MĂ€rz 12, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Taktiken, Strategien und Kultur des Widerstands

Übernommen von CrimethInc


Kohleabbau, Autobahnen, Kiesgruben, ParkhĂ€user, Kalkgruben und SĂŒĂŸigkeitenfabriken haben etwas gemeinsam, was möglicherweise auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist: Kapitalist*innen mĂŒssen WĂ€lder roden, um Platz fĂŒr sie zu schaffen. Aber ĂŒberall in Deutschland, setzen sich Menschen dafĂŒr ein sie zu stoppen. Im zurĂŒckliegenden Jahrzehnt haben sich Waldbesetzungen und Aktionen zur Verteidigung von WĂ€ldern derart ausgebreitet, dass wir nun ĂŒber die Bewegung als ganzes nachdenken können.

Die roten Texte in diesem Text stammen aus dem Buch KlimakĂ€mpfe—Wir sind die fucking Zukunft.

Gemeinsam gegen die Megamaschine: Auf diesem Foto aus dem Jahr 2014, ein Jahr bevor die Massenproteste von Ende GelĂ€nde begannen, sehen wir eine kleine Gruppe Menschen auf ihrem Weg, einen der gewaltigen Bagger einer Kohlegrube zu blockieren. Gerade dadurch, dass sie scheinbar unerreichbare Ziele ins Auge fassen, können kleine Gruppen mit Taktiken experimentieren, die spĂ€ter die Basis fĂŒr Massenaktionen und Erfolge legen.

Seit dem 26. Februar 2021 besetzen Menschen den Altdorfer Wald nahe Ravensburg. Eine Kiesgrube bedroht die Existenz des Waldes und ein paar Aktivist*innen, die zuvor Klimacamps und BaumhĂ€user in der Ravensburger Innenstadt errichtet hatten entschlossen sich im Wald zu leben, um ihn zu beschĂŒtzen. Momentan ist diese Besetzung nicht rĂ€umungsbedroht.

Am Tag der Besetzung bei Ravensburg begann am anderen Ende Deutschlands die RÀumung eines besetzten innerstÀdtischen WÀldchens. In Flensburg hatten im Oktober 2020 Menschen begonnen, BaumhÀuser und Plattformen zu errichten, um BÀume zu retten, die gefÀllt werden sollten, um einem Hotel und einem Parkhaus Platz zu machen.

Es blieben nur noch Tage bis zum Ende der legalen Rodungssaison und die Investoren schickten kaltherzige Söldner mit KettensĂ€gen, um die BĂ€ume, ungeachtet der Risiken fĂŒr die Aktivist*innen, kaputt zu sĂ€gen. Die Stadtpolitik belohnte das Verbrechen der Investoren mit dem Anfordern weiterer PolizeikrĂ€fte, um die Besetzung zu eben jenem Moment anzugreifen und zu rĂ€umen, als Flensburg einer der COVID-19 Mutations-Hotspots in Deutschland war.

https://twitter.com/RoedGroedBawa/status/1363878592086761476

Apropos Pandemie: Die GrĂŒnen in Hessen haben sogar im bĂŒrgerlichen Lager an UnterstĂŒtzung verloren, weil sie sich nicht nur fĂŒr die neue A49 und damit im Resultat fĂŒr großflĂ€chige Rodungen im Dannenröder Forst, Herrenwald und Maulbacher Wald aussprachen, sondern zusĂ€tzlich auch noch im November 2020 eine mehrere Wochen andauernde RĂ€umung anzettelten, als eben diese Region Corona-Hotspot war.

Die Besetzungen in diesen WĂ€ldern hatten 2019 begonnen und manche Protestierende sind noch immer in der Gegend, denn die Autobahn ist noch nicht gebaut, obwohl die BĂ€ume auf der zukĂŒnftigen Trasse gefĂ€llt wurden. Eine der spektakulĂ€rsten Aktionen war eine 300 Meter lange Seil-Traverse, die den Danni und den Herri verband.

https://twitter.com/keinea49/status/1332587140333658113/photo/1

Vermutlich ĂŒberraschend – auch fĂŒr viele Beteiligte – war der Erfolg einer weiteren Besetzung. Am 21. Februar besetzten Demonstrierende bei Halle (Westfalen) den Steinhausener Wald, wo die SĂŒĂŸigkeitenfabrik Storck erweitern wollte. Kaum eine Woche spĂ€ter, die Besetzer*innen hatten bereits die RĂ€umung befĂŒrchtet, entschied sich die Firma um. Jedenfalls fĂŒr den Moment ist der Wald sicher.

In Wuppertal, genauer Osterholz, sind fĂŒnf Hektar durch eine Kalkgrube gefĂ€hrdet. Die Kalkwerke Oetelshofen wollen ihren Abraum dort lagern, wo heute BĂ€ume stehen. Seit August 2019 ist das GelĂ€nde besetzt. Wie auch ĂŒberall sonst bemĂŒhen sich die Kapitalist*innen, die von zerstörten WĂ€ldern profitieren, ihre Propaganda als â€șobjektive Diskussionâ€č zu vermarkten, beschweren sich ĂŒber angebliche â€șDiffamierungâ€č und betonen, dass ihr Betrieb systemrelevant sei. In der Tat ist jedes kapitalistische GeschĂ€ft systemrelevant – weil aber das System selbst die Wurzel des Problems ist, ist dieses Argument nicht ĂŒberzeugend fĂŒr jene, die das System verĂ€ndern wollen. So oder so liegt ihnen momentan keine Genehmigung vor, um den Wald zu fĂ€llen.

In Wilhelmsburg in Hamburg in einem Wald namens WiWa (Wilder Wald) haben Menschen BaumhĂ€user errichtet, denn die Stadt hat das Areal zum potentiellen Entwicklungsgebiet erklĂ€rt. Die Aktivist*innen haben Plattformen auf BĂ€umen entwickelt, aber vermutlich ist das nicht die Art von Entwicklung, die Politiker*innen begrĂŒĂŸen.

Außerdem gibt es Waldbesetzungen in zwei Dörfern im Rheinland, die vom Kohleabbau bedroht sind. Die Besetzung in Keyenberg besteht seit September 2020, wĂ€hrend jene in LĂŒtzerath erst am 16. Januar 2021 entstand. Der Widerstand dort ist eng vernetzt mit den Menschen, die versuchen die Orte zu retten, indem sie HĂ€user besetzen, die RWE abreißen will, oder BaugerĂ€t erklettern.

Und schließlich gibt es da noch den (noch immer) besetzten Hambacher Forst, die berĂŒhmteste Waldbesetzung von allen. Erstmals 2012 besetzt wurde er mehrfach gerĂ€umt und wieder besetzt. Im Januar 2020 entschieden Politiker*innen, dass der Hambi nicht komplett zerstört werden soll – nachdem der allergrĂ¶ĂŸte Teil schon zerstört wurde – aber die Besetzung bleibt bestehen. KĂŒrzlich veröffentlichten einige Menschen aus dem Hambi Ausgabe 5 des zweisprachigen Zines Shitbarricade.

Hambacher Wald

Und fĂŒr international Reiselustige: Es gibt auch Besetzungen in Polen, der Schweiz und Frankreich sowie KĂ€mpfe in Schweden und Belgien, die mit den KĂ€mpfen in Deutschland vernetzt sind. Sie nĂ€her zu betrachten wĂŒrde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen.


