Juli 18, 2021
Von Emrawi
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Über einen Teil des Bildes der Gruppe UL1913 wurde ein neues gemalt. Auf diesem war “Burn The Toxic Patriarchy” und “Life is queer” zu lesen.

Am ĂŒbrigen UL-Bild wurden Symboliken aus Anarchistischen und queer-feministischen Kontexten, sowie die

SprĂŒche “Macker Jagen” und “Love Wacker Hate Macker” verteilt.

Diese Statements und das Bild wurden von der Gruppe UL1913 sofort am nĂ€chsten Tag wieder ĂŒbermalt und ihr Bild somit in seinen ursprĂŒnglichen Zustand gebracht.

Doch was liegt dieser Aktion Zugrunde?

Purer MĂ€nner-Hass? Hass auf die Gruppe oder MĂ€nnerfussball allgemein?

Vielleicht zum Teil…ist aber zu einfach-denn was untergeht, wenn du es dabei belĂ€sst und ausschließlich so betrachtest ist die Tatsache, dass fĂŒr das Bild der Gruppe Unterland 1913 mal wieder ein Bild mit feministischem Inhalt Platz machen musste. Es sich also auch nicht um eine Aktion,sondern eine Reaktion handelt.

Denn an jener Stelle,wo sich jetzt das Unterland-Bild befindet, war seit dem 8.MÀrz ein kÀmpferisch-feministisches Bild zu sehen.

Und vorweg: ja, uns ist klar dass es an dem Ort rechtlich erlaubt ist zu malen und es deshalb prinzipiell um die Lebensdauer von Bildern schlecht bestellt ist. Auch ist uns klar, dass fĂŒr das Bild der Gruppe noch mehr ĂŒbermalt wurde als eines mit feministischem Inhalt.

Allerdings ist es auch so, dass an jenem Ort durchaus mehr Platz ist und die Gruppe auch andere Bilder ĂŒbermalen hĂ€tte können, was sie nicht getan hat.

Was das ganze zur Spitze treibt ist, dass der Schriftzug der Gruppe mit den vier “Droogies” aus dem verfilmten Roman Clockwork-Orange “verziert” ist.

Und hierbei geht es uns nicht um die Story an und fĂŒr sich, die im weitesten Sinne eine-durchaus berechtigte- Kritik am etablierten “Knast+Verwahrung=Resozialisierung”-Prinzips ist. Aber auch wieder eine Geschichte, die von einem Mann geschrieben ist, in der MĂ€nner Hauptakteure sind und Frauen sexualisierte Gewalt erfahren mĂŒssen.

Es geht hier vor allem um zwei Punkte…

Punkt eins:

Jene von uns die, die Ultrakultur in Stadien schĂ€tzen und deshalb aktive Fangruppen im deutschsprachigen Raum beobachten, kennen eine Verehrung dieser fiktiven Gruppe junger mĂ€nnlicher “Randalemacher” – die wenig bis nichts mit der Geschichte des Romans/Films zu tun hat, sondern fast ausschließlich mit dem Auftreten der Droogies. Vor allem beobachten wir diese Verehrung in Ultra- und Hooligan-Gruppen die sich von rechtem Gedankengut entweder nicht abgrenzen (wollen) oder offen rechts sind. Meist geht dies damit einher, dass diese Gruppen die Aufnahme von Frauen und Personen die dem “traditionellen mĂ€nnlichen Rollenbild” nicht entsprechen-stark, BeschĂŒtzer, heterosexuell- sehr kritisch betrachten oder komplett ablehnen. Sie also mĂ€nnerbĂŒndisch organisiert sind.

Punkt zwei:

Was ist an einer uneingeschrĂ€nkten Verehrung der “Droogies” problematisch?

Es handelt sich um eine Gruppe von jungen MĂ€nnern deren Flucht aus der Langeweile darin besteht sich an einer so genannten “Ultraviolence” zu berauschen. RĂ€usche die unter anderem dazu fĂŒhren, dass sie wohnungslose Menschen zu tode prĂŒgeln und Frauen vergewaltigen.

