Oktober 11, 2021
Von SchwarzerPfeil
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[Anmerkung: Wir stimmen diesem eingereichten Beitrag nicht allen Punkten zu, denken aber, dass dieser Beitrag eine sinnvolle Auseinandersetzung und Diskussion einleiten könnte]

„die selben Verkaufsassistenten, die ihren Diskurs den Erkenntnissen der letzten Umfrage anpassen“

Es wĂ€re einfach genug Satz fĂŒr Satz „Der kommende Aufstand“ durchzugehen, um zu zeigen wie schlecht das Buch ist, aber den Aufwand ist es wirklich nicht wert. Trotzdem, seit das Buch von „Semiotext(e)“ auf Englisch veröffentlicht wurde (mit „MIT Press“ als Verleger) hat es, nicht nur unter den Fans des rechten Idioten Glenn Beck (ein prominenter amerikanischer Talkshow- und Fernsehmoderator und besonders radikaler Vertreter der amerikanischen Rechten; Anm. d. Ü.), der kostenlose Werbung fĂŒr das Buch machte, als er es in seiner Show als gefĂ€hrliches, kommunistische Buch anprangerte, sondern auch unter Anarchisten einiges an PopularitĂ€t erlangt. Ich bin mir nicht sicher warum, weil in einer Sache lag Glenn Beck richtig: Dieses Buch ist nicht anarchistisch, es ist kommunistisch.[1]

DarĂŒber hinaus, ist das Buch, trotz dem was der französische Innenminister und der Staatsanwalt in dem Tarnac 9 Fall sagten, weder ein „Handbuch des Terrorismus“, noch ein „Handbuch der Sabotage“ oder sogar ein „Handbuch des Aufstands“. Ein Handbuch ist ein Buch, welches Anweisungen gibt um etwas zu tun. Es hat einen konkreten, nĂŒtzlichen Inhalt. Das hat dieses Buch nicht, es hat bloß ein Produkt zu verkaufen.

Sogar der Untertitel reflektiert seinen Mangel an Inhalt. Das „Unsichtbare Komitee“, welchem das Buch zugeordnet wird, behauptet ein „imaginĂ€res Kollektiv“ zu sein[2], bestehend aus „Verfassern“ die „nicht seine Autoren sind“, sondern bloße Schreiber, die „etwas Ordnung in die GemeinplĂ€tze der Epoche bringen“. Sie haben diese „GemeinplĂ€tze“ durch das, „was an den Tischen der Bars“ und „hinter der geschlossenen TĂŒr des Schlafzimmers gemurmelt wird“, gesammelt (14). Das Buch ist eigentlich autorenlos – so sagen es uns die Autoren. Aber das hĂ€lt das imaginĂ€re Komitee, welches immer wieder seine Hang zum Kommunismus verkĂŒndet, nicht davon ab das Buch zu copyrighten, also sein exklusives, privates Eigentum zu beanspruchen. Schlussendlich, „gilt [es] Geld fĂŒr die Kommune zu suchen“ (69) und mit „MIT Press“ als Verleger und der Hilfe von Glenn Beck bei der Werbung, kann sich dieses imaginĂ€res Komitee von „Verfassern“ und „Schreibern“ sicher sein, einige anstĂ€ndige Schecks zu bekommen.[3]

Falls es dem Buch an Inhalt mangelt, so mangelt es ihm nicht an der oberflĂ€chlichen, emotionsgeladenen Sprache, die unter Werbefachleuten und den aalglatten politischen Propagandisten gelĂ€ufig ist. Bevor man ĂŒberhaupt zum Inhaltsverzeichnis gelangt, findet man (in der US-amerikanischen Ausgabe) folgende Worte: „Das Buch was du in deinen HĂ€nden hĂ€ltst, wurde zu einem grundlegendem BeweisstĂŒck eines Antiterrorismus Prozess in Frankreich gegen neun Individuen, die am elftem November 2008 in Frankreich verhaftet wurden
“. (In dem deutschen, wesentlich kĂŒrzerem Vorwort zu der Ausgabe von Edition Nautilus ist die Rede von dem Buch als „einziges BeweisstĂŒck eines angeblich international bekannten „Terrorismusfalls““) Dies wĂ€re eine Möglichkeit gewesen um zu zeigen, wie die repressiven Tricks des Staates funktionieren, um aufzuzeigen, wie wenige Beweise es gibt, dass irgendjemand von den Verhafteten sich am Schreiben des Buches beteiligt hat, inklusive der einen Person, von der die AutoritĂ€ten behaupten, dass sie geholfen hat das Buch zu verfassen, eine Möglichkeit um klarzustellen, dass es kein Handbuch fĂŒr irgendetwas ist. In anderen Worten, es wĂ€re eine Möglichkeit gewesen um ein wenig Substanz herein zu bringen. Anscheinend interessierte das die Verleger nicht. Sie bevorzugten es, die Verhaftung der Tarnac 9 und die Verwendung des Buches vom Staat gegen diese, als ein Werbekniff zu verwenden, sie gingen sogar so weit Fakten zu verdrehen: „bedacht darauf, das Buch, welches als Handbuch des Terrorismus bezeichnet wurde, hervorzuheben, welches sie [die Tarnac 9] beschuldigt werden, verfasst zu haben“ (Vorwort der US-Ausgabe, Betonung hinzugefĂŒgt). TatsĂ€chlich war nur einer von ihnen, Julien Coupat, ein MitgrĂŒnder der Zeitschrift „Tiqqun“, beschuldigt das Buch verfasst zu haben[4]. Der Hauptvorwurf gegen die „9“ war „kriminelle Vereinigung mit dem Ziel des Terrorismus“, aber fĂŒr die US-Verleger, scheint dieser Vorwurf nur als ein Zusatz zu dienen, der hilft das Buch zu vermarkten.

„Alle sind sich einig“

Das Unsichtbare Komitee liefert eine Einleitung zu der amerikanischen Ausgabe mit dem Titel „A point of clarity“. Diese ist fast so inhaltsleer wie der Rest des Buches, aber ihre ersten beiden SĂ€tze sind offensichtlich darauf ausgelegt einen zu fangen und zu fesseln. „Alle sind sich einig. Alles ist kurz davor zu explodieren.“ Nervenkitzel und Spannung folgen todsicherer
 Aber im ersten Satz geht es um mehr. „Alle sind sich einig“ ist genau die Einstellung, welche das Unsichtbare Komitee in Bezug auf alles hat, was es zum Buch „beigetragen“ hat. Wenn du nach öffentlichkeitswirksamen Slogans, nach feuriger politischer Propaganda, nach emotionalen ultra-linken PlattitĂŒden suchst, bist du hier genau richtig. Wenn du andererseits nach gut durchdachten Argumenten, gut strukturierten theoretischen Analysen, signifikanten Auseinandersetzungen und Nachforschungen ĂŒber die Welt, der wir heute gegenĂŒber stehen und wie wir diese konfrontieren können, suchst, vergiss es. Argumente sind unnötig weil „alle sind sich einig“, „jeder kann es bezeugen (22)“, „jeder empfindet (22)“ die „notwendigen Wahrheiten“ (14), welche die Schreiber zu Papier gebracht haben, also wozu brauchen wir Argumente, Analysen und theoretische Anstrengungen? Zumindest geben sie einen klaren Hinweis darauf, dass wir keine Argumente, keine ErklĂ€rungen und keine Analysen erwarten können. Wir haben es mit ehrlichen Werbefritzen zu tun.