Waldbesetzungen scheinen sich ĂŒberall in Deutschland auszubreiten. Im Hambacher Wald, der zerstört wird um Braunkohlekonzernen Platz zu machen, hatten zum Höhepunkt der Besetzung vor der RĂ€umung 2018 Waldbesetzer*innen mehr als 70 BaumhĂ€user errichtet. Familien kamen in den Wald um gemeinsam Barrikaden zu errichten.

Im Dannenröder Wald, wo Bauunternehmer fĂŒr eine geplante Autobahn eine Schneise geschlagen haben, wurden zwischen 2019 und 2020 mehr als 500 Barrikaden, BaumhĂ€user und andere Konstruktionen errichtet. Die RĂ€umung im Danni dauerte mehr als zwei Monate an, es waren bis zu 2000 Cops beteiligt und mehr als 2000 Verfahren wurden gegen Aktivist*innen eingeleitet.

Was sind die GrĂŒnde dafĂŒr? Vor fĂŒnfzehn Jahren waren es nur wenige Leute, die auf BĂ€ume kletterten um WĂ€lder zu retten, um Bewusstsein zu schaffen fĂŒr Flughafenerweiterungen oder Kohleabbau und um sich der DestruktivitĂ€t des Kapitalismus entgegen zu stellen

Heute engagieren sich Hunderte in den KÀmpfen am Hambacher Wald, am Dannenröder Wald und sogar in ein paar kleinen stÀdtischen WÀldchen.

Hambacher Wald

2003 lernte ich Lakoma kennen. Ein kleines sorbisches Dorf in der NĂ€he von Cottbus. Bereits zu DDR Zeiten waren die Bewohner*innen umgesiedelt worden, doch durch die Wende verzögerte sich der Abriss der HĂ€user und KĂŒnstler*innen hatten beschlossen, den Ort wiederzubeleben. Eine Kulturscheune war entstanden und ein Wagenplatz; einige der HĂ€user wurden besetzt. Ich ĂŒbernachtete im Bauwagen, beteiligte mich an Baumbesetzungen, machte SpaziergĂ€nge durch die verbliebenen Reste des Dorfes. Vorbei an Holzskulpturen des Widerstands, abgerissenen HĂ€usern und halb abgerissenen Badezimmern. Ich begann zu begreifen, dass die rĂŒcksichtslose Vertreibung indigener Minderheiten fĂŒr Rohstoffgewinnung nicht nur weit weg stattfindet, sondern genau hier.

Jahre spĂ€ter lerne ich, dass es in der DDR sogar ein Kinderlied gab zur Kohle, das Ofenlied: »Guten Morgen lieber Ofen, wir frieren so sehr. Darum brenne lieber Ofen, dann frieren wir nicht mehr. Ich hab keine Kohle, bin selber ganz kalt. Frag den Bagger nach Kohle, im Tal hinterm Wald. Guten Morgen lieber Bagger, im Tal hinterm Wald. Gib uns Kohle, denn wir frieren und der Ofen ist kalt. Ich hab keine Kohle, meine Eimer sind leer, frag die Erde nach Kohle im Schacht schwarz und schwer. Guten Morgen liebe Erde, im Schacht schwarz und schwer. Gib uns Kohle, denn wir frieren und die Eimer sind leer. Greif nur zu sagt die Erde, den Bagger holt her. Im Ofen schĂŒrt Feuer, dann friert ihr nicht mehr.«

Aber auch in Westdeutschland war und ist die Kohle kulturell tief verwurzelt. Borussia Dortmund Fans im Stadion ebenso wie Knabenchöre singen noch heute das Steigerlied und viele Familien berichten voller Stolz von den Angehörigen, die im Stein- oder Braunkohleabbau hart arbeiten, gearbeitet haben oder gar umgekommen sind. Ein Ausstieg aus der Kohle ist dementsprechend nicht nur eine technische Frage und eine klimapolitische Notwendigkeit, sondern erfordert auch ein kulturelles Umdenken.

Die Besetzung im â€șHerriâ€č gegen die A49

Warum beteiligen sich derart viele Menschen an KĂ€mpfen zur Verteidigung der WĂ€lder in Deutschland?

Es sind nicht wissenschaftliche Erkenntnisse ĂŒber den Klimawandel

Der Club of Rome veröffentlichte »Limits to Growth« (»Die Grenzen des Wachstums«) 1972. Seitdem gibt es permanent neue dringliche Aufrufe von Wissenschaftler*innen fĂŒr VerĂ€nderungen.

Es ist nicht das Versagen der Politik

Einige derer, die heute aktiv sind, berichten, dass sie sich den KĂ€mpfen angeschlossen haben, weil die Politik versagt. Zweifellos ist die Tatsache, dass politische BemĂŒhungen, Reformen zu erreichen, gescheitert sind, ein guter Grund, nach effizienteren und erfĂŒllenderen Strategien zu suchen. Aber Politiker*innen sind immer an der Umsetzung ihrer Versprechen gescheitert, das ist nichts Neues. Ist das Versagen der Politik heute offensichtlicher als frĂŒher?

Es ist wohl vielmehr der Diskurs, der sich verÀndert hat und das Scheitern der Politik klar machte.

Wer hat den Diskurs verÀndert?

Diese DiskursverĂ€nderung ist fraglos eine positive – im Gegensatz zu vielen anderen Diskursen wie sich verbreitendem rechten Gedankengut und antisemitischen Tendenzen. Es geht dabei nicht ausschließlich um ein gewachsenes Bewusstseins fĂŒr Klima- und Umweltfragen, sondern auch um die Verbreitung emanzipatorischer Ideen, wie der Idee, dass es effektiv und legitim ist, direkte Aktionen anzuwenden, um Gesellschaft zu verĂ€ndern.

Wer hat den Diskurs verĂ€ndert? Waren es Aktivist*innen, die in Fernseh-Talkshows auftraten? Waren es die BrandanschlĂ€ge auf die Kabel, die die Kohleminen versorgen? »Fridays for Future«? Die Massenproteste von Ende GelĂ€nde in den Kohlegruben? Sabotage an den Schienen zum Kohlekraftwerk? Die NGOs? Lokale Initiativen? Die frĂŒhen Aktivist*innen, die an direkte Aktion glaubten trotz scheinbar unĂŒberwindlicher Hindernisse? All dies zusammen?

Lasst uns das genauer betrachten.

Eine lokale BĂŒrgerinitiative (die BI Bahnhofsviertel) unterstĂŒtzt die Besetzung in Flensburg.

BĂŒrger*innen-Initiativen

Lokale Initiativen direkt betroffener Menschen leisten einen enorm wichtigen Beitrag zum Erfolg großer Bewegungen. Lokale Expertise und kontinuierliche Arbeit ĂŒber Jahre und Jahrzehnte können weder von aktivistischen Gruppen noch von VerbĂ€nden, die auf bundesweite Arbeit ausgerichtet sind, geleistet werden. Und auch fĂŒr die Verwurzelung des Widerstands in den Regionen sind die BIs (BĂŒrger*innnen-Initiativen) unverzichtbar. Sie sind in Phasen von wenig Interesse oft ĂŒber Jahre die Einzigen, die zu Themen arbeiten. Auf ihr Wissen greifen große VerbĂ€nde im Zweifel gerne zurĂŒck (oft leider ohne die Arbeit angemessen wertzuschĂ€tzen) und dennoch werden sie oft vergessen. Denn in Phasen, in denen viel passiert, stehen sie nicht zwingend im Rampenlicht.

