Juli 12, 2020
Von Anarkismo
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category international |
migration / rassismus |
grundsatzerklÀrung
author Monday July 13, 2020 08:10author by Verschiedene anarchistische Organisationen

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Die Ermordung von George Floyd durch die Polizei in den USA hat dort und
auf der ganzen Welt eine Welle der Empörung von unten ausgelöst.
Massendemonstrationen und direkte Aktionen gegen die Polizei als
Reaktion auf Repressionen waren in den letzten Wochen an der
Tagesordnung. Dieser Mord, neben Tausenden von anderen, lÀsst die weit
verbreiteten Proteste von 2014 in den USA wieder aufleben, die als Folge
der vielen Morde an, insbesondere jungen, Schwarzen entbrannten.

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Die Ermordung von George Floyd durch die Polizei in den USA hat dort und
auf der ganzen Welt eine Welle der Empörung von unten ausgelöst.
Massendemonstrationen und direkte Aktionen gegen die Polizei als
Reaktion auf Repressionen waren in den letzten Wochen an der
Tagesordnung. Dieser Mord, neben Tausenden von anderen, lÀsst die weit
verbreiteten Proteste von 2014 in den USA wieder aufleben, die als Folge
der vielen Morde an, insbesondere jungen, Schwarzen entbrannten.

Diese Tatsache hat den tiefgreifenden Rassismus, der in den heutigen
Gesellschaften existiert, in den Vordergrund gerĂŒckt. In Europa fordern
Tausende von Einwander*innen ihre Rechte und die Gleichbehandlung mit
der weißen Bevölkerung. Das Recht darauf, eine sichere Zuflucht
aufzusuchen, wird dabei auch fĂŒr die Tausenden von Menschen gefordert,
die tĂ€glich versuchen, das Mittelmeer zu ĂŒberqueren oder von der TĂŒrkei
nach Europa zu gelangen. Denn fĂŒr Viele bedeutet dieser Versuch noch
immer den Tod, brutale Repression oder die Unterbringung in
menschenverachtenden FlĂŒchtlingslagern.

Dieses PhÀnomen verdeutlicht die historische Rolle des Rassismus bei der
Entstehung der kapitalistischen Gesellschaften. Die Entfaltung des
Kapitalismus – lange vor der industriellen Revolution – hatte ein
zentrales Element: die AusplĂŒnderung ganzer Kontinente, den Massenmord
an ganzen Bevölkerungen, die Aneignung von Territorien, Ressourcen und
Menschen durch die europÀischen Staaten und ihre Bourgeoisien, mit dem
Ziel, Kapital zu akkumulieren. Dieses wurde spÀter im 18. Jahrhundert
zur Entwicklung von Maschinen und Industrie genutzt. Es waren die
koloniale Strategie der PlĂŒnderung von Ressourcen ĂŒberall in den
Amerikas, begeitet von Sklaverei und Menschenhandel in SĂŒdamerika und
Afrika Sklavenhandel und der Handel mit Menschen aus Afrika, die in die
amerikanischen LĂ€nder verschleppt wurden, die die Festigung des
Kapitalismus ermöglichten.

Dann, in einer anderen Phase der Entfaltung des Systems, entwickelte
sich bereits im 19. Jahrhundert die imperialistische oder koloniale
Expansion Europas ĂŒber Afrika, Asien und Ozeanien, mit zahllosen Toten,
Vergewaltigungen und PlĂŒnderungen, wobei sich die Eroberung, die einige
Jahrhunderte zuvor in Amerika stattfand, nun auf dem Rest des Planeten
wiederholte. So dehnte sich der Kapitalismus auf den Rest der Welt aus
und wurde zu einem globalen System. PlĂŒnderung, Zerstörung und
Völkermord sind dem Kapitalismus inhÀrent; sie liegen in seiner DNA. Das
gilt auch fĂŒr den Rassismus oder das Patriarchat, denn der Kapitalismus
baut auf der Ausbeutung von Körpern auf, die er zu Elementen umwandelt,
die ihm sein Funktionieren und seine Reproduktion erlauben.

Rassismus ist ein strukturelles Element des kapitalistischen Systems.
Denn um den Rest des Planeten auszuplĂŒndern – auch innerhalb der
entwickelten LĂ€nder – mĂŒssen das kapitalistische System und die
herrschenden Klassen festlegen, wer beherrscht und ausgeplĂŒndert werden
soll.

