April 27, 2022
Von Revista BUNA
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Liebe Leserinnen und Leser,

das neunte Heft ist die letzte Ausgabe der „BUNĂ – Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien“. Nach sieben Jahren des immer wieder unregelmäßigen Erscheinens stellen wir die Zeitschrift ein. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Zum einen ist es der zeitliche Aufwand, den wir als Herausgeber und Redakteure für die Zeitschrift aufbringen müssen. In den letzten Jahren gab es einige personelle Veränderungen bei uns. Mitarbeitende wurden Eltern oder sind beruflich stark beansprucht. Zum anderen blieb auch das Interesse an der Zeitschrift aus der deutschsprachigen anarcho-syndikalistischen/anarchistischen Bewegung an den Entwicklungen in Rumänien und Moldawien geringer, als wir das von einer international-universal ausgerichteten Bewegung erwartet hatten. Ein Genosse sprach in diesem Zusammenhang kürzlich davon, dass die BUNĂ „ihrer Zeit voraus“ sei. Während die Zeitschrift in Rumänien über viele Freundinnen und Freunde verfügt, ist sie in Deutschland kaum über den Kreis weniger an der internationalen Situation interessierter anarchistischer/syndikalistischer Genossinnen und Genossen und an Rumänien Interessierten hinausgekommen. Nach einer umfassenden Analyse sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der zeitliche Aufwand, die Zeitschrift weiter herauszugeben, in keinem befriedigenden Verhältnis zu ihrer Verbreitung steht. Auch wenn die letzte Ausgabe ausverkauft ist, haben doch nur wenige anarchistische/syndikalistische Gruppen die BUNĂ abonniert oder verkaufen sie auf ihren Büchertischen. Eine Trendänderung zeichnet sich nicht ab, auch wenn wir für die Qualität und Vielfalt der Zeitschrift immer wieder viel Anerkennung erfahren, die uns über die Jahre auch bestärkte, weiter zu machen. Wir betrachten die Notwendigkeit einer Zeitschrift wie der BUNĂ nach wie vor als gegeben. Die Herausgabe macht aber unter den gegebenen Umständen wenig Sinn.

Es geht weiter mit den „Kampfgeistern“

Wie die meisten unserer Leserinnen und Leser wissen, sind wir mit dem Institut für Syndikalismusforschung eng verbunden. Seit 2011 hat dieses jährlich das 120 Seiten starke Magazin „Syfo – Forschung & Bewegung“ herausgegeben. Dieses Syfo Magazin befasste sich schwerpunktmäßig mit der Geschichte der anarcho-syndikalistischen Bewegung. In Interviews und Berichten wurden aktuelle soziale Kämpfe aufgegriffen, vorgestellt und perspektivisch begleitet. Nach zehn Ausgaben wurde es 2020 eingestellt, nachdem die beruflichen Tätigkeiten der dort Arbeitenden ebenfalls so viel Zeit beanspruchen, dass eine vernünftige regelmäßige Erscheinungsweise nur unter großen Schwierigkeiten möglich wäre. In den zurückliegenden Ausgaben der BUNĂ erschienen einige Artikel zur Geschichte der rumänischen ArbeiterInnenbewegung und der anarchistischen/syndikalistischen Bewegung. Diese hätten ohne Probleme auch in „Syfo-Forschung & Bewegung“ veröffentlicht werden können. Das Institut hat als Nachfolgezeitschrift das Magazin „Kampfgeister“ konzipiert, das durch einen geringeren Seitenumfang ein leichteres Erscheinen ermöglichen wird. Auf einer Online-Arbeitskonferenz des Instituts für Syndikalismusforschung und der BUNĂ am 14. September 2021 wurde über die Möglichkeit einer Verschmelzung der beiden Zeitschriften beraten. Diese wurde für möglich und gut befunden. Damit ist gewährleistet, dass auch weiterhin Beiträge zur Geschichte der ArbeiterInnen- und anarchistischen/syndikalistischen Bewegung aus Rumänien in ansprechender Weise in Deutschland veröffentlicht werden können. Die „Kampfgeister“ werden zunächst im selben Umfang erscheinen wie die BUNĂ.

Wie ist das mit den bestehenden Abos?

Wer sich mit den „Kampfgeistern“ anfreunden kann und ein BUNĂ-Abo besitzt, der muss nichts weiter machen. Wir versenden die Kampfgeister an ihn, bis der Betrag für das Abo aufgebraucht ist. Wer die „Kampfgeister“ nicht beziehen möchte, den bitten wir um eine Nachricht an unsere email- oder Postadresse. Wer das für das Abo bezahlte Geld zurückerhalten möchte, mag uns bitte seine Bankverbindung zukommen lassen.

Mechel Stanger

Wir freuen uns darüber, in der ersten Ausgabe der „Kampfgeister“ die Autobiographie des nahe Czernowitz (Cernăuți) in der Bukowina geborenen Anarcho-Syndikalisten Mechel Stanger veröffentlichen zu können. Er stammt aus einer jüdischen Familie, arbeitete als Bäcker und schloss sich als Jugendlicher einer lokalen anarchistisch-syndikalistischen Gruppe an, die mit der Freien Arbeiter- Union Deutschlands (FAUD) in Verbindung stand. Er desertierte vor dem rumänischen Militärdienst und flüchtete nach Berlin. Dort traf er u.a. mit Rudolf Rocker und Augustin Souchy zusammen. Mit Rocker verband ihn eine lebenslange freundschaftliche Beziehung. 1936 kämpfte er auf Seiten von CNT und FAI in der Spanischen sozialen Revolution. Sein Lebensweg führte ihn in die Niederlande und schließlich nach Schweden, wo er als aktives Mitglied der syndikalistischen Gewerkschaft SAC wirkte und für die traditionsreiche anarchistische Zeitung „Brand“ Artikel verfasste. Seine Autobiographie erscheint als deutsche Erstübersetzung.

Alle Informationen zu den „Kampfgeistern“ finden sich unter: www.syfo.info

Wir danken unseren Leserinnen und Lesern und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in nah und fern für ihre Unterstützung. Ein besonderer Dank geht an unseren Genossen Folkert in Hamburg, der die Herausgabe der Zeitschrift von Anfang an auch logistisch unterstützte und die Abo-Verwaltung übernahm, was uns in der Redaktion entlastet hat. Der Kampf um eine solidarische, herrschaftsfreie Gesellschaft in Selbstbestimmung geht weiter!

Redaktion der BUNĂ, Oktober 2021

Nachrichten zu und über Rumänien weiterhin auf dem Blog

Hier auf dem BUNĂ-Blog werden wir aber weiterhin Nachrichten aus und über Rumänien, bzw. mit einem anti-autoritär-anarchistischen Bezug veröffentlichen. Schaut also gerne vorbei.




Quelle: Revistabuna.wordpress.com