September 15, 2021
Von Anarchistische Bibliothek
269 ansichten


Im Jahr 1904 machte sich im russischen Reich eine aufstĂ€ndische Stimmung breit, welche im folgenden Jahr dann auch explodieren sollte. Zu dieser Zeit gab es in Bialystok, im heutigen Polen, eine kleine Gruppe Anarchist:innen, welche ihre Ideen in FlugblĂ€ttern, Zeitungen und durch Angriffe auf Industrielle und Bullen artikulierten. Das unten ĂŒbersetzte Flugblatt gilt als eines der ersten anarchistischen FlugblĂ€tter auf russisch, da anarchistische Propaganda zuvor fast ausschließlich durch Reden und in Diskussionen verbreitet wurde und erst zu diesem Zeitpunkt Anfang des 20. Jahrhunderts ein Großteil der Ausgebeuteten des Lesens mĂ€chtig war. So ist das folgende Flugblatt zu Lesen: Eine klare Analyse und ein dementsprechender Vorschlag wird in einfache Sprache verpackt.

WĂ€hrend die Bevölkerung zu jener Zeit noch unter dem absolutistischen Zarenreich lebte, machten die Anarchist:innen klar, dass auch die sich ankĂŒndigenden liberalen und demokratischen Reformen, welche 1905 tatsĂ€chlich in Kraft traten, nichts an der Ausbeutung und UnterdrĂŒckung der Massen verĂ€ndern wĂŒrden. Denn nur eine Revolution könne diese befreien. Dieser Gewissheit ist auch die Entschlossenheit geschuldet, mit welcher sich in den folgenden Monaten und Jahren Anarchist:innen und andere RevolutionĂ€r:innen an den KĂ€mpfen und Revolten im russischen Reich beteiligten. In Folge der Ereignisse von 1905 kam es von St.Petersburg bis Warschau, von Odessa bist Riga, von Moskau bis nach Minsk zu etlichen bewaffneten AufstĂ€nden, die Staatsmacht wurde punktuell vertrieben, tausende Villen und Schlösser von Großgrundbesitzern abgefackelt, hunderte Bullen erschossen und etliche Banken enteignet. Fester Bestandteil dieses aufstĂ€ndischen Kampfes war eine klare und deutliche Propaganda und Analyse, einhergehend mit öffentlichen Diskussionen und dem Drucken, Schmuggeln und Verteilen von Zeitungen und FlugblĂ€ttern. Viele junge Anarchist:innen ließen in jenen Monaten ihr Leben und Viele, welche diese Ereignisse ĂŒberlebt hatten, landeten spĂ€ter in bolschewistischen Kerkern und Lagern.

Einiges, was die anarchistische Analyse von damals an SchĂ€rfe hatte, scheint heute verloren gegangen zu sein: Denn auch wenn die GefĂ€hrt:innen von damals noch keine Sekunde in einer Demokratie verbracht hatten, waren sie sich vollkommen bewusst darĂŒber, dass diese nur die tatsĂ€chlichen HerrschaftsverhĂ€ltnisse verschleiern wĂŒrde. „Nieder mit der Demokratie! Es lebe die Revolution!“ – war ihr Spruch, welcher im klaren Widerspruch zu irgendeinem evolutionĂ€ren Modell zur VerĂ€nderung der Gesellschaft stand und steht. Heute, im Angesicht eines „Rechtsrucks“ der Regierungen und einer erstarkenden faschistischen Bewegung, scheinen viele AntiautoritĂ€re die bestehende Gesellschaftsordnung vor einem RĂŒckwĂ€rtslaufen der Geschichte bewahren zu wollen und so verpflichtet ihr antifaschistisches Bewusstsein sie nicht selten dazu den Gang zur Wahlurne anzutreten. FĂŒr uns kann das WĂ€hlen der eigenen Herrscher aber kein pragmatischer real-politischer Kompromiss sein. Auch im hier und jetzt wollen wir die in der Geschichte und auf der Welt zu jedem Moment prĂ€sente Möglichkeit bekrĂ€ftigen, das System der Ausbeutung und UnterdrĂŒckung hinwegzufegen und gegen dieses anzukĂ€mpfen, um in Richtung eines Lebens ohne Beherrschung und Ausbeutung zu gehen.

Und was tun im Angesicht der faschistischen Drohung? KĂ€mpfen, mit den gleichen Mitteln, mit den gleichen Idealen. Viele der oft jĂŒdischen Anarchist:innen sahen sich 1905 im russischen Reich mit antisemitischen Pogromen konfrontiert und waren bereit ihre Freunde und Bekannte mit der Waffe in der Hand vor den Faschist:innen zu verteidigen. Eine revolutionĂ€re Bewegung ist das beste Mittel gegen den Faschismus und sie macht den Faschist:innen UND den Demokrat:innen Angst – eine Bewegung, die sowohl alleine und verstreut, als auch koordiniert und kollektiv zur Tat schreiten kann.

