sinneswandel zu stoppen? Wie sollte das auch Sinn machen, wenn es von einer Institution kommt, die kurz nach der Sklaverei gegrĂŒndet wurde, um nicht-weiße ehemalige Sklav_innen zu schikanieren, zu beobachten und zu fangen? Dasselbe Rechtssystem, das keinen Sinneswandel im Angesicht der gewalttĂ€tigen weißen Vorherrschaft hatte, sondern vielmehr ein ganzes weißes Vorherrschafts-MilliardengeschĂ€ft schuf: den GefĂ€ngnis-Industriekomplex.

Weiße feministische Theolog*innen in den 1960er Jahren kritisierten die Idee des „aufopferungsvollen Lebens“ als die Mission ihres glaubenserfĂŒllten Lebens. Sie wurde ihnen von den liberalen Theolog:innen der Zeit aufgezwungen: Die höchste Berufung ist kenotisch, Opfer, sich fĂŒr den NĂ€chsten zu entleeren. Die weißen, cis-mĂ€nnlichen liberalen Theolog_innen, die diese AnsprĂŒche an die Körper der Frauen stellten, berĂŒcksichtigten nicht die tausenden Wege, auf denen Frauen bereits dem kapitalistischen Hetero-Patriarchat unterworfen sind, besonders die unbezahlte Reproduktionsarbeit, die nötig ist, um eine solche Gesellschaft zu produzieren. Diese Kritik wurde spĂ€ter in den 1970er Jahren von revolutionĂ€ren Schwarzen Feminist:innen im Combahee River Collective weiterentwickelt, die erstmals ĂŒber IntersektionalitĂ€t schrieben: „Die allgemeinste Aussage unserer Politik zum jetzigen Zeitpunkt wĂ€re, dass wir uns aktiv dem Kampf gegen raciale, sexuelle, heterosexuelle und KlassenunterdrĂŒckung verschrieben haben und als unsere besondere Aufgabe die Entwicklung einer integrierten Analyse und Praxis sehen, die auf der Tatsache basiert, dass die großen Systeme der UnterdrĂŒckung ineinander greifen. Die Synthese dieser UnterdrĂŒckungen schafft die Bedingungen fĂŒr unser Leben. Als Schwarze Frauen sehen wir den Schwarzen Feminismus als die logische politische Bewegung, um die vielfĂ€ltigen und gleichzeitigen UnterdrĂŒckungen zu bekĂ€mpfen, denen alle Frauen of Color ausgesetzt sind.“

Dieses Narrativ, das eigene Leben den MĂ€chten und FĂŒrstentĂŒmern zu opfern, geht auch davon aus, dass die Oberschicht, die kapitalistische Klasse und die ausbeutenden Klassen sich plötzlich dafĂŒr entscheiden werden, ihren Reichtum, ihre Macht und ihre Privilegien zu opfern, um die Massen zu befreien, die (auf ihre eigenen Kosten und fĂŒr ihr eigenes Überleben) all ihren Reichtum, ihre Macht und ihre Privilegien produziert haben. Nicht nur, dass diese Idee den UnterdrĂŒckten die Autonomie nimmt und das elitĂ€re Narrativ fortsetzt, dass die UnterdrĂŒckten ungebildete, dreckige Wilde sind, sondern sie unterstĂŒtzt auch die unterdrĂŒckerische Gewalt durch die Forderung nach Nicht-Widerstand in der Hoffnung, den UnterdrĂŒckenden die BrutalitĂ€t der UnterdrĂŒckung zu offenbaren.