BezĂŒglich ein paar andere Sachen ist die Einleitung klarer. Uns wird gesagt, dass „revolutionĂ€re Bewegungen sich nicht durch Ansteckung, sondern durch Resonanz verbreiten“. Sie fahren fort um aufzuzeigen, dass „ein Aufstand keine Plage oder Waldbrand ist,“ sondern „[er] nimmt eher die Form von Musik an, deren Brennpunkten es gelingt uns den Rhythmus ihrer eigenen Vibration aufzulegen“ (Vorwort der US-Ausgabe, Betonung hinzugefĂŒgt). Was an dieser Metapher interessant ist, ist nicht die Unterscheidungen, die sie machen, diese sind mehr oder weniger nichtssagend, sondern die Tatsache, dass die Möglichkeit nicht in Betracht gezogen wird, dass eine revolutionĂ€re Bewegung oder ein Aufstand etwas sein könnte, was du und ich durch unsere eigenen bewussten Handlungen versuchen könnten zu kreieren. Ihre bevorzugten Metaphern sprechen immer von etwas, was uns zustĂ¶ĂŸt, nicht etwas, was wir machen. Diese Annahme – dass wir als Individuen nicht handlungsfĂ€hig sind – durchzieht das Buch, was somit von selbst garantiert, dass es kein Handbuch sein kann. Was fĂŒr einen Sinn macht es Anleitungen an jene zu geben, die nur von Resonanz und Rhythmen, die ihnen auferlegt werden, bewegt werden können? Laut den Schreibern des Buches, funktioniert ein Aufstand in Wirklichkeit wie das Empire, er ist genauso „ein Rhythmus, der sich selbst auferlegt, eine Art die RealitĂ€t aufzulösen und aufzuteilen“ (Vorwort der US-Ausgabe). Diese Themen der Abstraktionen, Aktionen und Beziehungen als Quelle der Handlungsmacht in der Welt, ziehen sich durch das ganze Buch. Und ernsthaft, könnte irgendein wesentlicher, bedeutsamer Inhalt aus den auferlegten Rhythmen einer solchen Ideologie resultieren?

Die Verneinung von individueller HandlungsfĂ€higkeit reicht aus um uns zu zeigen, dass die Autoren keine Anarchistinnen sind. Im Vorwort der US-Ausgabe sagen sie klar was ihre Agenda ist: „Überall ist eine neue Idee des Kommunismus auszuarbeiten.“ Hier hast du es. Sie sind Kommunisten, genauso wie die Tarnac 9. Und wie die meisten Kommunisten, die ich kenne, scheinen sie keine allzu große Meinung von Anarchisten oder Anarchismus zu haben. Das Wort „Anarchist“ (und sein Plural) kommt insgesamt vier Mal in dem Buch vor. Zwei mal davon wird es auf eine explizit negative oder beleidigende Weise benutzt (im Vorwort der US-Ausgabe und 100); die anderen beiden Male relativ neutral (77 und 81). Das Wort „Anarchie“ erscheint in einem Satz: „Jeder ist aufgefordert Position zu beziehen, sich zu entscheiden fĂŒr die Anarchie oder die Angst vor der Anarchie.“ (87) In dem Kontext ist es nicht möglich zu sagen, was genau die Schreiber mit „Anarchie“ meinen, aber es ist klar, dass sie nicht Individuen meinen, die ihre Leben und KĂ€mpfe selbst in die HĂ€nde nehmen und sie nach ihren eigenen Bedingungen erschaffen; zuerst, weil wir „aufgefordert [sind] Position zu beziehen“ und zweitens weil sie deutlich gemacht haben, dass ihrer Meinung nach, „Individuen“ zu so etwas nicht fĂ€hig sind. Also was auch immer diese „Anarchie“ ist, es ist etwas das uns aufgezwungen wird. Es ist sicher nicht die Anarchie von Anarchisten.

Das bringt mich zu der wichtigsten Sache, die die Einleitung klarstellt. FĂŒr das Unsichtbare Komitee ist das Individuum „Fiktion“. Das Komitee sagt uns, „Die Fiktion des Individuums hat sich genauso schnell aufgelöst, wie sie wahr geworden ist“ (Vorwort der US-Ausgabe). Und falls du denkst, dass sie in diesem „wahr geworden“ etwas positives gesehen haben könnten, ist alles was du tun musst, durch den Rest dieses Buches zu gehen und die „GemeinplĂ€tze“ und „notwendigen Wahrheiten“ ĂŒber IndividualitĂ€t, die die Schreiber mit uns teilen, zu lesen. TatsĂ€chlich, wenn man die Schreiber beim Wort nimmt, wĂŒrde IndividualitĂ€t als der grĂ¶ĂŸte Feind von Kommunismus und Aufstand in der heutigen Welt erscheinen. Das Wort „Ich“ kommt in dem Buch öfter vor als das Wort „Staat“, sechs mal öfter als „Kapitalismus“, vier mal öfter als „Klasse“ und es wird fast jedes mal negativ gebraucht. Variationen des Wortes „individuell“ kommen mehr als drei Mal so oft vor wie Kapitalismus und zwei Mal so oft wie Klasse. Nie, außer in zwei Zitaten, eins von einem Richter (21) und eins von einem Polizisten (86) und in der VerkaufsprĂ€sentation der Verleger vor der Inhaltsangabe gibt es irgendeine Zugbilligung individueller HandlungsfĂ€higkeit. Aber wenn das Individuum Fiktion ist, wie könnte es anders sein?

Der Kommende Aufstand selbst, beginnt mit einem Prolog welcher sehr wenig zu sagen hat. Hippe, aalglatte Sprache um uns daran zu erinnern, dass sie einfach nur klarstellen was jeder weiß, was jeder fĂŒhlt, womit jeder ĂŒbereinstimmt
 unsere „gemeinsame Erfahrung“ fĂŒr die „keine Sprache mehr existiert“ (12). Also warum schwafelt das Unsichtbare Komitee trotzdem weiter? Ich hĂ€tte ein Unhörbares Komitee bevorzugt. Aber gleichzeitig mit seinen Offenbarungen, die es in „GemeinplĂ€tzen“ (das heißt in BanalitĂ€ten und Klischees) kommuniziert, offenbaren sie auch, dass ihr Projekt „politisch“ ist, aber „nichts mit der Politik zu schaffen hat“. Dieses heikle Wortspiel hat sein DebĂŒt auf Seite 12, wo das Unsichtbare Komitee sehr aufpasst nicht auf der Unterscheidung, die sie zwischen „Politik“ (böse) und „dem Politischem“ (gut) machen, auszurutschen. Aber es ist schwer solch eine Vorsicht aufrechtzuerhalten, wenn man so mit Wörtern jongliert. TatsĂ€chlich lernt man in der Einleitung zu der amerikanischen Ausgabe, sogar bevor man zu dieser Unterscheidung zwischen „dem Politischem“ und „Politik“ (in deren „entschlossenen Verneinung“ man „das rein Politische“ sehen kann) kommt, dass die französischen AutoritĂ€ten wegen einer „Idee der Politik“, die es ausdrĂŒckt, besorgt ĂŒber Der Kommenden Aufstand sind. Weiter erklĂ€rt das Komitee auf Seite 74, dass „man die Wut nie von der Politik [hĂ€tte] lösen sollen“. Also gibt es anscheinend eine wertvolle Form der Politik, welche nicht politisch verneint werden sollte. In Wirklichkeit bewirbt das Buch mit seiner „imaginĂ€ren Partei“, seiner „Partei des Aufstands“ eine politische Agenda. Und diese hat in etwa so viel Inhalt wie politische Agenden heutzutage haben.