So organisieren die Buirer fĂŒr Buir beispielsweise regelmĂ€ĂŸig Rote-Linie-Aktionen und bilden mit roten Transparenten, Fahnen und T-Shirts symbolische rote Linien zwischen dem Tagebau Hambach und dem bedrohten Forst. Sie zeigen Filme und machen Informationsveranstaltungen, beteiligen sich an SternmĂ€rschen und an BĂŒndnissen gegen den Abriss weiterer Dörfer fĂŒr die Kohle. Es mag unscheinbar wirken, aber es bleibt unendlich wertvoll, wenn gerade in schnelllebigen Zeiten Menschen kontinuierlich an einem Thema dranbleiben.

Fridays for Future

Im Dezember 2018, dreieinhalb Monate nachdem Greta Thunberg in Stockholm begonnen hatte zu streiken, gab es in Deutschland die erste Aktion mit Bezug auf ihre Aktion. Nur zwei Monate spÀter organisierten Regionalgruppen in mehr als 150 StÀdten in ganz Deutschland Freitags Schulstreiks. Am 15. MÀrz 2019 nahmen rund 300 000 Menschen an Aktionen in mehr als 200 StÀdten bundesweit teil; diese Zahl wuchs bis zum Sommer sogar noch weiter an, es kam zu Aktionen in mehr als 500 StÀdten.

Ich finde es bemerkenswert, dass sich derart viele SchĂŒler*innen verbindlich und mit einer beeindruckenden Ausdauer organisieren. Ihr großer Verdienst ist es, die Debatte um Klimapolitik ganz deutlich auf die gesellschaftliche Tagesordnung gesetzt zu haben. Angela Merkel reagiert mit einer durchschaubar verlogenen Umarmungsstrategie. »Eine sehr gute Initiative«, sei FFF und sie »unterstĂŒtze sehr, dass SchĂŒlerinnen und SchĂŒler fĂŒr den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafĂŒr kĂ€mpfen.« Und die Proteste hĂ€tten die Bundesregierung »sicherlich zur Beschleunigung getrieben.« Bleibt nur zu hoffen, dass ihr diese Propaganda niemand glaubt.

Fridays for Future.

Die Fridays For Future-Protestse sind heterogen. WĂ€hrend sie sich an manchen Orten offen solidarisch mit der Besetzung im Hambacher Forst zeigen und sich kritisch gegen Appellpolitik positionieren, lassen sie an anderen Orten die jeweiligen OberbĂŒrgermeister*innen auf ihren Demos reden oder setzen sich mit der Politik an runde Tische.

Jakob Blasel, einer der Sprecher des deutschen Ablegers von Fridays For Future, berichtet darĂŒber, wie er es ins BĂŒro von Peter Altmaier geschafft hat. Ihm ist bewusst, dass Altmeier die Einladung an die Demo doch in den Hof des Ministeriums zu kommen ausgesprochen hat, um das Ganze als PR-Veranstaltung zu missbrauchen. Statt also Altmaier die Möglichkeit zu geben zu den Streikenden zu sprechen, war deren Ansage, dass die SchĂŒler*innen Altmaier erklĂ€ren wollten, wofĂŒr sie kĂ€mpfen. Das taten sie in einem ca. halbstĂŒndigen GesprĂ€ch, woraufhin das Sekretariat des Ministers die Erwartungshaltung Ă€ußerte, nun dĂŒrfe Altmaier bestimmt doch auf der Demo reden. Die Streikenden verneinten. Altmaier tauchte dennoch auf der Demo auf und wurde ausgebuht, ĂŒbertönt und weggeschickt, er solle ins Ministerium gehen und dort seine Arbeit machen. Und dennoch landete auch das Bild aus seinem BĂŒro in vielen Medien. Zwar betont Blasel, inhaltlich sei das Vorbringen offenkundig bei Altmaier »nicht angekommen«, nichtsdestotrotz merkt man ihm einen gewissen Stolz an, mit dem Minister geredet zu haben. https://www.youtube.com/embed/nQXA5JVTGzY

Es ist ambivalent: Zwar werden Politiker*innen von FFF oft als Teil des Problems benannt, dennoch richten sich viele Forderungen konkret an sie. Zwar wird ihnen Versagen vorgeworfen, gleichzeitig jedoch mal explizit, mal implizit unterstellt, dieses Versagen sei auf einen Mangel an Informationen zurĂŒckzufĂŒhren. Letzteres halte ich fĂŒr falsches, naives Wunschdenken. WĂ€re zerstörerisches Verhalten stets nur ein Mangel an Information, dann hĂ€tten wir es mit beeindruckend vielen bemitleidenswert uninformierten Menschen in hohen politischen Ämtern zu tun. Die AufklĂ€rung allein wĂŒrde in dem Fall genĂŒgen, die Probleme zu beheben. Folgerichtig, wenn auch aus meiner Sicht falsch, hat FFF die Entscheidung getroffen, eigene Forderungen zu stellen. BegrĂŒndet wurde das mit der Behauptung, die Politik brauche einen klaren Handlungsstrang.

Aber die Entscheider*innen sind nicht uninformiert. Sie entscheiden sich vielmehr, und das mag tatsĂ€chlich fĂŒr viele unfassbar und unvorstellbar sein, bewusst und wissentlich fĂŒr kurzfristige, egoistische Profite. Und das in voller Kenntnis der dramatischen Folgen. Schlicht, weil es sich rechnet, weil es der Karriere zutrĂ€glich ist, kurz: aus reinem Egoismus.

Neben der Vereinnahmung durch externe Akteur*innen ist eine weitere große Gefahr bei den FFF die Befriedung von innen. WĂ€hrend sich zu Beginn auch noch radikalere Forderungen fanden, lese ich Mitte 2019 auf fridaysforfuture.de, ein deutscher Kohleausstieg solle bis 2030 umgesetzt sein. Es ist traurig, wie schnell hier aufgrund vermeintlicher realpolitischer Notwendigkeiten Forderungen aufgeweicht wurden. Wenig ĂŒberraschend, wenn eine der Sprecherinnen parallel bei den GrĂŒnen aktiv ist. Erfreulicherweise ist das allerdings auch intern nicht unumstritten, ihr wird Personenkult und Karrierepolitik vorgeworfen.

Massenproteste: Ende GelÀnde

Was zu Beginn eher ein verbindender Slogan und ein BĂŒndnis verschiedener Gruppen war, wurde schnell zum Markennamen fĂŒr einen Zusammenschluss von Initiativen und Personen, der eine ganz bestimmte Art von Massenaktionen auf die Beine zu stellen in der Lage ist: Ende GelĂ€nde. Das Bild ist zweifelsohne beeindruckend: Tausende von Menschen betreten, mit Staubmasken und weißen MaleranzĂŒgen bekleidet, die riesigen Tagebaugruben und blockieren die Bagger. Ihre Anwesenheit legt den Betrieb lahm, macht es unmöglich weiter abzubaggern. Gleichzeitig blockieren andernorts ebenso viele Menschen die Schienen, auf denen an sonstigen Tagen die Kohle aus der Grube ins Kraftwerk transportiert wird. Weil das Kraftwerk nicht genĂŒgend VorrĂ€te hat, muss es seine Leistung drosseln.