Hier ist ein weiteres Beispiel: Ein Mann bricht mit einem Messer in das Haus einer Frau ein und hat die Absicht, sie zu vergewaltigen, auszurauben und zu töten. Als Pazifistin entscheidet sie sich, keine Waffe zu benutzen, um sich zu verteidigen. Stattdessen sagt sie ihm kreativ, dass seine Wege ungerecht sind, dass es eine andere Art zu leben gibt und dass MitgefĂŒhl der Weg der Wahrheit ist; sie hofft, dass ihre Vergewaltigung und ihr Mord ein leuchtendes Beispiel fĂŒr MitgefĂŒhl und Mut sein werden – sie bietet ihr eigenes Leben als Opfer an, um ihm zu zeigen, dass seine Wege ungerecht sind, dass er seine Wege Ă€ndern sollte, dass er keine Menschen mehr vergewaltigen, ausrauben und ermorden sollte. Sie hofft, sein Herz auf dem Weg zu bekehren, durch ihr Opfer hofft sie, dass er Buße tut.

Es ist auch absolut absurd zu denken, dass eine Frau, die einen Vergewaltiger bekĂ€mpft oder tötet, wie der Vergewaltiger wird. Kolonisierte indigene und afrikanische Völker, die in die Sklaverei gezwungen wurden, wurden nicht wie ihre sklavenbesitzenden Kolonisatoren, wenn sie sich gewaltsam auflehnten, Widerstand leisteten, revoltierten und randalierten. Die jĂŒdischen Menschen, die die Nazis töteten oder bekĂ€mpften, die versuchten, ihr Volk auszurotten, wurden nicht wie die Nazis. Gewalt gegen diejenigen anzuwenden, die dich ausbeuten, unterdrĂŒcken und missbrauchen, macht dich nicht wie sie. Die RealitĂ€t ist komplexer, als es der dogmatische Pazifismus zulĂ€sst.

Sprich nicht die Wahrheit zur Macht; zerstöre die Macht

Wenn jemand leidet und UnterdrĂŒckung erfĂ€hrt, sollten wir handeln, um die Gewalt zu stoppen und nicht darauf hoffen, dass rechtzeitige bĂŒrokratische Antworten der Politikreform tatsĂ€chlich etwas zur Linderung des Leids und zur BekĂ€mpfung der Ungerechtigkeit beitragen werden. Waren es nicht die elitĂ€ren Klassen und ihre BĂŒrokrat*innen, die genau das Rechtssystem geschaffen haben, das versucht, extrem komplexe RealitĂ€ten in Schwarz-Weiß-Situationen zu verwandeln, damit „gebildete“ Richter_innen die Zukunft von jemandem diktieren können?

Die meisten Menschen auf der Welt erleben bereits Gewalt und verteidigen sich nicht; die meisten Menschen handeln nicht gewalttĂ€tig in direkter Konfrontation mit ihren Misshandler:innen, und diese erhofften Nicht-Reaktionen haben weder Liberale noch Konservative zum Handeln motiviert. Die Sklaverei wurde nicht abgeschafft, weil alle Salven voller Hoffnung waren oder weil sie Pazifist*innen waren. Die Sklaverei wurde abgeschafft, weil es SklavenaufstĂ€nde, organisierte Rebellionen und bewaffnete Untergrundbahnen gab, wie die, durch die Harriet Tubman Tausende in die Freiheit fĂŒhrte. Der Sklavenabolitionist Frederick Douglas spricht in seiner Rede von 1857, die er am 23. Jahrestag der Westindischen Emanzipation hielt, so eloquent zu diesen Ideen:

Macht rĂ€umt nichts ein ohne eine Forderung. Das hat sie nie getan und das wird sie auch nie tun. Finde heraus, womit sich ein Volk stillschweigend abfinden wird, und du hast das genaue Maß an Ungerechtigkeit und Unrecht herausgefunden, das ihnen auferlegt werden wird, und diese werden so lange andauern, bis ihnen entweder mit Worten oder SchlĂ€gen oder mit beidem widerstanden wird. Die Grenzen der Tyrann:innen werden durch die Ausdauer derer, die sie unterdrĂŒcken, vorgegeben. Im Lichte dieser Ideen werden Schwarze im Norden gejagt und im SĂŒden festgehalten und ausgepeitscht, solange sie sich diesen teuflischen Schandtaten unterwerfen und keinen Widerstand leisten, weder moralisch noch physisch. Die Menschen bekommen vielleicht nicht alles, wofĂŒr sie in dieser Welt bezahlen, aber sie mĂŒssen sicherlich fĂŒr alles bezahlen, was sie bekommen. Wenn wir jemals von der UnterdrĂŒckung und dem Unrecht, das auf uns gehĂ€uft wird, befreit werden, mĂŒssen wir fĂŒr ihre Beseitigung bezahlen. Wir mĂŒssen dies durch Arbeit, durch Leiden, durch Opfer und wenn es sein muss, mit unserem Leben und dem Leben anderer tun.