Eine Legitimation fĂŒr diese Entscheidung fanden die europĂ€ischen
Eroberer und Kolonialherren schon frĂŒh in pseudowissenschaftlichen
“Rassentheorien”, die die Existenz von unterschiedlichen
“Menschenrassen” behaupteten und diese in Hierarchien einordneten, an
deren angeblicher Spitze immer die “weiße Rasse” stand, also die
EuropÀer*innen selbst.

Dadurch brachte und bringt der Rassismus einen großen Teil der
Weltbevölkerung, ja ganze Kontinente, im Rahmen des kapitalistischen
Systems in untergeordnete Positionen. Das ist der Grund fĂŒr das
VerhÀltnis zwischen den entwickelten LÀndern und den unterentwickelten
LÀnder, das wir beobachten können. Das kapitalistische System, das auf
der Unterteilung sozialer Klassen basiert, hat diese Klassen in gutem
Maße organisiert, auch auf der Grundlage der Diskriminierung anhand der
Hautfarbe.

Neben dem Rassismus spielen dabei auch andere Faktoren eine Rolle, die
teilweise miteinander verwoben sich und sich gegenseitig bedingen, so
zum Beispiel das Konstrukt der Nation, mit dem die UnterdrĂŒckten
gespalten werden und alle Menschen, die nicht zum eigenen nationalen
Kollektiv gehören, abgewertet werden. Die Nation bildet so eine der
Grundlagen der rassistischen und kapitalistischen NormalitÀt.

In Europa und Amerika ist die Mehrheit der nicht-weißen Bevölkerung arm
und trÀgt all das koloniale historische Erbe mit sich herum, das wir
erwĂ€hnt haben. Es ist so, dass nicht-weiße Menschen immer die am
schlechtesten bezahlte Arbeit finden, ohne soziale Sicherheit oder
Sozialleistungen oder Zugang zum Gesundheitssystem auskommen mĂŒssen und
schlechten WohnverhÀltnissen sowie stÀndiger Polizeischikane und Gewalt
ausgesetzt sind. Letztere zeigen sich in den Vereinigten Staaten, in
Europa, aber auch in den Favelas Brasiliens, wo ein tatsÀchlicher
Prozess des organisierten Massakers an der jungen schwarzen Bevölkerung
stattfindet.

Mit anderen Worten: Rassismus ist keine bloße Konsequenz der
Wirtschaftsstruktur der kapitalistischen Gesellschaft, er ist kein
zweitrangiges Problem. Im Gegenteil, wir mĂŒssen sagen, dass das
kapitalistische System mithilfe des Rassismus und der Diskriminierung
anhand der Hautfarbe installiert wurde und dieses System nicht
ausschließlich wirtschaftlich ist. Es ist ein globales System, in dem
die ideologisch-politischen Aspekte eine relevante Rolle spielen, ebenso
wie die rechtlichen Aspekte, die das Kapital fĂŒr seine Expansion nutzt,
die repressiven Aspekte, die kommunikativen Aspekte usw.

Auf der Grundlage des rassistischen Diskurses erhalten das
kapitalistische System und die Staaten einen Zustand aufrecht, in dem es
Gebiete auf dem Planeten gibt, die zu Hunger, stÀndiger Invasion und
Krieg verurteilt sind. Dies ist notwendig, damit dieses mörderische
System fortbestehen kann; genauso wie es auch von Zeit zu Zeit notwendig
ist, sich mit etwas “Kosmetik” ein neues Aussehen zu verleihen, um zu
zeigen, dass es einen Wandel gibt, so wie es zum Beispiel mit Barack
Obama getan wurde, dem erlaubt wurde, als Schwarzer PrÀsident der USA zu
werden. Gerade unter der Obama-Administration kam es zu einem Anstieg
der Polizeigewalt gegen Schwarze, ein deutliches Zeichen dafĂŒr, dass
Rassismus strukturell im System verankert ist, sich in seinen
repressiven KrÀften und in Gruppen von Rassist*innen und
Verfechter*innen einer “weißen Vorherrschaft” einnistet – genauso wie
auf anderen Ebenen des Systems – und eine klare Klassenkomponente hat.

Der Kapitalismus in seiner “liberalen” Aufmachung hat einer kleinen
Minderheit von Schwarzen den Zugang zur Macht und zu den herrschenden
Klassen ermöglicht, aber nur zu dem Zweck, sich selbst als System zu
erneuern und stĂ€rker zu werden. Der “liberale” Kapitalismus und der
“demokratische” Staat haben nicht aufgehört, rassistisch zu sein, weil
er eine*n schwarze*n PrÀsident*in oder Manager*in in eine privilegierte
Position bringt; er wird sicherlich immer technologischer, um den Grad
der AusplĂŒnderung und UnterdrĂŒckung der sozialen Mehrheit auf dem ganzen
Planeten zu erhöhen.

