Juli 5, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Viele GefĂ€hrten bleiben perplex gegenĂŒber einer Perspektive, die auf der Notwendigkeit basiert, die Technologie vollstĂ€ndig zu zerstören und rational weigern sie sich, sie zu akzeptieren, da sie es fĂŒr vernĂŒnftiger und realistischer halten, sich nur das Problem zu stellen, die sogenannten harten Technologien zu zerstören, besser bekannt als Todesproduktionen (Atomkraft, Waffen aller Art, Asbest, usw.) und hingegen alle anderen, die als sanft betrachtet werden (Elektronik, Mikroelektronik, Informatik, etc.) zu bewahren, da sie diese als sozial nĂŒtzlich betrachten und somit denken, davon in Zukunft einen revolutionĂ€ren Gebrauch machen zu können. Sprich, als könnten diese letzteren im Gegensatz zu den ersteren von der Machtlogik, die sie produziert und entwickelt hat, völlig entkoppelt werden.

Diese GefĂ€hrten nehmen somit, gegenĂŒber der Wissenschaft, die klassische aufklĂ€rerisch-positivistische Haltung ein, die sich auf die angebliche NeutralitĂ€t der vom technisch-wissenschaftlichen Wissen produzierten Instrumente stĂŒtzt, weshalb sie nur die schlechte soziale Verwendung kritisieren, die die Macht von diesen Technologien macht, die einzig zu Zwecken der totalen Herrschaft ĂŒber die Gesellschaft eingesetzt werden.

Wir aber denken, dass die Instrumente, die von der Macht kreiert wurden, unabhÀngig von den scheinbaren Vorteilen, die sie der Gesellschaft manchmal erbringen mögen, einzig und alleine der Logik gehorchen können, die sie kreiert hat, und somit, ungeachtet davon wer sie einsetzt, gÀnzlich der Erreichung ihrer Zwecke dienlich sind.

Wir sind gegen jene, die immer alles zu rechtfertigen versuchen, indem sie sagen, dass es hinter allem, was dieses Todessystem produziert, einen Rest von Gutem gibt, der es verdient, vor der Zerstörung bewahrt zu werden. Außerdem sind wir der Ansicht, dass es in der Flut von Gewissheiten und GemeinplĂ€tzen, die sich in Umlauf befinden, hilfreich ist, Zweifel zu erwecken. In den Fragen, die wir behandeln, sind wir stets bestrebt, eine Gesamtansicht zu haben, die Raum fĂŒr eine kritische Unbestimmtheit lĂ€sst. Dadurch gehen wir gewisse Risiken ein, da wir uns heftigen Kritiken aussetzen, falls wir Fehler begehen. Denn, wer sich in eine andere Richtung aufstellt als jene, die ĂŒblicherweise angenommen wird, gilt oft als Krimineller, als Provokateur oder, im besten Falle, als verantwortungslose Person und riskiert somit die Lynchung von Seiten der guten zahmen Denker, die unsere Bewegung versperren. Diese lassen es sich nie entgehen, die GefĂ€hrten zu warnen, mit denen wir in Kontakt treten. Es gilt also ein gewisser intellektueller Terrorismus, der nicht nur von jenen kreiert wurde, die herrschen, sondern auch von jenen, die Opfer ihrer Vorurteile und ihrer persönlichen Fantasiegebilde sind, wĂ€hrend man sich doch vielmehr mit konkreten Taten, statt mit Worten, von der Herrschaft befreien sollte.

Wer auf die unbestreitbare Notwendigkeit der heutigen Technologie hinweist, sind die Bosse, die Regierenden und die massenhafte Schar von Handlangern. Sie alle haben zweifellos gute GrĂŒnde, um dies zu tun. Die GefĂ€hrten hingegen mĂŒssten ebensogute GrĂŒnde haben, um solchen Hinweisen stets zu misstrauen. Das Tragische ist, dass wir zwischen der Macht und jenen, die sie bekĂ€mpfen, oft einer bemerkenswerten Übereinstimmung in den Ansichten beiwohnen.

Das gesamte GepĂ€ck an Basistechnologien, das heute in allen Bereichen des sozialen Lebens angewandt wird, stammt aus der militĂ€rischen Forschung. Ihr ziviler Gebrauch gehorcht dieser Logik viel mehr, als wir unmittelbar verstehen können. TatsĂ€chlich war alles, das uns gelang hervorzuheben, die Umsetzung eines prĂ€zisen und wissenschaftlichen hierarchischen autoritĂ€ren Projekts in der Organisationsweise, wĂ€hrend es wichtiger gewesen wĂ€re, die unbewussten Mechanismen zu verstehen, die es der Macht auf Massenebene gestatten, die unmittelbare anfĂ€ngliche ZurĂŒckweisung von Seiten der Leute zu ĂŒberwinden, um schließlich eine regelrechte UnterstĂŒtzung zu erlangen.

