Februar 19, 2021
Von Antisexistische Aktion MĂŒnchen
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  • Gökhan hat sich erst einmal um alle anderen gekĂŒmmert, dann um sich selbst.
  • Sedat liebte die Freiheit, das Reisen und den Sommer und er machte die beste Shisha in der Stadt.
  • Said Nesar hatte vier Geschwister und immer ein LĂ€cheln im Gesicht. Er brachte alle um sich herum gerne zum Lachen. 
  • Mercedes war nur streng, wenn es um Schule ging. FĂŒr ihre beiden Kinder war sie die beste Freundin auf der Welt. 
  • Hamza war ruhig und zielstrebig schon als Kind, auf ihn konnte man einfach nicht wĂŒtend sein.
  • Vili konnte sechs Sprachen. Er wollte noch studieren und die Welt sehen. 
  • Ferhat hat immer zugehört und einen Rat gewusst. Er wollte ein Buch schreiben. 
  • Kaloyan arbeitete viel, fĂŒr die Familie und seinen Sohn in Bulgarien.
  • Fatih war ein liebevoller Mensch, kein Typ der viel raus ist, er war viel arbeiten und mit seiner LebensgefĂ€hrtin zu Hause. 

Diese Zitate stammen, teilweise frei zitiert, aus der ARD Dokumentation Hanau – eine Nacht und ihre Folgen.

„Dieser Schmerz, diese Wunde, wie soll die jemals heilen? Wie?“ (Diana Sokoli) 

Neun Menschen deren Leben auf grausame Art beendet wurde: Sedat GĂŒrbĂŒz, Fatih Saraçoğlu, Hamza Kurtović, Gökhan GĂŒltekin, Mercedes Kierpacz, Vili-Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov

Der rassistische Terroranschlag in Hanau ist kein Einzelfall. Er reiht sich ein in eine lange Liste von rechten und rassistischen Morden in Deutschland. Das was wir sehen wollen von der Mordnacht sind neun tote Opfer – ruhig, leise betrauerbar. Diese neun Menschenleben, die sinnlos durch rassistischen Terror beendet wurden, sind allerdings nur die Spitze der Grausamkeit. 

Familien, Freunde, Bekannte die am 19. Februar 2020 geliebte Menschen verloren haben und mit dem Verlust und dem Schmerz leben lernen mĂŒssen. 

Alle Menschen, die in der Mordnacht verletzt wurden, durch Kugeln, aber auch durch das traumatisierende Erlebnis Zeug*innen eines rassistischen Attentats zu werden. 

Der Umgang von Behörden und Institutionen mit den Angehörigen und Betroffenen im Anschluss an die Tatnacht. 

Den Schmerz und die Angst, die der rassistische Terroranschlag in der Gesellschaft sĂ€ht. 

Eine rassistische Gesellschaft die weiter macht wie zuvor.

Was bleibt ist der Schmerz und die Frage nach dem Warum. 

Morde aufgrund von rassistischer und menschenverachtender Ideologie wirken oft unbeantwortbar. Das ist Teil des Problems. 

Die Antwort lautet: Weil wir nichts dagegen tun. Weil die Politisierung von Ungleichheit Menschen ungehindert dazu bringt, andere Menschen zu hassen. Weil wir als Gesellschaft immer noch nicht gelernt haben das Problem Rassismus ernst zu nehmen. Und weil Menschen weiterhin tagtĂ€glich zu den Anderen gemacht werden – anstatt gemeinsam als Gesellschaft gegen menschenverachtende Ideologien und Strukturen vorzugehen. 

Das Problem heißt Rassismus – und muss als solches benannt werden.

Es reicht nicht mehr nur Namen zu sagen – es geht darum den Schmerz und die Sinnlosigkeit von Rassismus zu fĂŒhlen, die hinter den menschenfeindlichen Morden stehen. Es geht darum zu Handeln. Damit das was schon zu oft passiert ist, nie wieder geschieht. Dazu braucht es aber eine mutige Gesellschaft – die bereit ist, das Problem von Rassismus und anderer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auf allen Ebenen anzugehen. Es braucht eine radikale Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus in der deutschen Gesellschaft.

Erst wenn wir erkennen, dass wir Teil des Problems sind, durch unsere Einstellungen, unser Denken und unser Handeln, können wir VerÀnderung erreichen.

Wir gedenken Sedat GĂŒrbĂŒz, Fatih Saraçoğlu, Hamza Kurtović, Gökhan GĂŒltekin, Mercedes Kierpacz, Vili-Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov. 

  • Wir solidarisieren uns mit den Angehörigen der Opfer von Hanau.
  • Wir solidarisieren uns mit den Überlebenden des rassistischen Terroranschlags in Hanau.
  • Wir solidarisieren uns mit allen Menschen die von Rassismus betroffen sind.  
  • Und all denen die tĂ€glich aktiv gegen Rassismus und rechte Strukturen kĂ€mpfen.

UnterstĂŒtzt die Hinterbliebenen in ihrem Kampf gegen Rassismus:

Meldet rechte und rassistische VorfĂ€lle in MĂŒnchen:

Ihr seid selbst von rechter und gruppenbezogen menschenfeindlicher Gewalt und Diskriminierung betroffen und braucht Hilfe? Dann wendet Euch an die Beratungsstelle BEFORE  in MĂŒnchen beziehungsweise an B.U.D. (Beratung, UnterstĂŒtzung, Dokumentation) in Bayern.




Quelle: Asam.noblogs.org