Der liberale dogmatische Pazifismus ist eines der effektivsten Werkzeuge der Gewalt, die der Staat einsetzt, um marginale und unterdrĂŒckte Gemeinschaften davon abzuhalten, sich zu erheben, ihre WĂŒrde wiederherzustellen und sich vor weiterem Missbrauch durch befreiende kommunale bewaffnete Selbstverteidigung zu schĂŒtzen.

Was bedeutet es dann, deine Feind_innen zu lieben? Bedeutet es, dass du deinen Feind*innen weiterhin erlaubst, dich anzugreifen? Ist es liebevoll, jemandem zu erlauben, dich anzugreifen, dich zu bombardieren, dich auszubeuten, dich zu unterdrĂŒcken – ist es wirklich das, worauf Jesus und die frĂŒhe Kirche hinaus wollten?

„Liebe deine:n Feind:in“ bedeutet nicht: Bleib in einer missbrĂ€uchlichen Beziehung, nimm den Missbrauch hin, weil es gut und heilig ist. Wenn eine solche Missbrauchsbeziehung komplex und massenhaft organisiert ist, warum sollte die Logik des Widerstands anders sein? Warum ist der Missbrauch durch den Staat oder durch rechte Faschist_innen anders als der Missbrauch durch eine*n Ehepartner_in? Es scheint auf jeden Fall intensiver zu sein, es scheint organisierter zu sein, es scheint brutaler zu sein – und wenn ĂŒberhaupt, dann scheint es unserer Akzeptanz nicht wĂŒrdig zu sein. Wir sollten uns und andere immer gegen UnterdrĂŒckung verteidigen. Warum sollten wir den Missbrauch akzeptieren, als ob Pazifismus gerechter wĂ€re? Den Missbrauch zu beenden und uns gegenseitig zu befreien ist viel gerechter.

Wenn wir unterdrĂŒckende Gewalt erleben, ist es wichtig, uns daran zu erinnern, dass unser Kampf ein Kampf um das Leben selbst ist. Wir kĂ€mpfen nicht fĂŒr Wahlanerkennungen oder politische Reformen, wir gehen nicht davon aus, dass das Leben gut ist und nur ein paar Anpassungen braucht; wir kĂ€mpfen, weil unsere Existenz davon abhĂ€ngt. Am 10. Juli wurde die 13. trans Frau ermordet, die 2018 ermordet wurde; die Polizei hat in diesem Jahr bisher 446 Menschen getötet (1147 Menschen in 2017); das MilitĂ€r hat tausende Bomben mehr abgeworfen als je zuvor und eine rekordverdĂ€chtige Anzahl von Menschen und Orten ermordet; ĂŒber 1200 Kinder sind buchstĂ€blich durch die Bundesregierung verloren gegangen; weiße Rassisten waren direkt fĂŒr 18 von 24 extremistischen TodesfĂ€llen in den USA im Jahr 2017 verantwortlich; und ĂŒber 200 Arten sterben jeden einzelnen Tag inmitten apokalyptischer ökologischer Bedingungen aus, die letztendlich zum Aussterben unserer eigenen Spezies fĂŒhren.

