Juli 2, 2022
Von Emrawi
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10 Jahre ist es her, dass sich die StreitkrĂ€fte Bashar al-Assads aus den Kantonen Afrin, Kobane und Cizire im Norden Syriens zurĂŒckzogen. 10 Jahre, in denen die Bevölkerung in Rojava/Westkurdistan anstelle zentralstaatlicher Strukturen ein weitreichendes RĂ€tesystem aufbaut. Ein System, das die Ideen der kurdischen Freiheitsbewegung vor Augen hat und ihre GrundsĂ€tze – radikale Demokratie, Frauenbefreiung und Ökologie – lebt.

Die Revolution in Rojava bedeutet den Aufbau einer neuen Gesellschaft. Ein Aufbau, der auch das entschlossene Vorgehen gegen den Islamischen Staat (IS) in der Region beinhaltet. Zahlreiche StĂ€dte und Regionen konnten durch die Volkerverteidigungseinheiten YPJ und YPG vom IS befreit werden. Zeitgleich zur militĂ€rischen Befreiung wurden auch in diesen Gebieten – gemeinsam mit der (mehrheitlich arabischen) Bevölkerung – Strukturen der kommunalen Selbstverwaltung aufgebaut. Um dem pluralistischen Charakter der Revolution gerecht zu werden, wird 2018 die politische Einheit in Autonome Administration Nord- und Ostsyrien umbenannt.

Gelebte Praxis der Hoffnung

Die Autonome Administration ist ein Symbol und gelebte Praxis der Hoffnung auf Frieden in einer Region, die von kolonialer Beherrschung, jahrzehnte-langer Konflikte und zuletzt BĂŒrgerkrieg geprĂ€gt ist. Sie besitzt aber auch Strahlkraft darĂŒber hinaus. Sie ist Symbol der Hoffnung, dass eine radikal andere Gesellschaft in aller Welt möglich ist. Eine Gesellschaft, die sich entlang der Ideen des demokratischen Konföderalismus abseits (national-)staatlicher Strukturen in Kommunen, RĂ€ten, Akademien und wirtschaftlichen Kooperativen selbstverwaltet.

Als solche Hoffnung ist die Revolution Angriffen ausgesetzt. Diese beschrĂ€nken sich nicht auf den IS und das syrische Regime, sondern werden vor allem vom tĂŒrkischen Staat durchgefĂŒhrt. Im Verlauf von drei völkerrechtswidrigen Angriffskriegen in den Jahren 2016, 2018 und 2019 wurden weite Teile im Grenzstreifen vom NATO-Mitgliedsland TĂŒrkei und dschihadistischen VerbĂŒndeten besetzt und hunderttausende Menschen vertrieben. Im Schatten des Ukrainekrieges und mit neuem Selbstbewusstsein hat der tĂŒrkische Diktator Recep Tayyip Erdoğan nun einen weiteren Angriffskrieg angekĂŒndigt.

Der Westen lĂ€sst dies geschehen. Er sieht dabei aber nicht nur tatenlos zu: Er liefert das Kriegsmaterial, betont die ’legitimen Sicherheitsinteressen’ der TĂŒrkei und setzt kurdische Aktivist*innen der Repression aus. Erdoğan gilt mehr denn je als wichtiger VerbĂŒndeter. Auch die österreichischen Politiker Michael Ludwig und Karl Nehammer reichten ihm jĂŒngst die HĂ€nde.

Rise Up 4 Rojava

Wir – die internationalistische Kampagne Rise Up 4 Rojava – haben zum Ziel, die Revolution in Nord- und Ostsyrien zu verteidigen. Wir brechen das Schweigen im Westen und verbreiten gemeinsam mit Freund:innen aus der Bewegung Wissen ĂŒber die Revolution. Wir erzĂ€hlen ihre Geschichte(n) und benennen und markieren ihre Feind*innen. Vor dieser Zielsetzung haben wir diesen JĂ€nner das Werkstor des MilitĂ€rfahrzeugherstellers Rheinmetall-MAN in Wien-Liesing blockiert. Wir sind mehrmals gemeinsam mit den kurdischen Strukturen auf die Straße gegangen und haben im FrĂŒhjahr eine an die Wiener Linke gerichtete Bildungsoffensive ausgerufen. In drei Veranstaltungen sind wir mit Gruppen in Austausch gegangen und haben ĂŒber das Konzept des demokratischen Konföderalismus, die Bedeutung von ökologischen KĂ€mpfen und feministischer Organisierung als Selbstverteidigung diskutiert.

Ab 07. Juli gehen wir ĂŒber Wien hinaus in Austausch und besuchen gemeinsam mit der kurdischen Jugend die StĂ€dte Graz, Linz und Innsbruck. Wir werden dort mit Freund*innen zusammentreffen und ĂŒber die aktuelle Lage in Nord- und Ostsyrien und Kurdistan sprechen. Außerdem werden wir uns ĂŒber die grundlegenden Ideen der kurdischen Freiheitsbewegung austauschen und sie mit lokalen KĂ€mpfen in Bezug setzen. Wir freuen uns neue Gruppen, ZusammenschlĂŒsse und Menschen kennenzulernen, um die Hoffnung in Rojava in Zukunft gemeinsam zu verteidigen und eine neue Hoffnung hier vor Ort aufzubauen.

Wir sehen uns in Graz, Linz und Innsbruck und am 16. Juli in Wien.

Berxwedan Jüyan e — Widerstand heißt leben.




Termine Mobitour:

  • 07. Juli, Graz

    19.00 Uhr, Schwarze Raupe, Steinfeldgasse 2
  • 08. Juli, Linz

    20.15 Uhr, Willy*Fred, Graben 3
  • 09. Juli, Innsbruck

    19.00 Uhr, Il Corvo, Mozartstraße 12



10 Jahre Frauenrevolution in Rojava (16.07., Wien):

  • Demonstration 14.00 Uhr

    Startpunkt Christian-Broda-Platz
  • Fest 15.00-22.00 Uhr

    Heldenplatz



Quelle: Emrawi.org