September 19, 2021
Von Die Plattform Ruhr
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Uns wurde ĂŒber den Bulleneinsatzauf der MöllerbrĂŒcke in der Nacht von Freitag auf Samstag folgender Erlebnisbericht zugesendet:

Am Samstag Abend gegen ein Uhr mussten unsere Held:innen in Uniform einmal mehr alles aufbieten, um Recht und Ordnung in Dortmund zu schĂŒtzen. Tatort war diesmal die MöllerbrĂŒcke in Dortmund, wo etwa 150 ihren wohlverdienten Freitag Abend ausklingen lassen wollten.Es ging los, als ganze zwei Böller auf der BrĂŒcke gezĂŒndet wurden. Da musste die heldenhafte Polizei das erste Mal heraneilen, um die Sicherheit gewĂ€hrleisten zu können. Nachdem die Bullen fachmĂ€nnisch durch ca. zehnfaches langsames VorĂŒberfahren eines Streifenwagens und zwei Wannen das Gefahrenptotential errechnet hatten, kam ein erster Kontaktversuch. Dieser wurde kurzfristig abgebrochen, nachdem eine Flasche in die NĂ€he der Bullen flog. Es wurde schnell evakuiert und der RĂŒckwĂ€rtsgang eingelegt. Eine weitere Flasche flog und zerplatze auf der Bullenwanne als Abschiedsgruß.Etwa eine Stunde spĂ€ter wurde dann direkt eine voll behelmte – mit KnĂŒppeln und Pfefferspray ausgerĂŒstete – Hundertschaft, inklusive Hunden ohne Maulkorb, heranbeordert, um der Gefahr Herr zu werden. Diese vielleicht 70 Bullen stĂŒrmten dann recht unangekĂŒndigt die BrĂŒcke, nachdem sie vorher knapp 15 Minuten noch etwa 30 Meter entfernt die Gefahr beobachtet hatten. Sofort wurde alles weggepfeffert und weggeknĂŒppelt, das nicht schnell genug von der BrĂŒcke hinuntergegangen war. Es wurde recht schnell vorgerĂŒckt. Die eins bis zwei Flaschen, die als Antwort auf die Bullen flogen, sorgten dafĂŒr, dass noch ein paar mehr junge Menschen, die nichts gemacht haben, außer dass sie auf der MöllerbrĂŒcke feierten, aus nĂ€chster NĂ€he Pfefferspray in die Augen gesprĂŒht bekamen. Stellenweise auch schon mehrere Meter hinter der MöllerbrĂŒcke, dem eigentlichen Hochrisikogebiet, das die Held*innen sichern sollten. Die Menge wurde schließlich um die 200 Meter hinter die MöllerbrĂŒcke vertrieben.NatĂŒrlich gab es auch das ĂŒbliche GeplĂ€nkel, so zum Beispiel dass die Bullen in filmende Handys mit ihren Taschenlampen leuchteten, um das Filmen zu verhindern. 

Was uns dann nach diesem Erlebnisbericht noch zu sagen bleibt: Nachdem mit dem Umschlagplatz am Hafen bereits ein öffentlicher Platz, an dem sich viele Leute getroffen haben, in eine nicht zugĂ€ngliche Baustelle verwandelt wurde, soll mit der MöllerbrĂŒcke gleich der nĂ€chste Platz zum abendlichen und unkommerziellen AbhĂ€ngen nach und nach verunmöglicht und „befriedet“ werden. Wohin die ganzen Leute, die sich die teure Gastro nicht leisten können oder wollen, alle sollen bleibt unklar. Und die Stadt zeigt einmal mehr, dass sie dieser Unklarheit und dem berechtigten Frust, der sich regelmĂ€ĂŸig auf den Straßen unserer Stadt entlĂ€dt, lieber mit der Gewalt behelmter Polizist:innen statt mit echten Lösungen begegnet. Unsere Forderungen bleibt derweil klar: Wir brauchen keine befriedeten und durchkommerzialisierten Viertel, in denen es nur Angebote fĂŒr Gutverdienende gibt. Wir weise die weitere Militarisierung – insbesondere der armen Nachbarschaften – unserer Stadt zurĂŒck. Wir brauchen eine Stadt, die wir von unten selbst gestalten, aus unseren Nachbarschaften heraus. Wir brauchen gut vernetzte Nachbarschaftsstrukturen, die eine Alternative zur staatlichen Gewalt bieten können.

FĂŒr eine Stadt fĂŒr alle!




Quelle: Ruhr.dieplattform.org