Aus diesem Grund sprechen wir aus der Sicht des politisch organisierten
Anarchismus von der Notwendigkeit des Aufbaus einer Front der
unterdrĂŒckten Klassen, die all jene Sektoren zusammenfĂŒhrt, die vom
System unterdrĂŒckt und beherrscht werden. Formelle und prekĂ€re
Arbeiter*innen, BĂ€uer*innen, Indigene, Migrant*innen, Arbeitslose und
GeflĂŒchtete, d.h. all jene Sektoren, die in ihrem tĂ€glichen Leben unter
den Folgen des kapitalistischen Systems leiden, haben in einer solchen
Front einen Ort des Kampfes. Dies ist das soziale Subjekt, das sich
heute in den AufstÀnden auf der ganzen Welt manifestiert, und es ist das
Subjekt, das mit einer Perspektive der organisatorischen StÀrkung der
Massen aufgebaut werden muss fĂŒr die Prozesse des Bruchs mit dem System,
der sozialen Revolution, die wir fördern und nach der wir uns sehnen.

Weil das kapitalistische System nicht nur ein Wirtschaftssystem oder ein
System ist, das ausschließlich von seinen wirtschaftlichen Grundlagen
losgelöst ist, verstehen wir, dass der Kampf gegen Rassismus und die
staatliche Gewalt, die ihn aufrechterhÀlt, auch ein Kampf gegen die
Strukturen des kapitalistischen Systems ist, ein System des Hungers, des
Todes und der Gewalt gegen die UnterdrĂŒckten der Welt, unabhĂ€ngig von
der Farbe ihrer Haut oder ihrer Sprache. Wir rufen dazu auf, gerade
gegen jenen Staat, der bei der Entfaltung des kapitalistischen Systems
nicht “neutral”, sondern ein zentrales und organisierendes Element
desselben war, die Selbstorganisation und den Kampf aller unterdrĂŒckten
Menschen zu fördern und zu unterstĂŒtzen!

Da die politischen und wirtschaftlichen MĂ€chte diejenigen, die ihnen
keine Treue schwören, ausgrenzen, um angesichts sozialer Konflikte
selbst als “Löser des Problems” zu erscheinen, nehmen rassistische und
diskriminierende Angriffe in der Gesellschaft zu. WĂ€hrend Kapitalismus
und Staat ihre Repression und Militarisierung im sozialen Bereich mit
neuen Kampfstoffen, Kugeln und rassistischen Mobilisierungen in der
Bevölkerung, der Polizei und der Armee verstÀrken, ist es jetzt an der
Zeit, sie zu bekÀmpfen!

LANG LEBE DER KAMPF VON UNTEN GEGEN RASSISMUS UND ALLE FORMEN DER
UNTERDRÜCKUNG!
FÜR DEN AUFBAU EINER GEGENMACHT VON UNTEN UND EINER FRONT DER
UNTERDRÜCKTEN KLASSEN!
HOCH MIT DENEN, DIE KÄMPFEN!
ARRIBA LXS QUE LUCHAN!

☆ Federación Anarquista Uruguaya — FAU (Uruguay)
☆ Embat – Organització Libertària (Katalonien)
☆ Federación Anarquista de Rosario — FAR (Argentinien)
☆ Zabalaza Anarchist Communist Front — ZACF (SĂŒdafrika)
☆ Anarchist Communist Group — ACG (Großbritannien)
☆ Anarchist Federation (Griechenland)
☆ Bandilang Itim (Philippinen)
☆ Devrimci AnarƟist Faaliyet — DAF (TĂŒrkei)
☆ Melbourne Anarchist Communist Group —MACG (Australien)
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement – AWSM (Neuseeland)
☆ Coordenação Anarquista Brasileira – CAB (Brasilien)
☆ Anarchist Union of Afghanistan and Iran – AUAI (Iran/Afghanistan)
☆ Organización Anarquista de Córdoba – OAC (Argentinien)
☆ Union Communiste Libertaire (Frankreich)
☆ Alternativa Libertaria – FDCA (Italien)
☆ Organisation Socialiste Libertaire – OSL (Schweiz)
☆ Workers Solidarity Movement – WSM (Irland)
☆ Die Plattform – Anarchakommunistische Organisation (Deutschland)
☆ LibertĂ€re Aktion (Schweiz)
☆ TekoƟina AnarƟist – TA (Rojava – Nordost Syrien)




Quelle: Anarkismo.net