Wir haben keine Zeit, darauf zu warten, dass die UnterdrĂŒckenden aufhören, uns zu unterdrĂŒcken, als ob sie eines Tages zu ihrer extrem gewalttĂ€tigen Art aufwachen wĂŒrden. Das ist genau das, was die Plantagenbesitzenden hoffen wĂŒrden, woran ihre Sklav*innen glauben. Wir mĂŒssen uns fĂŒr das Leben entscheiden, und wir mĂŒssen uns dafĂŒr entscheiden, uns selbst, unsere Gemeinschaften und unsere Ökosysteme gegen Kolonisierung, Industrialisierung, Staatsgebilde und soziale Zwangskontrolle zu verteidigen. FĂŒr das Leben zu leben bedeutet, in Opposition zum Kapitalismus und der Gewalt zu leben, die er in der Welt um uns herum verewigt. Wir befĂŒrworten die Revolution nicht, weil wir hoffen, dass unsere Tendenzen den Sieg davontragen, sondern weil wir das AufblĂŒhen des planetarischen Lebens anstreben.

Befreite Selbstverteidigung ist ein weitaus grĂ¶ĂŸerer Rahmen als dogmatischer Pazifismus, da sie WĂŒrde, Selbstbestimmung und die Teilnahme an der Gestaltung einer neuen Welt ermutigt, jenseits des Appells an „reprĂ€sentative“ AutoritĂ€ten, weniger missbrĂ€uchliche Politik zu verabschieden. Wenn diese Politiker_innen Entscheidungen fĂŒr die Massen treffen, schaffen sie mehr BĂŒrokratie und machen es möglich, mehr Körper zu definieren und zu kategorisieren und somit unsere Körper weiter zu diskriminieren, zu unterdrĂŒcken und durch gesetzliche Definitionen zu definieren. Unter den Regeln des Pazifismus gewinnen die UnterdrĂŒckenden, sie haben immer die Verhandlungsmacht und sie entscheiden immer, wer die Waren bekommt und wer an ein Kreuz genagelt wird.

Befreiende, gemeinschaftliche, bewaffnete Selbstverteidigung

Scott Crows neue Anthologie, Setting Sights: Histories and Reflections on Community Armed Self-Defense, erforscht die befreiende, bewaffnete Selbstverteidigung von Gemeinschaften als eine Taktik innerhalb einer grĂ¶ĂŸeren revolutionĂ€ren Strategie durch theoretische Überlegungen und historische Studien. Er und die verschiedenen anderen Autor*innen und Aktivist_innen machen sehr deutlich, dass die bewaffnete Komponente jeder Selbstverteidigungsstrategie niemals zum Zentrum werden sollte (oder wir riskieren, zu MilitĂ€rs zu werden). Vielmehr soll die Macht so gut wie möglich geteilt und ausgeglichen werden, was die bewaffnete Selbstverteidigung von bewaffneten Terrorist:innen, bewaffneten AufstĂ€nden, bewaffneten militĂ€rischen Organisationen, bewaffneten Guerillaarmeen oder bewaffneter Strafverfolgung unterscheidet. Crow schreibt: „Der befreiende Rahmen baut auf den anarchistischen Prinzipien der gegenseitigen Hilfe (Kooperation), der direkten Aktion (Handeln, ohne auf die Zustimmung der AutoritĂ€ten zu warten), der SolidaritĂ€t (die Erkenntnis, dass das Wohlergehen ungleicher Gruppen miteinander verbunden ist) und der kollektiven Autonomie (gemeinschaftliche Selbstbestimmung) auf.“

Crow sagt weiter, dass diese Form der befreienden Selbstverteidigung nicht dazu dienen soll, die permanente Macht zu ergreifen, oder dass Waffen als erstes Mittel zur Selbstverteidigung eingesetzt werden sollen, sondern erst „nachdem andere Formen der Konfliktlösung ausgeschöpft wurden.“ Hier geht es nicht um revolutionĂ€ren Avantgardismus oder den Sturm auf das Weiße Haus mit Waffen. Hier geht es um Selbstverteidigung vor buchstĂ€blichen Nazis, die in den letzten Jahren in rekordverdĂ€chtiger Anzahl Menschen ermordet, erschossen und angegriffen haben (Rest in Power Heather Heyer).