„Es gibt kein Ich im Team“

Jetzt betreten wir die Hölle dieser Erde. Der nĂ€chste Teil von Der Kommende Aufstand ist die Beschreibung von dem, was wir alles ĂŒber diese Welt wissen und worin wir alle ĂŒbereinstimmen, ihre Beobachtungen ĂŒber die gesellschaftliche Hölle in der wir leben. Wenn ich beginnen wĂŒrde, die Hölle, die diese Welt darstellt, zu beschreiben, wĂŒrde ich damit anfangen mir all die institutionalisierten Strukturen anzuschauen, die diese gesellschaftliche RealitĂ€t, die uns auferlegt wird, ausmachen: den Staat, wirtschaftliche Strukturen, Arbeit, Gesetz, Religion, die Familie, das technologische System und Ă€hnliches. Nicht jedoch das Unsichtbare Komitee
 Ihr erstes Ziel ist das „Ich“, das Individuum. Der gesamte erste Kreis ist dem Angriff auf IndividualitĂ€t als Entfremdung gewidmet. Die Tatsache, dass das der Punkt ist, wo das Komitee beginnt die Grundlage der gegenwĂ€rtigen gesellschaftlichen Hölle darzustellen, zeigt wie zentral das fĂŒr ihre politische Agenda ist. FĂŒr sie bezieht sich „Ich“ nur auf „die letzte Opfergabe des Marketing an

die Welt, das letzte Entwicklungsstadium der Werbung“ (15). Wie könnte es als solches nicht etwas „falsches“ sein, der Grund fĂŒr Leere und Austrocknung? Ich habe Ausschau gehalten nach dem Punkt[5] wo das Unsichtbare Komitee hinter die typische, langweilige linke Ablehnung des Individualismus blickt, hin zu realen, konkreten, lebenden Individuen wie dir und mir. Es gab ihn nicht. Nicht im ersten Kreis und nirgendwo anders. Auf Seite 16-17 machen sie klar, dass sie nicht sich selbst (oder irgendjemand Anders) als potentiellen Schöpfer ihrer eigenen Lebens betrachten:

„Was ich bin? Von allen Seiten gebunden an Orte, Leiden, Ahnen, Freunde, Liebschaften, Ereignisse, Sprachen, Erinnerungen, an Dinge aller Art, die mit aller Offenkundigkeit nicht Ich sind. Alles, was mich an die Welt bindet, alle Verbindungen, die mich ausmachen, alle KrĂ€fte, die mir innewohnen, verstricken sich nicht zu einer IdentitĂ€t, die zur Schau zu stellen wir aufgefordert werden, sondern zu einer Existenz: einzigartig, gemeinschaftlich, lebendig, aus der stellenweise, im

Moment, dieses Wesen aufsteigt, das »ich« sagt. Unser GefĂŒhl der Inkonsistenz ist nur eine Auswirkung dieses dummen Glaubens an die Permanenz des Ich, und der wenigen Sorgfalt, die wir dem entgegenbringen, was uns ausmacht.“[6]

Das „Ich“ in dieser Passage ist niemand, der sich sein Leben selbst erschafft, kein handelndes Wesen das seine Vergangenheit, seine gegenwĂ€rtige Umgebung, seine Beziehungen, etc. benutzt, um sich in jedem Moment selbst zu erschaffen. Viel eher setzt sich dieses „Ich“ aus Verbindungen und KrĂ€ften zusammen. In anderen Worten, Ich, als konkretes, lebendes, atmendes Individuum, bin bloß das Produkt von Abstraktionen, weil eine Verbindung, die nicht die Verbindung von zwei oder mehr Individuen oder Dingen ist, ist eine Abstraktion. Eine Kraft welche nicht die aktive Benutzung von Kraft durch ein Individuum oder Ding ist, ist Abstraktion. Und das ist das politische Programm der imaginĂ€ren Partei des Aufstands fĂŒr welche das Unsichtbare Komitee spricht: „Die Dekonstruktion der Hypothese des Ich“, denn „Es ist nicht das Ich, was bei uns in der Krise ist, sondern die Form, die man uns aufzuzwingen versucht.“ (17). In Wirklichkeit „gibt es keine andere Schlichtung als die medikamentöse und die polizeiliche“ in dieser Gesellschaft, nicht weil sie Gleichförmigkeit und die UnterdrĂŒckung von IndividualitĂ€t und Rebellion benötigt, sondern „Weil die Hypothese des Ich ĂŒberall Risse bekommt.“ (18). Sogar das politische Programm von der „Dekonstruktion des Ich“ ist schon etwas das uns durch die Kraft des Zufalls passiert, nicht etwas das wir machen.

„Menschen haben all ihre Macht an „Sie“ weggegeben. Ihr könnt das System nicht bekĂ€mpfen denn ohne das System kann niemand von euch ĂŒberleben. Ihr habt eine Welt ohne Alternativen erschaffen und jetzt gehört eure neue Welt bereits diesem „Sie“.“

Jeanette Winterson, Die steinernen Götter

Die wenigen Male, wo das Unsichtbare Komitee tiefer als ausgefallene Wortspiele und Phrasendrescherei gelangt, ist es bloß um sich mit Symptomen zu beschĂ€ftigen und diese als Ursachen zu behandeln. OberflĂ€chlichkeit ist die aktuelle Tagesordnung fĂŒr das, was als theoretische Bestrebungen durchgeht, so gesehen liegen sie nur im Trend.

Wie auch immer, das bedeutet nicht, dass es hier nichts von Interesse gibt, zumindest um die Agenda des Unsichtbaren Komitees zu enthĂŒllen. Zum Beispiel gibt das „Unsichtbare Kollektiv“ im zweiten Kreis seine erste Beschreibung von dem, was der Staat macht[7], wenn sie „die erbarmungslose, jahrhundertelange Arbeit der Staatsmacht an der Individualisierung, die ihre Untertanen vom jĂŒngsten Alter an verzeichnet, vergleicht, diszipliniert und trennt, die aus Instinkt jegliche SolidaritĂ€ten, die sich ihr entziehen, zermalmt, bis nur noch die StaatsbĂŒrgerschaft bleibt, die reine, eingebildete Zugehörigkeit zur Republik“ erwĂ€hnen (19, Betonung hinzugefĂŒgt). Also lernen wir, dass es Staatsmacht ist, die uns individualisiert. Wie? Durch Verzeichnen, Vergleichen, Disziplinieren und uns trennen, bis wir nichts mehr sind als StaatsbĂŒrger. Nachdem sie davon ausgehen, dass die einzige IndividualitĂ€t Entfremdung ist, kommt das Unsichtbare Komitee nicht umhin auf AbsurditĂ€ten dieser Art zurĂŒckzugreifen. Du erschaffst dich nicht selbst als Individuum; sondern der Staat individualisiert dich, dadurch, dass er dich in eine Kategorie (eine GruppenidentitĂ€t, die dich mit anderen vergleicht – und somit deine Einzigartigkeit verneint) zwingt, dich diszipliniert (dich dazu zwingt, dich an seine benötigten Verhaltensregeln anzupassen) und dich in diesen Kategorien, durch das Mittel des Vergleichens das er dir aufgezwungen hat, trennt. Diese falsche – gĂ€nzlich vom Staat betriebene – Individualisierung reduziert alle auf BĂŒrger. Wie Orwells Neusprech in 1984 ist das (in Altsprech) Schwachsinn. Um spezifischer zu sein, linker Schwachsinn, die gleiche alte, mĂŒde linke Kritik an Individualismus, die wir seit Dekaden hören. Die traurigste Sache ist, dass das ungefĂ€hr so tiefgrĂŒndig ist, wie das Buch in seiner Analyse des Staats kommt und es ist eine falsche, oberflĂ€chliche und anti-anarchistische Analyse.

