Oktober 7, 2021
Von Paradox-A
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Lesedauer: 2 Minuten

Na toll, das hĂ€tte ich mir ja denken können. Aber das es dann so plakativ wurde, war mir vorher nicht klar, als ich den inzwischen weit verbreiteten Persönlichkeitstext gemacht habe. Viele Menschen mögen solche Tests, weil sie ihnen Ă€hnlich wie Horoskope das GefĂŒhl geben, endlich eine ErklĂ€rung dafĂŒr zu erhalten, warum sie nun mal so sind wie sie sind und ihr Leben so lĂ€uft, wie es lĂ€uft. DarĂŒber nachzudenken ist populĂ€r, da „AuthentizitĂ€t“ und „Selbstreflexion“ heute als Werte fĂŒr sich (und nicht in Bezug auf etwas) angesehen werden. Fake it, until it fakes you.

Ob Sternenkonstellation oder psychische Konstellation – gerade unter Einfluss der liberalen Ideologie, die behauptet, wie wĂ€re vollkommen selbst fĂŒr unsere Lage verantwortlich, sind solche AusflĂŒchte legitim. Besser wĂ€re allerdings, die eigene SubjektivitĂ€t in gesellschaftlichen ZusammenhĂ€ngen und VerhĂ€ltnissen stehend zu begreifen. Doch das ist schwierig und verlangt ebenfalls eine Distanzierung vom eigenen Selbst, sprich ein Medium, wie es kritisches Theoretisieren beispielsweise bieten können.

Jedenfalls habe ich mit dem Persönlichkeitstest endlich eine externe Quelle, die mir bescheinigt, warum ich assoziativ und wild, eher sprunghaft und multidimensional denke – und daher starke Probleme mit der dominanten Form westlicher und mĂ€nnlich konnotierter Form von RationalitĂ€t habe, wie sie in den Wissenschaften weitestgehend gepflegt wird. Alles eine Frage der Persönlichkeit eben, wer dazu taugt und wer sich damit aus verschiedenen GrĂŒnden schwer damit tut


Und auch die eine oder andere Sache trifft schon auch so zu, wĂŒrde ich behaupten. Was teilweise auch an den Formulierungen in den allgemein gehaltenen Beschreibungen von Persönlichkeitstypen liegt. Ähnlich wie in Horoskope fallen in diesen auf einen selbst scheinbar zutreffende Aussagen deutlich stĂ€rker ins Auge, als solche, die zwar ebenfalls beschrieben werden, aber eben nicht so ganz zutreffen. Oder auf ganz viele Menschen zutreffen.

Von einem Gedanken muss man sich beim Persönlichkeitstest allerdings verabschieden: Jenem, dass jeder Typ individuell ist. Nein, es gibt 16 von ihnen – und sie sind austauschbar! Du bist nicht besonders. Und damit gilt es sich zu arrangieren. (Was fĂŒr eine Erleichterung!)

Wie auch immer, eigentlich dient insbesondere dieser Test natĂŒrlich dazu, ein passendes Team fĂŒr eine Abteilung in einem Unternehmen zusammen zu stellen. Der Gedanke dahinter: Wenn alle Beteiligten sich selbst klassifizieren und von der Personalabteilung typisiert werden, fĂŒhrt das nicht nur zu einer anregenden GesprĂ€chsatmosphĂ€re, sondern ermöglicht auch die Optimierung von ArbeitsablĂ€ufen unter Einbeziehung der social skills der Arbeitnehmer*innen.

Das es vielfĂ€ltige FĂ€higkeiten braucht, um eine funktionierende Gruppe aufzubauen, ist freilich auch etwas, was sich in (anti-)politischen ZusammenhĂ€ngen feststellen lĂ€sst. Wie ein gutes Team dahingehend aussehen wĂŒrde und wie es sich zusammen finden wĂŒrde, scheint dennoch eine offene Frage zu sein





Quelle: Paradox-a.de