Oktober 5, 2021
Von FAU Flensburg
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„No Pasaran“ steht auf dem Banner, welches ĂŒber der TĂŒr an der Glasfassade hĂ€ngt. Ca. 40 Menschen stehen herum und unterhalten sich, malen weitere Banner. Auch einige Journalist:innen sind da und fĂŒhren Interviews. Plötzlich bildet sich eine Menschentraube vor der TĂŒr. Zwei MĂ€nner, welche von sich behaupten Rider – Lieferfahrer – zu sein, wollen das GebĂ€ude betreten, werden jedoch daran gehindert. Denn das Gorillas-Lager im Kaiserkorso 154 in Tempelhof wird seit Freitag morgen bestreikt. Und auch die BeschĂ€ftigten in Schöneberg und Gesundbrunnen, sowie kurzzeitig aus Mitte, haben sich angeschlossen. Mittlerweile gibt es einen Aufruf unter #StartUpsideDown Fotos seines umgedrehten Fahrrads zu posten, um SolidaritĂ€t auszudrĂŒcken.

Es ist nicht das erste Mal, dass die schlechten und unsicheren Arbeitsbedingungen bei dem Lieferdienst in der Öffentlichkeit stehen. Als im Juni diesen Jahres einer der Fahrer ohne Vorwarnung gekĂŒndigt wurde, legten viele seiner Kolleg:innen die Arbeit nieder. Und es wurden immer mehr. Seitdem hĂ€ufen sich die Erfahrungsberichte ĂŒber nicht oder zu spĂ€t gezahlte Löhne, unsichere AnstellungsverhĂ€ltnisse und schlechtes Equipment. GeĂ€ndert hat sich aber nichts. Gleichzeitig birgt die Dynamik des wilden Streiks aber auch eine Chance, ArbeitskĂ€mpfe in Zukunft wieder spontaner und selbstorganisiert stattfinden zu lassen. Das Gorillas Workers Collective zeigt, wie es gehen kann.

FĂ€hrt man zu einem der Streikposten und spricht mit den Menschen dort, dann bekommt man eine Ahnung davon, wie prekĂ€r Arbeitsbedingungen sein mĂŒssen, um sich in einen Ausstand ohne gewerkschaftliche Organisierung oder Lohnfortzahlung zu begeben. An allem scheint es zu mangeln – und das, obwohl das Start-up anfangs von Investor:innen mit Geld ĂŒberschĂŒttet wurde. Der Zustand der FahrrĂ€der ist oft schlecht und das nötige Werkzeug nicht immer vorhanden. Die bereitgestellten Helme werden teilweise nach UnfĂ€llen nicht ausgetauscht, sondern einfach wieder zum Equipment fĂŒr die nĂ€chste Person gelegt. SchichtplĂ€ne werden nicht rechtzeitig an die Arbeiter:innen ausgegeben – und das bei stĂ€ndig wechselnden Arbeitszeiten und damit auch einer unterschiedlichen Anzahl an Wochenstunden, was das eigene Leben maximal unplanbar macht. Besonders, da die BeschĂ€ftigten noch nicht einmal nach ihren KapazitĂ€ten gefragt werden.

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Quelle: Fau-fl.org