Juli 6, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Die meisten jungen Menschen seien sehr verantwortungsbewusst. Doch es gebe eine Minderheit von Gewaltbereiten oder gar StraftĂ€tern, die sich unter die Feiernden mischten. Gepaart mit Alkohol, dem Schutz der Dunkelheit und der Menschenmenge könne eine gefĂ€hrliche Dynamik entstehen. „Jeder hat eine Flasche in der Hand, mit der man auch Unsinn machen kann“, sagt Holthusen.

„Expertin erklĂ€rt: Warum ein Party-Verbot in MĂŒnchen nicht sinnvoll ist“. Abendzeitung, 25.06.21

„Die Polizei. Dein Freund und Helfer.“ „Polizist = Mensch“. Und nun: „Ich bin nicht dein Feind.“ Die Kampagnen zur Aufpolierung des Images der Polizei, sie klingen immer klĂ€glicher. Kein Wunder, denn nach ĂŒber einem Jahr Corona-Schikanen hat die Fassade des „freundlichen Polizisten, der alten Damen ĂŒber die Straße hilft“ starke Risse bekommen und mehr als die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen mit den Methoden der Polizeiarbeit in BerĂŒhrung gebracht. Eine Spaltung hat sich in der Bevölkerung vollzogen, einmal in die Hilfscops, die vereinsamt und eifersĂŒchtig hinter ihren VorhĂ€ngen auf die Menschen starren, die immer noch Freude am Leben haben und diese sofort an die Cops versnitchen, und in diejenigen, die das letzte Jahr immer wieder und in absurdesten Situationen von diesen schikaniert wurden und deren Hass auf die Cops im letzten Jahr krĂ€ftig geschĂŒrt worden ist. „Die Uniform ist in der Corona-Krise mitunter zur Zielscheibe geworden“, konstatiert Peter Pytlik von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) besorgt.

Dazu passend gab das PolizeiprĂ€sidium MĂŒnchen eine Ă€ußert zufrieden stellende Bilanz heraus, die fĂŒr das Jahr 2020 den höchsten Wert von FĂ€llen von Gewalt gegen die Schweine in MĂŒnchen seit zehn Jahren feststellte. Mehr als 460 Cops wurden letztes Jahr in MĂŒnchen verletzt, drei von ihnen sogar schwer. Etwas mehr als ein Drittel der registrierten FĂ€lle sind außerdem Beleidigungen (beispielsweise so etwas wie „Bullenschweine“, „All Cops are Bastards“, „Hurensöhne“ usw.), die beiden anderen ungefĂ€hren Drittel entfallen auf tĂ€tliche Angriffe und Widerstand. Nun wissen wir ja allzu gut, dass Widerstandsdelikte sehr oft FĂ€lle sind, wie jene, wo man beim durch den Bullen verursachten Fall, etwa durch die „Geleitung zu Boden mithilfe der Hand im Gesicht“, aus ihrem Griff rutscht. Und dass eine Verletzung auch ist, wenn ihnen nach dem Einsatz der kleine Finger weh tut oder ihnen ein Kollege auf den Fuß getreten ist. Trotzdem eine zufriedenstellende Bilanz, die ja immer Luft nach oben hat.

Ja, was ist denn los in MĂŒnchen, einige fĂŒrchten schon um den guten Ruf der Isarmetropole als „sicherste Stadt Deutschlands“. „Zu spĂ€terer Stunde fĂŒhlt man sich derzeit auch am Odeonsplatz nicht mehr sicher. Das ist traurig!“, bedauert das SPD-Opfer Florian Post, dessen Konterfei gerade etliche Wahlplakate in MĂŒnchen ziert und der getrost eins auf die Fresse verdient. Wenn der Staat sein Gewaltmonopol nĂ€mlich nicht endlich durchsetze, sei seine Stadt „nicht mehr das MĂŒnchen, das wir wollen!“ FĂŒr ihn vielleicht. Dabei ist er sich nicht zu schade gegen „junge MĂ€nner mit Migrationshintergrund“ zu hetzen und entsprechende „Beweisfotos“ zu veröffentlichen. Ihm hĂ€tte ein Schwein bestĂ€tigt, dass bestimmte Gruppen „null Respekt vor uniformierten EinsatzkrĂ€ften“ hĂ€tten. Dem kann ich tatsĂ€chlich zustimmen, möchte aber ergĂ€nzen, dass, wenn auch diesen bestimmten Gruppen, von denen hier die Rede ist, dieser Respekt vollkommen zu Recht sicherlich auch vor der „Krise“ vollkommen fehlte, sich der Radius derer, die die Cops als das betrachten, was sie sind, nĂ€mlich als widerliche Klosteinlutscher, die es aus unseren Leben zu vertreiben gilt, deutlich vergrĂ¶ĂŸert hat. Wer an der Isar, im Englischen Garten oder an sonstigen beliebten öffentlichen PlĂ€tzen insbesondere in den letzten Monaten chillt, der fĂŒhlt den allgegenwĂ€rtigen Hass auf die Cops, und Beleidigungen gegen die Schweine gehören zum guten Ton.

