Oktober 14, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – In Potsdam erinnert seit Donnerstag eine Gedenktafel an die politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt. Die Tafel in der Merkurstraße 3 in Babelsberg wurde an ihrem 115. Geburtstag eingeweiht. Ende der 1920er Jahre wohnte Arendt in dem Haus im damaligen Neubabelsberg. Dort schrieb sie eines ihrer ersten Werke. 1929 heiratete sie in Nowawes den österreichischen Philosophen GĂŒnther Stern, der sich spĂ€ter GĂŒnther Anders nannte. Die Tafel ist aus Sandstein gefertigt, mit einem PortrĂ€t Arendts aus Porzellan. Die Kosten von rund 1000 Euro trĂ€gt die Stadt.

Die im Jahr 1906 in Hannover geborene Arendt wuchs in Königsberg auf, promovierte 1928 in Heidelberg und setzte ihre wissenschaftliche Arbeit in Berlin fort. Als Kritikerin des Nationalsozialismus und JĂŒdin gefĂ€hrdet, floh sie 1933 erst nach Paris. 1941 gelang ihr die Ausreise nach New York. 1951 wurde sie US-amerikanische StaatsbĂŒrgerin und lehrte an verschiedenen UniversitĂ€ten. Zu ihren wichtigsten Werken zĂ€hlen „Elemente und UrsprĂŒnge totaler Herrschaft“ und „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht ĂŒber die BanalitĂ€t des Bösen“.

Adresse in Brief von Heidegger entdeckt

OberbĂŒrgermeister Mike Schubert (SPD) und Brandenburgs Wissenschafts- und KulturstaatssekretĂ€r Tobias DĂŒnow (SPD) dankten den HauseigentĂŒmern Martina und GĂŒnther Kruse fĂŒr ihren Einsatz fĂŒr die Gedenktafel. Dabei hatten die beiden schon mehr als 20 Jahre in dem Haus gelebt, bevor sie ĂŒberhaupt erfuhren, dass Arendt dort einst zu Untermiete wohnte. Der Berliner GĂŒnter Steinert hatte die Adresse in einem Brief des Philosophen Martin Heidegger entdeckt und daraufhin bei den Kruses geklingelt, wie er am Donnerstag sagte. 

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Wann genau Arendt in der Merkurstraße ein- und wieder ausgezogen ist, sei hingegen unklar, so GĂŒnther Kruse. Man vermute dass, sie aus finanziellen GrĂŒnden in der Dachkammer des 1927 errichteten Hauses gewohnt habe. Es sei richtig, dass an Leben und Werk Arendts erinnert werde. Sie sei eine Frau von internationaler Bedeutung gewesen. 

Dass gut lesbar vom BĂŒrgersteig aus nun eine Gedenktafel hĂ€ngt, hat eine lange Vorgeschichte. Die erste Nachfrage in der Stadtverordnetenversammlung stellte Sascha KrĂ€mer (Linke) im Jahr 2016. Im selben Jahr wurde auch beschlossen, die Tafel anzubringen. Doch dann dauerte es, bis die Mittel im Haushalt eingeplant waren, Material und Textentwurf mussten in der Gedenktafelkommission geklĂ€rt werden und dann kam die Pandemie. „Die Gedenktafel ist ein weiterer Baustein der Potsdamer Erinnerungskultur, die einen Beitrag leistet, Spuren verschiedener Zeitschichten im Stadtbild zu erhalten und durch dauerhafte Installationen im öffentlichen Raum die Stadt als GedĂ€chtnisort sichtbar zu machen“, so KrĂ€mer. 




Quelle: Inforiot.de