Ende GelÀnde.

Seit 2015 organisiert Ende GelÀnde Massenaktionen, meist im rheinischen Braunkohlerevier. Bereits im ersten Jahr beteiligten sich rund tausend Aktivist*innen und im Sommer 2019 waren es nach eigenen Angaben sogar sechstausend Menschen, die sich an den Blockaden und Blockadeversuchen beteiligten.

Ende GelĂ€nde ist eine Mitmachaktion. Ein Konzept, was es explizit auch Menschen mit wenig oder keiner Aktionserfahrung ermöglicht, mitzumachen. Schon Tage vorher organisieren sich Menschen in Bezugsgruppen, um in der Aktion aufeinander aufpassen zu können und fĂŒreinander da zu sein. Sie simulieren das Durchbrechen von Polizeiketten und ĂŒben das AusspĂŒlen von Pfefferspray aus den Augen. Sie packen StrohsĂ€cke als Sitzunterlagen fĂŒr harte Schienen. Wenn sie losziehen entsteht eine unvergleichliche AtmosphĂ€re, eine Dynamik voller Erwartungen, Entschlossenheit, Angst oder zumindest Respekt und lauten Sprachchören. Viele Menschen und Gruppen aus anderen LĂ€ndern sind dabei, es werden Erfahrungen ausgetauscht und Debatten gefĂŒhrt.

In Vorbereitung auf die Aktionen entwickelt Ende GelĂ€nde einen â€șAktionskonsensâ€č, der den beabsichtigten Rahmen der Aktionen beschreibt. Typischwerweise beinhaltet dieser ein Bekenntnis zu offen angekĂŒndigten Massenaktionen und eine Beschreibung des vorschriftsmĂ€ĂŸigen Verhaltens.

2019 enthielt der Aktionskonsens folgendes:

»Wir werden uns ruhig und besonnen verhalten; wir gefĂ€hrden keine Menschen. Wir werden mit unseren Körpern blockieren und besetzen; es ist nicht das Ziel, Infrastruktur zu zerstören oder zu beschĂ€digen. Wir werden uns nicht von baulichen Hindernissen aufhalten lassen. Absperrungen von Polizei oder Werkschutz werden wir durch- oder umfließen. Unsere Aktion wird ein Bild der Vielfalt, KreativitĂ€t und Offenheit vermitteln. Unsere Aktion richtet sich nicht gegen die Arbeiter*innen von RWE, die von RWE beauftragten Firmen oder die Polizei. Die Sicherheit der teilnehmenden Aktivist*innen, der Arbeiter*innen und aller Beteiligten hat fĂŒr uns oberste PrioritĂ€t. Wir bereiten uns gut auf einen sicheren Weg zu unseren Aktionsorten vor.«

Erfreulich deutlich wird von Ende GelĂ€nde das bestehende Wirtschaftssystem kritisiert, so heißt es online, »Ohne eine Abkehr vom fossilen Kapitalismus ist weder eine ernstzunehmende BekĂ€mpfung der Klimakrise noch globale soziale Gerechtigkeit möglich. Ein tiefgreifender, sozial-ökologischer Wandel ist nötig um ein gutes Leben fĂŒr alle zu erreichen.«

Ende GelĂ€nde arbeitet an der Verschiebung des gesamtgesellschaftlichen Diskurses, also dessen, was sag- und denkbar ist. Genau darin liegt der große Verdienst.

Und dennoch bin ich nach den Aktionswochenenden nicht nur ĂŒberwĂ€ltigt von den vielen Menschen, die bereit sind, persönliche Risiken auf sich zu nehmen, sondern stelle mir Fragen. Ich frage mich, ob das fließbandmĂ€ĂŸige Aktionsangebot dazu fĂŒhrt, dass Menschen hier einfach blind ein Angebot konsumieren, ohne sich als gestaltenden Teil der Aktion zu begreifen. Ich frage mich, inwieweit der Aktionsrahmen tatsĂ€chlich als ein ausgehandelter Konsens der Beteiligten verstanden oder als unumstĂ¶ĂŸliches Gesetz wahrgenommen wird.

Ende GelÀnde.

Bewegung ist meiner Überzeugung nach nicht dann besonders schlagkrĂ€ftig, wenn sie immer wieder fast folkloristisch das Gleiche tut, sondern unkalkulierbar und unkontrollierbar ist. Diesen Grundgedanken vermisse ich bei Ende GelĂ€nde. Zwar kann ich nachvollziehen, dass neuen Aktiven mit dem Rahmenkonzept eine gewisse Sicherheit vermittelt und angeboten werden kann und soll, aber ritualisierte und berechenbare Happenings werden sich nach innen wie nach außen politisch irgendwann totlaufen und werden bedeutungslos.

In einem Auswertungspapier schreibt das Hamburger Anti-Atom-BĂŒro ĂŒber Ende GelĂ€nde:

»Es ist fĂŒr eine Bewegung ĂŒberlebens-notwendig, sich selbst und die eigenen Ziele ernst zu nehmen. Das Ziel, durch eine direkte Intervention den Betrieb von Kohlekraftwerken anzugehen, erschöpft sich eben nicht in der medialen Vermittlung von Bildern dieses Vorhabens, sondern muss auch den praktischen Versuch umfassen, es umzusetzen.«

»Wir meinen es ernst mit der Stilllegung der Kohleverstromung«, wurde in den Momenten ganz konkret, als nicht einfach an einem vorbestimmten Ort â€șEnde im GelĂ€ndeâ€č war, sondern die Menschen in der Aktion diese in die Hand nahmen, sich von den Strukturen der Kampagne lösten und eigenstĂ€ndig â€șaus dem Ruderâ€č gelaufen sind. An dieser Stelle wird die Kraft der Bewegung unmittelbar sichtbar. Indem sich die Leute in ihrem Ziel, das Kraftwerk stillzulegen, selber ernst nahmen, waren sie in der Lage, genau dorthin zu gehen, wo es den Betreibern wirklich weh tat und wofĂŒr es von der Kampagne keine PlĂ€ne geben konnte. Das durch diese Entschlossenheit ausgelöste Wutgeheul von Polizei, Betreibern und Politik zeigt deutlich, dass wir nach zwei Tagen der Umarmung endlich den Druckpunkt gefunden hatten, an dem es dem politischen GegenĂŒber weh tat.

»Segen und Fluch der Bewegungs-kampagnen ist es, wachsen zu können, aber auch zu mĂŒssen. Jedes Kampagnenereignis muss das vorhergehende ĂŒbertreffen, um weiterhin die Hoffnung vermitteln zu können, im Moment der wichtigste Interventionsort der Bewegung zu sein. Das ist sehr bedauerlich, aber anscheinend nicht ad hoc zu Ă€ndern. Auf lange Sicht hilft da nur, kontinuierlich soziale Orte des Widerstandes aufzubauen, und sich selbst ein Kampagnenhopping zu versagen. Nur so kann es gelingen nach dem Abbruch eines Bewegungszyklus den Widerstand zu reorganisieren und nachhaltig wirken zu lassen, wie es im Wendland gelungen ist.« 1

»Was, wenn ein wesentlicher Teil der Bevölkerung die StĂŒrmung eines Braunkohlekraftwerks immer noch skandalöser findet als dessen schiere Existenz?« fragt die Zeitschrift Arranca in Ausgabe #53. Sie fassen zusammen, dass Ende-GelĂ€nde-Proteste »fĂŒr die einen ein Ausdruck von Massenmilitanz und fĂŒr die anderen eine friedliche ungehorsame Massenaktion« seien. »Die Aktionsform passt zu vielfĂ€ltigen subjektiven BewusstseinszustĂ€nden – und erweitert diese, ohne die Frage der Militanz zur Gretchenfrage zu erklĂ€ren.«.