„Warum?“, fragt ein Schwein, das am 08. Mai Teil des Einsatzes war, der im Englischen Garten von rund 50 Flaschen beworfen wurde und wo 19 Bullen verletzt worden sind. Nicht mit Plastikflaschen ĂŒbrigens, sondern mit Bier-, Wein- und Sektflaschen, wie er sich bemĂŒĂŸigt fĂŒhlt zu betonen. „Warum machen die das?“ „Fassungslos“ sei er ĂŒber diese Gewalt. Neulich sei auch ein Jungbulle auf dem Weg in die Arbeit einfach unvermittelt mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. „Einfach so.“

Am 22. Mai dann fliegt am Baldeplatz zwar keine Flasche in Richtung der Schweine und ihres Fahrzeugs, dafĂŒr aber gleich ein ganzer Verkehrspfosten, nachdem sich „zahlreiche Feiernde“ mit einer Person solidarisierten, die von den Cops schikaniert wurde. Am 28. Mai fliegt in der Innenstadt dan  wieder eine Flasche, diesmal auf einen Streifenwagen, danach hĂ€tten einige „aggressives Verhalten“ an den Tag gelegt. Am 29. Mai kommt es in MĂŒnchen wieder zu „Übergriffen gegen die Polizisten“. Am Professor-Huber-Platz schlĂ€gt jemand bei einer Kontrolle unvermittelt einem Beamten ins Gesicht. Bei der Festnahme danach beleidigt er die Schweine auch noch massiv und wird „unter Schmerzen“ (wo die herkommen, ist in der Presse natĂŒrlich keine ErwĂ€hnung wert) ins Krankenhaus gefahren. Kurz darauf ein Ă€hnlicher Vorfall, immer noch am Professor-Huber-Platz, wo die Schweine mit einer Glasflasche beworfen werden, die leider ihr Ziel verfehlt und wo sie leider auch den Werfer busten. Am 19. Juni werden am Professor-Huber-Platz Cops erneut mit Glasflaschen beworfen. „FlaschenwĂŒrfe gegen PolizeikrĂ€fte kennen wir so in MĂŒnchen nicht“, erklĂ€rte ein Sprecher der Schweine. Wie schön, dass sich das endlich Ă€ndert!

Schweinehirt Joachim Herrmann findet das Ganze natĂŒrlich ĂŒberhaupt nicht lustig und schimpft darĂŒber, dass „in vielen ElternhĂ€usern [
] nicht mehr richtig erzogen“ wird. Offenbar sehnt er die gulten alten Zeiten zurĂŒck, als die PrĂŒgelstrafe noch zum guten Ton gehörte, in der Familie wie in der Schule, denn auch jene sei nicht in der Lage die mangelnde Erziehung zuhause zu „ersetzen“. Seine Lösung: FĂŒhrerscheine wegnehmen. Eine seltsam anmutende Forderung, insbesondere da es sich laut eigener Darstellung ĂŒberwiegend um Jugendliche handele. „Geld- und sogar BewĂ€hrungsstrafen tun den meisten nicht weh“, ist die arrogante und weltfremde Haltung des Oberschweins. Lieber will er die Menschen „in ihrem Lebensalltag treffen“.

Dabei beschrĂ€nkt sich dieser neue Ungehorsam und Bullenhass nicht auf MĂŒnchen. In ganz Bayern (und natĂŒrlich auch Deutschland) ist es am Brodeln und junge Menschen lassen es sich nicht nehmen draußen gemeinsam zu feiern, Spaß zu haben und den Cops ihre Verachtung zu zeigen, wenn diese kommen um das Ganze aufzulösen.  Am 12.06. etwa greifen in NĂŒrnberg Menschen die Cops an. „Als eine 19-JĂ€hrige ihre Personalien abgeben sollte, habe sie einen Polizisten ins Gesicht geschlagen und ihn gewĂŒrgt, so die Mitteilung.“ Und erst letztes Wochenende, in der Nacht auf Sonntag fliegen in Augsburg rund 200 GegenstĂ€nde auf die Cops, darunter zahlreiche Glasflaschen, nachdem diese versucht haben eine EM-Party mit rund 1400 Personen zu rĂ€umen. Sprechchöre mit Beleidigungen gegen die Schweine erklingen, ein Schwein wird bei dem Versuch, jemanden brutal zu Boden zu bringen, ins Gesicht getreten. Bilanz: 15 Schweine leicht verletzt. Ein Augenzeuge berichtet: „Die hatten Spaß dabei, alles zu bewerfen, was Blaulicht hat, das war ein Mob, die wollten Randale, die haben das provoziert“. Erstaunt zeigte er sich, dass auch viele „junge Frauen“ dabei gewesen seien, und der grĂ¶ĂŸte Schock: Es seien keine FlĂŒchtlinge gewesen, „das waren weiße, gut deutsch sprechende BĂŒrger.“ Ja, wie kann man sich das nur erklĂ€ren?

