Oktober 10, 2022
Von Graswurzel Revolution
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Wir, ukrainische Pazifisten, fordern und werden uns bem├╝hen, den Krieg friedlich
zu beenden und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgr├╝nden
zu sch├╝tzen.
Frieden, nicht Krieg, ist die Norm des menschlichen Lebens. Krieg ist
organisierter Massenmord. Unsere heilige Pflicht ist nicht zu t├Âten. Heute, wo
der moralische Kompass ├╝berall verloren geht und die selbstzerst├Ârerische
Unterst├╝tzung f├╝r Krieg und Militanz w├Ąchst, ist es f├╝r uns besonders wichtig,
den gesunden Menschenverstand zu bewahren, unserer gewaltfreien Lebensweise treu
zu bleiben, Frieden zu schaffen und friedliebende Menschen zu unterst├╝tzen.
Nach der Verurteilung der russischen Aggression gegen die Ukraine forderte die
UN-Generalversammlung eine sofortige friedliche L├Âsung des Konflikts zwischen
Russland und der Ukraine und betonte, dass die Konfliktparteien die
Menschenrechte und das humanit├Ąre V├Âlkerrecht respektieren m├╝ssen. Wir teilen
diese Position.
Die derzeitige Kriegspolitik bis zum absoluten Sieg und die abweisende Haltung
gegen├╝ber Kritik von Menschenrechtsaktivisten sind inakzeptabel und m├╝ssen
ge├Ąndert werden. Ein Waffenstillstand, Friedensgespr├Ąche und ernsthafte Arbeit
sind erforderlich, um die tragischen Fehler zu korrigieren, die auf beiden Seiten
des Konflikts begangen wurden. Die Verl├Ąngerung des Krieges hat katastrophale,
t├Âdliche Folgen und zerst├Ârt weiterhin das Wohlergehen der Gesellschaft und der
Umwelt, nicht nur in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt. Fr├╝her oder sp├Ąter
werden sich die Parteien an den Verhandlungstisch setzen, wenn nicht nach einer
vern├╝nftigen Entscheidung, dann unter dem Druck unertr├Ąglichen Leidens und der
Schw├Ąchung. Die zweite Option vermeidet man am besten, indem man den
diplomatischen Weg w├Ąhlt.
Es ist falsch, sich auf die Seite irgendeiner der gegnerischen Armeen zu stellen,
man muss auf der Seite des Friedens und der Gerechtigkeit stehen.
Selbstverteidigung kann und soll mit gewaltfreien und unbewaffneten Methoden
durchgef├╝hrt werden. Jede brutale Regierung ist illegitim, und nichts rechtfertigt
die Unterdr├╝ckung von Menschen und Blutvergie├čen um der illusorischen Ziele der
totalen Kontrolle oder der Eroberung von Territorien willen. Niemand kann sich
der Verantwortung f├╝r seine eigenen Missetaten entziehen, indem er behauptet, das
Opfer der Missetaten anderer zu sein. Das falsche und sogar kriminelle Verhalten
einer Partei kann nicht als Entschuldigung daf├╝r dienen, einen Mythos ├╝ber einen
Feind zu schaffen, mit dem angeblich keine Verhandlungen m├Âglich sind und der um
jeden Preis, einschlie├člich der Kosten der Selbstzerst├Ârung, zerst├Ârt werden
muss. Der Wunsch nach Frieden ist ein nat├╝rliches Bed├╝rfnis jedes Menschen, und es ist
nicht gerechtfertigt, denjenigen, die den Wunsch nach Frieden ├Ąu├čern, zu unterstellen, sie
seien mit jenem mythischen Feind im Bunde.
Das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgr├╝nden war in der
Ukraine nicht einmal in Friedenszeiten gem├Ą├č internationalen Standards garantiert,
geschweige denn unter den derzeitigen Bedingungen des Kriegsrechts. Der Staat hat
sich jahrzehntelang fortgesetzt jeder ernsthaften Reaktion auf einschl├Ągige
Vorschl├Ąge des UN-Menschenrechtsausschusses und ├Âffentliche Proteste entzogen.
W├Ąhrend der Internationale Pakt ├╝ber B├╝rgerliche und Politische Rechte vorsieht, dass der
Staat dieses Recht nicht einmal in Kriegszeiten oder anderen Ausnahmezust├Ąnden au├čer
Kraft setzen darf, weigert sich die Armee in der Ukraine, das allgemein anerkannte Recht auf
Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgr├╝nden zu respektieren oder auch nur bei der
Mobilisierung einen alternativen nichtmilit├Ąrischen Dienst anstelle des obligatorischen
Milit├Ąrdienstes zuzulassen, wie es die Verfassung der Ukraine vorsieht. Eine solch skandal├Âse
Missachtung der Menschenrechte hat in einem Rechtsstaat nichts zu suchen.