Foto einer Aktion, bei der deutschlandweit Autobahnen blockiert wurden

Sabotage

Militante Aktivist*innen kommunizieren ihre Analysen und Techniken oft durch Bekenner*innenschreiben. Nicht zuletzt weil sie wegen des hohen Repressiosnrisikos versuchen anonym zu bleiben, streben sie an, sich in den Medien durch die Aktionen selbst sowie geschriebene Statements auszudrĂŒcken. Zahlreiche, teils sehr emotionale Debatten, die militanten AnschlĂ€gen folgen, zeigen, dass die Aktionen neben einen unleugbaren Eingriff in den Normalbetrieb der Braunkohlegruben auch eins können: Kontroverse beflĂŒgeln.

Am 13. April 2016 schreibt die Aachener Zeitung ĂŒber einen Sabotage-Akt auf einen Strommasten, der die Leitungen trĂ€gt, die den Tagebau Inden versorgen. Ein Winkelschleifer sei benutzt worden, um den Mast direkt oberhalb des Fundaments anzusĂ€gen.

AuszĂŒge aus dem Bekenner*innenschreiben, erschienen auf linksunten.indymedia:

»Ich habe heute nacht, vom 11.04.16 auf den 12.04.16, versucht dem tagebau Inden die lichter auszuknipsen. Um meiner wut ueber den fortschtreitenden braunkohleabbau und die repression gegen die menschen die sich dagegen einsetzen ausdruck zu verleihen habe ich einen strommast zwischen fronhoven und dem Kraftwerk weisweiler angefangen zu faellen. Dieser mast traegt die leitungen die den tagebau mit strom versorgen und so ein arbeiten erst moeglich machen. Auch wenn der mast zur zeit noch steht ist er doch so weit beschaedigt, dass RWE ihn jetzt voraussichtlich selber umlegen muss. Ich war mir der risiken fuer mich bewusst, halte es aber fuer noetig zu drastischen mitteln zu greifen im kampf fuer eine bessere welt. (
)
Um das zu erreichen sollten wir aufhoeren in kategorien von gutem und schlechtem widerstand zu denken und solidarisch miteinander sein. Der castorwiderstand konnte nur so erfolgreich sein, weil militante und friedliche aktionen sich ergaenzt haben. Wechsle den Stromanbieter! Besetzt Haeuser, Bueros und Bagger! Blockiert Zufahrten und Arbeitsablaeufe! Faellt Strommasten anstatt Baeume! Was ich mich getraut habe zu versuchen, kannst du schon lange!«

Ein ausgebranntes RWE Fahrzeug im Rheinland.

Nur wenige Tage spĂ€ter, am 25.April 2016, traf ein weiterer Sabotage-Akt den Tagebau Hambach. Die Aachener Zeitung schreibt, es handle sich um einen in dieser Form bisher einmaligen Sabotage-Akt. Ein Feuer unter einer KabelbrĂŒcke habe zu einem Kurzschluss gefĂŒhrt und so zeitweise den kompletten Tagebau, inklusive des Hauptkohlebaggers, lahmgelegt.

Wieder gibt es ein Bekenner*innenschreiben:

»Wir melden uns als diejenigen zu Wort, die den Ausfall der Braunkohlegrube Hambach am vergangenen Sonntagmorgen, dem 24. April 2016 herbeigefĂŒhrt haben. Als Ziel unseres Angriffs wĂ€hlten wir die frei liegenden Erdleitungen zwischen Kohlebunker und BĂ€ndersammelpunkt. An diesen Kabeln sind sĂ€mtliche Bagger, Absetzer und FörderbĂ€nder angeschlossen. Die Kabel verlaufen vom Umspannwerk am westlichen Grubenrand bei Oberzier, in dem von 280kV auf 30kV transformiert wird, zum BĂ€ndersammelpunkt ĂŒber StahlgerĂŒste in einer Höhe von etwa 20 – 200cm. Einschließlich der Isolierung waren sie etwa 10cm dick. Um eine gesicherte Wirkung auf möglichst viele Kabel zu erzielen haben wir eine enorme Menge Benzin unter den Kabeln platziert und entzĂŒndet. In der NĂ€he der Brandstelle befanden sich weder GebĂ€ude noch GerĂ€te, auf die das Feuer hĂ€tte ĂŒberspringen können. Dort hielten sich auch keine Menschen auf. Die verschiedenen Blackouts waren begleitet von hellen, durch die gesamte Grube sichtbare Blitzen. Diese rĂŒhrten von den Entladungen der Stromkabel, sobald deren Isolierung durch geschmolzen war. Unsere Aktion richtet sich nicht nur gegen RWE, sondern auch gegen die herrschenden VerhĂ€ltnisse. In einer Welt, in der Kapitalinteressen im Vordergrund stehen und der Machtapparat seine kurzsichtigen Interessen rĂŒcksichtslos gegen jede Vernunft sowie gegen Mensch und Natur durchsetzt, ist ein radikaler Widerstand von Nöten. Wir wollen diesem System ein klares â€șNEINâ€č entgegenstellen, als ersten Schritt um diese MachtverhĂ€ltnisse irgendwann zu kippen.(
)

Der Versuch zwischen RWE und dem Braunkohlewiderstand zu schlichten legt die MachtverhĂ€ltnisse offen. Schlichten heißt den Widerstand aufzufordern weniger radikal, weniger â€șgemeinâ€č zu RWE zu sein oder auch anders gesagt: â€șder Widerstand darf nicht störenâ€č und akzeptiert dabei die Existenz von RWE und sein Zerstörungswerk als gegeben. Das heißt die autoritĂ€r durch Herrschaft legitimierte Gewalt, die im Abbau und der Verstromung der Kohle liegt, wird akzeptiert, die rebellische Gewalt, die sich dagegen wehrt, erscheint illegitim. Das Ergebnis kann nur eine wie auch immer geartete Bestandsgarantie fĂŒr RWE sein, die nun auch noch den Segen eines Teils des Widerstandes hat. Des Teils, der sich in das Schlichtungsverfahren hat einbeziehen lassen. Der Widerstand wird in den ausgeschalteten und eingebundenen und den ĂŒbriggebliebenen und isolierten illegitimen Teil gespalten. Wenn Leute behaupten, eine solche Aktion wĂŒrde dem Widerstand schaden, so spricht daraus die RĂŒcksichtnahme auf die Macht der Herrschenden, den Widerstand in gut und böse zu spalten. Böse ist das, was weh tut, wirklich stört und effektiv ist.

Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt: â€șBrandstiftung, Gewalt gegen Menschen, Baggerbesetzungen und sinnlose Zerstörungswut gegen technische Einrichtungen mit dem Ziel, Tagebaue und Kraftwerke lahmzulegen – die Heftigkeit der kriminellen Handlungen nimmt zu.â€č Dabei sind Besetzungen, Brandstiftungen und Blockaden nicht sinnlos, sondern halten die Zerstörungswut von RWE sehr prĂ€zise auf. Was dem Widerstand schadet, ist der Gehorsam vor der Macht und ihren Medien, die versuchen uns zu erzĂ€hlen was gut und böse ist. Wir sollten auf unser Gewissen und unsere Vernunft hören, nicht auf die Medien. Wir haben mit unserer Aktion den Beweis geliefert, das kluge und sorgfĂ€ltige Militanz, bei moderater und vertretbarer EigengefĂ€hrdung, den RWE-Normalbetrieb beenden kann. Unsere Aktion hĂ€tte von jeder beliebigen Kleingruppe gemacht werden können. Es waren dafĂŒr keine besonderen FĂ€higkeiten, Kenntnissen oder ZugĂ€nge nötig. Alle notwendigen Informationen sind öffentlich verfĂŒgbar.

FĂŒr einen radikalen, entschiedenen und direkten Widerstand! FĂŒr eine Welt, die nicht fĂŒr Kapitalinteressen zerstört wird!«

Laut indymedia fand letztere Tat ein Jahr spÀter Nachahmende:

»Am 24.12.2017 haben wir die Kabel, die den Tagebau Hambach mit Strom versorgen angezĂŒndet. So wurde zumindest ein Teil der riesigen Maschinen dort stillgelegt. Die Kabel haben sich in diesem Fall an dem Aussichtspunkt auf den Tagebau (der nach Terra Nova) befunden. Stop Coal now! An RWE: Merry Crisis and a happy new fear!«

Auf der Homepage der Besetzung des Hambacher Forstes kommt es zu Debatten:

»Legitim? Ich bin der Ansicht, dass die Mittel möglichst angemessen gewĂ€hlt werden sollten. Warum in einem Konflikt jemanden schlagen, wenn es ein GesprĂ€ch getan hĂ€tte? Warum eine*n Angreifer*in umbringen, wenn sie*er mit einem Schlag außer Gefecht zu setzen wĂ€re? Ich kann nicht vorher bestimmen, was fĂŒr einen Effekt die Sabotageakte fĂŒr den Widerstand haben werden. Auch die Saboteur*innen konnten das sicherlich nicht. Aber sie haben den Mut gehabt, es auszuprobieren, und dafĂŒr bin ich dankbar. Denn um die Tagebaue zu stoppen wurden vor langer Zeit GesprĂ€che versucht. Ohne Erfolg. Der Rechtsweg wurde begangen. Ohne Erfolg. AufklĂ€rung, Demonstrationen, Lichterketten, Menschenketten. Ohne dass sie alleine die Zerstörung aufhalten konnten. Ziviler Ungehorsam, Besetzungen, Blockaden. Vielleicht bewegt sich ein bisschen. Doch der Klimawandel und seine verheerenden Folgen gehen weiter voran. Es ist nicht einmal ein RĂŒckgang der Emissionen zu verbuchen.

Außerdem wird der Preis fĂŒr Menschen, die Zivilen Ungehorsam leisten, in die Höhe getrieben. Zivilklagen und Schadensersatzforderungen sollen Aktivist*innen zum Stillhalten bewegen, indem sie mit finanziellem Ruin oder GefĂ€ngnis drohen. Wer sich dem entzieht, indem sie*er sich anonym hĂ€lt, der Polizei die Angabe der Personalien und der FingerabdrĂŒcke verweigert, wird auf der Wache misshandelt, oder in der NĂ€he der Besetzungen willkĂŒrlich aufgegriffen und ĂŒber Stunden eingesperrt. Die logische Konsequenz sind Aktionen, die den Betrieb stören oder lahmlegen und bei denen die Akteure nicht in die HĂ€nde der Polizei und der Securities fallen.«

Debatten um Militanz gab es auch auf dem Klimacamp 2016. Hier Ausschnitte aus einer auf den Klos ausgehÀngten Klimacampzeitung:

»Aktionen die auf eine MilitanzĂ€sthetik von Feuer und zerstörten Polizeiautos verzichteten könnten laut Aktionsrahmen â€șgenauso effektiv in ihrer Blockadewirkung seinâ€č. Es wirkt in dieser Formulierung, als sei â€șEffektivitĂ€tâ€č per se das sinnvollste Beurteilungskriterium fĂŒr Aktionen. Das sehen wir nicht so, sondern wĂŒrden fĂŒr eine AbwĂ€gung plĂ€dieren (Risiko, EffektivitĂ€t, Vermittelbarkeit, AnschlussfĂ€higkeit etc.). Wenn EffektivitĂ€t aber schon herangezogen wird, so halten wir obige Behauptung fĂŒr schlicht falsch angesichts der BetriebsausfĂ€lle und SchĂ€den, die in den letzten Monaten beispielsweise durch BrandanschlĂ€ge verursacht wurden (u.a. ein mehrtĂ€giger mindestens Teil-Stillstand eines Tagebaus). SelbstverstĂ€ndlich folgt daraus nicht, dass offene Blockaden nicht hochgradig sinnvoll wĂ€ren. Allein an ihrer blockierenden Effizienz gemessen, sind sie jedoch wirkungsĂ€rmer, dafĂŒr allerdings auf anderen Ebenen wie AnschlussfĂ€higkeit, Sympathie in der Öffentlichkeit etc. deutlich stĂ€rker.«

Block VW in Wolfsburg: »Gegen Volk und gegen Wagen«

Bundesweite Bekanntheit erhielten die Besetzer*innen im Sommer und Herbst 2018, aber Besetzungen in diesem Wald gibt es bereits seit April 2012. Damals konnten Aktivist*innen dort sehr einfach hin- und wegtrampen, weil die Besetzung in direkter NĂ€he zur Autobahnabfahrt war. Heute verlĂ€uft die Autobahn von Köln nach Aachen weiter sĂŒdlich, sie wurde wegen des Tagebaus auf einer Strecke von mehreren Kilometern verlegt.

Im November 2012 kam es im besetzten Wald zur ersten großen RĂ€umungsaktion der Polizei. Es dauerte vier Tage einen der Besetzer aus einem unterirdischen Tunnel herauszubekommen. Mit erfreulicher SelbstverstĂ€ndlichkeit folgte kurz darauf der Aufruf zur Wiederbesetzung und so entstanden ab September 2013 neue HĂŒtten, Barrikaden und BaumhĂ€user. Im Laufe der folgenden Jahre wurden daraus mehrere Dörfer im Wald. An den Wegen durch die verbliebenen Teile des Waldes stehen an manchen Kreuzungen Wegweiser. Nach Oaktown oder Beechtown werde ich gewiesen, die Richtung nach Lorien wird mir angezeigt oder der Weg zurĂŒck zur Wiese. Mordor steht auf dem Pfeil, der in die Mondlandschaft von Tagebauvorfeld und Tagebau zeigt.

WĂŒrden wir im Hambacher Wald nach Ende GelĂ€nde fragen, bekĂ€men wir möglicherweise die Antwort, Ende GelĂ€nde tauche nur einmal im Jahr auf, lenke enormes mediales Interesse auf das Thema Kohleabbau, ließe die Aktivist*innen jedoch im Winter alleine. Wir wĂŒrden vielleicht auch erzĂ€hlt bekommen, dass Leute, die an Ende GelĂ€nde Aktionen teilnehmen, nicht lernen, wie Kleingruppenaktionen funktionieren, weil sie nur die Erfahrung machen, wenigen AnfĂŒhrer*innen hinterher zu laufen, um Infrastruktur zu blockieren.