Die Schreiber nehmen an, dass der Staat bereits der Vergangenheit angehört, zum grĂ¶ĂŸten Teil eine „verwundete“, aber immer noch „gefĂ€hrliche“ Bestie ist (87), auf jeden Fall kollabierend, immer schwĂ€cher werdend bis zu dem Punkt, dass er „gar nichts mehr kann“ (58), so dass Aktivisten eine „berĂŒhrende Nostalgie fĂŒr den Staat“ (44) fĂŒhlen könnten. Warum sollte man, dem Unsichtbaren Komitee zufolge, seitdem die Geschichte den Staat anscheinend verschwinden lĂ€sst, Zeit damit verschwenden wirklich versuchen zu verstehen, was der Staat ist und wie er operiert? Der Staat wird, viel eher als das Individuum, als etwas Lebendiges behandelt, was auf uns einwirkt. Aber wenn du nach dem Staat suchst, wirst du nicht dieses Ding finden. Du wirst GebĂ€ude, Uniformen, Papiere, Waffen und viele andere Objekte finden; diese machen, in sich selbst, nicht den Staat aus. Sie erlangen ihre Bedeutung erst als Instrumente des Staats durch spezifische AktivitĂ€ten und Beziehungen, von Individuen, die miteinander auf spezifische, institutionalisierte Weise interagieren. Der Staat wird nicht dahinschwinden, er wird nicht kollabieren, so lange Individuen fortfahren sich auf diese institutionalisierte Art und Weise aufeinander zu beziehen, ihre eigene FĂ€higkeit sich selbst in jedem Moment zu erschaffen negierend.

Wenn dem Unsichtbarem Komitee jegliche Analyse des Staats fehlt, ist die Art wie sie Familie behandeln eher amĂŒsierend. Richtung Ende des Zweiten Kreises, wirst du diese Worte finden: „Aus dem, was es an Unbedingtem in verwandtschaftlichen Verbindungen gibt, beabsichtigen wir das GerĂŒst fĂŒr eine politische SolidaritĂ€t zu errichten, die fĂŒr den staatlichen Zugriff so undurchdringbar ist wie ein Zigeunerlager. Sogar in den endlosen Subventionen, die viele Eltern ihrem proletarisierten Nachwuchs zu zahlen gezwungen sind, gibt es nichts, was nicht zu einer Art MĂ€zenentum fĂŒr die soziale Subversion werden könnte“ (23). Augenscheinlich finden wir alle Wege wie wir am Besten in dieser Welt ĂŒberleben können, aber es ist etwas absurdes daran zu behaupten, dass von den elterlichen Subventionen zu leben eine Basis fĂŒr eine tiefe SolidaritĂ€t oder ein „MĂ€zentum fĂŒr die soziale Subversion“ sein kann. Was wir fĂŒr das Überleben tun, ist nichts mehr als wie wir in der existierenden Welt auskommen. Von deinen Eltern zu leben stĂŒrzt nicht die familiĂ€ren Beziehungen um. Weder gestalte es die existierende Welt um, noch zerstört es sie. Es bedeutet bloß, dass du genug GlĂŒck hast ein Mittel an der Hand zu haben, welches andere nicht haben, um es zu vermeiden dir einen Job suchen zu mĂŒssen. Ich wĂŒrde hoffen, dass du dieses GlĂŒck gut nutzt, gegen die herrschende Ordnung, aber in sich selbst ist es einfach nur ein anderes Mittel um zu Überleben.

Die Art und Weise auf die das Unsichtbare Komitee Arbeit behandelt ist etwa genauso oberflĂ€chlich. Die Schreiber erzĂ€hlen uns, „der Begriff der Arbeit umfasste schon immer zwei gegensĂ€tzliche Dimensionen: Eine Dimension der Ausbeutung und eine Dimension der Teilnahme“ (27). Das ist eine oberflĂ€chliche Neuformulierung der Dialektik die Marx benutzte, um die GrĂ€uel der Industrialisierung zu rechtfertigen. FĂŒr Marx war die grauenvolle Ausbeutung, welche Industrielle den Arbeitern durch das Fabriksystem auferlegten historisch notwendig, da sie die Arbeiter in einer objektiv gemeinsamen Produktion zusammen brachte. Dadurch wĂŒrde sie [die Ausbeutung] den Kommunismus möglich, letztendlich unvermeidbar, machen. Wie die meisten Kommunisten heutzutage, sind die Schreiber des Unsichtbaren Komitees nicht so sehr Marxisten, sondern eher Post-Marxisten. Von dem was Ich zusammengetragen habe was Post-Marxisten wirklich getan haben (im Gegensatz zu dem, was sie behaupten) ist, dass sie den Marxismus seiner Teleologie [die Annahme, dass Handlungen oder ĂŒberhaupt Entwicklungsprozesse an Zwecken orientiert sind und durchgĂ€ngig zweckmĂ€ĂŸig ablaufen (Anm. d. Ü.)] entledigt haben. Sie behalten die Dialektik und die deterministische Metaphysik, aber sind nicht lĂ€nger davon ĂŒberzeugt, dass es ein garantiertes Ende gibt. Das Unsichtbare Komitee spiegelt das recht gut wieder.

Was bei den oberflĂ€chlichen Betrachtungen, die das Unsichtbaren Komitees ĂŒber Arbeit macht komplett fehlt, ist irgendein Konzept der Entfremdung. Um die Entfremdung die der Arbeit innewohnt, wie sie in dieser Gesellschaft existiert, aufzuzeigen, wĂŒrde es ein klares und konkretes VerstĂ€ndnis von Entfremdung benötigen und das wĂŒrde dem uneindeutigen Programm, welches das Buch verkauft, zuwiderlaufen. Arbeit ist, in der gesellschaftlichen Welt in welcher du und Ich uns wiederfinden, die Entfremdung der Zeit, AktivitĂ€ten und KrĂ€fte des Individuum von ihm/ihr selbst. In anderen Worten ist sie die Institutionalisierung eines Prozesses in dem die Dinge, die du machst, die Dinge, die Ich mache, und die Dinge, die wir zusammen machen, von MĂ€chten (Individuen, gesellschaftlichen Strukturen, etc.), die außerhalb unserer Selbst stehen, festgelegt werden, um ihren Interessen zu dienen. Zum Ausgleich erhalten wir das, was wir zum Überleben brauchen und vielleicht, um uns ruhig zu halten, ein bisschen mehr. Wenn das Unsichtbare Komitee Entfremdung auf eine konkrete Art behandeln wĂŒrde, wĂ€re es gezwungen einzusehen, dass der partizipative Charakter von Arbeit, wie sie in dieser Gesellschaft funktioniert, welche meine AktivitĂ€t in eine gemeinsame AktivitĂ€t wandelt, die meinem Leben und meiner Zeit aufgezwungen wird, das ist was meine Entfremdung begrĂŒndet. Aber da „Ich“ bloße Fiktion bin, kann das keine Rolle spielen. Nur das Gemeinsame ist real und wĂŒnschenswert fĂŒr das, was der Aufstand des Unsichtbaren Komitees, welcher „als politische Kraft triumphiert“ (87), zu erreichen plant. Das ist der Grund warum Entfremdung von so kleiner Bedeutung fĂŒr die Schreiber ist, dass es nur einmal in dem Buch, in der Einleitung zur amerikanischen Ausgabe, erwĂ€hnt wird. Vielleicht hat das Unsichtbare Komitee bemerkt, dass das Wort in den radikaleren Texten aus den US hĂ€ufig benutzt wurde, also haben sie es ihrem Angebot – als AnhĂ€ngsel – hinzugefĂŒgt.

