September 13, 2021
Von FAU Flensburg
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Israel hat die dritte Impfung gegen Corona bereits freigegeben, die USA wollen bald folgen, und auch die EU bereitet sich darauf vor. Dabei ergibt die aktuelle Datenlage keinerlei Notwendigkeit fĂŒr eine solch rasche Auffrischimpfung.

Die Diskussion um eine dritte Impfung fĂŒr die breite Bevölkerung nimmt Fahrt auf. Anfang Woche gab die EuropĂ€ische Arzneimittelagentur bekannt, sie beschleunige die PrĂŒfung einer solchen Auffrischimpfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff. In Israel ist der «Booster-Shot», wie die Pharmafirmen es gerne labeln, bereits seit Ende August fĂŒr sĂ€mtliche Personen ab zwölf Jahren eingefĂŒhrt. Und die US-Regierung hat angekĂŒndigt, so rasch wie möglich nachziehen zu wollen.

Dieser politische Entschluss hat nun zu Verwerfungen gefĂŒhrt. Letzte Woche gaben zwei der ranghöchsten VertreterInnen der US-Regulierungsbehörde FDA ihren RĂŒcktritt bekannt: Marion Gruber und Philipp Krause begrĂŒndeten diesen Schritt gemĂ€ss der «New York Times» damit, dass die aktuelle Datenlage nicht ausreichend sei, um eine dritte Impfung zu rechtfertigen.

Diese Ansicht vertritt auch das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG): «Zum heutigen Zeitpunkt ist aus den verfĂŒgbaren wissenschaftlichen Daten nicht klar, wann fĂŒr wen eine Auffrischimpfung nötig wĂ€re», schreibt das BAG auf Anfrage. Eine dritte Impfdosis werde aktuell nur schwer immungeschwĂ€chten Personen verabreicht, um so einen möglichst guten Immunschutz ĂŒberhaupt erst herzustellen. Das sei nicht gleichzusetzen mit einer Auffrischimpfung fĂŒr die breite Bevölkerung. GemĂ€ss der zustĂ€ndigen Schweizer Behörde Swissmedic liegt derzeit ĂŒbrigens noch kein Zulassungsgesuch fĂŒr eine Auffrischimpfung von Biontech/Pfizer und Moderna vor, deren Impfstoffe in der Schweiz fĂŒr zwei Impfungen zugelassen sind.

Was heisst Wirksamkeit ĂŒberhaupt?

Das wichtigste Argument fĂŒr eine Auffrischimpfung sind Berichte ĂŒber eine abnehmende Wirkung der Impfstoffe. Sie stammen nicht zuletzt von den Pharmafirmen selbst: So empfahl etwa Moderna Anfang August explizit eine dritte Impfung â€“ weil die Wirkung des eigenen Impfstoffs nach sechs Monaten nachlasse. Albert Bourla, CEO von Pfizer, brachte die Auffrischimpfung bereits im April ins Spiel.

Wie lukrativ ein solcher «Booster»-Markt ist, legte kĂŒrzlich die Nachrichtenagentur Reuters dar: Biontech/Pfizer und Moderna dĂŒrften kĂŒnftig Milliarden von US-Dollar mit Auffrischimpfungen einnehmen, FinanzanalystInnen gehen von einem Markt aus, «der in den kommenden Jahren mit den sechs Milliarden US-Dollar Jahresumsatz fĂŒr Grippeimpfstoffe konkurrieren könnte». Überhaupt profitieren die beiden Pharmafirmen massiv von ihren neuen mRNA-Impfstoffen, die wesentlich auf öffentlich finanzierter Forschung basieren (siehe WOZ Nr. 7/2021): Bis 2022 besitzen Biontech/Pfizer und Moderna gemĂ€ss Reuters vertraglich gesicherte Vereinbarungen im Umfang von ĂŒber sechzig Milliarden US-Dollar.

FĂŒr Patrick Durisch, Spezialist fĂŒr Gesundheitspolitik bei Public Eye, liegt hier «ein klarer Interessenkonflikt» vor. «Die Pharmafirmen sitzen am lĂ€ngeren Hebel, zumal diese Firmen ja auch ĂŒber exklusive und riesige DatensĂ€tze verfĂŒgen. Das ermöglicht ihnen, mit der Angst der Behörden zu spielen», so Durisch. «Die Rede von einer abnehmenden Wirkung des Impfstoffs klingt erst mal besorgniserregend. Da wollen viele Regierungen vorauseilend lieber kein Risiko eingehen.» So habe auch die Schweiz insgesamt weit ĂŒber vierzig Millionen Impfdosen bestellt â€“ und damit deutlich mehr, als fĂŒr die doppelte Impfung der gesamten Bevölkerung nötig wĂ€re.

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Quelle: Fau-fl.org