Juni 22, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Hallo, ich heiße Boris. Ich bin jetzt seit neun Monaten in der Strafvollzugsanstalt von Nancy-MaxĂ©ville fĂŒr das Abfackeln von zwei Funkmasten im Jura im April 2020 eingesperrt.

Wenn ich mich erst jetzt dazu entscheide einige öffentliche Worte rund um meine Sache zu veröffentlichen, dann liegt das besonders daran, dass der Staat mich gerade verurteilt hat und mir erscheint es wichtig, meine EindrĂŒcke und meine Wut gegen den Techno-Totalitarismus auf Papier zu bringen, die sich, seitdem ich eingesperrt bin, sicher nicht verflĂŒchtigt hat. Ganz im Gegenteil.

WĂ€hrend die Staaten sich abstimmten um der Bevölkerung einen Maulkorb anzulegen, indem sie ihr unter dem Vorwand die Covid-19-Pandemie einzudĂ€mmen befahlen, brav zuhause zu bleiben, verbreiteten sich Sabotagewellen in Frankreich und Europa (Niederlande, Großbritannien, Italien,
) gegen die Infrastruktur der technologischen Herrschaft (Funkmasten, unterirdische Glasfasernetze, Kraftwerke
). Im Osten und Westen, im SĂŒden und Norden Frankreichs wurden Masten gefĂ€llt, ihre Kabel durchgeschnitten und in den meisten FĂ€llen dutzendweise in Schutt und Asche gelegt und so die Telekommunikation unterbrochen, die Geolokalisation der Handys und die Spionage jener, die sich im Visier der Repression befinden.

WĂ€hrend ich diese paar Zeilen schreibe, setzen sich diese Sabotagen gegen das Telekommunikationsnetz munter fort, auch wenn die Herrschaft großes Interesse daran hat, diese zu verheimlichen oder sie kleinzureden. Manchmal ist das Ausmaß der Zerstörung derart, dass es unmöglich ist sie zu verschweigen, wie die Brandstiftung an einem TDF-Mast in den Bouches-du-RhĂŽne Anfang Dezember 2020 oder auch die Brandsabotagen in der NĂ€he von Limoges, zu denen sich auch bekannt wurde, um das Jahr 2021 mit guten VorsĂ€tzen zu starten.

Das technologische Netz, das das gesamte Territorium bedeckt, breitet sich in rasender Geschwindigkeit aus und perfektioniert seine Funktion mit dem neuen 5G-Netz, und es erlaubt einen ganzen Haufen neuer sozialer Normen zu akzeptieren, die vom Staat mit der Empfehlung und dem Segen von Ärzten und Wissenschaftlern auferlegt wurden. Auf gleicher Ebene wie ein ganzer Haufen Produkte und Drogen, die die Bevölkerung brav und fĂŒgsam halten, spielen die Bildschirme eine primĂ€re Rolle, damit der Lockdown von einer großen Mehrheit akzeptiert wird: Home-Office, Home-Party, Home-Schooling, Home-
 Wie hĂ€tte die Herrschaft diesen landesweiten Hausarrest ohne diese ganze Technostruktur durchgesetzt?
Es ist die Stunde der Beschleunigung der FlĂŒsse und der Daten, die Stunde der KonnektivitĂ€t der AlltagsgegenstĂ€nde um immer mehr zu kontrollieren, zuzuhören, zu tracken und zu spionieren, ohne Ende den Menschen mehr zum Sklaven der Maschine zu machen. All das ist das, was die Herrschaft „Fortschritt“, „Zivilisation“ nennt. In Wirklichkeit ist dieses Gesellschaftsprojekt durch und durch dystopisch. Angesichts dieses Gitters des Digitalen gibt es keine 36 000 Lösungen. Mir scheint es notwendig, das Stadium der Kritik hinter sich zu lassen und hier und jetzt zu handeln und die Ideen mit Handlungen zu verbinden, und dabei die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen um zu verhindern sich in den Maschen der Repression zu verheddern. Und leider weiß ich, wovon ich rede.
Diese ganze Sache geht von einem augenscheinlich neuen, blauen Plastikdeckel aus, von einer öligen Substanz bedeckt, am Fuß einer der beiden Masten des Mont Poupet, auf dem meine DNA gefunden wird. Da ich bereits registriert bin, finde ich mich im Visier der Richter und Bullen wieder, die große personelle und finanzielle Mittel aufbringen werden, um meinen Alltag (meine Gewohnheiten, meine Bekanntschaften) im Sommer 2020 auszuspĂ€hen (IMSI-Catcher, Kameras vor WohnhĂ€usern, GPS-Sender unter den Autos jener, die mir nahe stehen, TKÜ und Ortung, Zivis des GIGN [Groupe d’intervention de la Gendarmerie nationale, vergleichbar der GSG9] (aus Versailles) fĂŒr Beschattung und Beobachtung
)