Die Anarchistin Fanny Kaplan, welche bereits an den AufstĂ€nden 1905 aktiv teilnahm, entschied sich 1918 dazu den roten Diktator Lenin alleine umzubringen und verletzte diesen schließlich schwer durch drei Kugeln. Dieser Angriff hatte sicherlich seinen Anteil an Lenins frĂŒhem Ableben sechs Jahre spĂ€ter.

Scholem Schwarzbard, der 1919 die antisemitischen Pogrome in der Ukraine erlebte, entschloss sich 1926 dazu, den in die Pogrome involvierten nationalistischen Kommandanten Simon Petliura in seinem Exil in Paris zu rĂ€chen und erschoss diesen auf offener Straße. Beispiele wie diese gibt es unzĂ€hlige in der anarchistischen Geschichte und alle zeigen sie: Faschist:innen und Tyrannen bekĂ€mpft man nicht in der Wahlkabine, sondern auf der Straße. Auch heute werden Treffpunkte von Faschist:innen und ihre Autos und PrivathĂ€user attackiert, genauso wie die Firmen und Strukturen der Ausbeutenden und Regierenden.

Lassen wir uns nicht von den demokratischen Diskursen einlullen und besinnen uns auf das, was wir wollen: Eine soziale Revolution.

Die Demokratie

Das ganze liberale Russland ist aufgewĂŒhlt. Es richtet seine Augen nach oben in Richtung des neuen Ministers Sviatopolk. Von dort erwartet es Reformen, von dort hört man die Hymnen des Liberalismus
 Man sagt, dass das Ende des autokratischen Zarentums naht, dass man bald frei sei, dass die Wissenschaft erblĂŒhen und das Volk sich von der UnterdrĂŒckung erholen wĂŒrde. Einige, und zwar die Liberalen, werden das Monument der Nationalen Freiheit dekorieren, wĂ€hrend sie gleichzeitig aufpassen werden, damit dasselbe sie mit einer riesigen polizeilichen Armee beschĂŒtzt. Die anderen – die Sozialdemokraten und SozialrevolutionĂ€re – hyperventilieren vor Enthusiasmus und ĂŒberzeugen die Arbeiter, dass die Demokratie eine ausgezeichnete Waffe fĂŒr die folgende Arbeiterbefreiung ist. Deswegen freuen sich alle
 Mit Leidenschaft machen sie sich an ihre heilige Arbeit – das demokratische Nest muss errichtet werden. Und die Sozialisten begleiten sie mit den sozialistischen Hymnen. Aber fĂŒr euch, fĂŒr die Arbeiterklasse – gibt es irgendeinen Grund zur Freude? WĂ€re es nicht gut darĂŒber nachzudenken, was die Demokratie ist und was sie uns gibt und geben kann?

Demokratie bedeutet die Regierung des Volkes. Das Volk sendet seine ReprĂ€sentanten ins Parlament und die versammelten Abgeordneten verteidigen dort die Interessen der Gruppen, die sie gesandt haben. Sehr essenziell scheint das Wahlrecht zu sein. Das Volk fragt sich oft – zwar nicht immer und nicht ĂŒberall – ob es jene Entscheidungen gutheißt. In manchen LĂ€ndern streben die Demokraten eine direkte Gesetzgebung durch das Volk an, damit dasselbe das Gesetz erlassen kann. In der Demokratie werdet ihr die Meinungs-, die Presse- und die Versammlungsfreiheit haben. In manchen LĂ€ndern gibt es mehr von diesen Freiheiten, in anderen weniger.

Wie ihr seht, versteht man unter der Demokratie die Regierung des Volkes. Aber ihr, die Arbeiter, mĂŒsst darĂŒber nachdenken, welche Bedeutung die Demokratie fĂŒr euren Kampf hat und haben kann. DarĂŒber könnt ihr allerdings erst entscheiden, nachdem ihr eine Tatsache vergessen habt, nĂ€mlich dass die bestehende Gesellschaft in Klassen geteilt ist. Das bedeutet, dass auf der einen Seite die EigentĂŒmer stehen, welche die LĂ€ndereien, die Maschinen, die Produkte und die HĂ€user und alles fĂŒr die menschliche Existenz Notwendige in der Hand haben; auf der anderen Seite gibt es die Arbeiter, die Nichts besitzen und ihre Körper, Hirne und Seele dem Kapital verkaufen, die Arbeitslosen und Bauern, die hungern und betrogen werden und welche die Lebenskraft aus sich selbst und Mutter Erde aufzehren, belastet von Schulden und Steuern.

