Februar 21, 2021
Von FAU Flensburg
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SaisonkrĂ€fte aus Osteuropa sollen auch dieses Jahr bis zu fĂŒnf Monate sozialversicherungsfrei arbeiten dĂŒrfen. Das fordern AgrarverbĂ€nde.

Deutsche Landwirte wollen in diesem Jahr auslĂ€ndische SaisonkrĂ€fte wieder fĂŒnf Monate oder 115 Arbeitstage ohne gesetzliche Krankenversicherung etwa zur Spargelernte beschĂ€ftigen. Der Bauernverband und andere Branchenorganisationen forderten vor Kurzem die Bundesregierung auf, „auch 2021 eine versicherungsfreie BeschĂ€ftigung fĂŒr bis zu 115 Tage zuzulassen“.

Auf diesem Weg angestellte Ost­eu­ro­pĂ€e­r*in­nen etwa mĂŒssen beispielsweise bei einer Corona-Erkrankung laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) die Behandlungskosten mitunter selbst zahlen. Zudem wĂŒrden der deutschen Sozialversicherung hohe Summen an BeitrĂ€gen verloren gehen. 62 Prozent der Ende Juni 2019 registrierten rund 100.000 auslĂ€ndischen AushilfskrĂ€fte hatten nur eine BeschĂ€ftigung ohne regulĂ€re Sozialversicherung, wie eine statistische Auswertung zeigt, die die Bundesagentur fĂŒr Arbeit auf taz-Anfrage erstellt hat.

Die Agrarlobbyisten verlangen, eine Ausnahme fĂŒr das Coronajahr 2020 zu verlĂ€ngern. In normalen Jahren entfallen BeitrĂ€ge zur Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nur bei „kurzfristigen BeschĂ€ftigungen“ bis 3 Monaten oder 70 Arbeitstagen. Doch weil 2020 wegen der Coronapandemie weniger Ern­te­hel­fe­r*in­nen aus Osteuropa einreisen konnten als ĂŒblich, hat der Bundestag die Zeitgrenze in jenem Jahr angehoben.

„FĂŒr einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz der versicherungsfrei beschĂ€ftigten SaisonkrĂ€fte sorgen die Betriebe durch private Erntehelferversicherungen“, teilte Thomas Becker, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der gĂ€rtnerischen ArbeitgeberverbĂ€nde, mit. „Das ist aber nur eine Empfehlung, der nicht alle folgen, und oft deckt die private Versicherung nicht alles ab“, sagte Harald Schaum, Vize-Chef der IG BAU. Auch wenn die BeschĂ€ftigten in einem anderen EU-Land versichert sind, mĂŒssten sie in der Praxis zuweilen selbst zahlen.

Die taz hatte im vergangenen Jahr ĂŒber einen Landwirt berichtet, der Ern­te­hel­fe­r*in­nen gewarnt hatte, sie mĂŒssten die Kosten beispielsweise fĂŒr einen Krankenwagen selbst ĂŒbernehmen. Solche SaisonarbeitskrĂ€fte erhalten meist – wenn ĂŒberhaupt – nur den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 9,50 Euro pro Stunde, von dem sie dann auch noch Unterkunft und Verpflegung in Deutschland bestreiten mĂŒssen.

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Quelle: Fau-fl.org