Januar 19, 2022
Von FAU Flensburg
182 ansichten

Die Corona-Krise bedroht unzĂ€hlige Existenzen, doch an der Börse herrscht Euphorie – denn die Zentralbanken stĂŒtzen die AktienmĂ€rkte.

Fast 500 Menschen sind im Laufe der Pandemie zu MilliardĂ€rinnen und MilliardĂ€ren geworden. Die Aktienkurse sind unaufhaltsam gestiegen, wĂ€hrend die Arbeitslosigkeit zunahm und die Reallöhne stagnierten. Die Immobilienpreise, von denen viele glaubten, dass sie aufgrund des RĂŒckgangs ökonomischer AktivitĂ€t endlich sinken wĂŒrden, sind stabil geblieben.

Auf den ersten Blick ergibt der Aufschwung an den AktienmĂ€rkten wenig Sinn. Die Preise von Vermögenswerten sollen die Erwartungen an kĂŒnftige ErtrĂ€ge widerspiegeln, sei es in Form von Dividenden, Mieten, Zinsen oder Kapitalgewinnen. Die Verlangsamung der ökonomischen AktivitĂ€t in Verbindung mit den steigenden Verbraucherpreisen hĂ€tte die Investorinnen dazu veranlassen mĂŒssen, ihre Gewinnerwartungen nach unten zu korrigieren. Doch das ist nicht geschehen, da die Zentralbanken es verhindert haben.

Diese reagierten auf die anfĂ€ngliche Panik auf den FinanzmĂ€rkten, indem sie neues Geld im Wert von Billionen von Dollar schufen und damit Vermögenswerte des privaten Sektors aufkauften. Das fĂŒhrte dazu, dass die Investoren mit Bargeld ĂŒberschwemmt wurden, es zugleich aber an sicheren Anlagen mangelte, in die sie investieren konnten. Und so begaben sie sich erwartungsgemĂ€ĂŸ auf die Suche nach höheren Renditen. Sie steckten ihr Geld in riskantere Anlagen wie Technologie- und Gesundheitsaktien, zweifelhafte Unternehmensanleihen und sogar KryptowĂ€hrungen und NFTs.

Der daraus resultierende weltweite Boom der Vermögenswerte hat deren EigentĂŒmerinnen extrem reich gemacht. Diese Entwicklung war fĂŒr die Superreichen ein Segen und verschaffte den Besitzern von Eigenheimen und Rentenfonds eine gewisse Atempause. In Großbritannien besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung ein höheres Finanzvermögen als die unteren 80 Prozent zusammen. In den USA verfĂŒgt das reichste Prozent der Gesellschaft ĂŒber 80 Prozent aller Aktien.

Wie sich diese Maßnahmen konkret ausgewirkt haben, lĂ€sst sich jedoch nur schwierig ermitteln, denn Vermögensungleichheit ist bekanntlich schwer zu messen. So beruht etwa die britische Wealth and Assets Survey (WAS) auf SelbstauskĂŒnften. Diese staatliche Erhebung nimmt viel Zeit in Anspruch, sodass die Daten relativ selten und mit betrĂ€chtlicher Verzögerung veröffentlicht werden. (Die kĂŒrzlich veröffentlichen Daten etwa beziehen sich auf eine Erhebung, die zwischen April 2018 und MĂ€rz 2020 durchgefĂŒhrt wurde. Um die Auswirkungen der Pandemie auf die Vermögensungleichheit zu verstehen, ist sie daher unbrauchbar.) 

Mehr lesen (jacobin.de) 




Quelle: Fau-fl.org