Ihr: die Klasse. Euer GlĂŒck und Frieden, eure sinnvolle Existenz hĂ€ngt nur von einer einzigen Bedingung ab: Mit Gewalt mĂŒsst ihr die ReichtĂŒmer der Erde in eure HĂ€nde nehmen und den Staat zerstören, jenen Staat, der euch immer regiert und stets die Reichen vor euren Revolten verteidigt. Arbeiter, jetzt mĂŒsst ihr verstehen, dass obwohl ihr durch eure LebensumstĂ€nde bedingt eine Klasse seid, ihr noch fern davon seid, auch durch eure Taten und euer Bewusstsein eine Klasse zu sein. Dem ist so weil der Großteil von euch oft nicht als eine Klasse handelt, die ihre eigenen Klasseninteressen hat
 Nein, ihr verteidigt die Herren, eure Feinde. Es gibt viele GrĂŒnde fĂŒr euer UnglĂŒck. Einer davon ist, dass die Pfaffen, die Wissenschaftler, die AnwĂ€lte und die KĂŒnstler aus der besitzenden Klasse versuchen die Tatsache zu verbergen, dass ihr die Feinde dieses Systems seid, seine Sklaven und sein Kanonenfutter. Sie wollen euch ĂŒberzeugen, dass ihr und eure Feinde ein Volk seid, eine Nation. Aber euer Ziel, eure Aufgabe, euer einziges Streben muss es sein dem Adel und den EigentĂŒmern Alles zu nehmen und die Soziale Revolution in Gang zu bringen. Und dafĂŒr mĂŒsst ihr kĂ€mpfen. Ihr, die Arbeitslosen, mĂŒsst euch stehlen, an was es euch fehlt und ihr mĂŒsst bewaffnet sein. Der Arbeiter muss aufhören seine Muskeln anzubieten um die ReichtĂŒmer der anderen zu vermehren und muss das Eigentum angreifen. Die Bauern mĂŒssen sich das Land nehmen und die WĂ€lder der Großgrundbesitzer plĂŒndern. Gibt es andere Mittel des Kampfes? Nein! Die Klasse hat immer nur, was sie sich erobert hat. Die Kraft der Arbeiterklasse liegt in der Gewalt, denn sie besitzt nichts anderes – weder jemanden, der sie verteidigt, noch eine Armee, die anstatt ihrer kĂ€mpft. Wird die notwendige Gewalt lange andauern? Solange der Staat existiert, welcher den RĂŒcken des Eigentum erzeugt und schĂŒtzt – die grĂ¶ĂŸte StĂŒtze der Gewalt und Bösartigkeit.

Vergesst diese drei Punkte nicht: Ihr seid jeder Nation gegenĂŒber eine feindliche Klasse; ihr verwandelt euch in eine Klasse, wenn ihr handelt und eure Handlungen werden durch Gewalt ausgefĂŒhrt. Mit diesem Wissen wird es sehr einfach sein die folgende Frage zu beantworten: Welche Bedeutung hat die Demokratie fĂŒr euch?

Die Demokratie ist tatsĂ€chlich die Regierung des Volkes. Somit sind die Mehrzahl der Fragen schon beantwortet. Und obwohl jede Regierung in der Vergangenheit und in der Zukunft ein Mittel der UnterdrĂŒckung war, schadet es nicht ein bisschen darĂŒber nachzudenken, was eine solche Regierung des Volkes bedeutet. Es ist so, dass im Volk der Wolf und das Lamm nebeneinander Platz nehmen, das Raubtier und die zerfetzte Beute. Das Raubtier sind die EigentĂŒmer und die Opfer die Enteigneten. Die Regierung des Volkes muss beim Verabschieden seiner Gesetze ein paar Kompromisse eingehen: Könnt ihr euch auch nur fĂŒr einen Moment vorstellen euch an einen Tisch mit euren Feinden zu setzen? Was bedeutet die Mehrzahl der Stimmen fĂŒr euch? Es ist nicht notwendig und muss nicht erwĂ€hnt werden, dass wirklich freie Menschen in Zukunft ihre Sachen nicht auf diese Art und Weise entscheiden werden
 Ihr Arbeiter, denkt darĂŒber nach, welchen Sinn die Mehrheit der bĂŒrgerlichen Stimmen fĂŒr euch haben kann
 Zwischen euch und der Bourgeoisie gibt es einen qualitativen und nicht unbedingt einen quantitativen Unterschied. Ihr wollt zerstören, was sie schĂŒtzen und in jedem Moment dieses Kampfes seid ihr Feinde. Und wenn sie in der Mehrzahl sind, auch wenn dies nur durch die Hilfe eurer unbewussten und durch Angst genötigten BrĂŒder passieren kann, ist es immer notwendig zu kĂ€mpfen, mit Gewalt zu kĂ€mpfen. Die Gewalt ist der einzige Quell eurer Kraft. Genau weil ihr Viele seid, darf man sich nicht vor ihnen niederknien, sondern muss beginnen zu kĂ€mpfen.

