Oktober 28, 2020
Von FAU Halle
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Durstexpress: Nach dem Klatschen kommt die KĂŒrzung

Pressemitteilung der FAU Leipzig vom 25.10.2020

Im Leipziger Standort des GetrĂ€nkelieferanten Durstexpress versammelten sich am 15.10.2020 bei Schichtbeginn 17 TeilzeitbeschĂ€ftigte vor dem Niederlassungsleiter Patrick G., um gemeinsam aktiv ihre Arbeitskraft anzubieten. Nachdem noch vor wenigen Wochen infolge der Covid-19-Pandemie auch die Durstexpress-Mitarbeiter*Innen zu „Essential Workers“ erklĂ€rt und beklatscht wurden, erfolgte prompt eine KĂŒrzung der angebotenen Schichten um bis zu 50 %, wodurch sie seit Oktober nicht einmal die ihnen garantierten Wochenstunden erarbeiten können. Es drohen existenzbedrohende LohnausfĂ€lle. Gleichzeitig wurden Gewerkschaftsvertreter*Innen der FAU vom Standortleiter Patrick G. widerrechtlich des GelĂ€ndes verwiesen, gewerkschaftliches Informationsmaterial verboten und eingesammelt.

Derzeit wird die Kommissionierung in Leipzig zum Großteil von etwa 50 TeilzeitbeschĂ€ftigten verrichtet und umfasst sĂ€mtliche anfallende Lagerarbeiten. Das ArbeitsverhĂ€ltnis ist ĂŒber unterschiedliche, ĂŒberwiegend unbefristete ArbeitsvertrĂ€ge geregelt, die zehn, zwanzig, oder dreißig Wochenstunden umfassen. Insbesondere den BeschĂ€ftigten mit 30-Wochenstunden-VertrĂ€gen droht durch die aktuelle ArbeitszeitverkĂŒrzung finanziell der Ruin, da sie teilweise keine weitere Einkunftsquelle haben. Des Weiteren ist zu befĂŒrchten, dass die Durstexpress GmbH einen Teil ihrer Lohnarbeiter*Innen so zur KĂŒndigung drĂ€ngen will, wodurch Personalkosten gespart werden sollen – die sogenannte kalte KĂŒndigung.

Auf Nachfrage der Basisgewerkschaft FAU bei Durstexpress wollte der Niederlassungsleiter Patrick G. von den Problemen nichts gewusst haben. Dabei baten ihn die BeschĂ€ftigten in einer E-Mail bereits vor dieser Aktion um (weitere) offene Schichten. Auf Nachfrage wies er jede Verantwortung jedoch von sich und verwies auf die Berliner Zentrale von Durstexpress. Wiederum erklĂ€rte G. aber, dass die BeschĂ€ftigten im persönlichen GesprĂ€ch die Möglichkeit gehabt hĂ€tten, die Situation in Individualabsprachen zu klĂ€ren. Dies habe aber seinen Angaben nach keiner der BeschĂ€ftigten versucht – eine glatte LĂŒge. Mehrere BeschĂ€ftigte suchten das GesprĂ€ch, wurden aber damit konfrontiert, dass die Änderungen „von Berlin so gewollt seien und sich hier nichts machen ließe“.

Daher gab Sören Winter, Pressesprecher der Freien ArbeiterInnen Union Leipzig (FAU), folgendes Statement ab: ,,Ein Wille zur Lösung des Problems ist nicht erkennbar. Die Anfragen der MitarbeiterInnen an die Vorgesetzten oder die Personalabteilung werden entweder erst sehr spĂ€t oder gar nicht beantwortet. Vor Ort verweigerte der Standortleiter Patrick G. eine schriftliche BestĂ€tigung, dass sie ihre Arbeitskraft angeboten hatten und wies sie allesamt ab.“

Das Anbieten der Arbeitskraft ist entscheidend, da sich Durstexpress nicht nur unmoralisch verhĂ€lt, sondern seinen Vertragspflichten nicht nachkommt, wenn vereinbarte Stunden nicht zur VerfĂŒgung gestellt werden. Im Falle eines solchen arbeitgeberseitigen Annahmeverzugs, wĂ€re Durstexpress immer noch zur Lohnzahlung im Rahmen der vertraglich vereinbarten Stunden verpflichtet.

Um die Organisierung der MitarbeiterInnen zu verhindern, geht Durstexpress seit LĂ€ngerem mit fragwĂŒrdigen Methoden vor. So verhinderte der GetrĂ€nkelieferant in der Berliner Niederlassung 2019 eine Betriebsratswahl durch Entlassung der verantwortlichen Arbeiter*Innen. Der Fall erregte bereits im letzten Jahr Aufsehen durch mediale Berichterstattung.

Offenbar werden nun auch in Leipzig gewerkschaftliche Rechte der Koalitionsfreiheit direkt bekĂ€mpft. Diese sichern Gewerkschaften unter Anderem einen Besuch der Betriebe sowie die Information der BeschĂ€ftigten und insbesondere der Mitglieder am Arbeitsplatz zu. Niederlassungsleiter Patrick G. berief sich auf sein Hausrecht und verwies Gewerkschaftsvertreter*Innen des GelĂ€ndes. Gewerkschaftliche FlugblĂ€tter wurden verboten und wieder eingesammelt, da sie den Betriebsfrieden stören wĂŒrden.

Die momentane Situation zwingt uns jetzt zu einem entschiedenen Handeln, das keinen langen Rechtsstreit abwarten kann. Zudem ist es ein Dammbruch, Gewerkschaften den Betriebszugang zu verwehren, der keine Lappalie darstellt und nicht hingenommen werden kann.
,,Es liegt nun nicht nur an den mutigen engagierten KollegInnen im Betrieb und der FAU, gegen dieses Unrecht vorzugehen. Alle sind aufgerufen, sich an anstehenden gewerkschaftlichen Aktionen gegen Durstexpress zu beteiligen, bis Arbeitnehmer*Innen– und Gewerkschaftsrechte geachtet und die ArbeitsplĂ€tze unserer KollegInnen gesichert sind. Das Modell #Frustexpress darf nicht auf dem RĂŒcken der Arbeitnehmer*Innen weiter Schule machen.“ schließt Winter mit Blick auf eine angesetzte Kampagne der FAU.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Sören Winter
Pressesprecher FAU Leipzig

Update: In der Presse wird bereits berichtet:

https://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Aerger-beim-Getraenkelieferanten-Durstexpress-in-Leipzig-Schichten-drastisch-gekuerzt

https://kreuzer-leipzig.de/2020/10/27/ausgeliefert/




Quelle: Halle.fau.org