MĂ€rz 16, 2021
Von FAU Flensburg
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»Learnship«: Weniger Honorar und Mehrarbeit. LehrkrÀfte organisieren sich

JobverhĂ€ltnisse werden prekĂ€rer, auch fĂŒr digitale Sprachenvermittler. »Learnship«, ein sogenannter internationaler Branchendienstleister, engagiert vorrangig freiberufliche LehrkrĂ€fte. Einige opponieren nun: gegen miese Entgelte und unbezahlte Mehrarbeit.

Unmut gibt es bereits seit vergangenem FrĂŒhjahr. »RĂŒckwirkend zum 1. Mai 2020 wurde unser Honorar um 25 Prozent gekĂŒrzt«, sagte Maren Berger (Name geĂ€ndert) am Montag im jW-GesprĂ€ch. Ein Einkommensverlust, den viele nicht anderweitig ausgleichen können, so Berger weiter. Den BeschĂ€ftigten wurde faktisch ein Ultimatum gestellt: Entweder sie setzten ihre Unterschrift unter den neuen Vertrag und akzeptierten die KĂŒrzung, oder sie bekĂ€men keine Unterrichtskurse mehr zugewiesen – wĂ€ren gewissermaßen »on hold«. BegrĂŒndet wurden die »Einschnitte« seitens der GeschĂ€ftsfĂŒhrung mit coronabedingten Einbußen. Ein bekannter Vorwand von Unternehmen, findet Berger. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung von Learnship wollte auf die VorwĂŒrfe nicht antworten, ließ zwei jW-Anfragen unbeantwortet.

Einige der FachkrĂ€fte haben begonnen, sich zu organisieren. Über eine Whats-App-Gruppe und in einer eigens gegrĂŒndeten Betriebsgruppe der Basisgewerkschaft Freie Arbeiterinnen- und Arbeiterunion (FAU). »Wir sind wĂŒtend, wissen aber auch, dass wir ohne AuftrĂ€ge bleiben, wenn wir namentlich öffentlich auftreten«, so Sprachentrainerin Berger. Eine weitere Freiberuflerin ergĂ€nzte gegenĂŒber jW: »Die Aktiven sind in der FAU-Gruppe, arbeiten noch fĂŒr Learnship und haben vor, es auch weiterhin zu tun.«

Neben der RĂŒcknahme der HonorarkĂŒrzungen haben die basisgewerkschaftlich Organisierten zwei weitere zentrale Punkte auf dem Zettel: Transparenz bei der Honorargestaltung und volle Bezahlung von durch Lernende verpassten Unterrichtseinheiten. Beides fehlt bislang. »Honorare fĂŒr die gleiche TĂ€tigkeit fallen teils sehr unterschiedlich aus«, kritisiert Berger. Des weiteren Ă€rgert sie, dass bei Nichterscheinen von zu Unterrichtenden lediglich ein Drittel des Stundenlohns ausbezahlt werde. Hinzu kommt: Der Arbeitsaufwand fĂŒr die LehrkrĂ€fte steige, Kurse mĂŒssen beispielsweise selbst terminiert werden. »Unbezahlte Extrazeit«, sagte sie.

Das Betriebsklima war schon mal besser. »Learnship hat als kleines, nettes Startup 2008 angefangen«, erinnert sich Berger, die bereits seit Jahren dabei ist. Mit dem Einstieg des Medienkonzerns Bertelsmann sei die AtmosphÀre schlechter geworden. »Learnship versucht sich als Global Player.« Das stimmt wohl. Der Sprachenvermittler schult Mitarbeiter von etwa 2.000 Kunden in 75 LÀndern, darunter seien BeschÀftigte von Amazon, Nestlé, Puma und Volvo, schrieb die FAU in einer Pressemitteilung vom Montag voriger Woche.

Nur: Wie lĂ€sst sich verstĂ€rkt Protest organisieren? Einfach ist das nicht, zumal nicht bei Onlineservices. Die FAU strebe »eine ĂŒberbetriebliche Mobilisierung der Branche an«, sagte deren Berliner PressesekretĂ€r am Montag gegenĂŒber jW. Eine Antwort auf die Ausbeutung prekĂ€rer, hochflexibilisierter SelbstĂ€ndigkeit, die zudem nicht standortgebunden sei, habe indes bislang keine Gewerkschaft gefunden, rĂ€umt er ein.

Sprachentrainerin Berger weiß darum. »Wir diskutieren in unserer Whats-App-Gruppe, kennen uns zumeist nicht persönlich«, sagte Berger. Das mache koordinierte Kampagnen schwierig. »Es fehlt die Mimik, die Gestik aller Mitstreitenden.« Es gibt ein Zusatzproblem: Viele, die bei Learnship tĂ€tig sind, arbeiten parallel fĂŒr weitere Sprachschulen, als Übersetzer oder halten sich mit Unterrichtsstunden fĂŒr PrivatschĂŒler ĂŒber Wasser. Die BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse seien divers, ein kollektiver Auftritt selbst im virtuellen Raum brauche lange. Dennoch, einen kleinen Teilerfolg gibt es. Die Honorare lĂ€gen jetzt nur noch bei zehn Prozent unterhalb des vormaligen Stands. Der FAU reicht das nicht. »Falls Learnship nicht einlenkt, muss mit direkten Aktionen gerechnet werden«, kĂŒndigte der PressesekretĂ€r vage an. Und trotz der branchenspezifischen Hindernisse: »Wir organisieren uns weiter«, betonte Basisgewerkschafterin Berger.

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Quelle: Fau-fl.org