Das ist definitiv eine Seite der Medaille. Aber manche der Teilnehmenden der Massenproteste fĂŒhlen sich nicht wohl dabei, nur PlĂ€ne zu konsumieren, die einige wenige FunktionĂ€r*innen hinter verschlossenen TĂŒren entwickelt haben. Dank Gruppen wie â€șZucker im Tankâ€č, die Workshops auf Ende GelĂ€nde Camps angeboten haben, konnten Verbindungen geknĂŒpft werden zwischen Ende GelĂ€nde und selbstorganisierten Bezugsgruppen. Die â€șAnti-Kohle-Kidsâ€č – die in Anspielung auf die frĂŒhere CDU Chefin und heutige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer den Slogan benutzen »AKK wieder positiv besetzen« – knĂŒpfen ebensolche Verbindungen zwischen Fridays For Future und Ende GelĂ€nde. Und nicht zuletzt brachten die gefĂŒhrten SpaziergĂ€nge durch den Hambi von WaldfĂŒhrer Michael Zobel tausende von Besucher*innen zu den Baumbesetzer*innen. WĂ€hrend Michael Zobel in einem Satz die Einzigartigkeit des Waldes aufzeigt, erklĂ€rt er im nĂ€chsten die Funktion der BaumhĂ€user.

SelbstverstĂ€ndlich finden wir in all diesen Gruppen jedoch ebenso auch Menschen, die an staatliche Lösungen glauben. Eine der Sprecherinnen der Fridays For Future ist bei der GrĂŒnen Jugend aktiv; eine frĂŒhere Sprecherin von Ende GelĂ€nde kandidiert fĂŒr den Bundestag. Einige dieser Menschen dĂŒrften schlicht egoistisch auf der Suche nach Chancen fĂŒr ihre persönliche Karriere sein; andere sind wahrscheinlich naiv.

Innenansicht des Baumhauses RĂždgrĂžd in Flensburg

Aber es geht der Waldbesetzungsbewegung um mehr als den Versuch, Einfluss zu nehmen auf die Entscheidungen, die Politiker*innen in den Hallen der Macht treffen. Wir erleben und spĂŒren in jeder Facette unseres Lebens in dieser kapitalistischen RealitĂ€t den Zwang zur Selbstoptimierung, dies erhöht die AttraktivitĂ€t von Orten an denen wir eine ganz andere Art zu sein ausprobieren können. Orte an denen es nicht von Bedeutung ist, ob wir einen akademischen Abschluss haben und wo wir geboren sind. Orte an denen wir neue Formen der Entscheidungsfindung entwickeln können. Orte an denen wir teilen statt unablĂ€ssig zu konkurrieren. An denen wir es wagen als kinky Queers zu leben, wo wir ausprobieren straight-edge zu sein, wo wir wunderbare Menschen treffen und an fordernden Debatten teilnehmen. Orte an denen wir wenigstens anfangen können, von einer besseren Zukunft zu trĂ€umen. Orte an denen Menschen eine unbequeme und ehrliche Antwort auf die Frage »Wie geht‘s dir?« aushalten.

Und obwohl die Erfahrungen, Teil der Besetzungbewegung zu sein, meist verknĂŒpft sind mit Erfahrungen intensiver Polizeigewalt, so ist es doch unmöglich die Erinnerungen an die wunderschönen Momente auszuradieren. Diese Erinnerungen sind Samen, die sich verbreiten. Einige werden niemals keimen, aber andere werden bald FrĂŒchte tragen und wieder andere vielleicht auch irgendwann noch aufgehen.

1980, als Anti-Atom-Aktivist*innen die Besetzung namens »Freie Republik Wendland« ausriefen, hÀngten sie ein Transparent auf: »Turm und Dorf könnt ihr zerstören, aber nicht die Kraft, die es schuf«

Ende GelÀnde.

Lasst uns zum Schluss noch einige der strategischen Entscheidungen herausarbeiten, die die Bewegung gestÀrkt haben.

Die Polizei zur RĂ€umung nötigen: Wenn nur wenige von euch auf einer Besetzung sind und ihr sie nicht mehr lange aufrecht erhalten könntet, kann es eine Überlegung wert sein, eine RĂ€umung zu provozieren, da Aufgeben sich nach einer grĂ¶ĂŸeren Niederlage anfĂŒhlen wĂŒrde, als gerĂ€umt zu werden. In der Vergangenheit hat das Ausdehnen von Baumbesetzungen auf die Baustellen selbst diesen Zweck erfĂŒllt.

Die Selbstbezeichnung â€șgewaltfreiâ€č verweigern: Obwohl Ende GelĂ€nde sich darauf konzentriert, niedrigschwellige Blockaden von Kohleinfrastruktur anzubieten, wurde dennoch der Begriff â€șgewaltfreiâ€č bewusst nie benutzt. Stattdessen beschrieben sie ihre PlĂ€ne als eine Einladung an jene, die sich wohlfĂŒhlen mit einem bestimmten Ansatz. Dieser Kompromiss zwischen den verschiedenen involvierten Gruppen im Netzwerk ermöglichte die Zusammenarbeit sehr unterschiedlicher Akteur*innen.

Die Reduktion auf wenige Forderungen verweigern: Auf der Internetseite der Hambibesetzung sind die meisten Artikel explizit als Meinung einiger Teilnehmender markiert; manchmal kommt es online zu Diskussionen zwischen verschiedenen Schreibenden. ZusÀtzlich haben viele der Barrios (die verschiedenen Dörfer innerhalb der Besetzung) und manchmal sogar einzelne BaumhÀuser eigene social media KanÀle. So etwas wie eine Zentrale der Bewegung gibt es nicht.

GegenĂŒber Cops und Gerichten die Angabe der IdentitĂ€t verweigern. ZunĂ€chst im Rahmen von Ende GelĂ€nde Protesten und rund um den Hambi zum Schutz teilnehmender internationaler Aktivist*innen eingesetzt, ist diese Strategie zweischneidig. Wer die Angabe der eigenen IdentitĂ€t verweigert riskiert Untersuchungshaft und geht ein höheres Risiko ein, dass FingerabdrĂŒcke genommen werden. Gleichzeitig hat diese Strategie den Staat erfolgreich von zahlreichen Verfahren gegen Aktivist*innen abgehalten. Es wĂ€re selbstverstĂ€ndlich jederzeit möglich, dass die Polizei hunderte von Aktivist*innen lĂ€nger einsperrt, aber ohne die Option auf massenhafte IdentitĂ€tsverweigerung hĂ€tten viele sich nicht an den Massenprotesten beteiligt; sie gingen die Risiken bewusst ein.

Nach mehreren Jahren des Experimentierens mit der Verweigerung der Personalienangabe werden einige der Langzeiteffekte sichtbarer: Diejenigen, die von der Polizei erkannt wurden stehen manchmal allein vor Gericht, weil die anderen Menschen aus der frĂŒheren Bezugsgruppe Angst haben, kontrolliert und doch noch auch verfolgt zu werden. Menschen leben in Angst, andernorts erkannt zu werden. Kommunikation zwischen Aktivist*innen und Gruppen wird komplizierter, da Menschen ihre Namen oft wechseln. Das macht es schwieriger, langfristige Beziehungen und Kooperationen aufzubauen.

