April 25, 2021
Von Die Plattform Ruhr
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Am gestrigen Freitagabend haben wir uns als die plattform Ruhr in Dortmund an einer Spontandemonstration durch die Innen- und Nordstadt gegen die neuen Ausgangssperren beteiligt, welche seit der Nacht zum Samstag von 22 Uhr bis 5 Uhr gelten.

Etwa 150 Menschen folgten einem Aufruf, der seit Freitagmittag ĂŒber die sozialen Medien verbreitet worden war und kamen um 19 Uhr vor dem Dortmunder U zusammen. Recht schnell formierte sich hinter einem Banner mit der Aufschrift: „Nachts eingesperrt, aber tagsĂŒber anstecken auf der Arbeit?! – Schluss damit!“ ein entschlossener Demonstrationszug, der sich zĂŒgig in Richtung der Innenstadt in Bewegung setzte. Die schwach aufgestellte Polizei konnte wenig ausrichten und beließ es dabei den Demonstrationszug fĂŒr die lĂ€ngste Zeit nur seitlich mit einigen Beamt*innen zu begleiten.

Von der Innenstadt ging es dann ĂŒber die MĂŒnsterstraße durch die Nordstadt, wobei die Demo mit lauten Parolen und kleineren RedebeitrĂ€gen ĂŒber ein Megafon auf sich aufmerksam machte. Unter anderem schallten „Gegen alle Ausgangsverbote!“ und „Ausgangssperren blanker Hohn, Lockdown fĂŒr die Produktion!“ durch die Straßen des Viertels. Nach einer halben Runde um den Nordmarkt löste sich die Demonstration in verschiedene Richtungen auf.

Ingesamt sind wir zufrieden mit dem Ablauf der Demonstration. Das Ziel, unangemeldet durch die Stadt zu ziehen und zu zeigen, dass die Ausgangssperren nicht einfach ohne Protest hingenommen werden, wurde eindeutig erreicht. Die Polizei war sichtlich ĂŒberfordert mit der Situation und ihr gelang es zu keiner Zeit die Demonstration unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig ist klar, dass diese Form des Protestes bisher noch ungeeignet sind, um Menschen zu mobilisieren, die sich außerhalb der linken Szene bewegen. Hier wird es in den nĂ€chsten Tagen darauf ankommen, Aktionsformen zu finden, an denen breitere Teile unserer Klasse teilnehmen können. Schließlich sind es gerade die Menschen in der migrantisch-geprĂ€gten Nordstadt, die unter der Polizei leiden werden, wenn diese zukĂŒnftig die Ausgangssperren durchsetzt.

Auf jeden Fall dĂŒrfen wir in unserem Protest gegen die Ausgangssperren jetzt nicht stehen bleiben, sondern schon bald wieder erneut auf der Straße gegen diesen Mist unterwegs sein!

Hintergrund: Warum Protest gegen Ausgangssperren?

Seit ĂŒber einem Jahr schrĂ€nkt der staatliche Umgang mit der Pandemie unser gewohntes Leben massiv ein. Wir dĂŒrfen uns nur noch in sehr kleinem Rahmen mit unseren Freund*innen treffen, viele FreizeitbeschĂ€ftigungen, die sonst Ausgleich von Stress in Schule, Ausbildung, Uni und Lohnarbeit bieten, fallen weg – z.B. Mannschaftssport. Klar, vieler dieser Maßnahmen sind absolut sinnvoll, denn Corona ist gefĂ€hrlich, das wollen wir gar nicht bestreiten. Aber diese Maßnahmen gelten eben fast nur fĂŒr unsere Freizeit, wĂ€hrend es dort, wo wir fĂŒr die Kapitalist*innen Profit erwirtschaften, grĂ¶ĂŸtenteils so weiter geht wie bevor. Der Staat erfĂŒllt wieder einmal seinen Zweck, den Bossen ihr GeschĂ€ft möglichst einfach zu machen. Unsere Gesundheit, unsere Leben spielen da eine untergeordnete Rolle.

Ausgangssperren stellen jetzt die Spitze des Eisbergs dieser ganzen FreiheitsbeschrĂ€nkungen dar und wieder gelten sie natĂŒrlich nachts, dann wenn die wenigsten arbeiten und wir uns normalerweise – gerade im FrĂŒhling und Sommer – vielleicht mal mit Freund*innen draußen zum schnacken treffen wĂŒrden (ist ja eh infektionsbedingt sinnvoller als drinnen). Wer nachts arbeitet darf aber natĂŒrlich weiter raus und tagsĂŒber, wenn wir Profite erwirtschaften sollen, ist das mit dem Infektionsschutz auf einmal wieder zweitrangig.

Wir haben keinen Bock mehr auf diese verdammte Doppelmoral! FĂŒr die Chef*innen sollen wir uns anstecken, aber abends nichtmal mehr rausgehen können mit Freund*innen?! Nein, wir finden, das können wir uns nicht bieten lassen und es muss dagegen protestiert werden!

Das Problem sind aber natĂŒrlich nicht einfach nur Ausgangssperren, sondern die falsche Logik des Kapitalismus, die hinter ihnen steht. Denn im Kapitalismus ergibt es total Sinn, uns Arbeiter*innen und einfache Menschen das Infektionsrisiko zuzuschieben, wĂ€hrend die Bosse fett Profite einfahren. Der Kapitalismus dient nicht unserem Interesse, er muss abgeschafft werden.

Wenn ihr das genauso seht, dann kommt doch in einer Woche mit uns um 16 Uhr in den Westpark zur anarchistischen 1. Mai-Demonstration gegen Kapitalismus, Patriarchat und Egoismus!




Quelle: Ruhr.dieplattform.org