November 25, 2021
Von Indymedia
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Es heißt Femizid!  Am Amtsgericht Burg (Sachsen-Anhalt) wurde vor zwei Wochen ein Boxer, der seiner Exfreundin mehrfach den Kiefer gebrochen hatte, lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht hat von einer Verurteilung wegen Körperverletzung abgesehen und das Verfahren gegen Zahlung eingestellt. Der MDR schreibt dazu: “Laut Richter Leopold hĂ€tte Schwarz den Schlag als Profiboxer aber anders dosieren mĂŒssen. Allerdings habe sich auch das Opfer an dem Abend “nicht mit Ruhm bekleckert”, so der Richter.” (https://www.mdr.de/sport/boxen/prozess-gegen-boxer-tom-schwarz-wegen-faustschlag-gegen-ex-freundin-eingestellt100.html) So wird Gewalt gegen FrauenÂč von der Justiz verharmlost und normalisiert!   In Aschersleben wurde im November dieses Jahres die 14-JĂ€hrige Josefine ermordet. Der mutmaßliche TĂ€ter ist der Exfreund der Getöteten. In Chatgruppen gab er an, dass er von ihr genervt gewesen sei.In Deutschland wird beinahe jeden dritten Tag eine FrauÂč oder Person, der Weiblichkeit zugeschrieben wird, durch ihren (Ex-)Partner ermordet. Fast tĂ€glich findet ein Tötungsversuch statt.   Allein in Sachsen Anhalt sind seit 1990 mindestens 20 Femizide verĂŒbt worden.Doch diese Zahl ist unvollstĂ€ndig. Das liegt daran, dass es keine einheitliche Statistik ĂŒber begangene Femizide gibt. In der polizeilichen Kriminalstatistik tauchen lediglich einige als Teil der Dokumentation von sogenannter Partnerschaftsgewalt auf. Das Motiv Misogynie findet dort keine ErwĂ€hnung.  Dazu kommt, dass trans Frauen, die keine PersonenstansdĂ€nderung vorgenommen haben, Inter- oder Nicht-BinĂ€re Menschen in der Statistik unsichtbar gemacht werden. Zum Teil werden sie der Kategorie „mĂ€nnliche Opfer“ zugeteilt.Zudem ist die mediale Berichterstattung geprĂ€gt von Unsichtbarmachung, Verharmlosung und rassistischen Zuschreibungen. Statt Femizide als solche zu benennen, schreiben Journalist*innen oft von „Eifersuchtsdrama“ – „Familientragödie“ – „Beziehungstat“. Das sind Begriffe, die traurige „SchicksalsschlĂ€ge“ oder GefĂŒhle und Streit beschreiben, ohne MachtverhĂ€ltnisse zu benennen. Das sind Begriffe, die das geschehene Verbrechen verharmlosen. Der Begriff Femizid bezeichnet Morde an FrauenÂč, die Ausdruck einergesellschaftlichen Abwertung von Weiblichkeit sind und als Zuspitzung einer Vielzahl von geschlechtsbezogenen Gewaltformen gegen FrauenÂč begangen werden.Femizide sind weltweit zu beobachten und gehen aus einer strukturellenSchlechterstellung von FrauenÂč in der Gesellschaft hervor.  Femizide geschehen in allen gesellschaftlichen Gruppen – und betreffen FrauenÂč jeden Alters.  Wir möchten den Ermordeten gedenken – und rufen dazu auf, Blumen und Kerzen unter ihre Namen zu legen.  Es heißt Femizid! 


 Âč Nicht nur Frauen werden Opfer misogyner Gewalt, sondern auch Menschen, denen Weiblichkeit von der Gesellschaft zugeschrieben wird. Wenn wir Frauen schreiben, meinen wir die gesellschaftliche Kategorie.




Quelle: De.indymedia.org