MĂ€rz 20, 2022
Von Anarchist Black Cross Dresden
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Schilderungen vom Solikreis Jamnitzer zur Situation in der JVA Bayreuth

Das Knast scheiße ist, wissen wir nicht erst seit heute. Wir wissen auch, dass die Bedingungen in den KnĂ€sten kaum auszuhalten sind und dass GefĂ€ngnisse nicht das bewirken, was sie laut GesetzbĂŒchern sollen. Dennoch ist es immer wieder erschĂŒtternd zu hören, wie Gefangene behandelt werden. Den einzigen tĂ€glichen Kontakt zur Außenwelt bietet der Blick aus dem Fenster. Doch in Bayreuth gibt es nicht viel zu sehen, da die JVA auf doppelt vergitterte Fenster setzt. Eine Doppel-Vergitterung ist selbst nach geltendem Gesetz illegal und die Anstalt entrichtet lieber jĂ€hrliche Strafzahlungen, anstatt die unrechtmĂ€ĂŸigen Gitter zu entfernen. Auch der Arbeitskreis kritischer Strafvollzug bezeichnet dies als menschenunwĂŒrdig.(https://docplayer.org/58771096-Rundbrief-januar-arbeitskreis-kritischer-strafvollzug-e-v.html)

Doch nicht nur der Blick nach draußen wird genommen, auch der direkte Kontakt zu Angehörigen wird erschwert. Postsendungen werden nicht nur mitgelesen, die JVA hat auch die Möglichkeit, Briefe zu zensieren oder nicht auszuhĂ€ndigen. Dazu kommt, dass in Bayreuth die Poststelle samstags geschlossen wurde. Damit haben Gefangene einenTag weniger die Möglichkeit, Kontakt nach außen zu haben. Auch das fĂŒr viele Gefangene essentielle Telefonieren gestaltet sich in der JVA Bayreuth als Ă€ußerst schwierig. Abgesehen davon, dass das Telefonieren ĂŒber den Telefon Monopol Knast-Anbieter Telio vollkommen ĂŒberteuert ist, stehen allen Gefangenen in Bayern stehen zwei Telefonate im Monat zur VerfĂŒgung, doch Telefonsprechzeiten sind nur an wenigen Tagen in der Woche. Der Andrang ist groß, nicht alle kommen dran. FĂŒr die Angehörigen bedeutet das, mehrere Tage auf einen ungewissen Anruf zu warten. FĂŒr die Gefangenen bedeutet es, noch weniger Kontakt nach außen zu haben.

Aufgrund der unmöglichen Telefonzeiten mĂŒssen sich Gefangene oft zwischen Essen und Telefonieren entscheiden. Beides ist fĂŒr viele nicht möglich, da sich die Termine ĂŒberschneiden. Nach dieser AbwĂ€gung geht es dann zurĂŒck in die Zelle. In Bayreuth sitzen in den meisten Zellen 5 Gefangene auf 15mÂČ. Das entspricht 3mÂČ pro Gefangenem. Mal wieder hĂ€lt sich die Anstalt nicht an ihre eigenen Gesetze. Einer*m Gefangenen stehen in einer Gemeinschaftszelle 7mÂČ â€žBodenflĂ€che“ zu, in einer Einzelzelle 9mÂČ. Dazu kommt, dass eigentlich jede*r Inhaftierte das Recht auf eine Einzelzelle hat. Das ist allerdings nicht derStandard, im Schnitt sitzen auf einer Zelle vier bis sechs Personen.

Nicht nur die rĂ€umliche Unterbringung macht den Alltag schwer aushaltbar, ein weiteresProblem ist die Beschaffung alltĂ€glicher VersorgungsgĂŒter. In Bayern stehen Gefangenen monatlich 56 € Eigengeld zur VerfĂŒgung. Wenn sie keine finanzielle UnterstĂŒtzung vonaußen bekommen, sind es sogar nur 37 €. 37 € im Monat, fĂŒr alles, was man so zum Leben braucht. Allerdings entspricht das nicht der Kaufkraft, außerhalb der Mauern, da im Knastkiosk alles viel teurer ist. Dies liegt daran, dass die Firma „Massak“ hier bundesweiteine Monopolstellung innehat und dadurch die Preise bestimmen kann. Real bedeutet das allzu oft, zwischen Hygieneprodukten und Tabak oder Kaffee entscheiden mĂŒssen.