Es sollte angemerkt werden, dass Crows Art der befreienden, gemeinschaftlichen, bewaffneten Selbstverteidigung sich von anderen Formen bewaffneter Aktionen in zwei Hauptpunkten unterscheidet: Der erste ist, dass sie organisiert, aber temporĂ€r ist, „Menschen können individuell oder gemeinsam in Waffentaktik und Sicherheit trainieren, wĂŒrden aber eher wie eine Freiwillige Feuerwehr eingesetzt werden – nur bei Bedarf und als Reaktion auf bestimmte UmstĂ€nde“. Das zweite und wahrscheinlich deutlichste und wichtigste Element einer befreienden, gemeinschaftlichen, bewaffneten Selbstverteidigung (wie sie historisch von Gruppen wie den Zapatistas, den KĂ€mpfer*innen der Rojava-Revolution und der Black Panther Party aus den 1960er Jahren genutzt wurde), ist die Teilung der Macht und egalitĂ€re Prinzipien, die in die Ethik der Gruppe und ihrer Kultur aufgenommen wurden, lange bevor ein Konflikt ausgetragen wurde. Anders als z.B. rechte Milizen (Anti-Immigrationspatrouillen der Minutemen Miliz oder die rassistische Algiers Point Miliz, die nach Katrina in New Orleans patrouillierte), die nichts mit kollektiver Befreiung zu tun haben. „Diese Milizen sind auf rassistischen Überzeugungen, Verschwörungstheorien und einer Machokultur aufgebaut, in der der StĂ€rkste oder Lauteste der AnfĂŒhrende ist. Sie sind typischerweise in militĂ€rischen Hierarchien organisiert, ohne wirkliche Rechenschaftspflicht gegenĂŒber den Menschen in der Zivilgesellschaft und den Gemeinschaften, in denen sie agieren“.

Eine weitere SchlĂŒsselkomponente der Taktik der Selbstverteidigung ist die duale Macht, bei der es darum geht, sowohl Widerstand zu leisten als auch zu schaffen. Der Widerstand richtet sich gegen Ausbeutung und UnterdrĂŒckung, die Erschaffung gen „einer Entwicklung anderer Initiativen in Richtung Autonomie und Befreiung als Teil anderer BemĂŒhungen um Selbstversorgung und Selbstbestimmung.“ Bei diesem Modell geht es darum, eine bessere Welt zu erschaffen, Ă€hnlich wie es das FrĂŒhstĂŒcksprogramm der Black Panther tat, als sie aufhörten, auf weiße Regierungsbeamt_innen zu warten und anfingen, die Kinder ihrer eigenen Gemeinschaften zu ernĂ€hren, damit sie in der Schule und im Leben allgemein erfolgreich sein können. Bei der Selbstverteidigung geht es nicht nur darum, bewaffnet zu sein, sondern um den Aufbau von Netzwerken und einer Infrastruktur von Menschen, die sich gegenseitig helfen. Wenn du krank wirst, bringt dir das Pflegeteam das Abendessen vorbei; wenn du ein Baby bekommst, ist fast jede*r in der Gemeinschaft bereit, dein Kind zu halten, mit es zu spielen oder auf es aufzupassen; und wenn du mit deinem Auto einen Unfall hast, bietet dir jemand in der Gemeinschaft an, dich an einen bestimmten Ort zu fahren oder dir das alte Auto ihrer Oma zu geben. Wie könnten wir diese Infrastruktur auf radikalere Art und Weise mit revolutionĂ€reren Zielen nutzen? Wie könnten wir diese Infrastruktur nutzen, um das Queerdom of God im US-Imperium zu etablieren?

