April 26, 2021
Von InfoRiot
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UniversitĂ€t Potsdam: Eine Chance fĂŒr geflĂŒchtete Lehrer und das Bildungswesen

In Istanbul hat Hakan Tankaz 13 Jahre Berufserfahrung als Mathematiklehrer gesammelt. Vor drei Jahren ist er aus politischen GrĂŒnden aus der TĂŒrkei geflĂŒchtet und lebt jetzt mit seiner Familie in Berlin. Lehrer werden hier gesucht. Doch der 43-JĂ€hrige kann und darf nicht ohne Weiteres in den Schulbetrieb einsteigen. Um fest eingestellt zu werden, benötigt er bessere Deutschkenntnisse, Wissen ĂŒber die in Deutschland ĂŒbliche PĂ€dagogik und ein zweites Fach.

Da hilft ihm das 2016 an der UniversitĂ€t Potsdam gestartete FlĂŒchtlingslehrerprogramm. »Ich habe lange auf dieses Programm gewartet«, erzĂ€hlt Tankaz erleichtert. Drei bis vier Semester dauert der Lehrgang an der UniversitĂ€t. Es schließen sich ein bis drei Jahre als Assistent an einer Schule an. Wem das zweite Fach fehlt, der muss dann auch danach noch nebenbei Kurse besuchen, wĂ€hrend er schon unterrichtet – Ă€hnlich, wie es Quereinsteiger tun.

Es ist ein langer Weg, der sich aber fĂŒr beide Seite lohnt, wie Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja SchĂŒle (SPD) am Montag sagte. Den Programmteilnehmern winkt eine gut bezahlte Festanstellung, von der sie sich und ihre Familien ernĂ€hren können, und das Bildungsministerium erhĂ€lt gut ausgebildete und obendrein erfahrene LehrkrĂ€fte, die es so dringend braucht.

160 geflĂŒchtete Lehrer sind bisher von der UniversitĂ€t Potsdam in das Programm aufgenommen worden, 105 haben es schon absolviert. Bislang sind aber nur drei Lehrer so weit gekommen, dass sie mit einer unbefristeten Stelle an einer öffentlichen Schule in Brandenburg unterrichten, sieben weitere mit einer befristeten. Zwei haben Kinder bekommen und sind deswegen in Elternzeit. Allerdings habe man keine Statistik, wie viele an Privatschulen oder an Berliner Schulen angenommen wurden, erklĂ€rt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die vergleichsweise ernĂŒchternden Zahlen.

Die Abbrecherquote ist mit 27 Prozent ziemlich hoch. Nicht durchgehalten haben die Teilnehmer aber vor allem in den Anfangsjahren 2016 bis 2018, heißt es. Inzwischen sei die Lehre bereits verĂ€ndert worden und wird nun auch noch weiter angepasst, wie Professorin Miriam Vock von der UniversitĂ€t Potsdam erlĂ€uterte.

Neu ist ab jetzt, dass sich das Programm nicht mehr ausschließlich an geflĂŒchtete Lehrer wendet. Auch anders zugewanderte PĂ€dagogen können eine Chance erhalten. Alle Bewerber mĂŒssen schon einen Hochschulabschluss erworben und in ihrer Heimat Berufserfahrung als Lehrer gesammelt haben. Außerdem werden Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 verlangt, man muss Deutsch also schon fließend sprechen und lesen. Bis zum Ende der Assistentenzeit sollen sich die Programmteilnehmer auf das höhere Niveau C2 vorgearbeitet haben. Wissenschaftsministerin SchĂŒle spricht von einem »Potsdamer Exportschlager«. Ihr zufolge kopierten UniversitĂ€ten in Bielefeld, Bochum, Flensburg, Kiel und Wien das Programm.

2016 waren 11 000 der in jenem Jahr nach Deutschland gekommenen FlĂŒchtlinge nach eigener Aussage ausgebildete Lehrer. Eine HĂŒrde ist, dass Lehrer in Deutschland zwei FĂ€cher haben mĂŒssen, in den HeimatlĂ€ndern der FlĂŒchtlinge jedoch oft nur fĂŒr ein Fach ausgebildet wird. Mathelehrer Tankaz studiert nun noch das Fach WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik).

Asiya Celik stammt aus Kasachstan. Sie hat dort und in der Ukraine studiert und insgesamt 13 Jahre als Deutsch- und Englischlehrerin in der Ukraine und in der TĂŒrkei gearbeitet. Als sie vor drei Jahren aus der TĂŒrkei nach Deutschland flĂŒchtete, habe leider infrage gestanden, ob sie hier weiter unterrichten könne, sagt die 37-JĂ€hrige. Das Programm gab ihr neuen Mut. »Alles ist so gut organisiert«, lobt sie.




Quelle: Inforiot.de