Und so bieten sie euch, denjenigen die nur Kinder einer Klasse und nicht einer Nation sind, an die Regierung des Volkes zu bilden
 Warum? Sie wollen, dass ihr Mitglieder der bĂŒrgerlichen Gesellschaft werdet, damit ihr die Notwendigkeit vergesst, diese zu zerstören. Und eure Feinde sollen sich tatsĂ€chlich um die Meinung der Mehrheit sorgen? Ach was! Wenn es einen Streik gibt und die Arbeiter, also die Mehrheit einer Stadt, rebellieren, antworten sie mit SchĂŒssen und GefĂ€ngnisstrafen. Es ist glasklar, dass die Demokratie euch zu verstehen gibt: Sprich aus, auf was du Lust hast, schreib, was du willst
 aber fass‘ weder das Privateigentum noch den Staat an! Und eure Interessen stehen all dem entgegen, denn sie drĂ€ngen euch sich alles zu nehmen, die Fundamente zu hinterfragen und den Staat niederzureißen und zu destabilisieren.

Wenn ihr Demokraten seid, könnt ihr deswegen die Freiheiten genießen, solange ihr die Grundlagen (das Eigentum) nicht in Frage stellt und wenn ihr keine Demokraten seid und euch in den Klassenkampf begebt, werdet ihr diese Freiheiten nicht haben. Sie können euch von der Versammlungs-, Vereins-, Meinungs-, und Pressefreiheit erzĂ€hlen. Aber ihr mĂŒsst mit anderen Zielen zusammen kommen – um zu lesen, zu studieren und eure KrĂ€fte zu entwickeln, um das Eigentum auf effektive Art und Weise angreifen zu können. Wenn ihr es nicht tut, seid ihr Sklaven – elende, unbeholfene und dumme Sklaven. Denn wenn die Bourgeoisie versteht, dass eure Treffen und eure Gewalt etwas miteinander zu tun haben
 Ah! Sie werden euch eure Freiheiten nicht mehr genießen lassen, obwohl eure Rechte per Gesetz abgesichert sind. Deswegen dĂŒrft ihr um euch treffen, sprechen und schreiben zu können von keiner demokratischen Garantie abhĂ€ngen, sondern in eure Gewalt vertrauen. Sie wird jedweden Versuch aufhalten, der verhindern könnte, dass ihr euch trefft oder auf anarchistische Art und Weise sprecht. Deswegen sind die demokratischen Freiheiten ein Betrug und haben keinen Wert fĂŒr den revolutionĂ€ren Klassenkampf.

Ihr mĂŒsst auch beachten, dass ihr euch als eine Klasse mit Taten ausdrĂŒcken mĂŒsst. Der Arbeiter, der fĂŒr gewöhnlich fĂŒr seinen EigentĂŒmer stimmt, da er den Kapitalisten auf den Leim gegangen ist, wird ab dem Moment, wenn er an einem Streik teilnimmt, sich gegen den EigentĂŒmer stellen und wird es auch in Zukunft tun, denn er wird die Feindschaft verstehen, die zwischen den beiden Klassen existiert oder schlichtweg deswegen, weil die EigentĂŒmer wegen seines Versuches ein StĂŒck Brot fĂŒr seine Kinder zu retten auf ihn schießen werden. Deswegen drĂŒckt sich der Willen der Klasse in Aktionen aus, die Unruhe auslösen und destabilisieren. Wenn ein Arbeiter wĂ€hlt, wenn deutlich wird, dass er nicht im Widerspruch zu den Feinden steht, sei es weil er keinen Klasseninstinkt in seinen Venen hat oder sei es dem Gift des betrĂŒgerischen Konzeptes der Nation geschuldet, handelt er direkt im Sinne der besitzenden Klasse. Der Wille der Klasse liegt in der Desorganisation der Nation. Der Wille der Nation ist es uns als eine Klasse zu desorganisieren.

