August 24, 2021
Von HaftunterstĂŒtzung Hessen
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Am 1. Oktober 2021 wird an vielen Orten ein Film uraufgefĂŒhrt zum gesamten „Fall Ella“ und den dahinterstehenden Skandalen, LĂŒgen usw. Mit Hilfe der vorhandenen Videos und weiterer ErklĂ€rungen zeigt er, wie alles abgelaufen ist und warum Anklage, HaftgrĂŒnde und die gesamte Beschuldigungsstory eine LĂŒge sind. Dieser Film ist inzwischen im Entwurf fertig, wird aber noch mehrfach durchgeprĂŒft und diskutiert. Er beginnt mit Passagen ĂŒber die politische Einordnung (Protest gegen A49, Form der Auseinandersetzung/RĂ€umung, Ziele repressiver EinschĂŒchterung). Dann folgen anhand der Bilder von einer Theater-Nachstellung und den Originalvideos sehr prĂ€zise Nachweise, dass die Darstellungen falsch waren und die LĂŒgen geplant, um ein Abschreckungsopfer zu kreiieren.

Vorschlag fĂŒr einen AnkĂŒndigungstext

Es war ein abschreckendes Urteil nach einer langen Untersuchungshaft: Die immer noch „unbekannte Person Nr. 1“ wurde vom Amtsgericht Alsfeld zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das dramatische Gerichtsverfahren basierte dabei komplett auf Erfindungen. Mehrere SEK-Polizisten tischten eine frei erfundene Story zu den AblĂ€ufen bei der RĂ€umung der Waldbesetzung gegen die A49 im Herbst 2020 auf. Sie phantasierten von Fußtritten und KniestĂ¶ĂŸen, Lebensgefahr, Todesangst und Verletzungen. GeschwĂ€rzte Atteste mit gar nicht zum Tattag passenden Daten wurden als Beweise akzeptiert, WidersprĂŒche zwischen Aussagen am Tag selbst und den konstruierten VorwĂŒrfen Tage oder Wochen spĂ€ter zu MissverstĂ€ndnissen umetikettiert. Es war völlig klar: Mit „Ella“, die wie unbekannte Person (UP1) genannt wird, war ein Zufallsopfer gefunden, um die ganze Bewegung zu diskreditieren und abzuschrecken. Offenbar war den Lobbyist*innen einer Weiter-so-Autogesellschaft und der autoritĂ€r-politischen Justiz ein Schlag gegen Verkehrswende-Aktive wichtig, da diese durch die Besetzung des Dannenröder Waldes deutlich gestĂ€rkt wurden. Der Alsfelder Richter SĂŒĂŸ machte sich zum Handlanger und willigen Vollstrecker. Paradox: Er schwĂ€chte die Verteidigung von Ella durch die Ablehnung von zwei der drei vorgesehenen Verteidiger*innen mit dem absurden Argument, diese seien kritisch gegenĂŒber dem Autobahnbau eingestellt. Er selbst gehört einer Partei an, die auf regionaler und ĂŒberregionaler offen fĂŒr den Autobahnbau eintritt – doch fĂŒr ihn galt die erfundene Regel politischer NeutralitĂ€t nicht.

Der Film „Ella“ ist eine Antwort auf die Justizskandale. Solidarische ZusammenhĂ€nge haben in akribischer Recherchearbeit einen Dokumentationsfilm erstellt, der klar belegt, was an dem verhĂ€ngnisvollen 26.11.2020 im Dannenröder Wald wirklich geschah. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht wollte die Beweise fĂŒr die LĂŒgen der Polizei nicht zur Kenntnis nehmen. Der Film wird sie zeigen. Er wird erstmals am 1. Oktober, dem Jahrestag des Polizeiangriffs auf die Waldbesetzung aufgefĂŒhrt – an gleichzeitig sehr vielen Orten. Informationen fĂŒr alle, die solche VorfĂŒhrungen organisieren, und die Liste der Spielorte, werden auf https://ella.siehe.website und https://freethemall.blackblogs.org/unbekannt/ veröffentlicht.

Idee und Vorgehen

Am Freitag, den 1. Oktober 2021 wird mit ungefĂ€hr gleicher Uhrzeit an gaaaaaanz vielen Orten drinnen oder OpenAir der Film uraufgefĂŒhrt. Ziel ist, viele Hundert solcher VorfĂŒhrungen zu organisieren – ĂŒberall in Kinos, als Demo, in VeranstaltungsrĂ€umen, politischen Zentren, auf WagenplĂ€tzen, Protestcamps, vor GefĂ€ngnissen und gerne in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten auch an mehreren Spielorten gleichzeitig. DafĂŒr wird dann sowohl lokal als auch ĂŒberregional geworben, so dass ein wirksames Ereignis entsteht. Die VorfĂŒhrungen sollen frĂŒhestens um 17 Uhr beginnen, können aber auch spĂ€ter am Abend terminiert werden.

Damit alles gelingt, mĂŒssen in der nĂ€chsten Zeit viele Menschen/Gruppen passende Ort klarmachen oder Veranstalter finden – von OpenAir als angemeldete Demo oder politische Zentren bis zu UnirĂ€umen oder Kinos. Viele VorfĂŒhrungen sind wichtiger als wenige große. Wenn beides gelingt (viel und groß) – noch besser. Und dann die Medien einladen. Begleitend sollten alle, die können und wollen, auch bundesweit dafĂŒr trommeln. Es wird bundesweite Presseinfos und eine stĂ€ndig aktualisierte Liste der Spielorte geben.