Die Augsburger Politik ist natĂŒrlich schockiert. „Auf diesen Übergriff werden wir entschieden und abgestimmt antworten, ohne Freiheiten der friedlichen Bevölkerung zu sehr einzuschrĂ€nken„, verkĂŒndet Ordnungsreferent Pintsch entrĂŒstet. Wie schön, sie wollen die „Freiheiten“ nur ein bisschen einschrĂ€nken, das ist ja milde, in Corona-Zeiten ist man ja inzwischen alles gewöhnt. Doch die Geister scheiden sich beim Umgang mit dieser rebellischen Jugend: Party-, Glasflaschen-, Alkohol- und Verweilverbote? Clubs wieder aufmachen? FĂŒhrerscheine wegnehmen? Als Kommune mit den Jugendlichen zusammen nach Orten zum Feiern suchen? Eine Frage aber eint all jene, die sich nun um den „richtigen Umgang“ streiten: Wie kann man das rebellische Potenzial der Menschen, ihren Unmut wegen der Maßnahmen, ihren Hass auf die Bullen in friedliche Bahnen lenken? Wie verhindert man Krawalle und Angriffe auf die Cops?

LĂ€cherliche Mitleidskampagnen, mit denen bereits seit Jahren Cops als „auch nur Menschen, die helfen wollen“ und als „Opfer von Gewalt“ stilisiert werden, die „fassungslos“ darĂŒber seien, wie sie behandelt werden, wo sie einem doch nur helfen, können wohl bei jenen, die mit den Cops bereits zu tun hatten,  nur Fremdscham und LachkrĂ€mpfe auslösen. Eine weitere Strategie: mediale Kampagnen gegen das „krawallorientierte Eventpublikum“ und die Darstellung, dass es ĂŒberhaupt keinen Grund dafĂŒr geben könne, sich gegen die Cops zur Wehr setzen zu wollen, dass es nur einige durchgedrehte „Kriminelle“ seien, die andere zu unbedachten Handlungen verfĂŒhren wĂŒrden. Eine alte Strategie des „Crowd Control“: trenne die Unruhestifter von denen, die sich dann mit diesen solidarisieren könnten. Diffamiere die Menschen, die anfangen sich zur Wehr zu setzen und versuche sie so von den anderen zu trennen. Sprich ihnen ihre HandlungsfĂ€higkeit und ihre Menschlichkeit, ihre UrteilsfĂ€higkeit und ihre geistige Gesundheit ab. Frage „Warum?“ und höre dir keine Antwort an.

Doch alle diejenigen, die sich gegen die Cops zur Wehr setzen, wissen ganz genau warum. Weil die Cops diejenigen sind, die sie schikanieren, die sie verprĂŒgeln und einsperren, die pyhsische Gewalt, Waffen und ein riesiges technologisches Arsenal einsetzen, um das durchzusetzen, was die Politiker entscheiden.

Einige scharfe Analysen haben diese Leute, die in den Medien „aufschreien“, aber manchmal dann doch zu bieten: „Es gibt vereinzelte Polizeigegner, ja sogar Polizeihasser. Das sind aber fĂŒr mich auch Demokratiegegner, die ganz bewusst versuchen, uns als Polizei zu diskreditieren.“ Es ist zwar nicht nötig die Polizei zu diskreditieren, das macht sie schon ganz von selbst, sobald Menschen mit ihrem repressiven Apparat in BerĂŒhrung kommen. Dass es unter den Polizeihassern Demokratiegegner gibt, dem stimme ich allerdings zu. Das ist auch logisch. Denn Polizeiarbeit bedeutet, Menschen zu einem bestimmten Verhalten zwingen zu wollen, ihnen ihre Freiheit zu nehmen und sie nach einem bestimmten Bild zu formen, und auch eine Demokratie hat dieses Ziel, denn auch eine Demokratie herrscht, schrĂ€nkt mich in meiner Freiheit ein, will mich dazu bringen nach einer gewissen Norm zu leben. Cops sind diejenigen, die egal welche Herrschaft, auch die demokratische, faktisch durchsetzen, die einem ganz konkret die Freiheiten, die einem ĂŒberhaupt noch zugestanden werden, wegnehmen, wenn man sich nicht an die Spielregeln hĂ€lt. Die dazu beitragen, dass ein System, das alle Lebewesen ausbeutet, versklavt und tötet und diesen Planeten zugrunde richtet, aufrecht erhalten werden kann. Braucht es wirklich mehr GrĂŒnde, um „sogar Glasflaschen“ auf die Cops zu werfen? Ich denke nicht.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org