August 4, 2021
Von Paradox-A
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Lesedauer: 2 Minuten

Neulich hatte ich auch wieder so ein GefĂŒhl. So ein GefĂŒhl, irgendwie in einer falschen Welt zu leben. Dort fĂŒhlte ich mich fehl am Platz. Doch auch die Dinge um mich herum, schienen sich nur mehr als dĂŒrftig zu einer unbequemen RealitĂ€t zusammen zu fĂŒgen, als wenn es ihnen schlichtweg peinlich wĂ€re, zu sein, in der Zivilisation des 21. Jahrhunderts, die tĂ€glich dabei ist, sich selbst abzuschaffen. Gut, dann hat das ganze Elend mal ein Ende und Schluss ist, könnte man sagen.

Doch so eine Haltung ist Ausdruck eines ĂŒberaus zynischen, also bĂŒrgerlichen, Bewusstseins, weil sie bewusst verleugnet, dass es sehr wohl Verantwortlichkeiten, VerĂ€nderungsmöglichkeiten und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten fĂŒr diejenigen gibt, die am krassesten unter der bestehenden Herrschaftsordnung leiden. FĂŒr die ErfĂŒllung der BedĂŒrfnisse aller, gilt es zu kĂ€mpfen und selbstverstĂ€ndlich ist dabei im Sinne des Egalitarismus bei den GrundbedĂŒrfnissen anzufangen. Die daraus aufbauenden sind allerdings durchaus nicht zu vernachlĂ€ssigen und keine „Luxusprobleme“.

Wenn mir allerdings die Werbung im Kapitalismus nun erklĂ€rt, was echte und was falsche „GefĂŒhle“ sind, fĂŒhle ich mich mehr als verarscht. Es ist wie eine doppelte Verneinung, die du nicht verneinen sollst – oder doch? Kann man zu der Textaussage (links) ja sagen und zum Versprechen ihrer warenförmigen ErfĂŒllung (rechts) nein sagen? Kann man annehmen, dass die „GefĂŒhle“, welches das bekannte Fastfood-Backwaren-GeschĂ€ft erst produziert, falsche sein mĂŒssen, eben weil sie suggestiv in die Konsument*innen eingepflanzt wurden? Wann aber war das nicht der Fall? Besonders perfide in der Darstellung ist, dass die Konsumentin ihre Schlussfolgerung aus Text und Bild selbst ziehen soll. Denn niemand hat direkt gesagt, dass die Backware deinen Hunger, Durst, dein BedĂŒrfnis nach Liebe stillen kann – Auf diesen Gedanken bist du ganz alleine gekommen.

Vor allem auch Liebe
 Liebe? Es ist relativ offensichtlich, dass die Form, in welche sie mĂŒnden und in der sie ausgedrĂŒckt werden soll, in jeglicher Hinsicht kulturell ĂŒberformt und damit auch staatsbĂŒrgerschaftlichen, patriarchalen und kapitalistischen AnsprĂŒchen genĂŒgen soll. Das geht bis auf die Ebene des GefĂŒhls selbst hinab. Und dennoch, dennoch gilt „Liebe“ als so authentisch, so ver-rĂŒckend, so ehrlich und unwiderstehlich, dass sie immer wieder als „echtes GefĂŒhl“ durchgeht. Liebe soll Grenzen ĂŒberwinden können, machen, dass wir morgens nicht zur Arbeit gehen, machen, das wir morgens zur Arbeit gehen, dazu beitragen, dass wir uns sozial verhalten und ĂŒberhaupt das Leben genießen können (auch unabhĂ€ngig davon, ob sie sich in Beziehung mit einer konkreten Person manifestiert oder zunĂ€chst SelbstverhĂ€ltnis ist).

Sicherlich wĂŒrde es niemand so direkt aussprechen. Aber Ditsch verlangt von dir, deinen crush, deine Partnerin nicht so zu lieben, wie es. Wir haben es mit einer Anmaßung eines gottgleichen Anspruchs ohnegleichen zu tun. Kommt her, die ihr durstig, hungrig und liebesbedĂŒrftig seid, Ditsch will euch erquicken, sĂ€ttigen und in den Arm nehmen! Jede Entspannung, die beim kacken einsetzt, ist ein authentischeres GefĂŒhl, jeder Schmerz durch eine Brennnessel, die ich streife, jeder AutolĂ€rm, der mich nervt und jedes BedĂŒrfnis nach Rache in dieser falschen, vermarkten Welt.




Quelle: Paradox-a.de