Fazit

Was ich hoffe, mit diesem Artikel erreicht zu haben, ist, einige der grundlegenderen und weniger nuancierten Begriffe aufzudecken, die oft von dogmatischen Pazifist*innen verwendet werden, die sich weigern, radikale Kritik an ihren Ideen zu ĂŒben. Diese dogmatischen Pazifist_innen halten sich selbst in ihrer privilegierten Existenz und winken mit dem Finger des Urteils ĂŒber Lumpen- und Proletariatsgemeinschaften, die sich fĂŒr WĂŒrde durch emanzipatorische Selbstverteidigung entscheiden. In Bezug auf die Gewalt in unseren Bewegungen, unsere Taktiken und unsere allgemeinen Philosophien ist es wichtig, dass wir weiterhin harte Fragen stellen. Hier sind einige wirklich gute Fragen, die wir stellen sollten, wenn wir ĂŒber Gewalt in unseren direkten Aktionen nachdenken:

  • SchĂ€digen wir staatliches und privates Eigentum, oder schĂ€digen wir Menschen, Gemeinschaften und natĂŒrliche Ressourcen? Stören wir mit unserer Aktion die staatliche und unternehmerische Gewalt oder verursachen wir KollateralschĂ€den, mit denen noch mehr unterdrĂŒckte Menschen zu kĂ€mpfen haben (z.B. Schwarze Familien und GeschĂ€ftsinhaber:innen, Reinigungspersonal usw.)? Ahmen wir staatliche Gewalt nach, indem wir Menschen und die Umwelt schĂ€digen, oder schĂ€digen wir staatliches Eigentum auf eine Art und Weise, die Gewalt stoppen oder verlangsamen kann? DĂ€monisieren wir Systeme oder Menschen?
  • Wer ist in der NĂ€he? FĂŒgen wir den Menschen um uns herum Schaden zu, wenn wir handeln? Besteht die Möglichkeit von Gewalt fĂŒr diejenigen, die nicht die beabsichtigten Ziele unserer Aktion sind? Zwingen wir Menschen dazu, sich an einer Aktion zu beteiligen, die das gar nicht wollen oder die nicht bereit sind?
  • Wer ist an der Aktion beteiligt? Sind die Menschen freiwillig an unserer Aktion beteiligt, oder einfach nur, weil sie in der NĂ€he sind? Haben wir Möglichkeiten geschaffen, dass Menschen mit unterschiedlichen FĂ€higkeiten, die vielleicht nicht dabei sein wollen, gehen können? Sind wir strategisch bei der Wahl des Ortes und der Platzierung der Körper? Wenn es gewalttĂ€tige Konsequenzen fĂŒr unsere Aktionen gibt, wer wird sich ihnen stellen?

Zum Schluss noch einige Gedanken von Scott Crow zum Aufbau einer organisierten, befreienden, gemeinschaftlichen, bewaffneten Selbstverteidigung:

Es bleiben viele Fragen offen, einschließlich derer, die die Organisation, taktische Überlegungen, die den Schusswaffen innewohnende Zwangsgewalt, die Rechenschaftspflicht gegenĂŒber der zu verteidigenden Gemeinschaft und der breiteren sozialen Bewegung und schließlich, so hofft man, den Prozess der Entmilitarisierung betreffen. Zum Beispiel: MĂŒssen defensive Engagements geographisch isoliert bleiben? Sind kleine AffinitĂ€tsgruppen die besten Formationen fĂŒr Machtteilung und breite Mobilisierung? Wie schaffen wir UnterstĂŒtzungskulturen fĂŒr diejenigen, die sich in defensiven bewaffneten Konflikten engagieren, insbesondere in Bezug auf das Recht historisch unterdrĂŒckter Menschen, sich zu verteidigen? Wie sieht dieses Engagement der UnterstĂŒtzung aus? ZusĂ€tzlich gibt es viele taktische Überlegungen und Fragen, die diskutiert und debattiert werden mĂŒssen, um zu vermeiden, dass die dominante Waffenkultur repliziert wird. Wie können wir verhindern, dass das Waffentraining in den Mittelpunkt rĂŒckt, sei es aus Gewohnheit, Kultur oder Romantisierung?

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Quelle: Schwarzerpfeil.de