Auch eine Arbeitsstelle verbessert die finanzielle Situation nicht wirklich, da die Stundenlöhne in etwa einen Euro betragen. Wenig ĂŒberraschend sind auch die Arbeitsbedingungen miserabel. Ein Gefangener wurde beispielsweise entlassen, nachdem er, fĂŒr die Bearbeitung spitzer Metallteile, Handschuhe forderte. Einen anderen Arbeitsplatz zu bekommen, gestaltet sich schwierig, da die Stellen aufgrund der Arbeitspflicht zugewiesen werden. Alle Gefangen in Bayern mĂŒssen von Gesetzes wegen arbeiten. Damit ist Bayern unter den letzten vier BundeslĂ€ndern, in welchen Zwangsarbeit fĂŒr Gefangene herrscht.

Wird die Arbeit verweigert, folgt eine Strafverlegung in einen gesonderten Trakt, mit schlechteren Haftbedingungen. In Bayreuth ist das Trakt A0: Der Trakt ist im Keller gelegen und die Fenster sind hier sogar dreifach vergittert. Dazu kommt, dass man tĂ€glich 22 Stunden in der Zelle eingeschlossen ist, was deutlich weniger Aufschlusszeit ist als ĂŒblich. Die Folgen fĂŒr die physische und psychische Gesundheit sind offensichtlich. Daran zeigt sich, wie viel Wert auf die Gesundheit der Inhaftierten gelegt wird. Die medizinische Versorgung innerhalb der JVA ist denkbar schlecht. Bei akuten Problemen muss zunĂ€chst ein Antrag gestellt werden. Die Behandlung durch eine*n Ärzt*in, erfolgt erst eine Woche spĂ€ter, wenn die Beschwerden meist wieder weg sind. Noch grĂ¶ĂŸereProbleme bekommt man, wenn es eine*n FachĂ€rzt*in benötigt, hier sind die Wartezeiten noch lĂ€nger. Gesundheitliche Probleme sind im GefĂ€ngnis keine Seltenheit. Durch Bewegungsmangel und unzureichende ErnĂ€hrung kommt es vielfach zu Krankheiten.Dabei ist es umso skandalöser, dass es keine ausreichende Gesundheitsversorgung gibt.

Als wĂ€re das nicht genug, sehen sich manche Gefangene zusĂ€tzlicher Schikane ausgesetzt. So auch in Jans Fall. Angefangen bei willkĂŒrlichen Verlegungen, bis hin zum Verwehren einer Arbeit. Auch der Zugang zu grundlegenden Bildungsmöglichkeiten wird ihm verweigert. Es ist kein Geheimnis, dass es bei dieser Schikane um seine linke,politische Gesinnung geht und um die SolidaritĂ€t, die er erfĂ€hrt. Gegen eine Vernetzung Jans mit anderen Gefangenen und gegen die Bildung einer Kultur der Hilfe unter Gefangenen wird gezielt vorgegangen. Unabsehbare Verlegungen sollen ihm nachhaltigdie Möglichkeit nehmen, sich an sein Umfeld zu gewöhnen. Zuletzt auf den Trakt A0,obwohl Jan gewillt ist zu arbeiten. Auch wurde ihm eine Arbeit als Hausarbeiter ohne Angabe von GrĂŒnden verweigert.

Doch wir lassen Jan damit nicht allein. Wir, das ist der Solikreis Jamnitzer – Freiheit fĂŒr Jan. GegrĂŒndet haben wir uns, wegen der Ereignisse um den Jamnitzerplatz in NĂŒrnberg.Nach Jans Verurteilung haben wir begonnen, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und unterstĂŒtzen Jan natĂŒrlich auch in seiner Haftzeit.

Solange KnĂ€ste existieren, fordern wir eine wĂŒrdige Behandlung aller Gefangener. Die ZustĂ€nde sind nicht hinnehmbar!

FĂŒr die Freilassung aller politischen Gefangenen!

Wir wollen an dieser Stelle jedoch auch keine Spaltung zwischen den Gefangenen aufmachen. FĂŒr uns ist klar, dass kein*e Gefangene*r es verdient, unter solchen UmstĂ€nden in Haft zu sitzen.Schreibt Jan und anderen Gefangenen Briefe und lasst sie wissen, dass sie nicht allein sind.Dieses Knastsystem betrifft uns alle, lasst uns solidarisch miteinander sein, unsere Gefangenen nicht vergessen und die ZustĂ€nde in den KnĂ€sten so nicht mehr hinnehmen.

Weitere Informationen: jamnitzer.noblogs.org

Kontakt: solikreis-jamnitzer@riseup.net




Quelle: Abcdd.org