Januar 20, 2021
Von FAU Flensburg
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1. Absichten und Ziele

Wir glauben, daß die meisten Übel, die die Menschheit quĂ€len, von einer schlechten gesellschaftlichen Organisation herrĂŒhren; und daß der Mensch sie beseitigen könnte, wenn er nur wollte, und wenn er wĂŒĂŸte wie.

Die gegenwĂ€rtige Gesellschaft ist das Resultat jahrhundertelanger KĂ€mpfe zwischen den Menschen. Da sie nicht einsahen, welche Vorteile allen erwachsen wĂŒrden aus Kooperation und SolidaritĂ€t; da sie in jedem anderen Menschen (mit Ausnahme vielleicht der nĂ€chsten Verwandten) einen Konkurrenten und Feind sahen, suchte jeder fĂŒr sich selbst die grĂ¶ĂŸtmögliche Anzahl von Vorteilen zu sichern, ohne den Interessen der anderen auch nur einen Gedanken zu widmen. In einem solchen Kampf waren offensichtlich die StĂ€rksten oder vom GlĂŒck BegĂŒnstigteren fĂŒr den Sieg prĂ€destiniert, und sie unterwarfen sich die Verlierer und unterdrĂŒckten sie auf die eine oder andere Weise.

So lange der Mensch unfĂ€hig war, mehr zu produzieren als er unbedingt zum Leben benötigte, konnten die Eroberer nichts anderes tun, als ihre Opfer in die Flucht zu schlagen oder niederzumetzeln und sich der Nahrungsmittel zu bemĂ€chtigen, die sie angesammelt hatten. Als dann der Mensch, mit Entdeckung von Ackerbau und Viehzucht, mehr zu produzieren in der Lage war als er zum Lebensunterhalt benötigte, erachteten es die Eroberer als nĂŒtzlicher, die Besiegten auf den Stand der Sklaverei zu reduzieren und ihre Arbeitskraft nutzbringend einzusetzen. SpĂ€ter wurde den Eroberern klar, daß es bequemer, ertragreicher und sicherer war, die Arbeit anderer durch andere Mittel auszubeuten: sich selbst das ausschließliche Recht auf den Boden und die Produktionsmittel vorzubehalten und die Enterbten freizusetzen, die, da sie sich ohne die Mittel zum Leben fanden, gezwungen waren, auf die Bodenbesitzer zu rekurrieren und fĂŒr sie, zu den ihnen genehmen Bedingungen, zu arbeiten.

So sind wir Schritt fĂŒr Schritt durch eine Ă€ußerst komplizierte Reihe von KĂ€mpfen jeder Art, von Invasionen, Kriegen, Rebellionen, Repressionen, durch Kampf gewonnenen Konzessionen, Assoziationen der zur Verteidigung vereinigten Eroberer, beim gegenwĂ€rtigen Zustand der Gesellschaft angelangt, in welchem einige den Boden und allen sozialen Reichtum ererbt haben, wĂ€hrend die Masse des Volkes, in jeder Beziehung enterbt, von einer kleinen besitzenden Klasse ausgebeutet und unterdrĂŒckt wird.

Von all diesen Ursachen rĂŒhrt das Elend her, in welchem die meisten Arbeiter heute leben, und das wiederum schafft all die Übel wie Unwissenheit, Verbrechen, Prostitution, Krankheiten, die von UnterernĂ€hrung herrĂŒhren, geistige Depressionen und vorzeitigen Tod. Eine Sonderklasse (die Regierung) erwĂ€chst aus diesen Gegebenheiten, die, mit den notwendigen Mitteln der Repression versehen, besteht, um die besitzende Klasse zu legalisieren und sie vor den Forderungen der Arbeiter zu beschĂŒtzen; und dann benutzt sie die ihr zu Gebote stehende Macht, um Privilegien fĂŒr sich selbst zu schaffen und, wenn möglich, die besitzende Klasse selbst auch noch zu unterwerfen. Die andere privilegierte Klasse, die entsteht, ist die Geistlichkeit, die die UnterdrĂŒckten durch eine Reihe von MĂ€rchen ĂŒber den Willen Gottes und ĂŒber ein Leben nach dem Tode usw. zu ĂŒberreden sucht, ihre UnterdrĂŒckung sanftmĂŒtig zu akzeptieren, und auch diese Klasse (nicht anders als die Regierung) dient sowohl den Interessen der besitzenden Klasse als auch den eigenen. Eine offizielle Wissenschaft entsteht, die in allen Dingen die Interessen der herrschenden Klasse unterstĂŒtzt und damit die Negation jeder wahren Wissenschaft ist. Nationalistischer Geist und Rassenhaß erwachen, die zu Kriegen fĂŒhren oder zu WaffenstillstĂ€nden, d. h. Frieden in Waffen, die manchmal furchtbarer sind als die Kriege selbst. Liebe wird in QuĂ€lerei oder schmutziges GeschĂ€ft pervertiert. Mehr oder weniger versteckter Haß, RivalitĂ€t, allgemeines Mißtrauen, Unsicherheit und universale Angst sind die Folge.

Wir wollen diese Lage der Dinge radikal verĂ€ndern. Und da all diese Übel ihren Ursprung in einem Kampf zwischen Menschen haben, in dem Versuch, durch eigene Anstrengungen fĂŒr sich selbst und gegen die Interessen aller anderen zu Wohlsein und Wohlstand zu gelangen, wollen wir Änderungen vornehmen, die Haß durch Liebe ersetzen sollen, Konkurrenz durch SolidaritĂ€t, die individuelle Suche nach persönlichem Wohlergehen durch brĂŒderliche Kooperation fĂŒr das Wohlergehen aller, UnterdrĂŒckung und Zwang durch Freiheit, die religiöse und pseudo-wissenschaftliche LĂŒge durch die Wahrheit.

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Quelle: Fau-fl.org