Juni 26, 2022
Von Indymedia
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Wir möchten anlÀsslich des G 7-Treffens in Elmau zu einer besonderen Exkursion auf den Spuren der GebirgsjÀger im Vernichtungskrieg einladen.

Das Gebiet um Schloss Elmau, im dem die Herren und Damen der Welt wieder ihrem G7-Gipfel zelebrieren, ist eine höchst NS-kontaminierte Gegend. Wir kennen insbesondere die Geschichte des Garnisonsstandorts Mittenwald aus unserer jahrelangen Kampagne gegen die NS-Kriegsverbrecher und fĂŒr die EntschĂ€digung aller NS-Opfer. Von hier aus zogen GebirgsjĂ€ger und Wehrmachtssondereinheiten in den Vernichtungskrieg. Von hier aus wurden auch die besetzten LĂ€nder „befriedet“, in dem man Zivilist*innen als angebliche Partisan*innen zusammentrieb, deportierte oder ermordete.

Unsere Tour fĂŒhrt uns durch die Mittenwalder Innenstadt, zur örtlichen KriegergedĂ€chtniskapelle, zum Stammtisch der örtlichen GebirgsjĂ€ger-Kameradschaft, vor die Luttensee-Kaserne und zum umkĂ€mpften Ehrenmal der GebirgsjĂ€ger auf dem Hohen Brendten. Im Anschluss treffen wir uns mit den anderen „SternmĂ€rschen“ in Elmau.

Wir möchten aus aktuellem Anlass insbesondere auf die Operationen der 1. Gebirgsdivision und der von Theodor OberlĂ€nder befehligten ukrainischen Bataillone „Nachtigall“ und „Roland“ im Zusammenhang mit den Mordaktionen in Lemberg ab dem 30. Juni 1941 eingehen und die Rolle von Stepan Banderas OUN diskutieren.

Unser zweiter Schwerpunkt ist OberlĂ€nders „Sonderverband Bergmann“, der 1942 in der Luttenssee-Kaserne hier in Mittenwald aufgestellt wurde. Auch diese Geheimdiensteinheit der Wehrmacht, die mehrheitlich aus kaukasischen Freiwilligen, d h. Georgiern, Nordkaukasiern, Armeniern und Aserbaidschanern, aber auch aus Gefangenen der Roten Armee bestand, sollte zunĂ€chst verdeckt hinter der Front insbesondere im Kaukasus kĂ€mpfen. SpĂ€ter wurde sie u.a. bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes im August 1944 eingesetzt.

Vor genau 80 Jahren versuchte eine kleine Gruppe um die georgischen Offiziere Ziklauri, Tabidze und Tedeev im Lager Luttensee eine Meuterei gegen die deutsche BataillonsfĂŒhrung anzuzetteln, um den kurz bevorstehenden Kampfeinsatz gegen die Rote Armee zu sabotieren. Geplant war ein organisiertes Überlaufen direkt nach der Fallschirmlandung. Leider wurde der Aufstand verraten und die „Meuterer“ wurden vor das Reichskriegsgericht gestellt, dessen Senat fĂŒr die Verhandlung extra im Juni 1942 nach Garmisch-Partenkirchen gekommen war. Die MilitĂ€rrichter verurteilten am 1. Juli 1943 insgesamt 12 georgische Soldaten „wegen Kriegsverrat in Tateinheit mit der Zersetzung der Wehrkraft und Meuterei“ zum Tode.

Die 12 Verurteilten wurden am 8. September 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Goerden exekutiert und auf dem Hauptfriedhof in Goerden bestattet.

An diese mutigen Menschen möchten wir – wahrscheinlich zum ersten Mal in der Mittenwalder Geschichte – am Eingang der Luttensee-Kaserne erinnern und bringen ein Gedenkzeichen in Erinnerung an die georgischen Meuterer von Mittenwald mit. Und wir fordern natĂŒrlich ein festes Deserteurs-Denkmal an der Mittenwalder Kaserne!

In Erinnerung an die von der Wehrmachtsjustiz vor 80 Jahren in Garmisch-Partenkirchen verurteilten und in Brandenburg-Goerden hingerichteten Georgier aus dem Sonderverband Bergmann:

Simion Ziklauri, Schalwa Tabidze, Fedor Tedeev, Shora Zuzkiridse, Michael Gabunia, Alex Tschotschischwili, Schalwa Bachtadse, Wladimir Arabuli, Dimitri Dschimuchadse, Grigor Chmelidse, Giorgi Ninikaschwili, Akaki Barbachadse.

Wir danken auch diesen sowjetischen Soldaten fĂŒr ihren Beitrag fĂŒr die Befreiung von der NS-Barbarei!

 

P.S.

FĂŒr uns ist es sehr wichtig, die Geschichte des deutschen Militarismus und die gesamte Verbrechensgeschichte von Nazi-Deutschland genau zu kennen, weil wir keinen Bock auf falsche Gleichsetzungen und Verharmlosungen haben.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist aus sich heraus schĂ€rfstens zu kritisieren und zu bekĂ€mpfen. FĂŒr diese Position brauchen wir keine Nazi- oder Stalin-Vergleiche. Und fĂŒr eine harte Kritik der russischen Kriegsverbrechen braucht es auch keine Gleichsetzung mit dem deutschen Vernichtungskrieg in der Sowjetunion oder mit dem WĂŒten der Einsatzgruppen oder gar mit der Shoa. Letztlich dienen diese Arten von Vergleichen auch der (unbewussten) Schuldabwehr bei denen, die die monströsen Mordtaten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg gerne mal vergessen möchten.

 

Nie wieder Faschismus- Nie wieder Krieg!

Es radelt und informiert der AK Angreifbare Traditionspflege neue Folge

 

 

Presse:

 

https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/mittenwald-ort29073…

 

 




Quelle: De.indymedia.org