Was den Gewahrsam angeht, muss ich echt sagen, dass ich „verkackt“ habe, als ich geredet habe (auch wenn es nur mich betraf). Da habe ich vorher schon zahlreiche Ingewahrsamnahmen hinter mich gebracht ohne jemals geredet zu haben, doch an diesem Tag habe ich diesen fatalen Fehler begangen, der, einmal gemacht, unmöglich repariert oder gar rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden kann. Es bleibt das Risiko sich weiter reinzureiten, sich in ErklĂ€rungen zu verstricken, die fĂŒr den Angeklagten nur nachteilig sein können.
Ich habe mir deswegen VorwĂŒrfe gemacht und ich tue es auch heute noch, der Repression Informationen gegeben zu haben, indem ich im Verhör diesen Inquisitoren der Macht geantwortet habe, wahre Perverslinge, die perfekt wissen, wie man sich in die psychologischen Schwachstellen eines Individuums hineinbohrt und einen bricht. Das wird nie wieder vorkommen.

Am 22. September in Besançon sind Gendarmen [MilitĂ€rpolizisten] der Regionalsektion von Besançon (und andere der Oracle-Ermittlungsgruppe) in Begleitung der Kriminalpolizei von Dijon um 6h30 bei mir sowie bei zwei weiteren HĂ€usern eingelaufen. Auf Rechtshilfeersuchen der Ermittlungsrichterin Lydia Pflug (Kopf der JIRS [Juridictions interrĂ©gionales spĂ©cialisĂ©es, Richter fĂŒr komplexe interregionale und nationale FĂ€lle wie Organisierte KriminalitĂ€t, WirtschaftskriminalitĂ€t u. a.] von Nancy) wegen „Zerstörung von Funkmasten mithilfe von Brandstiftung in organisierter Bande, Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und Zerstörung mithilfe von Brandstiftung in organisierter Bande“ in Besançon im Zeitraum vom 9. Januar bis 9. April 2020.
WĂ€hrend die anderen beiden Verfolgten am Ende des Tages gehen konnten, wurde ich nach Verstreichen meiner 48 Stunden in Gewahrsam im BĂŒro der Richterin der Justiz ĂŒberantwortet und es wurde Anklage gegen mich erhoben wegen Brandstifung an zwei Funkmasten auf dem Mont Poupet am 10. April 2020 im Jura, und ich galt als „verdĂ€chtiger Zeuge“ [tĂ©moin assistĂ©; eine dringend tatverdĂ€chtige Person, wo es jedoch bislang keine eindeutigen Beweise gibt] fĂŒr eine andere Brandstiftung an der SFR-Hauptverteiler-Anlage des TDF-Mastes auf dem Mont de BrĂ©gille ĂŒber Besançon. Was gleichgestellt ist mit dem Versuch der Brandstiftung.
Am Ende der Ermittlung im MĂ€rz 2021 beantragt die Staatsanwalt die Einstellung der kriminellen Vereinigung und der versuchten Brandstiftung Ende MĂ€rz. Aber wiederholt die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens fĂŒr die Brandstiftung am 10. April 2020.

WĂ€hrend dieses nĂ€chtlichen Feuers im Lockdown wurde die Telekommunikation aller Mobilfunkanbieter (Bougues SFR Orange und Free) sowie die der staatlichen Repressionsorgane (Polizei und Gendarmerie) und des ElektrizitĂ€tswerks Enedis vorĂŒbergehend außer Betrieb gesetzt. Der Sachschaden wurde auf eine Summe zwischen 750 000 und eine Million Euro geschĂ€tzt. FĂŒr genau diese Fakten musste ich am 19. Mai vor dem Gericht in Nancy erscheinen. Trotz des Antrags auf Verschiebung meiner AnwĂ€ltin, die nicht anwesend sein konnte, hat sich das Gericht nach einer Stunde Wartezeit dazu entschieden die Anhörung stattfinden zu lassen.
Die Maskerade konnte also fortfahren, ohne Publikum, aber mit einem Journalisten der Lokalpresse, der nur darauf wartete seinen Elan als Lakai der Herrschaft vorzufĂŒhren, um die Herrschaft noch etwas mehr zu festigen, dem Staat zu helfen seine feige und kalte Rache durchgehen zu lassen, gut geschĂŒtzt vor den Blicken und Ohren derer, die zu meiner UnterstĂŒtzung gekommen waren.

Die Vorsitzende, die sich von Anfang an ĂŒber den Mangel an Anerkennung vonseiten ihres Ministers gegenĂŒber der Richterkörperschaft* beschwerte (bringt das Murren der Cops etwa die Richterschaft auf Ideen?), stimmt man erneut den Refrain des armen BĂŒrgers an, der nicht mehr das Krankenhaus anrufen kann, weit hinten auf dem Land, um sich behandeln zu lassen.

