MĂ€rz 18, 2021
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pressemitteilung
author Thursday March 18, 2021 17:51author by Verschiedene anarchistische Organisationen – Verschiedene anarchistische Organisationen

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In diesem Jahr jĂ€hrt sich die erste moderne soziale Revolution in der ruhmreichen Geschichte des Kampfs der UnterdrĂŒckten, die Pariser Kommune von 1871, zum 150. Mal. 72 Tage lang organisierten die Proletarier*innen der Stadt Paris die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse im Sinne der direkten Demokratie neu, in Richtung wirtschaftlicher Gleichheit, gegenseitiger Hilfe und politischer Freiheit

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In diesem Jahr jĂ€hrt sich die erste moderne soziale Revolution in der ruhmreichen Geschichte des Kampfs der UnterdrĂŒckten, die Pariser Kommune von 1871, zum 150. Mal. 72 Tage lang organisierten die Proletarier*innen der Stadt Paris die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse im Sinne der direkten Demokratie neu, in Richtung wirtschaftlicher Gleichheit, gegenseitiger Hilfe und politischer Freiheit

Die strukturelle kapitalistische Krise von 1866 und das Machtstreben der Staaten hatten die KlassengegensĂ€tze und transnationalen RivalitĂ€ten verschĂ€rft. Der Preußisch-Österreichische Krieg von 1866 (auch als Deutscher Krieg bezeichnet) ließ die Frage der NichtrĂŒckgabe der vom Zweiten Französischen Kaiserreich beanspruchten Territorien offen. Am 19. Juli 1870 erklĂ€rte Frankreich Preußen den Krieg und griff wenig spĂ€ter, am 2. August, an. Bald waren die französischen Truppen geschlagen, das Zweite Französische Kaiserreich brach zusammen und die Armeen der verschiedenen deutschen Staaten unter preußischer FĂŒhrung rĂŒckten bis an die Außengrenzen von Paris vor.

Die französische Bourgeoisie bildete daraufhin eine Regierung der nationalen Einheit und kapitulierte am 26. Februar 1871 vor den Preußen. Sie ĂŒbergab daraufhin Gebiete und Festungen an den Feind. Der Waffenstillstand sah vor, dass innerhalb von acht Tagen eine Nationalversammlung gewĂ€hlt werden musste, um ĂŒber die Fragen von Krieg und Frieden zu entscheiden. Die wirtschaftlichen Bedingungen der Kapitulation waren fĂŒr die Proletarier*innen in Frankreich besonders unertrĂ€glich.

Am 18. MĂ€rz 1871 schickte Adolphe Thiers – Kopf der neuen Regierung – seine Truppen in die Arbeiter*innenviertel von Paris, um die Kanonen vom Montmartre-HĂŒgel zu beschlagnahmen – Kanonen, die der Nationalgarde gehörten und wĂ€hrend der Belagerung der Stadt durch die Deutschen aus öffentlichen BeitrĂ€gen finanziert worden waren. Dieser Versuch scheiterte bemerkenswerterweise dank der Frauen* von Paris. Denn Frauen* des Sicherheitskomitees des 18. Bezirks, unter ihnen Louise Michel, ĂŒberzeugten und organisierten die Angehörigen der Nationalgarde, die sich hauptsĂ€chlich aus Arbeitern* zusammensetzte. Die Pariser*innen revoltierten. Die Nationalgarde gab die Waffen nicht heraus. Daraufhin brach der Konflikt zwischen der Arbeiter*innenklasse und der bĂŒrgerlichen Regierung aus, die daraufhin aus Angst ihren Standort ins nahegelegene Versailles verlegte.

Angewidert vom Waffenstillstand trotz all der gemachten Opfer und mit dem GefĂŒhl, von der Bourgeoisie verraten worden zu sein, schufen die Pariser Proletarier*innen eine Kraft, die der Übergangsregierung entgegenstand: Die Kommune wurde am 26. MĂ€rz 1871 gewĂ€hlt. Auf der einen Seite gab es nun die Übergangsregierung, welche die Macht der Bourgeoisie verkörperte, die die herrschende soziale Ordnung bewahren wollte; Auf der anderen Seite stand die Kommune, welche ihre Fahne ĂŒber dem Rathaus hisste und die die Macht von unten verkörpern wollte, um die Gesellschaft zu verĂ€ndern.

Unter den gewĂ€hlten Angehörigen der Pariser Kommune stellten die Arbeiter*innen einen großen Anteil (da die Bourgeoisie zu großen Teilen auf den rat von Thiers hin den Wahlen fern geblieben war). Besonders wichtig war der Beitrag der organisierten politischen Gruppierungen in ihr, deren Aktionen auf die StĂ€rkung des revolutionĂ€ren Charakters der Revolution abzielten. Blanquistische, proudhonistische, marxistische und anarchistische Mitglieder der Ersten Internationale handelten in diesem Sinne. Obwohl es sich um ein kurzlebiges revolutionĂ€res Unterfangen handelte, erzielte die Pariser Kommune sehr wichtige und fĂŒr ihre Zeit beispiellose DurchbrĂŒche, die spĂ€ter zu SchlĂŒsselthemen und -zielen der nachfolgenden sozialen Revolutionen werden sollten. Die Pariser Kommune war die Blaupause der politischen Organisationsstruktur der nachrevolutionĂ€ren Gesellschaft und trieb die Entstehung und Entwicklung der politischen Strömung des anarchistischen Kommunismus voran.

