April 30, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Das Sekretariat der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation (IAA) hat folgenden Aufruf zum Ersten Mai veröffentlicht, in SolidaritÀt mit den weltweiten Arbeiter*innen und in Gedenken der MÀrtyrer von Chicago:

„Dieses Jahr ist der 135. Jahrestag der Haymarket-Revolte in Chicago (USA) von 1886, bei der die Polizei und die Justizbehörden den Generalstreik unterdrĂŒckt haben, zum dem die Arbeiter*bewegung in Verteidigung des 8-Stunden-Arbeitstages aufgerufen hatte.

Obwohl dieser repressive Prozess sich letztlich konkret gegen acht Arbeiter richtete, war die UnterdrĂŒckung willkĂŒrlich. Wobei die Polizei und der Justizapparat mehr als dreißig Arbeiter*innen festgenommen und ihnen Teilnahme an der Veranstaltung am Haymarket vorgeworfen hatten. WĂ€hrend dieser Kundgebung von Arbeiter*innen kam es zu brutaler Repression nachdem ein Unbekannter einen Sprengkörper gegen die PolizeikrĂ€fte geworfen hatte und einen der Söldner tötete.

Im Jahr darauf, 1887, gipfelte diese Repression in dem Staatsmord an fĂŒnf anarchistischen Aktivisten der Arbeiterklasse, die durch erhĂ€ngen umgebracht wurden. International sind sie bekannt geworden als die MĂ€rtyrer von Chicago: Albert Parsons (Journalist), George Engel (Drucker), Adolf Fisher (Journalist), August Spies (Journalist) and Louis Lingg (Zimmermann). Zwei weitere wurden zu lebenslanger Haft verurteilt: Samuel Fielden (Textilarbeiter) und Michael Schwab (Drucker). Außerdem wurde Oscar Neebe (VerkĂ€ufer) zu fĂŒnfzehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.


Zu dieser Zeit verbreiteten sich die Organisationen von Arbeiter*innen und auch die Ideen der proletarischen sozialen Revolution wurden verbreitet. Einige Jahre zuvor, 1866, wurde die “Internationale Arbeiter-Assoziation“ gegrĂŒndet, um auf die emanzipatorischen Bestrebungen der internationalistischen Arbeiter*bewegung zu reagieren. Die Stimmen, welche durch den Strang zum Schweigen gebracht wurden, riefen rund um den Globus ein Echo hervor. Daher wurde aus dem Ersten Mai eine Gedenkveranstaltung der internationalen Arbeiter*bewegung.

Wiedermal waren UnterdrĂŒckung und Verfolgung die einzige Antwort des Staates auf die Organisation und Agitation von Arbeiter*innen, welche fĂŒr den Acht-Stunden-Tag und den Generalstreik kĂ€mpften. Aber weil es nicht möglich war, eine gesamte Klasse fĂŒr ihre Bestrebungen und ihre KĂ€mpfe zu unterdrĂŒcken, mussten sich die kapitalistischen Klassen eine kleine Anzahl aktiver Arbeiter heraussuchen, um die gesamte Arbeiter*klasse fĂŒr ihren Mut zu bestrafen.

Die Repression von Chicago zeigte erneut die kapitalistische Grausamkeit gegenĂŒber der Arbeiter*bewegung auf und sie war zudem eine deutliche Lektion darin, was man von den Klassenfeinden Staat und Kapital zu erwarten hat. Dennoch stand und steht dieser Fall bis heute als eine Flagge, die erhoben wird zur Verteidigung der sozialen Gerechtigkeit und der emazipatorischen Bestrebungen der Arbeiter*klasse und der anarchistischen Ideen.

Der Mord an den Chicago-MĂ€rtyrern von 1886 hat sich eingeprĂ€gt ins Bewußtsein von Millionen Arbeiter*innen als die Ungerechtigkeit der kapitalistischen Gesellschaft. Und dies hat viele Organisationen dazu gebracht, freiheitliche Ideale anzunehmen, wobei einige auch bewusst die Ideen vergessen haben, welche die MĂ€rtyrer von Chicago geteilt hatten.

„Der Tag wird kommen, an dem unser Schweigen stĂ€rker ist als die Stimmen, die ihr heute erdrosselt.“ (August Spies)

Die Geschichte hat sehr deutlich gezeigt, dass die Organisationen der Arbeiter*innen den Parteien fernbleiben mĂŒssen, ebenso wie allen anderen Gruppierungen, welche die politische Macht erobern wollen.

Der revolutionĂ€re Syndikalismus, der in Vergangenheit und Gegenwart einen Teil der Arbeiter*bewegung ausmacht, lehnt jede parlamentarische BetĂ€tigung und jede Zusammenarbeit mit der Staatsmacht ab. Denn er geht davon aus, dass das Wahlrecht nur ein juristisches Trugbild darstellt, um das Reich der LĂŒgen, sozialer Ungerechtigkeiten und kapitalistischer Ausbeutung zu beschönigen.

Außerdem unterstĂŒtzt der revolutionĂ€re Syndikalismus die direkte Aktion, welche das hauptsĂ€chliche Mittel des Kampfes darstellt: Streik, Boykott, Sabotage usw. Die direkte Aktion drĂŒckt sich am stĂ€rksten durch den Generalstreik aus, welcher gleichzeitig aus Sicht der revolutionĂ€ren Gewerkschaftsbewegung ein Auftakt zur sozialen Revolution sein muss.

Von der Folterungen und Hinrichtungen in der Festung MontjuĂŻc in Spanien und der Zwangsarbeit in den Sammellagern im russischen Sibirien bis zu den Galgen und Elektrischen StĂŒhlen in den USA – die Repression ist das Instrument, welches Staat und Kapitalismus zu allen Zeiten benutzt haben, um die Arbeiter*klasse zu unterdrĂŒcken sobald sie es schafft, eine Gefahr fĂŒr die Privilegien der kapitalistischen Klassen zu werden.

Momentan muss die Arbeiter*klasse sich noch viel mehr anstrengen, um ein ausreichendes Maß an Organisationen zu erreichen, welches nötig ist, bessere wirtschaftliche, politische und soziale Bedingungen durch Klassenkampf und Internationalismus zu erreichen. Aus diesem Grund ist es nötiger denn je, sich der GrundsĂ€tze des revolutionĂ€ren Syndikalismus und der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation bewusst zu werden, sich dafĂŒr zu organisieren und zu kĂ€mpfen.

Es lebe der Erste Mai!
Es lebe die IAA!

Quelle:
https://iwa-ait.org/content/international-declaration-solidarity-workers-may-1

Übersetzung:
Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk – ASN Köln

Hintergrundinformationen:
„Der 8-Stunden Tag, die Anarchisten und die IWPA: Haymarket und die Radikalisierung der arbeitsrechtlichen Forderungen in den 1880er Jahren“

Creative Commons: BY-NC




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org