Oktober 5, 2021
Von Emrawi
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FĂŒr viele Unternehmen war es keine leichte Entscheidung ihre BeschĂ€ftigten ins HomeOffice zu schicken. Aber die Regierung machte Druckund ein Ausbruch in der Firma hĂ€tte ja auch tatsĂ€chlich das ganze Arbeitsleben lahmlegen können. WĂ€hrend in der Arbeitswelt zunĂ€chst die MĂŒhlen etwas langsamer mahlten als gewohnt, vertrauten viele Unternehmen ihren BeschĂ€ftigten nicht. Die Pandemie wurde so zum Testfall fĂŒr neue Methoden zur Überwachung der Mitarbeiter:innen.

Eine doppelte Belastung fĂŒr die Psyche: stĂ€ndige Erreichbarkeit und Stress

Flexible Arbeitszeiten durchzusetzen viel dabei gerade am Anfang vielerorts leicht. Viele BeschĂ€ftigte haben sich zunĂ€chst darĂŒber gefreut, eine oder zwei Stunden lĂ€nger im Bett bleiben zu können.Die Kehrseite aber ist, dass wer ĂŒber den Tag verteilt arbeitet, auch von morgens bis abends angerufen werden kann.

Klare Ein- und Ausstechzeiten sind passĂ© und die Überstunden verschwinden irgendwo zwischen dem Gang zur Toilette und Kindern, die nach Aufmerksamkeit verlangen.

Es liegt in der Logik dieser Entwicklung, die BeschĂ€ftigten zukĂŒnftig nicht mehr nach Stundenlohn zu entlohnen, sondern beispielsweise projektbezogen mit fatalen Auswirkungen. Statt eines klaren Stundenlohns könnten „leistungsbezogene“ Entlohnungsmodelle drohen, bei denen nur bezahlt oder nur voll bezahlt wird, wenn bestimmte Aufgaben erledigt werden.

Microsoft bietet Überwachungsdienst an

Solche Entlohnungsmodelle setzen aber auch voraus, dass die Arbeiter:innen entsprechend ĂŒberwacht werden. Mit Microsoft365 bietet der amerikanische Softwareriese ein solches Programm zur ProduktivitĂ€tssteigerung an. 85% der deutschen Unternehmen haben 2020 auf die Produktpalette von Microsoft vertraut. Die Software wird als kleiner Allrounder in den Unternehmen eingesetzt. So können Dokumente, PrĂ€sentationen und Tabellen einfacher ausgetauscht werden. ZusĂ€tzlich können sich alle BeschĂ€ftigten in Privat- oder GruppenchatrĂ€umen miteinander unterhalten – auch die Masse an den verwendbaren Smileys hat in den letzten Monaten stark zugenommen. ZusĂ€tzlich können projektbezogene RĂ€ume erstellt werden, Apperweiterungen hinzugefĂŒgt oder die Videotelefonie mit anderen Unternehmen eingesetzt werden.

Microsoft kann hier also die Daten von ganzen Unternehmen, statt wie ĂŒblich von einzelnen Privatpersonen in der Cloud sammeln. Einen Teil der entsprechenden Daten teilt Microsoft seit Oktober 2020 auf Wunsch mit der UnternehmensfĂŒhrung. Ziel ist es, dass Unternehmen ihre BeschĂ€ftigten besser miteinander vergleichen können und so deren ProduktivitĂ€t besser ĂŒberwachen lĂ€sst. So kann verglichen werden wie hĂ€ufig der Chat benutzt wird, ob die Kamera bei Videomeetings eingeschaltet ist oder wie viele Mails ĂŒber Outlook verschickt wurden.

Doch auch schon zu Beginn der Nutzung von Microsoft365 entstanden die ersten Stresssituationen fĂŒr die BeschĂ€ftigten: Mit einem Ampelfarbensystem wurde allen anderen BeschĂ€ftigten angezeigt, wie lange die Maus auf dem Bildschirm stillstand. Egal, ob es der Gang zur Toilette, FrĂŒhstĂŒcks- oder Mittagspause oder ein betriebliches TelefongesprĂ€ch ist: Die Maus musste stĂ€ndig bewegt werden, damit die UnternehmensfĂŒhrung sehen kann, dass die BeschĂ€ftigten produktiv sind oder man lĂ€uft Gefahr als faul zu gelten.

Insgesamt 21 % der BeschĂ€ftigten sagen selbst, dass sie am Arbeitsplatz kontrolliert werden. Manager:innen dagegen sprechen von 38 %. Offenbar sind sich viele BeschĂ€ftigte also gar nicht bewusst, ob sie ĂŒberwacht werden. Somit wĂ€chst seit der Pandemie der psychische Druck an den HeimarbeitsplĂ€tzen stets weiter.

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Quelle: Emrawi.org