Aus den WĂ€ldern zu den Fabriken: 2018 und 2019 wurde das Thema Verkehr innerhalb der Bewegung diskutiert; einige setzten den Fokus dabei auf Automobilausstellungen als potentielles Aktionsziel wĂ€hrend andere die Notwendigkeit beschrieben, dorthin zu gehen, wo es am meisten weh tĂ€te: an die ProduktionsstĂ€tten. Eines der Resultate dieser Debatten war eine große Blockade des VW-Werks in Wolfsburg 2019.

Manchmal ist es ein wichtiger Schritt, eine Besetzung zu verlassen, um strategisch ĂŒber einen Kampf nachzudenken. Wer in das tĂ€gliche Leben einer Besetzung eingebunden ist – permanent beschĂ€ftigt damit, Essen und Trinkwasser und neue Baumaterialien zu besorgen und einen Umgang mit Behörden etc zu finden – fĂŒr den*die kann es schwierig sein, einen Schritt zurĂŒckzutreten und ĂŒber die großen Fragen nachzudenken. Manchmal ist das beste, was du tun kannst, ein paar Tage oder Wochen Auszeit zu nehmen, um die Tendenz zu vermeiden, den Wald vor lauter BĂ€umen nicht mehr zu sehen.

Bedenkt: Die Anzahl an Strukturen und Barrikaden entspricht nicht zwingend der medialen Aufmerksamkeit (wenn das euer Ziel ist) oder der â€șQualitĂ€tâ€č eines Kampfes. Die RĂ€umung im Hambi 2018 rief mehr Medieninteresse hervor als die RĂ€umung im Danni 2020. Manchmal ist das Bauen weiterer BaumhĂ€user nur eine Form von Selbstbetrug: Was scheint, als könne es die Besetzung grĂ¶ĂŸer machen, könnte darin enden zu einem ineffektiven Ritual zu werden, wenn es uns nicht gelingt, die Dinger weiter voran zu treiben.

Die Besetzung in Flensburg.

Im Vorfeld die Wiederbesetzung ankĂŒndigen: Vor der RĂ€umung der Besetzung im Hambi im Herbst 2014 hatten Aktivist*innen bereits angekĂŒndigt, den Wald erneut zu besetzen; einen Monat nach der RĂ€umung, wurde dies in die Tat umgesetzt. Selbst wenn ihr persönlich euch wegen Erschöpfung nicht sicher seid, ob ihr euch an einer Wiederbesetzung beteiligen könntet, so ist die AnkĂŒndigung einer Wiederbesetzung als einzig mögliche Antwort aus eine RĂ€umung ein sehr starkes Statement. Es lĂ€dt Menschen ein mitzumachen, die bisher nicht involviert waren und gibt der Bewegung eine Chance, sich zu erneuern.

Internetzugang: Wenn pandemiebedingt Menschen nicht zur Schule oder zur Uni gehen können oder ihr Job ins Homeoffice verlegt wurde, dann kann letzteres auch ein Baumhaus sein. Im Dannenröder Wald waren viele SchĂŒler*innen und Studierende dankbar fĂŒr zuverlĂ€ssige schnelle Internetverbindungen in direkter NĂ€he zur Besetzung bzw zum Teil sogar in den BaumhĂ€usern.

Skillshare: Im Hambi finden jĂ€hrliche Veranstaltungen zum skillsharing statt, um Wissen zwischen denen die es bereits haben und den zukĂŒnftig waldverteidigenden Bewohner*innen auszutauschen. Der Austausch von Wissen in Zeiten in denen eine Bewegung noch klein ist ermöglicht es, die Herausforderungen zu stemmen, die auftauchen, wenn eine Bewegung schnell anwĂ€chst und alle mit anderen Dingen beschĂ€ftigt sind.

Gemeinsame Referenzpunkte: Im gleichen besetzten Wald gewesen zu sein ist ein Bezugspunkt, der Menschen verbindet. Obwohl die erste Besetzung im Hambi 2012 nicht besonders viel gemeinsam hat mit der Besetzung dort 2014, 2018 oder heute, so fĂŒhlen wir uns doch sofort verbunden mit Menschen, wenn wir die Erfahrung teilen, im Hambi gewesen zu sein. Es ist vergleichbar mit Besuchen in der ZAD oder in Christiania in Kopenhagen; der Hambi ist zu einer Art Legende geworden. Das war nur möglich, weil der Wald mal so groß war, dass sobald die besetzten Teile gerĂ€umt wurden, andere Teile des gleichen Waldes neu besetzt werden konnten.

Infrastruktur: Offene (und grundsĂ€tzlich â€șlegaleâ€č) ProjekthĂ€user in der NĂ€he von Besetzungen eröffnen Menschen die Möglichkeit eines warmen, trockenen Schlafplatzes wenn sie das brauchen, sie bieten eine Postadresse, um Briefe zu erhalten, einen Ort, um Trinkwasser aufzufĂŒllen und zu duschen. Diese Orte können als BĂŒros mit Internet und vielleicht einem Drucker oder Kopierer fungieren. Selbstorganisierte offene Projekte können Platz bieten zum Malen von Transparenten, zum Bauen von Ankettvorrichtungen, oder schlicht zum Entspannen ohne die stĂ€ndige Angst, verprĂŒgelt und gerĂ€umt zu werden. Und das ohne abhĂ€ngig zu sein von bĂŒrgerlicheren UnterstĂŒtzungsstrukturen, die möglicherweise nicht alle unterschiedlichen Arten von Aktionen die Vorbereitung brauchen unterstĂŒtzen wollen wĂŒrden.

Als die erste Besetzung im Hambi startete, kauften Aktivist*innen in der NĂ€he ein Haus. Sie eröffneten dort die WAA (Werkstatt fĂŒr Aktionen und Alternativen) – explizit, um die KĂ€mpfe gegen den Kohleabbau zu unterstĂŒtzen.

Eine Barrikade im Hambi.

Ein einfacher Grund, BĂ€ume zu besetzen statt politischen Parteien oder altmodischen NGOs beizutreten ist die Möglichkeit zu gewinnen. Erfolg ist immer relativ: Wir können einen Baum retten, wĂ€hrend hunderte gefĂ€llt werden. Aber dennoch – in diesen Zeiten, ist die Rettung eines Baumes, ein Grund stolz zu sein. Es ist schlicht das Richtige in einer Gesellschaft, die so zerstörerisch ist wie unsere. Es ist eine kleine Demonstration von Respekt gegenĂŒber der Natur – und dadurch von Respekt und selbst gegenĂŒber.

  1. Eine Gegend in Deutschland, die bekannt ist fĂŒr ihren jahrzehntelangen Kampf gegen die Atomindustrie. Eines der bekanntesten HĂŒttendörfer, bekannt als »Freie Republik Wendland« wurde dort 1980 errichtet – und dann gerĂ€umt. Zwischen 1995 und 2011 markierten die Castor-Transporte (Transporte hochradioaktiver AbfĂ€lle) ins wendlĂ€ndische Gorleben den Höhepunkt der damaligen Anti-Atom-Bewegung. Dort kamen von lokalen BĂ€uer*innen ĂŒber militante Autonome bis zu bĂŒrgerlichen Protestierenden alle zusammen. Eines der Hauptziele (die unbefristete Einlagerung hochradioaktiver AbfĂ€lle in den Salzstock Gorleben) wurde schließlich im September 2020 erreicht.
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Quelle: Schwarzerpfeil.de