Oktober 20, 2020
Von Indymedia
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Auch wir sind traurig und wĂŒtend. Am Freitag, den 9. Oktober, wurde das queerfeministische Hausprojekt Liebig34 in Berlin Friedrichshain gerĂ€umt. Inmitten einer Pandemie und zu Beginn des Winters wurden 57 Menschen durch 5000, teilweise extra nach Berlin angereiste, Cops aufgrund der Profitinteressen eines Investors aus ihrem zu Hause geprĂŒgelt. Das ganze wurde einen Tag vor dem Inkrafttreten der neuen Corona-VerschĂ€rfungen inklusive Sperrstunde (aufgrund der aktuell stark steigenden Fallzahlen) druchgesetzt.
Die Profitinteressen von Gijora Padovicz stehen anscheinend ĂŒber der Gesundheit von Menschenleben. Zudem war die Rechtsgrundlage der RĂ€umung uneindeutig, der falsche Verein war verurteilt worden. Polizei und Senat sind nun darauf stolz, so prĂ€chtig die Interessen des sogenannten Rechtsstaates durchgesetzt zu haben. Ein solcher Rechtsstaat ist illegitim. Statt um Leben von Menschen geht es wie so oft um Profitfantasien Einzelner. Kein einziges mal wurde in den zahlreichen BeitrĂ€gen der Boulevard Presse auf die Perspektiven, Ideen und Vorstellungen der Bewohner*innen eingegangen. Es wurde nicht dargestellt, dass die Liebig34 ein politisches und kulturelles Zentrum des Kiezes war. Sie war ein Schutzraum fĂŒr FLINT*-Menschen und Marginalisierte, ebenso wie politische Stimme und belebter Ort der Nachbarschaft.

Die RĂ€umung der Liebigstraße 34 war ein Paradebeispiel fĂŒr die Nutzlosigkeit und Grenzen eines sozialdemokratischen Senats. Ein Senat der sagte:
WÀhlt uns und die Stadt gehört euch!
Wir haben wieder einmal gesehen das dies nur Phrasen sind und sie uns nicht schĂŒtzen werden.
Die RĂ€umung eines Ortes wie der Liebigstraße 34, welcher ein einzigartiger Schutzraum fĂŒr FLINTA* Menschen, ein Ort zum ausprobieren, ein Ort fĂŒr Selstorganiserung, ein Ort des Widerstands Gegen die Stadt der Reichen war, ist ein Angriff auf uns alle.
Auf alle die tagtÀglich gegen das Patriarchat kÀmpfen
Auf alle die sich kollektiv organiseren
Auf alle die in dieser Stadt keinen Platz mehr zum wohnen haben

Auf uns als Jugend; denn wir sind in dieser Stadt aufgewachsen und haben nun keinen Platz mehr in ihr. Wir dĂŒrfen gerne in Mitte arbeiten, die Stadt hipp, jung und alternativ machen, aber bitte nicht zu laut und nicht zu wild. Solange wie wir verwertbar sind, dĂŒrfen wir bleiben. Menschen ziehen in alternative und kulturell belebte Kieze und verdrĂ€ngen dann die Alternativen und Kulturschaffenden.
Es ist ein Angriff auf alle, die in dieser Stadt versuchen zu leben und fĂŒr eine bessere Gesellschaft zu kĂ€mpfen.
Ihr denkt, ihr habt mit der RĂ€umung der Liebig Straße 34 unsere TrĂ€ume und uns zertstört, doch ihr habt nur klar gemacht, nach welchen Interessen ihr handelt und die Grenzen und Positionen klarer gezogen.

Schon vor der RĂ€umung haben wir gezeigt, dass diese Politik nicht mit unseren Vorstellungen eines solidarischen Zusammenlebens vereinbar ist.
Unter der Aktion JugendBesetzt wurden am Mittwoch fĂŒnf HĂ€user in Berlin besetzt. Wir wollen damit die besondere Rolle Jugendlicher in diesen sozialen KĂ€mpfen hervorheben. Wir als Jugend stehen unter dem besonderen Druck uns zu organisieren und fĂŒr die Zukunft zu kĂ€mpfen, welche uns jeden Tag von weißen alten Großkapitalisten und Politikern geraubt wird. Großkapitalisten wie Padovizc, welche Monopoly mit der Stadt spielen, in der wir ein freies und solidarisches Miteinander fĂŒr alle aufbauen wollen.
Alle Protestformen der letzten Wochen, von den Kundgebungen im Kiez, den Nachbar*Innendemonstrationen bis hin zu militanten Formen des Widerstandes, schrien dasselbe in ihren unterschiedlichen Sprachen in die Welt hinaus:
Nein! Das ist unsere Stadt!
Es ist nun an der Zeit diese KĂ€mpfe zu verbinden.

Denn letztendlich haben sie zwar die Liebigstraße 34 gerĂ€umt, nicht jedoch die Ideen und was sie politisch geschaffen hat.
Der Kampf geht weiter!

Mit diesen Worten wollen wir uns dem internationalen Aufruf zu den Aktions- und Disskussionstagen der Interkiezionalen vom 30. bis 31.10 anschließen.
Wir brauchen FreirÀume und SchutzrÀume und wir brauchen radikalen Feminismus!
Liebig 34 lebt!




Quelle: De.indymedia.org