Oktober 27, 2020
Von Indymedia
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Zum MĂ€nnertag 2016 fuhr eine grĂ¶ĂŸere Gruppe Neonazis des „Kollektiv56“ mit der Straßenbahn nach Erfurt-Nord. An der Haltestelle „Salinenstraße“ stiegen sie aus und begannen das AJZ mit leeren Bierflaschen zu bewerfen. Sie begaben sich in den Hof des Jugendzentrums, setzten Pfefferspray gegen die Anwesenden ein und begannen auf sie einzuschlagen, bevor sie die Flucht ergriffen. Ebenfalls entwendeten die Angreifer eine Jacke eines ihrer Opfer, weshalb u.a. wegen Raub ermittelt wurde. Zu der angreifenden Gruppe gehörten Michael Zeise, Sascha WĂŒhr, Ronny Damerow, Phillipe Amor, Julian Franz, Johann Walter Richter, Max Kambartel, Max Schmidt, Sören Erik Hildesheim, Benjamin GĂŒnther und Felix Lindenau. Ein Großteil der Angreifenden konnte kurze Zeit spĂ€ter von der Polizei gestellt oder identifiziert werden. Es folgten einige Wochen spĂ€ter erste Hausdurchsuchungen bei den Beschuldigten. (Pressebericht) Nico Julian Moritz Franz wurde noch am selben Abend des Angreiffs vom 5.5.2016 in Untersuchungshaft verbracht. Grund war jedoch nicht der Angriff auf das AJZ tagsĂŒber, sondern eine Raubtat am Haupbahnhof Erfurt.

Mittlerweile befinden sich von der angreifenden Gruppe nur noch zwei Beteiligte als Beschuldigte auf der Anklagebank. Dabei handelt es sich um Ronny Damerow und Phillipe Amor. Die Verfahren gegen alle anderen Neonazis, welche als Beschuldigte gefĂŒhrt worden sind, sind bereits eingestellt worden. Trotz ihrer Einstellung mĂŒssen sie als Zeugen vor Gericht erscheinen.

Dabei wird Damerow vor Gericht mit dem Anwalt Thomas Ullrich aus Erfurt erscheinen.
Phillipe Amor wird von Steffen Hammer aus Reutlingen als Anwalt vertreten. Steffen Hammer ist ein bekannter Neonazi und Szene-Anwalt. Er spielte jahrelang in der deutschen Rechtsrockband “Noie Werte” und war Landesvorsitzende der NPD in Baden-WĂŒrttemberg. Der NSU bezog sich u.a. auf einen Songtext der Band, aus der Feder von Hammer, positv in ihrem Bekennervideo. Als Rechtsanwalt vertrat Hammer in der Vergangenheit bereits mehrmals NPD FunktionĂ€re und Neonazis. Seine Kanzleikollegin, Nicole Schneider, leistete in der Vergangenheit bereits Ralf WOhlleben aus dem NSU-UnterstĂŒtzernetzwerk rechtlichen Beistand.

Die Verhandlung beginnt am 10. November um 9 Uhr im Amtsgericht Erfurt, Sitzungssaal 19. Weitere Prozesstage sind fĂŒr den 12. November um 9 Uhr, 24. November um 13 Uhr und den 26. November um 13 Uhr am Amtsgericht Erfurt angesetzt.

Es ist bezeichnend, dass mehr als vier Jahre nach der Tat die TĂ€ter vor Gericht stehen. Zwar sollte bereits im FrĂŒhjahr 2020 der Prozessbeginn sein, dieser wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie vertagt. Aber selbst vier Jahre nach dem gezielten Angriff auf ein Jugendzentrum in Erfurt konnten sich die TĂ€ter weiter frei bewegen und hatten keinerlei Konsequenzen zu befĂŒrchten. Phillipe Amor beteiligte sich beispielsweise an einem weiteren Angriff auf das AJZ am 26. Juli 2017. Das Ermittlungsverfahren gegen Amor als TĂ€ter ist in diesem Fall eingestellt worden. Auch bei dem aktuellen Angriff vor der Staatskanzlei am 18. Juli 2020 in Erfurt gibt es Hinweise, dass Amor beteiligt war. Ein solch spĂ€ter Prozessbeginn gegen lediglich zwei der TĂ€ter ist nicht nur eine Einladung fĂŒr gewaltbereite Neonazis fleißig weiter zu prĂŒgeln und zu morden, sondern ermutigte sie nachweislich in der Vergangenheit zu weiteren Angriffen.

Als Initiative „Kollektiv56 aufdecken!“ rufen wir dazu auf den nun angesetzten Prozess mit einer kritischen Öffentlichkeit zu begleiten. Einmal in der SolidaritĂ€t mit den Angegriffenen und natĂŒrlich um öffentlich Druck zu machen, dass ein solcher Angriff und verschleppter Prozess nicht ohne Widerspruch bleiben.

Infos: https://k56aufdecken.noblogs.org




Quelle: De.indymedia.org