Die Pariser Kommune war ein arbeitendes Organ, das in sich legislative und exekutive Macht vereinte. Sie ging dazu ĂŒber, die regulĂ€re Armee abzuschaffen und durch das bewaffnete Proletariat zu ersetzen, machte die Positionen gewĂ€hlter Beamter* in der Verwaltung und der Justiz widerrufbar, schlug aber auch die Aneignung von Fabriken vor, die von den Kapitalisten* geschlossen oder aufgegeben worden waren, um sie den Arbeiter*innen zu ĂŒbergeben. Diese Fabriken wurden den Arbeiter*innen ĂŒbergeben und die Pariser Kommune ging dazu ĂŒber, die Arbeiter*innengenossenschaften der industriellen und handwerklichen Produktion zu vereinigen. Außerdem trennte die Kommune die Kirche vom politischen Leben, vergesellschaftete die KirchengĂŒter und -schulen, um die freie Bildung und die Loslösung der Bildung von der Kirche einzufĂŒhren, wĂ€hlte im Namen des Internationalismus Menschen aus verschiedenen Regionen in die Exekutiven der Kommune, verbot die Nachtarbeit fĂŒr die BĂ€ckereiarbeiter*innen, schob die Zahlung von Rente fĂŒr drei Monate auf und schaffte die Zinsen bei Zahlungsverzug ab. WĂ€hrendessen formten Frauen* eigenstĂ€ndige politische Klubs.

Wir verherrlichen weder die besonderen Maßnahmen, die die Kommune ergriffen hat, noch die von ihr geschaffenen Strukturen. Die Arbeiter*innenklasse improvisierte in einer Notsituation und lernte, wĂ€hrend sie voranschritt, wobei einige Institutionen eher Überbleibsel der alten Regierung waren als frisch geschaffen. Vielmehr feiern wir den egalitĂ€ren Geist der Kommune und ihre radikal-demokratische Haltung, die sich nicht auf die Politik beschrĂ€nkte, sondern bis ins Wirtschaftsleben hineinreichte. Die Arbeiter*innen, die an der Macht waren, begannen eine grundlegende soziale Umgestaltung, aber die Gelegenheit, diese Umgestaltung zu beenden, bekamen sie nicht.

Leider war das militĂ€rische KrĂ€fteverhĂ€ltnis enorm ungleich. In der Stadt befanden sich nur um die 40.000 bewaffnete Angehörige der Föderation der Nationalgarde von Paris, die mit minderwertigen Waffen ausgerĂŒstet waren. Sie sollten bis zu 170.000 gut bewaffneten Soldaten, unterstĂŒtzt von schweren Artillerieeinheiten, gegenĂŒbertreten. Aus Angst vor dem Triumph der sozialen Revolution koordinierte die französische bĂŒrgerliche Regierung unter Zustimmung Ottos von Bismarck, dem Kanzler des neugegrĂŒndeten deutschen Kaiserreichs zu dieser Zeit), die UnterdrĂŒckung der Pariser Kommune. Am 21. Mai 1871 marschierten die Truppen der Regierung von Versailles in Paris ein. Es folgten acht Tage erbitterter und blutiger KĂ€mpfe. Am 28. Mai 1871, um 14 Uhr, fiel die letzte Barrikade in der Rue Ramponeau in Belleville in die HĂ€nde des Feindes. Die Kommunard*innen kĂ€mpften heldenhaft, um die Freiheit bis zum Ende zu verteidigen, in jeder Straße und jeder Gasse von Paris.

Die Bilanz der Niederlage der Pariser Kommune war katastrophal: Mindestens 20.000 Kommunarden*innen – Erwachsene wie Kinder – starben, wobei mehr im Nachgang der KĂ€mpfe als wĂ€hrendessen getötet wurden. Etwa 45.000 wurden verhaftet. Mindestens 3.000 starben in Internierungslagern, auf den GefĂ€ngnisgaleeren, in Strafkolonien oder im Exil. Am 1. Juli 1871 wurden 3.859 Kommunard*innen nach Neukaledonien vor der australischen OstkĂŒste verbannt, unter ihnen die Lehrerin Louise Michel, die spĂ€ter eine der grĂ¶ĂŸten UnterstĂŒtzerinnen des revolutionĂ€ren Anarchismus werden sollte und die Reclus BrĂŒder, die sich aktiv am Aufbau der Kommune beteiligten. Die MilitĂ€rtribunale zwangen etwa 3.500 Kommunard*innen, nie mehr nach Frankreich zurĂŒckzukehren.

