Januar 20, 2021
Von FAU Flensburg
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Infektionsherd Wie steht es in Zeiten der Pandemie um den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz? Neue Daten lassen klare RĂŒckschlĂŒsse zu.

WĂ€hrend im Zweiwochentakt neue EinschrĂ€nkungen fĂŒr den privaten Bereich beschlossen werden, blieb es in der Arbeitswelt lange bei Appellen an die Unternehmen, mehr Angestellten das Arbeiten von Zuhause aus zu gestatten. Gewerkschaften fordern seit Beginn der Pandemie ein Recht auf Homeoffice. Als im Herbst die Infektionszahlen erneut nach oben schossen, griff Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die Forderung auf, scheiterte aber am Widerstand aus CDU und WirtschaftsverbĂ€nden. Es brauchte zwei weitere Monate steigender Fallzahlen, bis nun zumindest eine Homeoffice-Pflicht light greifen soll.

„GefĂŒhlt“ befand sich bis vor Kurzem das halbe Land im Homeoffice. Dieses Selbstbild brach in sich zusammen, als das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung Ende Dezember aktuelle Daten aus einer reprĂ€sentativen Umfrage unter mehr als 6.000 BeschĂ€ftigten vorlegte. Danach lag die Homeoffice-Quote im November bei 14 Prozent – eine Halbierung gegenĂŒber dem ersten Lockdown. Nun ist das Arbeiten am heimischen Schreib- oder KĂŒchentisch keine unproblematische Angelegenheit, doch in der aktuellen Situation spricht viel dafĂŒr. Eine Studie der UniversitĂ€t Mannheim kommt zu dem Schluss: „Ein Prozentpunkt mehr Arbeitnehmer im Homeoffice kann die Infektionsrate um bis zu acht Prozent verringern.“ Die Zahl mag hoch gegriffen sein. Dass mit mehr Arbeit von Zuhause aus die Kontakte im Gemeinschafts- oder GroßraumbĂŒro und im öffentlichen Nahverkehr deutlich weniger werden, liegt aber auf der Hand.

Wie schafften es Unternehmen, InteressenverbĂ€nde und CDU in dieser Angelegenheit trotzdem, sich aus der AffĂ€re zu ziehen? Nun, wie es fĂŒr diese Pandemie typisch ist: mit unsinnigen Argumenten und aus dem Kontext gerissenen Zahlen. In der Tagesschau sagte Siegfried Russwurm, PrĂ€sident des Arbeitgeberverbandes BDI: „Schweißen aus dem Homeoffice hat noch niemand erfunden.“ Als hĂ€tte jemand solchen Blödsinn gefordert. Nur „zwei bis vier Prozent“ aller Corona-Infektionen wĂŒrden sich in Industriebetrieben ereignen, behauptete Gesamtmetall-PrĂ€sident Stefan Wolf in der Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung.

Woher hat er diese Daten? Gesamtmetall verweist auf Nachfrage auf einen der Situationsberichte des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Zahl kann man dort tatsĂ€chlich finden, nur: Sie bezieht sich nicht auf das gesamte Infektionsgeschehen, sondern auf die wenigen FĂ€lle, die von den GesundheitsĂ€mtern einem Infektionsort zugeordnet werden können – und das ist nur etwa ein Sechstel. Anders als Wolf suggeriert, gibt es zum Infektionsgeschehen am Arbeitsplatz kaum belastbare Daten, weil die GesundheitsĂ€mter sie nicht erheben.

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Quelle: Fau-fl.org