Das kybernetische Kommando wird von wenigen angefochten, ja die allgemeine Tendenz besteht darin, es unweigerlich zu akzeptieren. Etwas, das dazu veranlasst, es als unentbehrlich und somit als sozial nĂŒtzlich zu betrachten.

Wer auf die GrĂŒnde fĂŒr eine totale Zerstörung der vom Kapital produzierten, technologischen Apparate hinweist, wird als ein UnvernĂŒnftiger und Unverantwortlicher betrachtet, der die Zivilisation in die Steinzeit zurĂŒckbefördern will.

Aber wenn wir darĂŒber nachdenken, werden wir uns der Unfundiertheit dieser Behauptungen bewusst, die jenen in die HĂ€nde spielen, die die Herrschaftslogiken verfechten. Die heutige Technologie ist in Wirklichkeit das praktische Resultat aus einer Form von Erkenntnis, die im Verlaufe der industriellen Entwicklung der Produktionsprozesse des Kapitals heranreifte. Sie besteht nicht aus einem GepĂ€ck an Praktiken, die in neutraler Form auf die Gesellschaftsstruktur angewandt werden, denn das, was sie motiviert, ist schließlich die Machtlosigkeit von jenen, die die Entwicklung der Gesellschaft unterstĂŒtzen. Die Sorge darum, einige Technologien gegenĂŒber anderen zu bewahren wird zu einer klaren Art und Weise, um den Prozess zur totalen Zerstörung der ganzen Produktionsordnung der Herrschaft zu behindern. Zudem veranlasst sie dazu, unserer revolutionĂ€ren Aktion schon von jetzt an Grenzen zu setzen, abgesehen von der Tatsache, ein zwielichtiges soziales VerhĂ€ltnis zu den Strukturen der Herrschaft zu unterhalten.

Diejenigen, die, obwohl sie behaupten, RevolutionÀre zu sein, die Notwendigkeit verfechten, einen Teil der vom Kapital produzierten Technologie zu bewahren, sehen also nicht, dass sie in dieser Position den erklÀrten Reformisten die Hand reichen, die, viel kohÀrenter, eine stÀndige UmÀnderung aller Organismen der Macht verfechten, sodass sich das System stets den neuen Erfordernissen der Herrschaft und den VerÀnderungen der Gesellschaft dienlich und getreu erweist.

Unser radikales und totales Projekt zur Zerstörung der Technologie wird sich zweifellos in den revolutionĂ€ren Prozess einbetten mĂŒssen, doch es bekundet schon von jetzt an die positive Tatsache, dem Verlauf von diesem revolutionĂ€ren Prozess weder a priori irgendwelche Grenzen zu setzen, noch ihn innerhalb von unseren gegenwĂ€rtig begrenzten Erkenntnissen mit einer Hypothek zu belasten.

Damit wollen wir es vermeiden, dem Vorurteil zu verfallen, dass es, um die Probleme einer zeitgenössischen sozialen Revolution zu lösen, genĂŒgt, vom GepĂ€ck der gegenwĂ€rtig erworbenen Kenntnisse Gebrauch zu machen. Wir sind gegen jene, die eine solche beruhigende Gewissheit Ă€ußern, wĂ€hrend sie die gegenwĂ€rtigen Erkenntnisse fĂŒr endgĂŒltig halten.

So wie die Dinge heute liegen, sind die sogenannten Wissenschaftler, welche die kĂŒnstliche Intelligenz oder, genereller, die Anwendung der gegenwĂ€rtigen Technologien auf andere Wissensbereiche erforschen, in Wirklichkeit Arbeiter der Wissenschaft. Sie besitzen neine Ă€ußerst hohe Spezialisierung in einem bestimmten wissenschaftlichen Bereich, aber der grĂ¶ĂŸte Teil von ihnen hat keine Ahnung, was in den anderen Forschungssektoren geschieht, geschweige denn von der sozialen RealitĂ€t, die oft völlig an ihnen vorbei geht, wĂ€hrend sie im aseptischen und gedĂ€mpften Klima ihrer Labore leben.