Nach der Niederlage der Pariser Kommune schrieb Eugene Pottier den Text der weltbekannten Hymne der Arbeiterklasse, “Die Internationale”. Die Hauptbotschaft der Pariser Kommune und der Hymne der Internationale ist, dass die Macht der Arbeiter*innen in KlassensolidaritĂ€t und grenzĂŒbergreifender SolidaritĂ€t liegt. Nur wenn wir uns auf unsere kollektiven KrĂ€fte und gegenseitige Hilfe verlassen, werden wir in der Lage sein, uns von den Ketten der staatlichen und kapitalistischen Ausbeutung und UnterdrĂŒckung zu befreien.

Die nationale Einheit ist ein Hebel des Klassenkompromisses zur TĂ€uschung der Arbeiter*innenklasse und eine ideologische Waffe der Bourgeoisie, welche sie benutzen, um die unterjochten Gesellschaftsschichten dazu zu bringen, den Interessen der herrschenden Klasse zu dienen, indem sie entweder die Zustimmung der Proletarier*innen bekommen oder sie in die SchlachthĂ€user der imperialistischen Kriege zwischen den Staaten fĂŒhren. Diese Schlussfolgerung setzte die Kommune in die Tat um, indem sie die nationalen Einheit ĂŒberwand zugunsten der Klasseneinheit und der grenzĂŒbergreifenden SolidaritĂ€t. Es gibt keinen anderen Weg fĂŒr die Emanzipation der UnterdrĂŒckten und Ausgebeuteten.

Die Herrschenden sind nicht bereit, die materiellen Privilegien, die durch ihre wirtschaftliche und politische Macht gesichert sind, die Institutionen, die Ideologie, die Mechanismen und die Gewalt, die sie stĂŒtzen, kampflos aufzugeben. Deshalb wird die Bourgeoisie jeden Versuch einer radikalen sozialen VerĂ€nderung, jeden revolutionĂ€ren Versuch, der ihre Macht in Frage stellt und ihren Sturz anstrebt, in Blut ertrĂ€nken. RevolutionĂ€re gesellschaftliche UmwĂ€lzungen werden nur durch den Kampf der unterdrĂŒckten und ausgebeuteten Klassen durchgesetzt. Wir sind gezwungen, diesen Weg zu gehen. Die Bourgeoisie lĂ€sst uns keine andere Wahl.

Und wir werden nicht fĂŒr die Interessen der Kapitalist*innen kĂ€mpfen, wir werden nicht zu den Waffen greifen und sie auf die Proletarier*innen anderer LĂ€nder richten, denn wir haben nichts, was uns trennt. Wir haben gemeinsame Klasseninteressen und gemeinsame historische Aufgaben. Vereinigen wir uns also mit engen Beziehungen der KlassensolidaritĂ€t und der revolutionĂ€ren, grenzenlosen SolidaritĂ€t, in Richtung der sozialen Weltrevolution und des libertĂ€ren Kommunismus.

Die Siege der Zukunft werden aus den Niederlagen der Vergangenheit erwachsen!
Ewige Ehre denjenigen, die ihr Leben fĂŒr das universelle Ziel der sozialen Revolution gegeben haben!
Es lebe die Pariser Kommune! Es lebe die Anarchie!
UnterdrĂŒckte und ausgebeutete Menschen der ganzen Welt, lasst uns uns organisieren und vereinigen, um das staatliche und kapitalistische Joch abzuschĂŒtteln!

☆ Alternativa Libertaria/ Federazione dei Comunisti Anarchici (AL/FdCA) – Italien
☆ Anarchist Communist Group (ACG) – Großbritannien
☆ ΑΜαρχÎčÎșÎź ÎŸÎŒÎżÏƒÏ€ÎżÎœÎŽÎŻÎ± – Anarchist Federation – Griechenland
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement (AWSM) – Aotearoa/Neuseeland
☆ Coordenação Anarquista Brasileira (CAB) – Brasilien
☆ Devrimci AnarƟist Faaliyet (DAF) – TĂŒrkei
☆ Die Plattform – Anarchakommunistische Organisation – Deutschland
☆ Embat – OrganitzaciĂł LlibertĂ ria de Catalunya – Katalonien
☆ Federación Anarquista de Rosario (FAR) – Argentinien
☆ Federación Anarquista de Santiago (FAS) – Chili
☆ Federación Anarquista Uruguaya (FAU) – Uruguay
☆ LibertĂ€re Aktion – Schweiz
☆ Melbourne Anarchist Communist Group (MACG) – Australien
☆ Organización Anarquista de Córdoba (OAC) – Argentinien
☆ Organización Anarquista de Tucumán (OAT) – Argentinien
☆ Organisation Socialiste Libertaire (OSL) – Schweiz
☆ Union Communiste Libertaire (UCL) – Frankreich
☆ Zabalaza Anarchist Communist Front (ZACF) – SĂŒdafrika




Quelle: Anarkismo.net