Juli 2, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union
185 ansichten


Erfolg gegen Start-Up Spaeti48: 410€ Nachzahlung!

Im Februar dieses Jahres, mitten in der Pandemie und der viel beschworenen SolidaritĂ€t in unserer Gesellschaft, wurde einem unserer Genossen bei Spaeti48 aus lĂ€cherlichen GrĂŒnden in der Probezeit gekĂŒndigt. Unser Genosse ließ sich nicht klein kriegen und betrat am nĂ€chsten Tag wieder das BetriebsgelĂ€nde, um  seine Kolleg*innen ĂŒber arbeitsrechtliche Fragen aufzuklĂ€ren. Daraufhin sprach ihm die Betriebsleitung kurzerhand ein Hausverbot aus. Ein anwaltliches Schreiben im Auftrag von Spaeti48 ließ nicht lange auf sich warten:    

„Sollten Sie sich in Zukunft nicht an das Sie treffende MĂ€ĂŸigungsgebot und die vertraglich vereinbarte Verschwiegenheitsverpflichtung halten, werden wir ohne weitere AnkĂŒndigungen gerichtliche Schritte gegen Sie einleiten. [
] Mit den entstehenden Kosten werden Sie belastet.“

Von diesem Schreiben ließ sich der Genosse nicht einschĂŒchtern. Stattdessen hielt er mit der FAU  noch am selben Abend eine Kundgebung vor dem BetriebsgelĂ€nde ab, um gegen die KĂŒndigung zu protestieren und die anderen Mitarbeiter*innen auf die MissstĂ€nde im Betrieb aufmerksam zu machen. Mit dieser Situation offenbar völlig ĂŒberfordert riefen die Bosse umgehend die Polizei, mussten sich von dieser aber erklĂ€ren lassen, dass derartige Kundgebungen durchaus erlaubt sind 😉 Nach der letzten Gehaltsabrechnung musste unser Genosse feststellen, dass darin weder der offene Urlaubsanspruch noch der ausstehende Lohn fĂŒr die letzten zwei Wochen des ArbeitsverhĂ€ltnisses zu finden waren. Auch nach einer KĂŒndigung muss der Lohn bis zum Ende des ArbeitsverhĂ€ltnisses fortgezahlt werden, wenn man so wie unser Genosse seine Arbeitskraft weiterhin zur VerfĂŒgung stellt. Man darf sich fragen, ob die Bosse das nicht wussten oder sogar bewusst ignoriert haben. SelbstverstĂ€ndlich wurde der ausstehende Lohn durch ein Forderungsschreiben des Genossen geltend gemacht. Anstatt die berechtigten Forderungen zu bezahlen, wies Spaeti48 diese als „unbegrĂŒndet und rechtlich haltlos“ zurĂŒck. Und setzte stattdessen weiter auf EinschĂŒchterung:

„Es wird keinerlei Zahlung erfolgen, vielmehr werden die noch bestehenden AnsprĂŒche unserseits aus Vertragsverletzungen und geschĂ€ftsschĂ€digenden Verhalten sowie etwaige strafrechtliche Schritte aus möglicher Nötigung zu prĂŒfen sein. [
] Einer juristischen Auseinandersetzung sehen wir mit Gelassenheit entgegen.“ 

Wie gelassen der GeschĂ€ftsfĂŒhrer tatsĂ€chlich ist, wollte unser Genosse natĂŒrlich herausfinden und eröffnete ein arbeitsgerichtliches Mahnverfahren. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, bestellten mehr als ein Dutzend solidarischer Menschen in einem kurzen Zeitfenster ihr Feierabendbier und ĂŒberforderten so anscheinend die Infrastruktur des Unternehmens. So kam es zu teils mehrstĂŒndigen Lieferzeiten fĂŒr ein einzelnes Hansa-Pils. Da ist uns der Kiosk um die Ecke doch lieber. 
Als das arbeitsgerichtliche Mahnschreiben dann beim Chef auf dem Tisch lag, ließ die Lohnnachzahlung nicht lange auf sich warten. Innerhalb einer Woche wurde die gesamte Forderung, inklusive Verzugspauschale und Zinsen beglichen: 410€! KĂ€mpfen lohnt sich! So „gelassen“ waren die Bosse dann anscheinend doch nicht 😉

Falls du Probleme mit Spaeti48 oder einem anderen Unternehmen hast, schreib uns einfach an.

<faums-sprechstunde@fau.org>

Zusammen sind wir stark! 




Quelle: Fau.org