Wir dĂŒrfen nicht vergessen, dass die GedankengĂ€nge dieser Arbeiter der Wissenschaft den Maschinen, die sie entwerfen, sehr Ă€hnlich sind, angesichts der Tatsache, dass sie die binĂ€re Logik anwenden und wesentlich unfĂ€hig sind, außerhalb von diesem Schema zu denken. Es handelt sich nicht um kreative Überlegungen, sie können in keinem Bereich des Wissens irgendeine Entwicklung des Denkens herbeifĂŒhren. Nur unsere Unwissenheit lĂ€sst sie uns als Superhirne betrachten. Ein Punkt, der vertieft werden mĂŒsste, um uns darĂŒber bewusst zu werden, dass sie die neue Zwischenklasse bilden, die von der technologischen Revolution hervorgebracht wurde.

Unser DrĂ€ngen nach einer ErkenntniszurĂŒckweisung des gesamten technologischen GepĂ€cks ist eine konkrete Art und Weise, sich das Problem zu stellen, die Produktionsentwicklung des Kapitals zu behindern.

Unsere Suche nach einer radikalen sozialen VerĂ€nderung brachte uns ĂŒber die Tatsache zum Nachdenken, dass der Mensch, auch im wissenschaftlichen Bereich, die grĂ¶ĂŸten Entdeckungen eben in dem Moment machte, als sich das AutoritĂ€tsprinzip in der bestehenden Gesellschaft als abwesend oder auf allen Ebenen wankend erwies, wie es am Anfang von diesem Jahrhundert der Fall war. Man kann nicht nur im Bezug auf eine bestimmte soziale Struktur, die man nicht akzeptiert, RevolutionĂ€re sein, man muss es in allen Bereichen sein, einschließlich dem wissenschaftlichen, da die Aufgabe, die man erfĂŒllen will, die der radikalen Zerstörung der herrschenden Ordnung ist, die ihre Wurzeln ĂŒberall hat und folglich ĂŒberall angegriffen werden muss.

Die einzige Haltung, die gegenĂŒber den Bossen der Wissenschaft eingenommen werden kann, besteht darin, vorausblickend zu erkennen, was sie hinter den harmlosesten und humanitĂ€rsten Dingen verbergen, die sie dem großen Publikum von Laien, das sich darauf beschrĂ€nkt staunend zuzuhören, von Zeit zu Zeit prĂ€sentieren.

Dem kommt unserer Meinung nach eine große Wichtigkeit zu, denn zumeist sind wir es gewohnt, nur die augenscheinlichsten und oberflĂ€chlichsten Dinge wahrzunehmen, die uns umgeben. Die Bosse, die Regierenden und ihre Handlanger kĂŒmmern sich viel darum, uns gewisse Dinge vor Augen zu fĂŒhren, soviel wie ausreicht, um unsere natĂŒrlich Neugierde zu erhaschen, womit sie uns dazu verleiten, auf all die Dinge zu schauen, denen in Wirklichkeit keine konkrete Wichtigkeit zukommt. So lassen sie uns von den wichtigeren Dingen absehen, die schließlich in unserem Unwissen, auf unserer Haut, realisiert werden.

Wir dĂŒrfen die Intelligenz des Feindes nicht unterschĂ€tzen, ansonsten werden wir darin enden, bitteren EnttĂ€uschungen entgegenzugehen, wie dies in einer nicht so fernen Vergangenheit der Fall war. Das Ziel von jenen, die herrschen, ist es, alle Mittel anzuwenden, welche die gegenwĂ€rtige wissenschaftliche Erkenntnis bietet, gewiss nicht, um die Leiden der Menschheit zu beseitigen oder zu lindern, sondern um dafĂŒr zu sorgen, dass sie weiterhin den gegenwĂ€rtigen HerrschaftsverhĂ€ltnissen unterliegt, die hin und wieder etwas verĂ€ndert werden. Das Kapital und der Staat sehen sich zu dieser stĂ€ndigen VerĂ€nderung eben aufgrund der KĂ€mpfe gezwungen, welche die Proletarier tagtĂ€glich gegen sie behaupten. Dennoch, trotz der großen Ressourcen, die in diesem Angriff gegen die Proletarier jeden Tag aufgewendet werden, wird die Angelegenheit immer schwieriger und problematischer, denn im Grunde bedarf es von jenen, die revoltieren, nicht viel, um die ganzen Projekte einer schmerzlosen Verwaltung der Herrschaft ĂŒber den Haufen zu werden.