Du willst eine VorfĂŒhrung organisieren? Dann kĂŒmmere dich um Raum, Technik usw. und melde dich unter kobra@projektwerkstatt.de oder freethemall@riseup.net, damit du ĂŒber die weitere Vorbereitung informiert wirst, Termin und Ort bei euch veröffentlicht kann und du kurz vor dem 1. Oktober die Zugangsdaten zu der Filmdatei erhĂ€ltst.

Zum Film selbst

Der Film wird ca. 50-60 Minuten lang werden. Er wird von UnterstĂŒtzer*innengruppen und Teilen des Verteidigungsteams von Ella vor dem Amtsgericht Alsfeld erstellt. Seitens des Staates und insbesondere der Strafverfolgungsbehörden wird ein Interesse bestehen, die Fakten des Films zu vertuschen, denn inzwischen geht es nicht mehr nur um die Abschreckung, sondern auch um die Vertuschung eines Justizskandals und der durch Falschaussagen, falsche Beschuldigungen und Freiheitsberaubung begangenen Straftaten. Daher scheidet eine Vorabfreigabe aus. Die VorfĂŒhrung des Filmes ist legal.

Der Film wird zumindest im HD- und FullHD-Format als MP4-Datei bereitgestellt (Sonderformate auf Anfrage). Es erfolgt kein offizieller Verleih, da das Projekt nicht-kommerziell agiert. Er wird folglich auch kostenfrei zur VerfĂŒgung gestellt.

Trailer auf https://freethemall.blackblogs.org/unbekannt/ und https://ella.siehe.website (direkter Link: https://youtu.be/qVQuCv9mbz0)

Die FilmvorfĂŒhrung kann eingebettet sein in mehr:

  • OpenAir-VorfĂŒhrung im Rahmen einer angemeldeten Versammlung – dann kann Drumherum auch noch mehr passieren.
  • Vorfilm zum Danni-Protest?
  • Nach dem Film Diskussionsveranstaltung z.B. mit Menschen, die bei der Waldbesetzung oder sogar im Dorf Nirgendwo dabei bzw. mit Menschen, die Ella seit Monaten unterstĂŒtzen oder beim Prozess in Alsfeld dabei waren. Wir werden versuchen, Referent*innen zu vermitteln (bitte meldet euch, wer bereit wĂ€re, bei einer der VorfĂŒhrungen als Gast dabei zu sein).
  • Anschließend kann die Möglichkeit bereitgestellt werden, den Film auf mitgebrachte DatentrĂ€ger zu kopieren, um seine Verbreitung sicherzustellen.
  • Und alles mögliche Andere passt auch: KĂŒfa, VokĂŒ, (spontane) Aktion nach dem Film auf der Straße usw.

SelbstverstĂ€ndlich kann der Film auch danach noch gezeigt werden bei anderen Gelegenheiten. FĂŒr eine große Wirkung ist aber wichtig, dass am 1. Oktober viel passiert.

Warum der 1. Oktober?

Im (bisherigen) Verteidigungsteam von Ella, welches vor allem aus Gießener Aktivistis besteht, haben wir uns auf den 1. Oktober 2021 als Ur-AuffĂŒhrungstermin geeinigt. Das hat mehrere GrĂŒnde:

  • Der Termin sollte so frĂŒh wie möglich sein, um Druck auf die Repressionsbehörden auszuĂŒben und eine Haftentlassung von Ella zu erreichen.
  • Ein Termin im September ist fĂŒr Kinos kaum noch einzuplanen, außerdem ist es fĂŒr viele AnkĂŒndigungen in Monatsmagazinen schon zu spĂ€t.
  • Der 1. Oktober ist der erste Jahrestag des Angriffs auf die Waldbesetzungen gegen die A49 (RĂ€umungs- und Rodungsbeginn im Herrenwald).
  • Zudem ist der 1. Oktober ein Freitag. An jedem ersten Freitag im Monat findet an der JVA Preungesheim eine Soli-Demo fĂŒr die Freiheit von Ella und allen statt. So besteht die Möglichkeit, dort den Film zu zeigen, z.B. an der GefĂ€ngnismauer.

Zum Stand des Verfahrens: Zweite Instanz (Berufung) beginnt wahrscheinlich am 2. Dezember am Landgericht Gießen

Am 2. Dezember – wieder nach einem halben Jahr Verzögerung – soll am Landgericht Gießen die nĂ€chste Runde eingelĂ€utet werden. Der Termin ist noch nicht offiziell, aber zeigt bereits, dass die Justiz mit ihren dreckigen Tricks weitermacht. Denn ganz offensichtlich geht es den Gerichten erneut darum, das Verfahren so lange zu verzögern, bis „Ella“, wie die unbekannte Person (UP1) genannt wird, die Strafe abgesessen hat. Das bisherige Verteidigungsteam war sich aufgrund der klaren Beweissituation sicher, am Ende einen Freispruch erwirken zu können. Bedauerlicherweise sind nun alle bisher Beteiligten aus dem Verfahren gedrĂ€ngt worden. Das wird die solidarische UnterstĂŒtzung nicht stoppen. Der Film soll ein wesentlicher Bestandteil werden. Er soll auch die Gerichte zwingen, endlich die Beweise fĂŒr die LĂŒgen zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend zu handeln: Free Ella!




Quelle: Freethemall.blackblogs.org