Die LĂŒge und der Betrug sind die Hymnen der bĂŒrgerlichen Freiheit. Es ist eine LĂŒge zu glauben, dass ihr auf dem Weg der Demokratie zum Sozialismus gelangen werdet. Man muss sich entscheiden, ob man als eine Klasse handeln will, die es wagt in Konflikt mit der bĂŒrgerlichen Mehrheit zu treten oder nicht – entscheiden, ob man auf dem Boden des Gesetzes bleiben will oder als Klasse das Gesetz permanent brechen will. Es ist offensichtlich: Wen ihr euch von den Demokraten ĂŒberzeugen lasst, werdet ihr ĂŒber das reden, nach was euch der Sinn steht – ĂŒber die glĂŒckliche Zukunft, den Sozialismus oder was auch immer – aber zur gleichen Zeit werdet ihr tun, was die Bourgeoisie will und ihre Gesetze nicht ĂŒbertreten, die das Eigentum beschĂŒtzen. Und wenn ihr euch in den Klassenkampf stĂŒrzen werdet, werdet ihr der Bourgeoisie feindliche Sachen antun. Es gibt zwei Wege, zwei entgegengesetzte und unversöhnliche Wege, so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der eine sagt: „Mitsamt der Bourgeoisie werden wir die Autokratie umstĂŒrzen, danach schaffen wir eine Demokratie und werden die legalen Mittel des Kampfes benutzen.“ Der andere sagt: „Ihr, die Arbeiter, mĂŒsst als Klasse gegen jedes Gesetz sein. Wenn sich euch ein Verteidiger der Autokratie nĂ€hert, wird er euch sagen: „Der Zar ist euer Vater und die Untertanen sind seine Kinder, welche er wie seine eigenen hĂŒtet.“ Darauf mĂŒsst ihr antworten: „Das ist eine LĂŒge. Wir brauchen keine VĂ€ter, weder weltliche noch himmlische, denn alle von ihnen unterdrĂŒcken uns und schĂŒtzen das Privateigentum.“ Wenn sich euch ein Demokrat nĂ€hert und sagt: „Nimm die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Presse und der Versammlung, aber rebelliere nicht und mach nichts kaputt
 So sind wir die Kinder der gleichen Nation.“, antworte ihm, dass „deine Freiheit nur jenen gilt, welche es interessiert das Privateigentum zu bewahren, aber unser GlĂŒck und unsere Befreiung hĂ€ngt einzig davon ab, wie oft wir die Grundlagen deines Systems zum Wanken bringen. Deine Freiheit ist mein Grab, deine Nationalhymne ist die Beerdigungsmelodie beim BegrĂ€bnis des Klassenkampfes. Und deswegen: Nieder mit der Autokratie, nieder mit der Demokratie und es lebe die Gewalt der proletarischen Bewegung!“

Und so werdet ihr die Demokratie betrachten; wenn ihr versteht, dass es eure Aufgabe ist die soziale Revolution vorzubereiten; wenn ihr bemerkt, dass ihr fĂŒr diesen Schlag alle ReichtĂŒmer benutzen mĂŒsst, damit jeder Arbeiter in Einklang mit seinen FĂ€higkeiten seine BedĂŒrfnisse befriedigen kann; dass euer Ziel die Zerstörung jedes Staates ist, denn jeder Staat ist eine Mauer und eine StĂŒtze, die das Eigentum schĂŒtzt und unterstĂŒtzt; wenn ihr versteht, dass die absolute Persönlichkeitsentwicklung nur in Kommunen ohne Staat möglich sein wird
 also, samt all dem seid ihr keine BefĂŒrworter der arhia (AutoritĂ€t), sondern ihr habt euch in BefĂŒrworter der anarhia (ohne AutoritĂ€t) verwandelt und deswegen werdet ihr unter der Fahne des kommunistischen Anarchismus sein. Und nur wenn die Arbeiter dies als ihr Ziel beabsichtigen und diese Taktik annehmen, wird die Phrase von der Klassenbefreiung aufhören ein bloßes Wort zu sein. Nur so wird der Klassenkampf wie ein Sturm am bĂŒrgerlichen Horizont aufkommen; nur dann wird die bourgeoise Gesellschaft zum ersten Mal wanken, diese monströse Bestie, welche die proletarischen KrĂ€fte erdrĂŒckt und sich von diesen ernĂ€hrt.

Nieder mit der Autokratie!

Nieder mit der Demokratie!

Es lebe der kommunistische Anarchismus!

Es lebe die soziale Revolution!

Die russischen Kommunisten-Anarchisten




Quelle: Anarchistischebibliothek.org