Die RevolutionĂ€re gehen von diesem kaum merklichen Vorteil beim Angreifen des Kapitals und des Staates aus, wenn sie denn einmal die Absicht bekunden, sie radikal zerstören zu wollen, auf den Grundlagen eines allumfassenden sozialen Kampfes, der, von Natur aus, keine Grenzen anerkennt und weder danach strebt, noch gewillt ist, dem Feind irgendeine Waffenruhe zu gewĂ€hren. Hierin liegen die revolutionĂ€ren GrĂŒnde dafĂŒr, wieso der gesamte technologische Apparat, unabhĂ€ngig von dem Gebrauch, den viele in Zukunft davon zu machen gedenken, zerstört werden muss. Dies alles um zu verhindern, dass der revolutionĂ€re soziale Kampf in die Falle gerĂ€t, die von den Radikal-Reformisten aufgestellt wurde, die aus der partiellen Zerstörung der Herrschaftsstrukturen den Ausgangspunkt der Umstrukturierung machten.

Wir sind also gegen jene, die die politische Kritik verfechten, auch im Bereich der Wissenschaft, da diese Kritik stets versucht, die GrĂŒnde fĂŒr eine radikale Opposition auf eine bloße Detailfrage betreffend bestimmter operativen Entscheidungen zu reduzieren. Indem sie dies tun, suchen die Verfechter der politischen Kritik nach einer Beilegung und einer Einigung mit dem Klassenfeind, der sich intelligenterweise bereit zeigt, seine Position formell etwas abzuĂ€ndern und zwar mit dem Ziel rund um die bedrohten Institutionen eine neue und rationalere Zustimmung wiederaufzubauen.

Kein Fetisch darf sich in unseren Köpfen einnisten. Wenn wir die Kraft hatten, uns tausend Ketten zu bauen, dann können wir auch jene haben, sie zu durchbrechen. Es hĂ€ngt von uns ab, und von der Überzeugung, die wir haben werden, um konsequent ĂŒber die Schranken der Vorurteile und der Tabus, die auf allen Ebenen aufgestellt wurden, hinauszugehen.

Die proletarische Selbstemanzipationsbewegung steht am Anfang von dieser faszinierenden Suche nach totaler Freiheit, und die revolutionÀren Anarchisten sind aufgerufen dieser Suche ihren qualitativen Beitrag zu erbringen.

Die soziale Selbstbefreiung von allen und jedem lÀsst sich nicht improvisieren. Sie ist die dornige Frucht von tausenden in diese Richtung gemachten Anstrengungen und Fehlern.

Die wahren Ökologisten sind die Zerstörer der Technologie, denn sie werfen jenseits der sozialen Konventionen, die von allen akzeptiert werden, Zweifel auf, wĂ€hrend sie die Bequemlichkeit und die Ruhe gefĂ€hrden, zu der die Resignierten gelangt sind, neue Fragen kreieren, anstatt sich damit zufriedenzugeben, Lösungen zu akzeptieren und auf neue Horizonte von wirklicher Freiheit hinweisen, anstatt die Hölle des Überlebens, das alle in die Mangel nimmt, ĂŒber sich ergehen zu lassen.

Die vorliegende Arbeit soll ein bescheidener Beitrag in diese Richtung sein, ĂŒberzeugt davon, dass die soziale Revolution, die Anarchie, nicht so weit entfernte TrĂ€ume sind, sondern hier, in der Gegenwart, realisiert werden können. Wir mĂŒssen jedoch die Kraft dazu haben, die Unordnung unserer TrĂ€ume in die Praxis umzusetzen, wĂ€hrend wir das, was in der RealitĂ€t geschieht, mit anderen Augen als ĂŒblich betrachten, stets bereit zu kĂ€mpfen und nie passiv mit Resignation ĂŒber uns ergehen zu lassen.

Die Borniertheit, stets bereit zu sein, wieder von Neuem zu beginnen, liegt in den GrĂŒnden von dem, der nie aufgehört hat, dies zu tun, nicht einmal in den dunkelsten Momenten, im Bewusstsein, dass man ohne zu realisierende TrĂ€ume oder zu beschreitende existenzielle Abenteuer, ob alleine oder gemeinsam mit anderen, nicht leben, sondern nur vor sich hin vegetieren kann.

Die mittelmĂ€ĂŸigen Menschen haben sich nie etwas zu fragen, wie sie sich nie etwas zu sagen haben, abgesehen von dem, was die BanalitĂ€ten eines im Supermarkt des Elends spendierten Lebens sind, das ans Überleben festnagelt. Ihr stilles Leben an der WĂ€rme der vier heimischen Mauern ist im Grunde das gemĂ€chlichste und sicherste aller GefĂ€ngnisse.

Aus Pierleone Porcu. Reise ins Auge des Sturms.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org