Nach dem „Ich“ ist der nĂ€chste große Feind, welchem wir dem Unsichtbaren Komitee zufolge, begegnen mĂŒssen, die Metropole. Wie gewohnt haben sich unsere Schreiber entschieden ein Symptom wie eine Ursache zu behandeln, also können sie nicht vermeiden oberflĂ€chlich zu sein und völlig bedeutungslose Aussagen wie „ErzĂ€hlt uns nichts mehr von »der Stadt«“ (33) zu machen. TatsĂ€chlich ist der interessanteste Teil ihrer Betrachtung der Metropole ihre Erkenntnis, dass in vielen urbanen Gegenden BarackenstĂ€dte und Slums „die letzten lebendigen und lebenswerten Orte“ (35) sind. Das Unsichtbare Komitee hatte hier die Möglichkeit zu erkunden, warum dies möglicherweise so ist, aber verschwendet diese, als es bevorzugt weiter leere, banale Aussagen zu machen. Abermals vermute ich, dass dies so ist, da es die Möglichkeiten betrachten mĂŒsste, die individuellen BemĂŒhungen innewohnen. Viele von denen, die in Slums leben haben keine dauerhafte Arbeit. Wenn es ihnen an Geld mangelt, gehört ihnen das meiste ihrer Zeit. Das bietet Individuen, alleine oder mit anderen, die Möglichkeit praktisch kreative BemĂŒhungen zu erkunden, so dass sie ihre eigenen LebensrĂ€ume, mit was auch immer sie zusammen tragen können, gestalten können. Aber wiedereinmal taucht aus der Versenkung das Individuum eher als eine konkrete RealitĂ€t auf, als eine vom Staat geschaffene Fiktion, und das passt nicht zur Ideologie des Unsichtbaren Komitees. Die Schreiber weichen weiterhin der Idee aus, dass Individuen in der Welt handeln und erzĂ€hlt uns letztendlich, dass „die Metropole auch die Mittel ihrer eigenen Zerstörung produziert.“ (38). Das ist genau, was Marx ĂŒber den Kapitalismus sagte und die endgĂŒltige Botschaft ist die selbe: Du und ich werden den Umsturz der Metropole nicht zustande bringen; ihre eigenen KrĂ€fte werden es tun. Soziale Konstruktionen, Beziehungen und Abstraktionen sind das, was Kraft hat und in dieser Welt handelt. Nicht du, nicht ich; wir mĂŒssen uns nur von dem Einfluss der UmstĂ€nde entlang tragen lassen. Das klingt nach einem ziemlich passiven Aufstand.

Im fĂŒnften Kreis, wo die Nicht-Autoren dieses Buches ĂŒber die Ökonomie sprechen, bieten sie schließlich eine ErklĂ€rung fĂŒr die OberflĂ€chlichkeit an, die dieses Buch durchdringt: „Denn das allgemeine UnglĂŒck wird unertrĂ€glich, sobald es als das erscheint, was es wirklich ist: ohne Grund und Ursache“ (42). Warum das es an sich plötzlich nicht mehr tolerierbar machen wĂŒrde, ist unklar. Aber diese Aussage macht klar, dass das Unsichtbare Komitee glaubt, dass dieses „UnglĂŒck“, welches die Ökonomie darstellt, eine Sache „ohne Grund und Ursache“ ist. Also gibt es nichts zu analysieren oder zu erklĂ€ren. Es gibt keinen Grund dafĂŒr zu versuchen unter die OberflĂ€che zu sehen, ĂŒber die Symptome hinaus zu schauen. Das Problem ist, dass wenn die einzige Sache, die „das allgemeine UnglĂŒck“ nicht tolerierbar macht, das Fehlen von jeglichem Grund oder jeglicher Ursache ist, dann ist alles, was fĂŒr diejenigen an der Macht notwendig ist um sie wieder tolerierbar zu machen, mit GrĂŒnden und Ursachen aufzuwarten. Da es reale Ursachen gibt und sie ihre eigenen GrĂŒnde haben, haben sie die Kunst genau das zu tun, gelernt. Aber wenn RevolutionĂ€re entscheiden diese RealitĂ€ten genauer zu untersuchen, ihre GrĂŒnde und Ursachen zu verstehen, „tun“ sie lediglich das, was „die Religionen immer gemacht haben, ErklĂ€rungen zu liefern“ (42). Hier ist ein Blitzmeldung. Einige von uns, die mit Religion aufgezogen wurden, sahen wie sie benutzt wurde um etwas ganz anderes zu tun: Unseren Drang wirkliche ErklĂ€rungen zu finden zu unterdrĂŒcken. „Gottes Wege sind nicht unsere Wege“ [Gottes Wege sind unergrĂŒndlich (?)], klingt fĂŒr mich nicht so verschieden von „einem Ding ohne Anlass und Grund“. In beiden FĂ€llen wird uns gesagt unsere Versuche aufzugeben zu genau in die Welt, in der wir leben, hineinzuschauen.

Also anstatt irgendeiner Analyse von dem, was die Wirtschaft ist und wie sie funktioniert, klammert sich das Unsichtbare Komitee an marxistische Klischees mit sarkastischen Kommentaren, jedoch jeglichem Inhalt entleert. Das Unsichtbare Komitee richtet seinen beißenden Verstand, unwillig sich ernsthaft mit dem Staat, Arbeit, der Wirtschaft oder der Familie zu befassen, stattdessen dem durchaus Betrachtung verdienenden PhĂ€nomen der „grĂŒnen“ Politik und des „grĂŒnen Kapitalismus“ zu. Dies verschafft dem Buch einen Moment des Humors, aber dieser ist mittelmĂ€ĂŸig. Wie dem Rest des Buches, mangelt es ihm an Substanz. Es ist die Art von hĂ€mischen Kommentar, den du vielleicht von einem Hippster in der lokalen Bar zu hören erwartest – genau „das Murmeln rund um Bartische“. Es ist wirklich nicht nötig Tinte oder Papier an solche oberflĂ€chlichen BanalitĂ€ten zu verlieren. Der vielleicht lustigste Aspekt dieser ganzen Sektion kommt als das Unsichtbare Komitee uns erzĂ€hlt, dass „Die Erfinder des Nullwachstums – der Club of Rome 1972 – selbst eine Gruppe von Industriellen und Beamten waren, die sich auf einen Bericht von Kybernetikern des MIT stĂŒtzten.“ (45) – die selbe Institution die die offizielle englische Übersetzung von Der kommende Aufstand vertreibt.

„Eine komplett rhetorische Kritik des Individualismus koexistiert unbehaglich mit dem heftigsten Zynismus“

Im sechsten Kreis (die Umwelt) sind die „Funktionsstörungen, die KurzschlĂŒsse des Systems“ das, wo wir „die Elemente logischer Antworten, auf das, was aufhören könnte ein Problem zu sein“ (52) finden. Nicht in unserer eigenen Rebellion gegen das System. Aber dann, wenn die Probleme des Systems eher als das System selbst abgeschafft werden mĂŒssen, wĂŒrde unsere gewollte Rebellion vielleicht zu viel zerstören. Besser das System seine eigenen Probleme durch seine Funktionsstörungen und KurzschlĂŒsse abschaffen zu lassen. Auf der selben Stufe, „Was die Krise wĂŒnschenswert macht, ist, dass (
) wir im Begriff sind (Anmk.: im Engl. heißt es „wir gezwungen sind“), einen Kontakt wieder zuknĂŒpfen (
) mit dem, was da ist, die Rhythmen der RealitĂ€t wiederzufinden.“ (52). Wieder sind wir nicht fĂ€hig einfach zu wĂ€hlen einen solchen Kontakt wiederherzustellen; eine Krise, ein externes Ereignis muss ihn uns aufzwingen.

Ich werde keine Zeit damit verschwenden das wahnhafte Bild zu zerreißen, das die Schreiber von der Common Ground Clinic in New Orleans zeichnen, noch ihr noch absurderes Bild der „mittellosen Freude in diesen Vierteln von New Orleans vor der Katastrophe (
), das Misstrauen gegenĂŒber dem Staat, das vorher schon dort herrschte, und die massiven Praktiken des Zurechtkommens“ (53), aber da ich in manchen dieser Nachbarschaften von New Orleans gelebt habe, werde ich diese Schreibgelehrten informieren, die offensichtlich nicht mittellos sind, dass es keine Freude in elender Armut inmitten des Überflusses gibt (es gibt vielleicht Momente der Freude trotz der Armut, aber verbringe genug Zeit inmitten dieser Armut und du wirst die Verzweiflung und Depression sehen), Verachtung des Staates gibt es höchstens sporadisch und „massive Praktiken des Zurechtkommens“ wenden alle armen Leute ĂŒberall ohne den Anspruch an, dass es irgendetwas mehr bedeutet als Zurechtzukommen. Wenn es eine Passage in dem Buch gibt, die am klarsten den Klassenhintergrund der Autoren entlarvt, ist es diese. Diese Schreiber kommen aus wohlhabenden VerhĂ€ltnissen, von Eltern deren „grenzenlose Fördermittel“ ihre „soziale Subversion“ und „autonom werden“ finanzieren können. Die Armen idealisieren Armut nicht.