Der Staat und die Gesellschaft m├╝ssen dem Despotismus und Rechtsnihilismus der
Streitkr├Ąfte der Ukraine ein Ende bereiten, der sich in einer Politik der Schikanen
und strafrechtlichen Sanktionen f├╝r die Weigerung der Teilnahme an
Kampfhandlungen und in der gewaltsamen Umwandlung von Zivilisten in Soldaten
manifestiert. Dadurch d├╝rfen Zivilisten sich innerhalb des Landes nicht frei bewegen oder ins
Ausland reisen, nicht einmal um essentielle Bed├╝rfnisse wie Rettung vor Gefahr, Bildung,
Existenzfindung, berufliche und kreative Selbstverwirklichung usw. zu befriedigen.
Die Regierungen und die Zivilgesellschaft der Welt stehen der Gei├čel des Krieges
hilflos gegen├╝ber, verwickelt in einen Strudel aus Konflikten zwischen der
Ukraine und Russland und breiteren Feindseligkeiten zwischen den NATO-Staaten,
Russland und China. Selbst die drohende Zerst├Ârung allen Lebens auf dem Planeten
durch Atomwaffen hat dem wahnsinnigen Wettr├╝sten kein Ende gesetzt, und das
Budget der UNO, der wichtigsten Institution des Friedens auf der Erde, betr├Ągt
nur 3 Milliarden Dollar, w├Ąhrend die weltweiten Milit├Ąrausgaben um Zehnerpotenzen
h├Âher sind und bereits die gigantische Summe von 2 Billionen Dollar ├╝berschritten haben.
Aufgrund ihrer Neigung, massenhaftes Blutvergie├čen zu organisieren und Menschen zum
T├Âten zu zwingen, haben sich Nationalstaaten als unf├Ąhig zu einer gewaltfreien
demokratischen Regierungsf├╝hrung und ihrer grundlegenden Funktion, das Leben und
die Freiheit der Menschen zu sch├╝tzen, erwiesen.
ÔÇťUnserer Meinung nach wird die Eskalation bewaffneter Konflikte in der Ukraine
und in der Welt dadurch verursacht, dass die bestehenden wirtschaftlichen,
politischen und rechtlichen Systeme, Bildung, Kultur, Zivilgesellschaft, Medien,
Pers├Ânlichkeiten des ├Âffentlichen Lebens, F├╝hrer, Wissenschaftler, Experten,
Fachleute, Eltern, Lehrer, ├ärzte, Denker, K├╝nstler und religi├Âse F├╝hrer ihrer Verantwortung
zur F├Ârderung der Normen und Werte einer gewaltfreien Lebensweise, wie sie in der von der
UN-Generalversammlung verabschiedeten Erkl├Ąrung und im Aktionsprogramm f├╝r eine
Kultur des Friedens festgelegt sind, nicht vollst├Ąndig nachkommen. Beendet werden m├╝ssen
die milit├Ąrisch-patriotische Erziehung, die Pflicht zum Kriegsdienst, die fehlende
systematische Erziehung der Bev├Âlkerung im Geiste des Friedens, die Kriegspropaganda in
den Medien, die Unterst├╝tzung des Krieges durch NGOs sowie die mangelnde Bereitschaft
mancher Menschenrechtsverteidiger*innen, konsequent f├╝r die volle Verwirklichung der
Menschenrechte auf Frieden und der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgr├╝nden
einzutreten. Wir erinnern die betroffenen Parteien an ihre Verantwortung f├╝r die
Konsolidierung des Friedens und werden konsequent auf der Erf├╝llung dieser Verantwortung
bestehen.ÔÇŁ (Jurij Scheljaschenko, Exekutivsekret├Ąr der Ukrainischen Pazifistischen
Bewegung)
Wir sehen die Ziele unserer Friedensbewegung und aller Friedensbewegungen in der
Welt darin, das Menschenrecht auf Verweigerung des T├Âtens zu verteidigen, den Krieg
in der Ukraine und alle Kriege in der Welt zu beenden, nachhaltigen Frieden und
Entwicklung f├╝r alle V├Âlker der Welt zu gew├Ąhrleisten. Um diese Ziele zu
erreichen, werden wir die Wahrheit ├╝ber das B├Âse und den Betrug des Krieges
aussprechen, uns praktisches Wissen ├╝ber ein friedliches Leben ohne oder mit m├Âglichst
wenig Gewalt aneignen und es weitervermitteln, wir werden den Bed├╝rftigen helfen,
insbesondere denen, die von Kriegen und dem ungerechten Zwang zur Unterst├╝tzung der Armee
oder zur Teilnahme am Krieg betroffen sind.
Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Wir sind daher entschlossen, keine Art von Krieg
zu unterst├╝tzen und uns f├╝r die Beseitigung aller Kriegsursachen einzusetzen.



Quelle: Graswurzel.net