April 30, 2022
Von HaftunterstĂŒtzung Hessen
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ELLA’S INHAFTIERUNG IST KEIN EINZELFALL!
(Triggerwarnung: Gewalt)

Dass Menschen aufgrund ihrer politischen Einstellung in KnĂ€sten weggesperrt werden ist keine Seltenheit. Es wird versucht abzuschrecken, zu kriminalisieren, einzuschĂŒchtern. Wie bei unserer*m Freund*in Ella. Seit ĂŒber einem Jahr sitzt mensch aufgrund von LĂŒgen des SEK (NRW) in der JVA Preungesheim. Und nun beim zweiten Urteil vom 01.04.22 vom Oberlandesgericht Gießen wird von Richter Nink entschieden noch weitere 4 Monate dranzuhĂ€ngen??!! 1 Jahr und 9 Monate lautet das Urteil, zwar 2 Monate weniger als das erste vom Amtsgericht Alsfeld, jedoch ist das alles kompletter Bullshit, wenn mensch sich mal in den Videobeweisen genau anschaut, wer (nĂ€mlich die SEKler) hier wen (Ella) in Lebensgefahr gebracht hat, in dem an deren Sicherung gezogen wurde, Ella geschlagen wurde etc..
Wir sind wĂŒtend und fordern Ellas sofortige Freilassung! Nieder mit den KĂ€sten. Stacheldraht zu Altmetall!! Gemeinsamkeit gegen Einsamkeit.
Ellas Worte selbst können das Verfahren besser beschreiben, als sonst irgendwer:

Soli-Foto von Ruinas
ELLA ISN’T A UNIQUE CASE! Jails are burning!!!


SchlusserklÀrung

In Gesellschaften, die die Macht so sehr horten, dass sie beginnen, Oppositionelle als Feinde zu definieren, werden Aktivist*innen zu einer der verletzlichsten Gruppen. Sie beginnen zu verschwinden, in GefĂ€ngnissen, im Schweigen, im Exil und oft auch durch die TĂŒr des Todes. Dies geschieht sowohl mit den Mitteln der Autokratien als auch der Demokratien. Die Folgen sind dieselben, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß: verweigerte Freiheit, angespannte Beziehungen, geistige, emotionale und körperliche Gesundheit und der Verlust einer ganzheitlicheren, angenehmeren Welt, die jetzt hĂ€tte sein können. Diese Ergebnisse betreffen uns alle, die wir diese RealitĂ€t teilen. Nicht nur Menschen wie ich, die hinter Gittern sitzen.

Der Grund fĂŒr unser Verschwinden aus dem Leben der Menschen und den Orten, die wir lieben, ist auch in diesen politischen Systemen derselbe: Es geht darum, die Opposition zu unterdrĂŒcken.

Lassen wir bitte endlich alle Illusionen ĂŒber den Hauptgrund fĂŒr meine Verfolgung fallen. Wir sollten nicht so tun, als sei der Hauptgrund, warum ich hier bin, ein angeblicher Angriff auf die Polizei, genauso wenig wie wir so tun wĂŒrden, als sĂ€ĂŸe Alexej Navalney wegen Veruntreuung in einem russischen GefĂ€ngnis oder als sĂ€ĂŸe Aun San Su Ki wegen illegaler Walkie-Talkies in einem GefĂ€ngnis in Myanmar oder als wĂŒrden Hexen wegen verfluchter und misslungener Ernte verbrannt, wir sollten uns nicht mit einer Fußbewegung ablenken, die eine minimale Kraft in Richtung eines Polizisten hatte, nicht in sein Gesicht, nicht an seinen Kopf, sondern an seinen Helm. Wir dĂŒrfen auch nicht glauben, dass ein angebliches Knie, das der Polizist D111 nicht einmal im Videobeweis aufzeigen kann, ein vernĂŒnftiger Grund fĂŒr meine Inhaftierung seit November 2020 sein kann.

Lassen wir uns nicht von einer Staatsanwaltschaft tĂ€uschen und ablenken, die die brutale und inkompetente Vorgehensweise der Polizei leugnet, wie sie in den vielen Merkmalen meiner Verhaftung zu sehen ist; dass sie in meinen Sicherheitsgurt griffen, wiederholt daran zogen, mich mit metallischer KletterausrĂŒstung auf meine Hand schlugen (die danach mindestens 3 Wochen lang Schmerzen hatte); dass man mir mit voller Wucht ins Gesicht schlug, mir in 15m instabiler Höhe mit einem Tasereinsatz drohte, grundlos Schmerzgriffe anwendeten, dass sie den “Rettungsgurt” nicht richtig anlegen konnten, mich auf den Boden legten, auf mir standen, wĂ€hrend die durch den Gurt eingeschrĂ€nkte Blutversorgung mir in den Kopf schoss und hatte dann blitzartig Gedanken an sexuelle Gewalt, wĂ€hrend ich da lag und zu einem Kreis von mĂ€nnlichen Personen aufschaute, als ich gerade 4 ihrer HĂ€nde zwischen meinen Beinen hatte, die mir die Kleidung auf- und abrissen und mich fesselten. Mein verĂ€ngstigter Zustand kann mir nicht abgestritten werden.