In Kreis Sieben informiert uns das Unsichtbare Komitee, dass „in einem Jahrhundert die Freiheit, die Demokratie und die Zivilisation in den Zustand von Hypothesen versetzt wurden.“ (55). Ich bin nicht ĂŒberzeugt, dass sie jemals irgendetwas mehr als das waren, aber es bedarf dem Komitee nur eine Seite um die rein hypothetische Natur der Zivilisation in der Gegenwart komplett zu vergessen: „Eine Zivilisation ist keine Abstraktion, die das Leben ĂŒberragt. Sie ist vielmehr, was herrscht, belagert und kolonisiert, die alltĂ€glichste, die persönlichste Existenz. Sie ist, was die intimste und die allgemeinste Dimension zusammenhĂ€lt.“ (56). Dies ist ein erstklassiges Beispiel der VergegenstĂ€ndlichung auf die das Unsichtbare Komitee in seinem Versuch die Welt zu verstehen, vertraut. Die Schreiber verschließen sich komplett der Tatsache, dass Zivilisation nur eine „Abstraktion, die das Leben ĂŒberragt “, es in anderen Worten, ein unsere Köpfe heimsuchender Spuk ist, dass Zivilisation irgendetwas „herrscht, belagert und kolonisiert (
) zusammenhĂ€lt“. Konkret gesprochen, spezifische menschliche Wesen – die innerhalb institutioneller Strukturen agieren, die sie durch unsere entfremdete AktivitĂ€t und Kraft errichten und erhalten – herrschen, belagern, kolonisieren und halten zusammen. Wie einige aufstĂ€ndische Anarchisten sagten, unsere Beherrscher und Kolonisatoren haben Namen und Adressen
 Sie sind weder Hypothesen noch Abstraktionen, sondern konkrete Individuen, die sich selbst zum Feind all jener gemacht habe, die ihr Leben gerne unter eigenen Bedingungen gestalten wĂŒrden. Ein VerstĂ€ndnis der sozialen Ordnung basierend auf vergegenstĂ€ndlichten Gedanken kann nur verwirrt sein und verwirren. Deswegen ist es nicht ĂŒberraschend nur wenige SĂ€tze spĂ€ter bedeutungsloses Gelaber wie dieses zu finden: „Je stĂ€rker und Ă€lter ein Staat, desto weniger ist er eine Suprastruktur, das Exoskelett einer Gesellschaft, desto mehr ist er in der Tat die Form der SubjektivitĂ€ten, die ihn bewohnen. Der französische Staat ist das eigentliche Gewebe der französischen SubjektivitĂ€ten, der Aspekt, der nach der jahrhundertelangen Kastration seiner Untertanen bleibt“ (56). Gewiss, „eine komplett rhetorische Kritik“. Aber ich vermute, dass seitdem die „Ära der Staaten, Nationen und Republiken sich wieder schließt“ und „der Staat gar nichts mehr kann“ (58), es keinen Bedarf gibt eine wirkliche Kritik basierend auf einer tiefen Untersuchung der sozialen RealitĂ€t, in der wir leben, zu ĂŒben. Im Grunde genommen erhalten diese „verfaulten Fiktionen des Abendlandes“ nur sich selbst „durch Kunstgriffe, von denen sie Punkt fĂŒr Punkt widerlegt werden“ (59). Diese Fiktionen, die sich selbst erhalten tragen ihre Zerstörung in sich selbst, seitdem die Kunstgriffe, durch welche sie sich selbst erhalten, diesen Fiktionen widersprechen. Alles was wir zu tun haben ist zu entscheiden mit diesem Prozess, den das fiktive System mit seinen WidersprĂŒchen selbst kreiert, mitzugehen.

„Denjenigen, die behaupten Lösungen zu haben, wird fast sofort widersprochen.“

Nachdem die OberflĂ€che der sieben Kreise der momentanen sozialen Hölle, so wie sie sie sehen, ĂŒberflogen wurde, erzĂ€hlen unsere Schreiber uns nun, was wir zu tun haben. Da sie sich „nicht mal mehr vorstellen können, wo ein Aufstand beginnt“ (63), bin ich mir nicht sicher, warum sie damit ihre Zeit verschwenden. Aber es gibt ihnen die Möglichkeit ihre Verkaufsmasche weiterzuentwickeln. Sie wĂŒrden sicherlich nicht mit mir ĂŒbereinstimmen, dass soziale AufstĂ€nde das Zusammenkommen von individuellen AufstĂ€nden erfordern (Individuen, die staatlicher und ökonomischer Kontrolle ĂŒber ihr Leben trotzen), da sie Individuen als vom Staat aufgebĂŒrdete Fiktionen sehen. Aber sie scheinen auch die Geschichte von sozialen AufstĂ€nden zu ignorieren. Auch wenn die meisten Krawalle keine sozialen AufstĂ€nde wurden, begann jeder soziale Aufstand mit Krawallen. Aber berĂŒcksichtigt man das Ausmaß in welchem das Unsichtbare Komitee das Konzept der individuellen menschlichen HandlungsfĂ€higkeit verwirft, sagt es vielleicht auch einfach, dass es nicht herausfinden kann, welche historische Kraft jetzt einen Aufstand auslösen wĂŒrde. Wenn das Komitee so ignorant ist, wie es hier behauptet, ist es in jedem Fall die Spitze der Arroganz fortzufahren um mehr als 31 Seiten strategischer Lösungen anzubieten und es ist gleichermaßen keine Überraschung, dass seine aufstĂ€ndische Strategie so töricht wie seine Analyse der Gesellschaft ist.

Die Schreiber informieren uns, dass „jeder Akt des Regierens nichts als die Weise, die Kontrolle ĂŒber die Bevölkerung nicht zu verlieren, ist“. Das impliziert, dass die Bevölkerung immer kurz davor ist außer Kontrolle zu geraten. Aber dieser Behauptung folgt sogleich ihr Widerspruch: „Wir gehen aus von einem Punkt der extremen Isolation, der extremen Ohnmacht. Alles ist aufzubauen im aufstĂ€ndischen Prozess. Nichts scheint unwahrscheinlicher als ein Aufstand, aber nichts ist notwendiger.“ (64). In diesem leeren Raum von einem Zentimeter zwischen zwei Paragraphen scheint es, dass diese Bevölkerung, fĂŒr welche der Staat all seine Energie aufbringen muss um sie zu kontrollieren, gerade verschwunden ist. Kein Wunder, dass das Komitee nicht sehen kann, wie ein Aufstand beginnen könnte. Es kann sich nicht einmal entscheiden, ob es eine außer Kontrolle geratende Bevölkerung gibt oder ob wir in Isolation beginnen.

