Oktober 16, 2021
Von InfoRiot
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Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Der Grabstein erinnert an die frĂŒhere GrabstĂ€tte von Max Friedlaender (12.10.2021)

Auch einige Tage nach Bekanntwerden des Skandals um die Grabstelle des jĂŒdischen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender reißt die Kritik daran nicht ab. Durch eine Recherche des Informationsdienstes »Blick nach rechts« war bekannt geworden, dass am Freitag vergangener Woche der bekennende Neonazi Henry Hafenmayer in der GrabstĂ€tte beigesetzt wurde. Der Beerdigung auf dem SĂŒdwestfriedhof im brandenburgischen Stahnsdorf wohnten rund 50 Personen aus der bundesweiten Neonaziszenen bei, darunter der wegen Volksverhetzung mehrere Jahre inhaftierte Holocaustleugner Horst Mahler. Zwar war die GrabstĂ€tte von Friedlaender (1852–1934) im Jahr 1980 aufgelöst worden, jedoch stehen sowohl der Grabstein als auch der gesamte Friedhof unter Denkmalschutz.

Friedhofsverwaltung und Landeskirche war dem Vernehmen nach bekannt, dass es sich bei Hafenmayer um einen Holocaustleugner handelte. Die »Evangelische Kirche Berlin–Brandenburg–Schlesische Oberlausitz« (EKBO) hatte im Vorfeld entschieden, der Anfrage nach einer GrabstĂ€tte zu entsprechen, da jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte RuhestĂ€tte besitze. Dabei scheint es kaum vorstellbar, dass den Verantwortlichen die politische Dimension nicht klar gewesen sein soll.

Laut Recherchen von »Blick nach rechts« hatte ein NPD-Politiker im August eine GrabstĂ€tte auf dem GelĂ€nde als BevollmĂ€chtigter erworben und zunĂ€chst eine zentraler gelegene Stelle ins Auge gefasst. Dies wurde allerdings mit dem Verweis abgelehnt, dass dort viele GrĂ€ber jĂŒdischer Menschen seien. Auf Grundlage des Bestattungsregisters des Friedhofs, in dem Friedlaender mit evangelischer Konfession aufgefĂŒhrt ist, wĂ€hlte die Kirche anschließend seine dezentral gelegene Grabstelle.

Die Kirche war in den letzten Tagen deutlich um Schadensbegrenzung bemĂŒht und entschuldigte sich fĂŒr diesen »Fehler«. Der Berliner Bischof Christian StĂ€blein kĂŒndigte an, alles zu versuchen, um das Geschehen rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Laut der Erinnerungsbeauftragten der EKBO, Marion Gardei, ist ein »zeitlich nicht begrenztes Gedenken« an Friedlaender geplant. Dies sagte sie am Donnerstag dem RBB-Inforadio. Zudem solle das Leben des Musikwissenschaftlers erforscht werden. Die Möglichkeiten einer Urnenumbettung, wie in den letzten Tagen vielfach gefordert, werde weiter geprĂŒft. Es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Josef Schuster, PrĂ€sident des Zentralrats der Juden, fordert laut Medienberichten darĂŒber hinaus eine AufklĂ€rung darĂŒber, wie diese Bestattung genehmigt werden konnte, und dass Konsequenzen daraus gezogen werden.

Kritik kommt auch von lokalen Antifaschistinnen und Antifaschisten aus dem nordrhein-westfĂ€lischen Oberhausen, wo Hafenmayer ĂŒber Jahre seine Hetze verbreitet und dafĂŒr mehrfach vor Gericht gestanden hatte. Der entstandene Schaden sei »nicht wirklich wieder zu regulieren«, hieß es in einer Mitteilung des BĂŒndnisses »Es reicht! – Oberhausen solidarisch gegen rechts«. Die Aktion sei »eine von Nazis so geplante Inszenierung, inklusive einkalkulierter medialer Reaktion, mit der sie indirekt ihren Antisemitismus zur Schau stellen konnten«. Das BĂŒndnis forderte, die sterblichen Überreste Hafenmayers anonym zu bestatten, wie dies in Ă€hnlichen FĂ€llen auch geschehen sei.




Quelle: Inforiot.de