November 16, 2020
Von Diesela
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DieselA, Episode IV: Eine neue Hoffnung

Vor gar nicht langer Zeit (heute) in einer nicht allzu weit entfernten Galaxis (Zobtener Str. 69, Berlin Lichtenberg): Eine Rebell*innenorganisation bekĂ€mpft aus dem Untergrund das herrschende böse Imperium



Wir, die anarcha-queerfeministische Wagengruppe DieselA, haben heute am 04.Juni 2020 erneut eine leerstehende Brache in Berlin Lichtenberg besetzt und somit – mal wieder – ein neues Zuhause gefunden. Und wir wollen bleiben!

Schon vor zwei Wochen hatten wir ein neues GrundstĂŒck ganz in der NĂ€he bezogen, uns eingerichtet und angefangen, uns an den Ort zu gewöhnen und schon ein erstes Nachbarschaftsfest auf die Beine gestellt. Wir hatten die EigentĂŒmer*innen kontaktiert und um Verhandlungen gebeten, doch statt einer freundlichen Antwort kam schon nach einer Woche die RĂ€umungsaufforderung. Wir sollten bis zum 05.06.2020 den Platz verlassen und unsere Sachen mitgenommen haben, sonst wĂŒrde es keine Verhandlungen geben. So Ă€hnliche Aussagen kennen wir schon von unserer letzten Besetzung in Marzahn – damals von Seiten der Deutschen Bahn. Dort wurden wir anschließend von vier Hundertschaften und einem riesigen Aufgebot von Polizeifahrzeugen gerĂ€umt.

Wir finden es empowernd, uns selbst auszusuchen wann wir gehen und zu welchen Konditionen.

Wir wollen also nicht auf unsere eigene RĂ€umung warten, sondern selbstbestimmt agieren und autonom entscheiden können, wann wir wieder in Aktion treten. Deshalb haben wir beschlossen, unser bisheriges Zuhause zu verlassen und uns einfach direkt einen neuen Ort anzueignen. Wir sind also heute mit unseren Bussen, LKW‘s und Karren auf eine weitere ewig leerstehende Brache gezogen. Auch hier haben wir die EigentĂŒmer*innen kontaktiert und sind gespannt, ob unserer Anfrage nach GesprĂ€chen und Verhandlungen diesmal konstruktiv begegnet wird.

Damit zeigen wir: Wir lösen uns nicht in Luft auf!

Genauso wenig werden sich andere bedrohte Projekte, wie die Liebig34 oder gerĂ€umte Projekte in Luft auflösen. Dazu sind wir viel zu wĂŒtend: Darauf, dass die Stadt vor unserer Nase verkauft wird an reiche Investor*innen, fĂŒr die ein Haus nicht mehr ist als eine potentielle Investitionsanlage. Darauf, dass eine Politik unter rot-rot-grĂŒn tatenlos bei der Neoliberalisierung und der Spekulation von Wohnraum als Ware zusieht. Darauf, dass wir um ein blödes StĂŒck BrachflĂ€che so dermaßen kĂ€mpfen mĂŒssen, nur um einen Ort zum Sein zu haben. Wir sind wĂŒtend, dass Menschen, die sich in ohnehin schon prekĂ€ren Lebenslagen befinden, von ZwangsrĂ€umungen betroffen sind und einfach auf die Straße gesetzt werden. Darauf, dass Menschen sich wĂ€hrend der Ausgangssperren mit #wirbleibenzuhause Ă€ußern, ohne darĂŒber nachzudenken, dass es viele Menschen gibt, die das nicht können – zum Beispiel Menschen ohne Obdach oder Pass. Darauf, dass die Polizei in eigener Regie ohne Grundlage Projekte rĂ€umt, Menschen diskriminiert und schikaniert, wĂ€hrend die Politik zur selben Zeit den Handlungsspielraum der Polizei noch erweitert.

Mit unserem Umzug zeigen wir, dass sich eine Idee nicht rÀumen lÀsst, und dass wir weitermachen werden!

DieselA, eure anarcha-queerfeministische Rebell*innenorganisation aus der Galaxis nebenan




Quelle: Diesela.noblogs.org