Mehr noch, als D111 mit den Kommentaren ĂŒber mich und meinen verzweifelten Zustand konfrontiert wurde, kicherte er haemisch als Antwort, dass „ich alles verdient habe, was ich bekommen habe“. Kann man diesen Leuten wirklich trauen?

Aber sehen wir die Elemente als das, was sie sind, die Provokation von K214 durch sein unnötiges Ziehen an meiner SicherheitsausrĂŒstung, sein daraufhin verletztes Ego, als mein Fuß es wagte, ihm zu sagen, er solle mit dieser Aggression aufhören, und eine Demonstrantin, die sich nicht nur mit ihrer Meinung widersetzt, sondern buchstĂ€blich und unbequem fĂŒr die Polizei und den Staat, ihren Körper fĂŒr die Liebe zu ihrem Planeten aufs Spiel setzt.

Frau Mareen Fischer, ich habe ein paar Dinge ĂŒber die staatliche Kriminalisierung von mir zu sagen. Am 23. MĂ€rz vergangener Woche wurde mir gesagt, ich sei als „Staatsfeind“ bezeichnet worden, und ich muss Ihr MissverstĂ€ndnis aufklĂ€ren. Ich habe nicht die Absicht, mir jemanden zum Feind zu machen. Ich wĂŒrde mich gerne mit Ihnen zusammensetzen, uns einen Tee einschenken und versuchen, uns gegenseitig zu verstehen, indem wir falsche Annahmen in Frage stellen. Ich wĂŒrde dies sogar mit den Polizisten K214 und D111 tun, denn ich möchte nicht, dass diese KriegsmentalitĂ€t zwischen uns Aktivisten und dem von Ihnen vertretenen Staatsapparat fortbesteht. Ebenso wĂŒrde ich Tarek Al Wazir einladen, den Verkehrsminister, der fĂŒr den Ökozid verantwortlich ist, den die Autobahn A49 verursacht hat, die GeschĂ€ftsfĂŒhrer von DEGES und STRABAG, die dieses Projekt durchfĂŒhren, können ebenfalls kommen, und gemeinsam können wir den Glauben dekonstruieren, dass wir getrennt sind, wĂ€hrend wir in Wirklichkeit alles, was wir anderen antun, uns selbst antun.

Außerdem haben Sie in Ihrem SchlussplĂ€doyer den Richter und die Schöff*innen aufgefordert, meine Freiheit aufgrund meiner Ansichten zur Demokratie weiter zu verweigern. Lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen, ĂŒber die Demokratie als das nachzudenken, was sie ist: ein System der Mehrheitsherrschaft, in dem Entscheidungen von einigen wenigen AuserwĂ€hlten getroffen werden, die abgehoben sind von denen ĂŒber die sie entschieden. Sie beruht nicht auf einem Konsens mit den am stĂ€rksten Betroffenen, wie die Anwohner der A49 und jeder anderen Gemeinde, der ein demokratisch erarbeitetes Projekt aufgezwungen wurde, sehr deutlich sehen. Dieses Profitieren ohne RĂŒcksicht auf die Konsequenzen ist ein kolonialer „Kater“ (engl. hangover). Bitte lassen Sie uns nĂŒchtern werden und erkennen, dass Herrschaft mit Gewalt eine Situation ist, in der man nur verlieren kann, und dass wir es viel viel besser machen können als so.

Dieser Wille zur Macht ĂŒber andere ist der grundlegende Unterschied zwischen Staatstreuen und Leuten aus der Bewegung, die wollen, dass wir nur ĂŒber uns selbst herrschen. Dieser Drang, andere zu kontrollieren, ist in der Angst verwurzelt. Die Angst, dass die freien Menschen um einen herum nicht auf die Interessen der anderen RĂŒcksicht nehmen und man deshalb unter Missachtung leidet. Das ist eine schreckliche Situation, die man durchlebt hat, und ein Trauma, das viele von uns erlebt haben.

Das einzige Heilmittel dagegen ist die Praxis der gegenseitigen FĂŒrsorge. Das Sehen, Hören, FĂŒhlen und Verstehen fĂŒreinander ist das, was die Bewegung in autonomen Zonen wie dem Dannenröder Forst schafft.

Die freiere Welt, in der wir leben wollen, ist auch fĂŒr Sie, sie ist bereits darauf bedacht, die Luft, die wir beide atmen, das Wasser, das wir beide trinken, zu reinigen, die FĂ€higkeiten mit Ihren Kindern und Enkeln zu teilen, die Naturlandschaften, die sie genießen werden, und das gĂŒnstige Klima, das sie bewahren wird, zu schĂŒtzen.

Auch wenn die Schaffung der gemeinsamen Zukunft, die unsere Generation will und braucht, im Gange ist, sind wir leider weit davon entfernt, und wir entfernen uns noch weiter davon mit jedem gefĂ€llten Baum, mit jedem Gramm Treibhausgas mehr in der AtmosphĂ€re, mit jeder Beziehung, die durch mangelnde RĂŒcksichtnahme und Konsens zerbrochen ist, jedes Mal, wenn wir meinen, wir mĂŒssten akzeptieren, was wir nicht wollen, und uns dafĂŒr entscheiden, nichts zu Ă€ndern. Jede Wasserquelle wird verseucht, und damit auch jedes Wesen.

!Freiheit fĂŒr Ella ! ellA rĂŒf tiehierF!




Quelle: Freethemall.blackblogs.org