Oktober 23, 2021
Von La Presse
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Heute vor 25 Jahren wurde Achmed Bachir in Leipzig von einem Neonazi ermordet. Die Gruppe »Rassismus tötet« rief zur einer Gedenkveranstaltung auf. Unter EinschrÀnkungen versammelten sich gut 200 Teilnehmer*innen.

Am 23. Oktober 1996 eilte Achmed Bachir, Mitarbeiter eines GemĂŒseladens, seinen Kolleginnen zu Hilfe, als diese von zwei Neonazis bedroht wurden. Der 20-jĂ€hrige Neonazi Daniel Z. stach daraufhin mehrfach auf den Syrer Achmed Bachir mit einem Messer ein – welcher an den Folgen der Verletzungen verstarb. Daniel Z. wurde zu einer Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Leipzig wollte, trotz der rassistischen Drohungen, »keinen auslĂ€nderfeindlichen Hass« erkennen; auch der damalige OberbĂŒrgermeister Hinrich Lehmann-Grube kommentierte den Mord mit «ein rechtsextremes Potential ist mir hier nie begegnet».

Die Selbstenttarnung des NSU im November 2011 fĂŒhrte zu einer erneuten ÜberprĂŒfung der bisher nicht anerkannten Todesoper rechter Gewalt. Im Ergebnis der ÜberprĂŒfung wurde Achmed Bachir erst 2012 als solches durch die SĂ€chsische Landesregierung anerkannt.

Rund um die Gedenkveranstaltung war die Polizei mit einem Großaufgebot in der Stadt. Grund war das Verbot dreier Demonstrationen, weshalb die Leipziger Polizeidirektion UnterstĂŒtzung aus acht BundeslĂ€ndern und einen Hubschrauber angefordert hat. Laut »Rassismus tötet« mußte auch die Gedenkveranstaltung von 17:30 auf 15:30 vorverlegt werden und die Anzahl der Teilnehmer*innen wurde auf 100 begrenzt – letztendlich fanden sich jedoch gut 200 Teilnehmende ein. Aufgrund der Demoverbote war das mediale Interesse sehr hoch. Neben Vertretern des FĂŒhrungsstabs der Polizei sowie dem Leiter der Stabsstelle Kommunikation war auch Leipzigs ehemaliger PolizeiprĂ€sident Bernd Merbitz vor Ort; der “hier nur mal zufĂ€llig, auf dem Weg zur Bank vorbeigeschlendert” ist und am Rande der Kundgebung verweilte. VerkĂŒrzt war auch die Dauer, weshalb die Versammlung – ohne ZwischenfĂ€lle – bereits 16:27 Uhr beendet wurde.

Zum Gedenken an Todesopfer rechter Gewalt machten im letzten Jahr ĂŒber 1000 Teilnehmer*innen an der Gedenktafel halt. Endstation der Demonstration im letzten Jahr war der Gedenkstein des ermordeten Kamal Kilade, dessen Todestag sich morgen zum elften Mal jĂ€hrt.

Zum heutigen 25. Todestag Achmed Bachirs, gesellt sich in diesem Jahr der zehnte Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU. Unter dem Motto »Reicht es?! – 10 Jahre NSU-Aufarbeitung in Zwickau« ruft das »SĂ€chsische Staatsministerium der Justiz und fĂŒr Demokratie, Europa und Gleichstellung« am 4. November, zu einem Gedenk- und Bildungstag auf. «Auf der GĂ€steliste fehlen Namen aus der Bundespolitik und auch die Reihen sĂ€chsischer Spitzenpolitiker haben LĂŒcken. Wird das diesem wichtigen Gedenktag gerecht?» lautet es bei Tag24. Eine Anfrage ergab, dass MinisterprĂ€sident Kretschmer und Innenminister Wöller am 4. November verhindert sind.

FĂŒr den 6. November ist zudem eine Demonstration unter dem Motto »gestern, heute, morgen?« in Zwickau geplant. Die Anzahl der Teilnehmer*innen wurde bislang nicht beschrĂ€nkt. 

/MS




Quelle: La-presse.org