Eine Verehrung der “Droogies”(teils auch “Droogs” oder “Droogieboys” genannt), herausgerissen aus dem Konstrukt des Romans, ohne die Taten der Droogs infrage zu stellen gleicht somit einem symbolischen Angriff auf solidarische, sowie emanzipatorisch-feministische Ideen und Strukturen.

Und in Innsbruck befindet sich ein Abbild dieser sexistischen, gewaltvollen MĂ€nner-Bande genau ĂŒber einem Bild mit feministischem Inhalt.

Mit diesen Punkten im Hinterkopf ist es fĂŒr uns ein Ding der Unmöglichkeit, das Bild der Gruppe UL1913 an seinem aktuellen Ort als Zufall zu begreifen. Wo der Ort doch zusĂ€tzlich auch die Möglichkeit bietet sich in Ruhe genau zu ĂŒberlegen wo ich welches Bild male.

Wir können es nur als Akt der Provokation verstehen. Als Aktion die die Meinung der Gruppe Unterland 1913 zu emanzipatorisch-feministischen Inhalten und Entwicklungen offenbart.

Hinzu kommt die Tatsache, dass in Innsbruck -wie auch andernorts ,unter anderen,in Österreich- generell Bilder, Tags(Symbole und Ă€hnliche Kurzzeichen) oder auch Sticker mit feministischem Inhalt eine sehr viel kĂŒrzere Lebensdauer im öffentlichen Raum haben als jene mit anderen Inhalten.

Das wollen einzelne Menschen nicht lĂ€nger hinnehmen und haben beschlossen ihrem Ärger Raum zu geben.

Nicht zuletzt ist es uns wichtig, die Reaktion nicht als Angriff auf die gesamte Wacker-Fanszene zu missverstehen. Eine Szene, die in den vergangenen Jahrzehnten österreichweit dafĂŒr bekannt war, offen stabile linke Politik in der Kurve zu betreiben – zeitweise als einzige aktive Fanszene im österreichischen Profifussball der MĂ€nner.

/Anmerkung/ Sticker wie Fussball, Ficken, Feminismus finden wir toll.

Links positionierte Wacker Fankultur auch.

Somit bleibt die Nacht im Mai eine spezifische Reaktion auf eine Aktion der Gruppe Unterland 1913. Eine Aktion die viel ĂŒber diese Gruppe aussagt. Eine Gruppe die zudem auch schon in dubiosen, rechten, verschwörungsideologischen Kreisen gesichtet wurde.

Schließen wollen wir mit einer Message an unsere cis-mĂ€nnlichenÂč GefĂ€hrten/Genossen.

Unsere Reaktion wurde unabgesprochener Weise von einem cis-Mann gestartet und fuehrte zu Verwirrungen der Reaktion.

Und so wurde ihr Beginn vereinnahmt, deshalb sei erwÀhnt:

Lasst uns unsere (Rache-)Aktionen!Vereinnahmt sie nicht!

Ihr habt schon so viel Platz!Ist es wirklich nötig uns auch hier die erste Reihe zu nehmen?!

Ja,es ist toll wenn ihr euch mit uns solidarisieren und kĂ€mpfen wollt. Wenn ihr aber die verschiedenen KĂ€mpfe gegen UnterdrĂŒckung und Ausbeutung verknĂŒpfen, oder euch mit ihnen solidarisieren wollt, bedeutet das nicht automatisch dass ihr all diese KĂ€mpfe in der ersten Reihe fĂŒhrt! Es bedeutet, euren Platz in den verschiedenen KĂ€mpfen zu finden und die direkt Betroffenen in diesem Fall uns FLINTA*s-voran gehen zu lassen.

Wir wollen auch andere Gruppen, ermutigen mit feministischen Grafitti weiter zu machen, wir wissen aber auch aus vielen Staedten, dass es nicht einfach ist, diese zu erhalten.

Feminismus geht nicht ohne Antirassismus und Antifaschismus.

Antifaschismus und Antirassismus gehen nicht ohne Feminismus.

ÂčAls cis-mĂ€nnlich bzw. cis-weiblich bezeichnen sich Menschen die sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren können.




Quelle: Emrawi.org