Ich antworte einfach, dass es Zeit ist zu lernen miteinander zu leben, was die Gesellschaft uns genommen hat, indem sie uns hinter Maschinen isolierte, mit Bildschirmen, die uns blind machen, und Kopfhörern, die uns taub machen angesichts der GrĂ€uel dieser Welt, die alle Lebewesen, menschliche wie nicht-menschliche, ausbeutet, vergiftet und tötet. Ich gebe daraufhin ein persönliches Beispiel ĂŒber den Umstand, dass ich ohne Handy aufgewachsen bin und dass es sicherlich mehr gegenseitige Hilfe und UnterstĂŒtzung zwischen den Menschen gab, in einer Zeit, in der man keine App benötigte, um miteinander zu reden, sich zu treffen, sich zu kĂŒssen oder zu vögeln


Ich komme gleich zum Urteil, das die Vorsitzende verkĂŒndete, das ich kaum gehört habe. Vier Jahre Knast, davon zwei auf BewĂ€hrung unter Auflagen plus mehrere zehntausend Euro Strafe (Ich kann mich nicht mehr an die exakte Summe erinnern).
Als ich das Gericht verließ, wurde mir die Freude zuteil eine große Gruppe meiner Freunde und GefĂ€hrten, die zu meiner UnterstĂŒtzung gekommen waren, zu sehen, die fĂŒr einen Moment die CRS [Bereitschaftsbullen] zerstreuten um mich mit „Freiheit! Freiheit!“-Rufen zu begrĂŒĂŸen. Das hat mir ziemlich viel WĂ€rme und Kraft gegeben.
Meine Augen waren gleichzeitig voller Trauer, Freude und viel, viel Wut.
Einige Minuten nach der UrteilsverkĂŒndung wusste ich bereits, dass ich Berufung einlegen wĂŒrde, was ich drei Tage spĂ€ter gemacht habe, als ich mich im Bunker wiederfand.

Ich wĂŒrde gerne einige Punkte klarstellen ĂŒber das, was in der Presse so erzĂ€hlt wurde. Ich habe nicht nur gegen die 5G-Technologie gehandelt. Es sind alle Wellen (2G, 3G, 4G), gegen die ich kĂ€mpfe. Der Techno-Totalitarismus erlegt seine makabren PlĂ€ne in aller Geschwindigkeit auf und verstĂ€rkt und verbessert seine bereits existierende Infrastruktur. NatĂŒrlich wird 5G die Installation einer Vielfalt von Mini-Antennen ĂŒberall erfordern, um den Fluss der Informationsdaten zu beschleunigen und so beispielsweise zu erlauben jedes Alltagsobjekt miteinander zu verbinden. Jede Autonomie der Individuen wegzunehmen, sie zu Sklaven der Maschine zu machen, wĂ€hrend man sie fĂŒr Werbe- oder andere Zwecke ausspioniert (Selbstisolation, Ausbeutung zuhause mithilfe von Home-Office, Aufgabe des Hautkontakts unter uns, OmniprĂ€senz der kleinen und großen Bildschirme in unserem Leben), das ist die nahe Zukunft, die sich abzeichnet, die Dystopie, die gerade ihren Gang nimmt.

Übrigens, an jene, die immer noch an die sogenannten „grĂŒnen“ Energien glauben, an die Pseudo-Energiewende, die in Wahrheit nur eine Akkumulation der Ressourcen ist, an den Abbau von einem ganzen Haufen Metallen ĂŒberall auf der Welt, deren benötigte Menge um ihre Elektrokarren, ihre Kilometer an Kabeln (unter- oder ĂŒberirdisch) zu produzieren, konstant steigt und die Krebs, Zerstörung und Tod verbreitet: das Problem ist nicht nur der Ausstoß von Treibhausgasen. Das macht nur einen Bruchteil aus. Das „elektrische Ganze“ ist genauso zerstörerisch und tödlich. Der Abbau all dieser Metalle lĂ€sst sich nur durch den Gebrauch ultra-schĂ€dlicher und verschmutzende SĂ€uren bewerkstelligen, die die Böden und die WasserlĂ€ufe verderben und vergiften und dabei unheilbare Krankheiten verursachen, wenn sie nicht direkt zu einem schnellen und sicheren Tod fĂŒhren. Das ist die RealitĂ€t des digitalen Ganzen, von dem sie versuchen es als ökologisch darzustellen, als Alternative zur Luftverschmutzung.

So viele GrĂŒnde, weshalb ich zu jenen gehöre, die sich beim ersten Widerhall der staatlichen und sanitĂ€ren Ordnung geweigert haben sich zuhause einzusperren und hinausgegangen sind um direkt einen der Pfeiler der Herrschaft anzugreifen.

Erhobenen Hauptes, mit feurigem Herzen!
Es lebe die Anarchie!

Boris

* ihrer Meinung zufolge sind die Gefangenen die Privilegierten des Ministers, da sie (vor den Richtern) als erste eine Impfung erhalten wĂŒrden, was natĂŒrlich vollkommen falsch ist.

Um seine Gefangenennummer zu erfahren und ihm zu schreiben: besakattak at riseup.net

Auf Indymedia Nantes erschienener Brief, 16. Juni 2021, gefunden auf Sans Nom




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org