Jedenfalls fahren die Schriftgelehrten fort um zu verordnen „SICH ZU FINDEN“. Seltsam ist jedoch, dieses Kapitel beginnt nicht damit ĂŒber unsere Beziehungen und wie wir vielleicht einander finden könnten zu reden. Es beginnt damit ĂŒber „Wahrheit“ zu reden. Ich vermute das ist notwendig. Das Unsichtbare Komitee wĂŒrde nicht wollen, dass wir vergessen, dass wirkliche HandlungsfĂ€higkeit in abstrakten Konzepten liegt und was ist abstrakter als dieses Konzept der „Wahrheit“? Um sicher zu gehen, dass wir hier keine Fehler machen, informieren uns die Schreiber: „Eine Wahrheit ist nicht eine Sicht auf die Welt, sondern das, was uns auf unreduzierbare Art mit ihr verbunden hĂ€lt. Eine Wahrheit ist nichts, was man besitzt, sondern etwas, das einen trĂ€gt. Sie stellt mich her und sie löst mich auf, sie macht mich als Individuum aus und sie zersetzt mich als solches 
“ Ich bin nicht derjenige, der handelt, eher handelt die Wahrheit mir entsprechend, sie ist die Handelnde und ich bin lediglich ihre Marionette, bewegt von ihrer Kraft. Sie stellen klar: „Das vereinsamte Wesen, das sich daran bindet, trifft unausweichlich auf seinesgleichen.“ (65) In anderen Worten können wir passiv verbleiben, auf der Welle der Wahrheit reitend, die uns mitreißt, und diese Abstraktion wird uns unumgĂ€nglich zusammenbringen. Es ist fĂŒr uns nicht nötig zu handeln, keinen Grund irgendeine Verantwortung fĂŒr unsere Existenz zu ĂŒbernehmen.

Aber was ist diese „Wahrheit“ in die das Komitee so viel Glaube steckt? Es ist etwas, das Ereignisse erzeugt indem sie „unsere Art verĂ€ndern, auf der Welt zu sein“. Aber wer, oder was, produziert diese Ereignisse? Diese Frage wird ĂŒberhaupt nicht behandelt. Es gibt einfach Ereignisse und die Wahrheiten, die sie produzieren und du und ich haben keine Wahl als uns von dieser Wahrheit mitreißen zu lassen. Stirner hĂ€tte solche „Wahrheiten“ fixe Ideen genannt. Ich wĂŒrde sie Ideologien nennen. Das aufschlussreichste, was das Unsichtbare Komitee ĂŒber „Wahrheit“ zu sagen hat, ist, dass „sich umgekehrt eine Feststellung, die uns gleichgĂŒltig ist, die uns unverĂ€ndert lĂ€sst, die zu nichts verpflichtet, noch nicht den Namen Wahrheit verdient hat.“ (65) In anderen Worten wird Wahrheit von der emotionalen Kraft einer Beobachtung bestimmt, nicht davon, ob sie irgendeine Verbindung zur konkreten Welt, in der wir leben, hat. Angesichts der Methoden des Komitees und der Verleger mit welchen sie zusammen gearbeitet haben, ist es nicht so ĂŒberraschend, dass die Wahrheiten, die diese kollektive Nicht-Einheit aufrechterhĂ€lt, genauso funktionieren sollen wie Werbung und politische Propaganda funktionieren sollen – uns bewegend, uns erregend, uns anvertrauend, was auch immer fĂŒr ein Produkt oder eine Sache uns mitreißen kann, wĂ€hrend wir es als wahr ansehen
 Das Komitee behauptet, dass „jeder aufstĂ€ndische Prozess von einer Wahrheit ausgeht, von der wir nicht abrĂŒcken.“ Es gibt in ihrer Perspektive somit keinen Platz fĂŒr meinen Aufstand, fĂŒr den Aufstand konkreter Individuen gegen soziale RealitĂ€ten, die sie versklaven, denn solch ein Aufstand wĂŒrde nicht mit einer „Wahrheit, von der wir nicht abrĂŒcken“ beginnen, sondern vielmehr von dem Infragestellen der „Wahrheiten“, die uns aufgezwungen wurden.

Dieselbe Logik benutzend, erzĂ€hlen uns die Schreiber, dass „jegliche AffinitĂ€t AffinitĂ€t in einer gemeinsamen Wahrheit ist“ (66). In anderen Worten beruht sie auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, gefunden in einer Wahrheit, nicht in einer Verflechtung von Verlangen und Projekten, die sich gegenseitig erweitern. Das letzte wĂ€re natĂŒrlich zu kurzlebig fĂŒr die Schreiber. Wenn nur kollektive Einheiten wie Kommunen handlungsfĂ€hig sind, braucht es diesen kleinsten gemeinsamen Nenner. AffinitĂ€t, die auf der Verflechtung von Verlangen, TrĂ€umen und den Projekten von Individuen basiert, wĂŒrde die BestĂ€ndigkeit fehlen, die es benötigt um die Existenz solcher kollektiven Einheiten aufrechtzuerhalten. Aber wiedereinmal hat das Unsichtbare Komitee verkĂŒndet, dass eine Sache, die wir machen, stattdessen eine Sache ist, die uns macht. AffinitĂ€t ist nicht eine Beziehung, die Individuen selbst untereinander schaffen, sondern etwas, das eine gemeinsame Wahrheit ihnen antut. Ich könnte hierĂŒber fortfahren, aber es wird ermĂŒdend.

Nachdem wir vor Organisationen und Milieus gewarnt wurden, ruft uns das Unsichtbare Komitee auf „sich als Kommunen zusammenzutun“. Sie erklĂ€ren nicht warum oder auf welche Art eine Kommune keine Form der Organisation oder ein gefestigtes Milieu ist. Sie sagen einfach: „Sie ist, was bewirkt, dass wir »wir« sagen, und dass dies ein Ereignis ist.“ (68). Das Komitee wird mich dafĂŒr entschuldigen mĂŒssen, wenn in dieser Welt des Patriotismus und Nationalismus, des Stalinismus und Nazismus, der religiösen und ethischen Gewalt, ich eben ein bisschen argwöhnisch gegenĂŒber allem bin, das „bewirkt, dass wir „wir“ sagen“, mit Ausnahme der Möglichkeit der Komplizenschaft zwischen dir und mir. Wenn es das ist, was die Kommunen sind, wurde ich nicht ĂŒberzeugt.

Aber das Komitee hat mehr zu sagen. Wenn es Individuen als Fiktion prĂ€sentiert, ein bloßer Ausdruck der sozialen Entfremdung, prĂ€sentiert es Kommunen als aktiv wirkende KrĂ€fte, „die akzeptieren wĂŒrden, zu sein, was sie sind“, als aus externen KrĂ€ften bestehend. Kommunen haben die FĂ€higkeit keine Angst zu haben, sich „zu organisieren“, sich „zu definieren“. Anders ausgedrĂŒckt gesteht das Komitee die HandlungsfĂ€higkeit, die es Individuen ĂŒberall in Der kommende Aufstand verweigert hat, diesen Kommunen zu. Die Kommune „will die Frage der BedĂŒrfnisse auflösen.“, die Kommune „will gleichzeitig mit jeglicher wirtschaftlichen AbhĂ€ngigkeit [brechen], jede politische Unterwerfung zerschlagen“ und die Kommune „degeneriert zum Milieu,

sobald sie den Kontakt zu den Wahrheiten verliert, die sie begrĂŒnden.“ (68). TatsĂ€chlich ist „die Kommune die elementare Einheit der RealitĂ€t der Partisanen“ (79, Betonung hinzugefĂŒgt). Das Unsichtbare Komitee hat es klar gemacht. Das Individuum ist nichts. Es ist die Kommune, die handelt, die Kommune, die entscheidet, die Kommune, die akzeptiert, die Kommune, die keine Angst hat
 Aber das Komitee hat uns immer noch nicht gesagt was die Kommune ist.

Das ist kein Versehen. Je weiter ich in der zweiten HĂ€lfte des Buches lese, desto klarer wird mir, dass all dieses Geschwafel einen Zweck hat: Es bietet eine hippe Sprache um die Praktiken zu rechtfertigen, die Radikale fast jeder Sorte ĂŒber Jahre ausgeĂŒbt haben, aber die manche von uns begonnen haben zu hinterfragen. Deswegen, wenn „die Zeit der Kommune sich sofort der Arbeit entzieht“, ist es so, weil „alle Kommunen ihre schwarzen Kassen haben“ (69), eingeschlossen „alle Arten von GeschĂ€ften“, „Betrug“, etc. WĂ€hrend ich bestimmt kein Problem mit solchen Arten des Überlebens in der heutigen Welt habe, zeigt das Komitee nicht wie solche AktivitĂ€ten irgendetwas mehr als das sind, wie sie aufstĂ€ndisch sind. Wenn das Buch nicht den Titel Der kommende Aufstand hĂ€tte, wĂŒrde ich annehmen dies wĂ€re so, weil die Autoren den „bevorstehenden Zusammenbruch“ (70) erwarten wĂŒrden, von dem sie sagen, dass er ĂŒberall zu fĂŒhlen wĂ€re. Aber ein Aufstand handelt nicht von dem Leben an den RĂ€ndern der gegenwĂ€rtigen Welt; er handelt von dem Angreifen dieser Welt mit dem Ziel sie zu zerstören. Die Bewerbung von Betrug (70), DIY und „informeller“ Ökonomie sind schön und gut, wenn du darĂŒber redest so einfach wie mögliche in dieser Welt klarzukommen, aber wenn du davon redest diese Welt auszurotten und einen neuen Weg zu leben zu kreieren, sind sie einfach nicht genug.

Das Komitee erzĂ€hlt uns auch, dass es eine schöne Sache ist zu reisen und zu kommunizieren, so lange wir „vorsichtig(
), unauffĂ€llig“ (73) sind. Und dennoch empfiehlt es ebenso „Unhöflichkeiten der Straße“ (73). Wenn man berĂŒcksichtigt, dass in der jetzigen Welt solche „Unhöflichkeiten“ unvermeidbar sind, denke ich nicht, dass die Schriftgelehrten hier eine Wahl hatten, besonders da ihre ganze Theorie darauf beruht, dich von der „Wahrheit“ der Ereignisse tragen zu lassen. Aber es gibt einen anderer Grund warum das Komitee solche „Unhöflichkeiten“ unterstĂŒtzt: „Schlussendlich hĂ€tte man die Wut nie von der Politik lösen sollen“ (74), besonders wenn du ein angeblich revolutionĂ€res Programm zu verkaufen hast, wie versteckt es auch sein mag. Und das Unsichtbare Komitee hat sein Programm klar gemacht: Das Verschwinden der Individuen in „die Kommune“. Das ist ihr patentierter Aufstand.

DarĂŒber hinaus bewerben die Schreiber von Der Kommende Aufstand Sabotage, „unsichtbare“ Nachtaktionen, die Selbstverteidigung der „Kommunen“, kontinuierliche Konfrontationen mit Bullen, alternative Formen der Sozialhilfe, Blockaden, etc. Leute, die sich selbst als radikal bezeichnen, tun diese Dinge bereits. Das Unsichtbare Komitee bietet nichts neues, weder theoretisch noch praktisch, wĂ€hrend das, was es bietet, zuvor viele Male und mit viel mehr Substanz gesagt wurde. Aber das Komitee sagt es – wie ein guter Verkaufsvertreter – auf eine Art, die uns uns gut fĂŒhlen lĂ€sst. Wir mĂŒssen uns um nichts Sorgen machen. Was wir tun, ist ausgezeichnet. Alles was wir zu machen haben, ist mit dem Strom zu schwimmen, uns selbst der Wahrheit der Kommune ĂŒbergeben und der Aufstand wird zu uns kommen. Der Kommende Aufstand verkauft eine „feel good“ Ideologie, die uns von jeglicher Verantwortung fĂŒr unsere Leben oder unsere Rebellion befreit. Es ist ein leeres Buch mit nicht mehr Inhalt als irgendeine andere Verkaufsmasche. Es gibt nur zwei mögliche Entschuldigungen um es zu schreiben. Entweder wurden die Schreiber wirklich von der „Wahrheit“ der Ereignisse (vielleicht der Bedarf ihrer Kommune fĂŒr zusĂ€tzliches Geld?) mitgerissen und konnten sich nicht selbst helfen – in welchem Fall, sie ihre Rolle als Autoren zu verneinen gerechtfertigt, aber als Menschen eher erbĂ€rmlich wĂ€ren – oder, wie L’Incomestible (der Unverdauliche, der ebenso behauptet das Unsichtbare Komitee zu sein) sagt, ist das Buch einfach ein pataphysischer Scherz
[8] In jedem Fall ist ihr AufstandTM ein Witz.

[1] Nicht anarchistisch-kommunistisch, nicht anarcho-kommunistisch; einfach geradeheraus kommunistisch.

[2] Im Einklang mit der vergegenstĂ€ndlichenden Ideologie, welche dieses Buch verkauft, habe ich mich entschieden von dem Unsichtbarem Komitee als eine EntitĂ€t, die handelt, zu reden, anstatt von einem bloßem Namen, den einige Individuen beschlossen haben zu benutzen. Ich beabsichtige das sarkastisch


[3] Das Buch war anscheinend, an dem Tag nachdem Beck es anprangerte, einige Stunden auf Platz eins der Verkaufsliste von Amazon und blieb dort ein Bestseller.

[4] Das Unsichtbare Komitee wiederholt diesen Irrtum in ihrer Einleitung zur amerikanischen Ausgabe auf eine Art und Weise, die wie ein Versuch wirkt, den Tarnac 9 Fall auszuschlachten, um ein Buch glaubwĂŒrdiger zu machen, von welchem selbst seine Schreiber realisieren, dass es wenig Inhalt hat


[5] Ich habe das Buch zur Verdeutlichung und um Zitate zu sammeln viermal gelesen. ZusĂ€tzlich habe ich es mehrmals nach spezifischen Konzepten ĂŒberflogen.

[6] Dies ist eine von mehreren Stellen wo die US Übersetzer wĂ€hlen Dinge auf eine Art zu formulieren, die die ganze Implikation des Originals verbirgt. Hier lesen wir, „eine singulĂ€re, geteilte, Lebensexistenz“, eine merkwĂŒrdige Phrase an sich. Aber im Französischen sagt es: „une existence, singuliĂ©re, commune, vivante,“ was heißt, „eine singulĂ€re, gemeinsame, Lebensexistenz.“ Ich hebe dies hervor, weil im Englischen, wo „singulĂ€r“ „einzig, eins-von-einer-Sorte“ bedeutet, ist dieser Satz ein Widerspruch; „singulĂ€r“ und „gemeinsam“ stechen einander aus, wĂ€hren sie diesen Satz bedeutungslos machen.

[7] In dem Haupttext von Der Kommende Aufstand wird der Staat nur zweimal hiervor erwĂ€hnt, eine Referenz zum „Wohlfahrtsstaat“ im Prolog und eine ErwĂ€hnung in einer Anmerkung des Prologs in einer seltsamen Referenz zum „Mafia-Kodex der Stille“, die keine Verbindung zum wirklichen Arbeiten der Mafia hat. In der amerikanischen Ausgabe hat die hinzugefĂŒgte Einleitung drei ebenso nichtssagende Referenzen zum Staat.

[8] Du kannst das Dokument, La vĂ©ritĂ© sur „L’insurrection que vient“ ou les mĂ©saventures d’un canular pataphysique, welches diese Behauptung macht unter http://juralibertaire.over- blog.com/article-la-verite-sur-l-insurrection-qui-vient-ou-les-mesaventures-d-un-canular- pataphysique-38519292.html finden. FĂŒr eine plumpe englische Übersetzung schau auf http://www.notbored.org/pataphysical-truth.html

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Quelle: Schwarzerpfeil.de